Trotzphase- andauernd Strafen und sie lacht sich einfach nur schlapp

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von celia79 27.08.07 - 11:44 Uhr

Hallo ihr Lieben,

meine Tochter wird im Dezember 3 Jahre alt und geht ab November in den Kindergarten. Ende Januar bekommen wir dann unser 2. Baby.
Jetzt zu meinem Problem:
Meine Tochter ist im Moment wieder in einer Trotzphase, allerdings weiss ich nicht, ob es einfach am Alter liegt, oder daran, dass sie meinen Bauch wachsen sieht.
Denn sie sagt mir oft, dass sie keinen Bruder/Schwester haben möchte und auch die Gegenstände wie Krabbeldecken etc. die wir schon im Babyzimmer liegen haben, nimmt sie sich oft und spielt damit. Ist ja auch kein Problem, nur sagt sie andauernd, dass das Baby sie nicht bekommt und sie sagt das richtig hasserfüllt. Dabei versuchen wir alles, damit sie nicht eifersüchtig sein muss.
Gestern hat sie sogar den Sohn meiner Freundin (14 Monate) dauernd versucht umzuschubsen und einmal hat sie sogar richtig nach ihm getreten #schock weil er zu mir kam. Schimpfe ich dann mit ihr, benimmt sie sich richtig albern, sie fängt an zu lachen und macht nur Sch....
Mittlerweile zieht sich sowas über den ganzen Tag hinweg, sie provoziert wo es nur geht und lacht sich anschliessend über Schimpfe kaputt. Nun würde ich schon sagen, dass ich konsequent bin. Eine angedrohte Strafe habe ich bisher immer wahr gemacht. Allerdings hält sie das nicht davon ab, alle 5 min. etwas neues zu machen, um mich zu ärgern.
Sie hat sich beispielsweise auch angewöhnt Spucke aus dem Mund laufen zu lassen oder beschmiert damit die Fenster oder sogar uns!
Wie geht ihr mit solchen Dingen um? Ich bin mittlerweile den ganzen Tag nur noch am schimpfen und Strafen am androhen, aber dass kann es doch nicht sein??? Und dauernd in die stille Ecke stellen kann es ja auch nicht sein. Es muss doch auch langsam mal etwas bringen, aber scheinbar hat sie auch noch Spass daran.
Auch nachts wird sie wieder oft wach und ruft ohne erkennbaren Grund nach uns, jedenfalls sagt sie dann es wäre nix. Morgens ist sie schon zwischen 6 und 7 wach und ist natürlich dementsprechend gelaunt.

Kennt ihr sowas? Und wie oft sprecht ihr Strafen aus? Wie geht ihr damit um?

Liebe Grüsse Celia.

Beitrag von katrinka234 27.08.07 - 13:00 Uhr

Hallo,

meine kleine ist erst 5 Monate, daher kenne ich das nicht persönlich, kann mir aber ganz gut vorstellen, was bei euch los ist.
Wie geht deine Tochter denn mit dem Kindergarten um? Könnte natürlich sein, dass sie sich abgeschoben fühlt, wenn das Geschwisterchen kommt, da es zeitlich ja eng beeinander liegt und Kinder schon auf komische Gedanken kommen können.

Darf ich mal bescheiden fragen ,was ihr gegen die Eifersucht so tut? - ich möchte nämlich auch gerne noch ein 2. Kind.

Ansonsten bietet unsere Klinik regelmäßig eine "Geschwisterschule" an, wo die Kinder auf die Ankunft des NAchwuchses vorbereitet werden.

Ansonsten würde ich ihr das Gefühl geben, dass du sie zum einen nicht weniger lieb hast als vorher - im Moment glaubt sie das bestimmt nicht, sie bekommt ja nur noch Strafen (auch wenn sie diese selbst verschuldet).

Und dann würde ich ihre Hilfe bei der Vorbereitung fürs Baby einfordern.
Also ungefähr: "Wir basteln jetzt zusammen ein Mobile (oder sonst was) fürs Baby und danach gehen wir beide ganz alleine in den Zoo und essen da ein großes Eis oder so."
WEnn sie sich nicht benimmt, wäre die logische Konsequenz nicht in den Zoo zu gehen....

So, das waren jetzt nicht so die Tipps und ob es so funktionieren würde, weiß ich nicht. Nur so würde ich es dann in ein paar Jahren machen.

Liebe Grüße

Katrin

Beitrag von celia79 27.08.07 - 13:10 Uhr

Hallo Katrin,

danke für Deine Antwort.
Auf den Kindergarten freut sie sich total, es dauert ja auch noch 2 Monate, wir gehen ab und zu aber schonmal schnuppern. Und da dort 3 Freunde von ihr sind, freut sie sich noch mehr. Wir haben ihr schon eine KiGA Tasche, Trinkflasche und Butterbrotdose gekauft, auf die sie ganz stolz ist. Und wir haben es sogar extra zeitlich früher eingeplant, dass sie dort hingeht. Eigentlich sollte sie erst ab Januar gehen-aber genau aus dem Grund, dass sie sich nicht abgeschoben fühlt, haben wir es nun schon etwas früher geplant.
Das gute ist, dass der KIGA dort sehr einfühlsam mit den Kleinen umgeht. Ich darf einen Monat lang 3 Tage die Woche vorher mit ihr zusammen hinkommen, und dann wird von Woche zu Woche die Mama immer mehr verschwinden.

Tja, was wir gegen die Eifersucht tun:
-Sie wird in alle Sachen, die mit dem Baby zu tun haben einbezogen. Sie geht mit mir zum Ultraschall, sie darf das Zimmer aussuchen, sie darf mit all den Sachen spielen, die schon im Zimmer liegen.
-Sie möchte jeden Morgen Guten Tag Baby sagen und den Bauch streicheln.
-Ich halte sie nicht vom Bauch fern, wenn wir mal toben.
-Ich rede mit ihr über das Baby und sage ihr immer wieder, dass sie dann die grosse Schwester sein wird
-Dass sie alles mitmachen darf, wickeln, füttern, spielen etc.
-Ich sage ihr oft, dass ich sie sehr lieb habe und dass das auch so bleibt, wenn das Kleine da ist

und und und.... alles was mir eben so einfällt.
Und trotzdem, manchmal habe ich das Gefühl, es geht einfach so an ihr vorbei und die Eifersucht ist trotzdem gross.

Liebe Grüsse, Celia.

Beitrag von cajamarca 27.08.07 - 13:20 Uhr

Habe deine Antwort erst jetzt gelesen. Dann sind meine Tipps weiter unten nicht mehr aktuell, ihr macht das schon alles ganz richtig.

Beitrag von katrinka234 27.08.07 - 15:12 Uhr

Hmmm......ist ja Wahnsinn, dass sie bei all dem immer noch einfersüchtig ist.

Dann halte ich jetzt mal lieber meine Klappe, da kann ich echt nichts mehr zu sagen, auch wenn ich dir gerne helfen würde....mir fällt nichts mehr ein...

Beitrag von celia79 27.08.07 - 13:14 Uhr

ach ja, hab noch was vergessen. Das mit dem Basteln machen wir schon und wir unternehmen auch sehr viel zusammen. Wir gehen zusätzlich noch 1x die Woche in den Liedergarten und 1x schwimmen.
Und das androhen, dass wir dort nicht hingehen, wenn sie sich nicht benimmt, hilft zwar für diese kurze Zeit, danach fängt aber alles wieder von vorne an. Und wir sind auch schon nicht gegangen.
Aus den Augen aus dem Sinn...

Beitrag von cajamarca 27.08.07 - 13:29 Uhr

Was mich aber trotzdem beschäftigt, ist dass ihr irgendwie aus dieser konfliktuellen Beziehung mit eurer Tochter herauskommen müsst. Das Kind scheint unglücklich zu sein, und ihr steigert euch mit ihr in eine Spirale von Strafen und Provokationen herein. Vergiss nicht, dass deine Tochter noch wirklich ganz klein ist, und mit ihren Gefühlen nicht richtig umgehen kann. Ich kann das ein wenig einschätzen, meine Tochter wird im Oktober drei, und ich kann mir ganz schwer vorstellen, ihr den ganzen Tag mit Strafen und Konsequenzen zu drohen. Würde bei ihr auch gar nicht funktionieren. Andererseits waren wir aber auch noch nie in einer Lage, wo das nötig war. Wie ihr aus dieser verfahrenen Situation wieder rauskommt kann ich dir leider nicht sagen. Mehr lachen, weniger schimpfen... das wäre bei uns vielleicht der Ansatz einer Lösung. Und sich immer wieder klarmachen, dass man der Erwachsene ist, dass man geduldig bleiben muss.

Beitrag von cajamarca 27.08.07 - 13:17 Uhr

Hallo Celia

Das klingt so, als ob deine Tochter sehr unglücklich sei. Ich glaube nicht, dass Strafen hier die Lösung ist. Ich denke auch nicht, dass sie dich ärgern möchte, sie scheint einfach nicht zu wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen soll und sie sucht nach ihrem Platz, testet aus, ob eure Liebe immer noch bedingungslos ist und fühlt sich wahrscheinlich einfach verunsichert und unglücklich. Was nicht heisst, dass ihr ihr alles durchgehen lassen sollt (das würde sie noch mehr verunsichern), aber vielleicht könnt ihr sie noch mehr in die Schwangerschaft mit einbeziehen? Hat sie Bücher über das Thema? Wie redet ihr darüber? Darf sie vielleicht den einen oder anderen Gegenstand für das Baby mit aussuchen?

Bleibt konsequent, aber sagt ihr ganz oft, dass ihr sie noch genauso lieb habt, dass ihr Geschwisterchen sie schon lieb hat und sich auf sie freut. Meine Tochter muss auch ganz oft betonen, dass es IHR Bruder ist, also ihre Beziehung (und in gewissem Sinn ihren Besitzanspruch :-)) nach vorne stellen. Vielleicht kannst du ihr vor dem Schlafengehen kleine Geschichten erzählen. Meine Tochter liebt es, wenn ich ihr vom Asta-Vogel und dem Thilo-Vogel erzähle, zwei Vogelgeschwister die auf den Mond fliegen, und der grosse Asta-Vogel trägt den kleinen Bruder ein Stück auf ihrem Rücken, weil er noch nicht so gut fliegen kann. Ach, einfach kleine Geschichten die ihre Fragen, ihre Ängste, ihre Erlebnisse vom Tag widerspiegeln und ihr Geschwisterchen auf eine positive und für sie aufwertende Weise mit einbezieht.

LG Anke

Beitrag von hen71 29.08.07 - 14:51 Uhr

Sorry, off-topic:

Ach, das ist ja mal wieder schoen, von Dir zu hoeren/lesen, Anke!#blume

Die Vogel-Geschichte finde ich auch ganz wunderbar- obwohl sich bei uns- trotz allem paedagogischen Impetus', entsprechender Buecher (selbst-geliehen, nicht erdacht#hicks), Aktionen, Spiele, etwas sinnvoll gemeinsam, aber auch einzeln machen usw., -die Reibereien der zwei aelteren Brueder nicht ganz vermeiden lassen- hoechstens phasenweise.
Und dann knuddeln und herzen sie sich wieder und bestehen auf "ihrem" Bruder.

Als Eltern versuchen wir natuerlich unser bestes- aber ganz laesst sich die Eifersucht und die Konkurrenz nicht verbannen. Ausserdem sind ALLE unsre Familienmitglieder sehr dickkoepfig, die Eltern eingeschlossen, und so geht es nicht immer ganz harmonisch zu. Aber wir bemuehen uns taeglich...

Liebe Gruesse an Deine gewachsene Familie,
Caroline und die Dreierbande

Beitrag von cajamarca 30.08.07 - 10:10 Uhr

Hallo Caroline

Schön, von dir zu hören! Ja, irgendwie komme ich halt doch nie ganz von Urbia weg :-).

Du, natürlich wird es immer Eifersucht und Konkurrenz zwischen Geschwistern geben, und vielleicht noch mehr wenn sie das gleiche Geschlecht haben und sich mehr vergleichen/verglichen werden. Ich hab noch gut reden: wenn Thilo erst einmal voll "mit dabei" ist, so in sechs Monaten oder einem Jahr, wird Asta natürlich auch anders reagieren. Mir tat nur das Kind im Ausgangsposting etwas leid: es ist eindeutig verstört und unglücklich, und dann wird überlegt, wie man es "besser" strafen könnte.

Ja, meine beiden wachsen und gedeihen. Asta fängt am Montag die Vorschule an (entspricht dem deutschen Kindergarten). Wir haben ein kleines Haus gekauft und ziehen diesen Herbst um, und mir ist gekündigt worden und ich suche nach einer neuen Arbeit. Das sind ein Haufen Veränderungen in nächster Zeit.

LG Anke

Beitrag von hen71 31.08.07 - 10:38 Uhr

Hallo Anke,

Habe Dir auf PN geschrieben- wegen "Rahmensprengung" :-)usw.,

liebe Gruesse,
Caroline

Beitrag von arwelya 27.08.07 - 15:58 Uhr

Hallo,

uhhh, bei uns lief es genauso ab. Kevin dachte auch er muesse Spucke aus seinem Mund laufen lassen. Echt schlimm. Wir waren immer sehr konsequent. Bei uns gab es zwei Androhungen und dann wurde die Strafe auch durchgezogen.
Klar werden jetzt mache ausrasten wenn ich erzaehle wie unsere "Strafen" aussehen, aber sie wirken und man kann richtig sehen wie Kevin zwei mal nach denkt ob er nun das Essen quer uebern Tisch in sein Bruders Gesicht wirft.
Bei uns gibt es "Time Out". Ein kleiner Stuhl in die Ecke und ne Eieruhr neben dran. Natuerlich schoen weit weg von allem Spielzeug und Sachen die interessant sein koennten. Meist bekommt er ne Time Out fuer 10 Minuten. Wenns ganz schlimm ist dann muss er sich mit der Nase an die Wand stellen. Das mag er garnicht. Da muss er dann 3-5 Minuten stehen. Musste er allerdings nur 3 mal machen. Das letzte mal weil er mir in den grossen Fusszeh gebissen hat. Klar erklaeren wir warum und wieso und weshalb. Zuvor, ohne Time Out und "Nase an die Wand" und nur mit Erklaerungen, ging gar nichts. Jetzt sieht es so aus als hoere Kevin endlich zu. Ich muss nur einen Blick auf den Stuhl werfen und er weis was Sache ist. Er hat keine Angst vor mir und bekommt NIE irgendwelche Klapse, aber es ist eben stinke langweilig in der Ecke zu sitzen.
Er hat auch keinerlei Grund eifersuechtig zu sein, denn ich reisse mir wirklich den Hintern auf damit beide Kids gleich viel Aufmerksamkeit bekommen. Muss sein.
Ab und an hat er natuerlich wieder Trotzphasen, aber das ist eben normal.

LG und viel Glueck

Arwelya

Beitrag von lily76 27.08.07 - 16:42 Uhr

Hallo Arwelya,

also, ausrasten tu ich nicht, aber Kritik muss ich schon üben.
Das mit dem "Stillen Stuhl" finde ich in Ausnahmefällen o.k., aber es sollte nicht inflationär gebraucht werden.
Ein Kind mit dem Gesicht zur Wand zu stellen geht gar nicht, das ist demütigend und hat was von "An-den-Pranger-stellen".
Bist Du Dir sicher, dass Dein Sohn keine Angst vor dieser Demütigung hat?

Ich finde es schrecklich, wenn immer und immer gleich gestraft werden muss. Eine Strafe sollte für etwas wirklich Heftiges aufgehoben werden (wobei ich spucken im Wiederholungsfall dazuzählen würde). Aber dieses ständige Drohen, Strafen, Drohen, Strafen führt in eine - wie oben schon gesagt - Konfliktspirale zwischen Eltern und Kind, die ganz bestimmt nicht förderlich für das Verhältnis ist.

LG Lily

Beitrag von arwelya 28.08.07 - 02:33 Uhr

Hey Du,

ja sicher hast Du Recht mit dem was Du sagst. Allerdings Drohe ich nicht lange.
Wenn ich meinen Sohn mit der Nase an die Wand stelle dann sicher nicht um ihn zu Demuehtigen. Sondern einfach darum weil selbst auf dem "Time Out Chair" findet er noch viele viele Moeglichkeiten sich zu beschaeftigen. Wenn es also so weit kommt das er mit der Nase an der Wand steht dann deswegen weil ich moechte das er ueber das nach denkt, was ich ihm bevor er da stehen muss, was ich ihm zuvor erklaerte. Und ich muss sagen es wirkt Wunder. Ich weiss ich kann nicht in seine Gedanken schauen aber ich weiss wie mein Kleiner reagiert wenn er Angst hat. Es sind nur verdammt langweilige 3 Minuten. Das ist alles.
Wir sind was die Erziehung unserer Wuermer angeht etwas "strenger". Wir hauen unsere Kinder nie! Aber, bevor ich zwei kleine Monster (EXTREM FALL) grossziehe, die andere Kids auf dem Spielplatz oder Kindergarten anspucken, dann denke ich doch, wenn ich ihn nun so betrachte, das ich einen super Job hingelegt habe (bis jetzt).
Wir haben den Mittelweg gefunden und darauf bin ich stolz. Er wird wenn er 14 Jahre alt alten Leuten die Tuer aufhalten und von seinen Stuhl aufstehen wenn jemand aelteres sich setzen moechte.
Er darf z.B. nicht aufstehen bevor alle am Tisch fertig sind. Freundinen von mir essen mit ihren Kleinen nicht mal an einen Tisch...sondern das Kind sitzt vorm Fernseher.
Mein Kleiner muss sich nach dem Mittagessen mit sich selbst beschaeftigen. Puzzeln oder so (100 Teile) und dann spielen wir Schule (was er liebt). In zwei Sprachen wird er erzogen (wir wohnen in den U.S.A) und ja, wir sind bissi strenger. Aber wir sehen das es Fruchtet.

Danke fuers zuhoeren.

LG Arwelya

Beitrag von lily76 28.08.07 - 05:44 Uhr

Hallo Arwelya,

danke für Deine Antwort. Zunächst mal: Ich finde es toll, dass Ihr Eure Kinder nicht haut! Und ich glaube Dir auch, dass Du es bisher super hingekriegt hast mit Deinen Kindern!
Ich habe auch überhaupt nichts dagegen, dass es klare Regeln gibt. Das finde ich für Kinder ganz, ganz wichtig. Rituale wir gemeinsam essen usw. gefallen Kindern und sind gut für ihre Entwicklung. Vor dem Fernseher essen - schrecklich!
Ich sagte ja bereits, dass ich eine Auszeit für Kinder durchaus mal angebracht finde (allerdings sollte das eine Ausnahme bleiben, die "Höchststrafe" sozusagen). Trotzdem verstehe ich nicht, warum mein ein Kind mit dem Gesicht zur Wand stellen muss. Fördert das das Nachdenken, wenn man eine Wand anstarrt?#kratz Du schreibst, auf dem "Stillen Stuhl" sei er zu abgelenkt. Dann sorge doch dafür, dass er in einer ablenkungsfreien Atmosphäre sein kann.
Ich finde, dieses An-die-Wand-stellen wirklich demütigend,wie ich schon sagte. Du weißt gar nicht, wie Dein Kind das empfindet. Stell Dir vor, Du machst einen Fehler, und musst dann "zur Strafe" mit dem Gesicht zur Wand in der Ecke stehen. Wie würdest Du Dich dann fühlen? Zudem, wenn Dir andere Menschen dabei zusehen könnten (auch, wenn es die eigenen Eltern sind, das ist egal). Ich fände es besser, wenn ihr ihn in sein Zimmer schicken würdet. Dort kann er in Ruhe nachdenken (wobei ich ihn hinterher auch immer nach den Gründen für sein Verhalten fragen würde und ihn das Ganze aus seiner Sicht schildern lassen würde, dann fühlt er sich ernst genommen), ohne den Blicken anderer ausgesetzt zu sein.
Denk doch noch mal drüber nach!

LG Lily

Beitrag von marypoppins01 29.08.07 - 14:05 Uhr

Ich gebe dir da vollkommen Recht.
Unsere Kleinste ist zwar im Juni erst zwei geworden, aber auch ein totaler Wirbelwind und auch sehr trotzig.

Trotzdem halte ich gar nichts von dem ständigen drohen und schimpfen und auf den stillen Stuhl setzen...

Also ich finde in dem Alter wird von den Kindern schon teilweise zuviel Benehmen verlangt.
Dafür haben sie noch gar nicht das Verständnis.

Mit Liebe ,Geduld und starken Nerven kommt man oft weiter.

Lieben Gruß

Beitrag von lily76 29.08.07 - 16:03 Uhr

Ich gebe Dir auch wieder vollkommen Recht!:-)Ich finde auch, dass man bei dem - durchaus berechtigten - Ruf nach Konsequenz auch nicht vergessen darf, dass es sich um Kinder handelt, und Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen. Sie tun Dinge, die uns zum Wahnsinn treiben, aber meistens gar nicht, um uns zu ärgern, sondern um die Welt zu entdecken, um zu wachsen (im geistigen Sinne), um sich weiterzuentwickeln.
Hierbei brauchen sie liebevolle Begleitung auf Augenhöhe, nicht jemanden, der ständig droht und straft.
Bitte nicht falsch verstehen, mit "liebevoller Begleitung" meine ich durchaus, dass dem Kind Grenzen gesetzt werden, aber eben so, dass das Kind als Person respektiert wird, dass es spürt, es ist diesem "Machtapparat" nicht hilflos ausgeliefert, sondern hat das Gefühl, in seinem Rahmen Rechte zu haben.

Es gibt Situationen, wo Strafen wirklich sein müssen (damit meine ich, logische Konsequenzen, nicht irgendwelche weit hergeholten Strafen). Ich denke aber nicht, dass diese Situationen wirklich so häufig sind. Jeden Tag Stiller Stuhl - ist doch klar, dass das Kind da irgendwann abstumpft. Nein, eine Strafe sollte nur dann angewendet werden, wenn alle anderen Möglichkeiten restlos erschöpft sind und die Situation es WIRKLICH erfordert.

Ich kann mich kaum an Strafen aus meiner Kindheit erinnern. Ich wurde ein paarmal zur Strafe in mein Zimmer geschickt, aber das kam wirklich so selten vor, dass ich mich an jedes einzelne Mal erinnern kann.

LG Lily

Beitrag von miauna 30.08.07 - 01:04 Uhr

Oje oje........ Mit der Nase an die Wand stellen? #kratz

Beitrag von lily76 30.08.07 - 16:27 Uhr

In der Schule ist es übrigens schon lange nicht mehr erlaubt, Kinder zur Strafe in die Ecke zu stellen, es wird als entwürdigende Maßnahme angesehen - aus gutem Grund, wie ich finde.

LG Lily

Beitrag von abc_mensch 30.08.07 - 19:37 Uhr

<<In der Schule ist es übrigens schon lange nicht mehr erlaubt, Kinder zur Strafe in die Ecke zu stellen, es wird als entwürdigende Maßnahme angesehen>>

...oder weil die Lehrer mittlerweile Angst haben müssen von den Kindern verprügelt zu werden????

Ich frage mich so allmählich, was Eltern/Erziehern/Lehrern noch für eine Handhabe bleibt? Dass Schlagen nicht richtig muss ich nicht erst erwähnen, aber wenn eine Sache wie in die Ecke stellen schon als etwas Verächtliches gilt, was den Kindern schadet, wie soll man denn noch reagieren?

Ich bin fest davon überzeugt (die Praxis lehrt es eben doch am Besten), dass ewiges Gequatsche nicht hilft.

Wieso sollte das eine entwürdigende Massnahme sein? Wie entwürdigend ist es denn auch für die Eltern sich von dem Kind beleidigen zu lassen oder, wie ich es hier auch schon gelesen habe, anspucken zu lassen? Du kannst nicht immer "nur" das Kind sehen, sondern musst an die Gemeinschaft, die Familie, denken und dazu gehört nun einmal auch ein Stück Disziplin.

Du scheinst auch zu vergessen, dass das auch immer nur Strafen sind, die Folge einer bestimmten Handlung des Kindes sind und keine Willkür.

Und wenn "in die Ecke stellen" entwürdigend ist, dann ist es "ins Zimmer schicken" oder die "Nachdenktreppe" auch und was bleibt dann wirklich noch???




Beitrag von lily76 30.08.07 - 20:30 Uhr

Ins Zimmer schicken ist was anderes. Aber ein Kind mit dem Gesicht zur Wand (!) in die Ecke zu stellen, wo es den Blicken anderer ausgesetzt ist, ist unmenschlich. Das ist wie am Pranger.
Ich sehe nicht "nur" das Kind, aber ich weiß, dass ich als Erwachsene eine so große Macht habe, der ich mir bewusst sein muss und die ich nicht missbrauchen darf.
Gerade weil es um die Familie als Ganzes geht, geht es auch um den Respekt, den Familienmitglieder einander (!) entgegenbringen müssen. Und dazu gehört auch der Respekt vor meinem Kind, denn wie sonst sollten meine Kinder mir Respekt erweisen, wenn ich sie nicht respektiere?#kratz

Stell Dir vor, Du hättest einen Fehler gemacht und müsstest mit dem Gesicht zur Wand darüber nachdenken. Wie würdest Du Dich dann fühlen?

Es gibt genug "Handhabe", die ein Kind nicht entwürdigt. Warum muss man ein Kind beschämen, um ihm etwas beizubringen?

Nachdenkliche Grüße,

Lily (die nicht geschlagen und nicht in die Ecke gestellt wurde, und aus der trotzdem was geworden ist)

Beitrag von abc_mensch 30.08.07 - 21:14 Uhr

<<Ins Zimmer schicken ist was anderes.>>

Warum ist es etwas Anderes? Damit "beschämst" du ja auch das Kind, weil du zeigst, dass du, wie du sagst, viel "mächtiger" bist und es dir "ausgeliefert" ist. Diese Herangehensweise empfinde ich als Quatsch.

<<Stell Dir vor, Du hättest einen Fehler gemacht und müsstest mit dem Gesicht zur Wand darüber nachdenken. Wie würdest Du Dich dann fühlen?>>

Dank der guten DDR-Erziehung, durfte ich das in der Schule, also älter als 4 oder 5, selber ausprobieren, vor der ganzen Klasse. Es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil. Da ich dadurch sehr schnell die Folgen meiner Handlungen einschätzen konnte, unterliess ich (und die Klassenkameraden) Handlungen, die zu solchen (oder noch schlimmeren "Massregelungen") geführt hätten.

<<Es gibt genug "Handhabe", die ein Kind nicht entwürdigt. Warum muss man ein Kind beschämen, um ihm etwas beizubringen?>>

Welche das sind, hatte ich gefragt. Die Antwort bist du mir schuldig geblieben.

<<Gerade weil es um die Familie als Ganzes geht, geht es auch um den Respekt, den Familienmitglieder einander (!) entgegenbringen müssen. Und dazu gehört auch der Respekt vor meinem Kind, denn wie sonst sollten meine Kinder mir Respekt erweisen, wenn ich sie nicht respektiere?>>

Gegenseitigen Respekt?! Wo ist der Respekt vor den Eltern, wenn das Kind beleidigt und spukt? Es ist die Aufgabe der Eltern das Kind zu lieben und zu beschützen, es zu trösten und pflegen, aber auch um es zu erziehen und, wenn es Mist baut, zu massregeln.
Respekt ist keine Selbstverständlichkeit (weder auf der einen noch anderen Seite), sondern man muss es sich verdienen und erarbeiten.
Ich weiss, du wirst das nicht verstehen können, aber ein Kind wird keinen Respekt vor dir haben, wenn es dich nicht ernst nimmt.
jetzt versteh mich bitte nicht falsch, die Art der Erziehungsmassnahme hat nichts mit dem Respekt zu tun, sondern mit der Schwere der Verfehlung, aber, und das zeigt die Erfahrung, dass fehlender Respekt einher geht mit dem Fehlen von Konsequenz und zu milder Ahndung und genau das führt dann noch weiter zu Fehlverhalten.

Mal abgesehen davon, liegt die Art der Ahndung (zusätzlich zu dem oben genannten Grund) ja auch mit von der Art des Kindes ab. So gibt es Kinder, bei denen ein "Du du" mit ernster Stimme ausreicht...

Oder wie heisst es so schön im Bundeswehrdeutsch?!Lernen durch Schmerz, Erfahrung durch Entsetzen.


Beitrag von lily76 31.08.07 - 07:05 Uhr

1. Ins Zimmer schicken ist etwas anderes, weil das Kind in der Situation, in der es mit seinen Eltern streitet, auch wütend und verletzt ist. Dabie möchte ein Mensch nicht unbedingt beobachtet werden. In seinem Zimmer kann sich das Kind auf sein Bett setzen, auf den Fußboden, wohin auch immer, es kann seinen Teddy in den Arm nehmen - eine andere Atmosphäre, um nachzudenken, als das Anstarren einer Wand.

2. "Es hat mir nicht geschadet" ist ein Totschlagargument. Das sagen auch die, die für Schläge sind. Gut, Du hast gelernt, bestimmte Handlungen zu unterlassen. Aber warum? Aus Einsicht oder aus Angst vor einer weiteren Strafe? Mir ist ersteres wichtig. Und "gute DDR-Erziehung" - zum mündigen Bürger, ne?#kratz

3. Maßnahmen, die ein Kind nicht entwürdigen, sind für mich solche, die es keiner Scham aussetzen. Will heißen: Ich schicke mein Kind in sein Zimmer, damit es über die Situation nachdenkt, nicht nur über seinen Fehler. Ich nehme es aus der konfliktuellen Situation heraus, damit wir beide Zeit zum Durchatmen und Nachdenken haben.
Eine logische Konsequenz - Kind spuckt, wer spuckt, der muss erst mal den Raum verlassen, z.B. - ist nicht entwürdigend.

4. "Du wirst das nicht verstehen können" - vielen Dank, dass Du so an meine intellektuellen Fähigkeiten glaubst!
Ich sehe es sehr wohl genauso wie Du, dass ein Kind mich ernstnehmen muss, um mich zu respektieren. Wenn ich etwas androhe (=Konsequenz), ziehe ich es auch durch. Ich bin Lehrerin und stehe täglich vor 30 Kindern, die mich durchaus ernst nehmen. Nur werde ich nicht deshalb ernst genommen, weil die Kinder Angst vor mir haben - das würde ich auch nicht wollen.

5. "Respekt muss man sich verdienen:" - Bedingt. Ein Baby, das gerade auf die Welt gekommen ist, kann sich noch keinen Respekt verdienen. Trotzdem respektiere ich es als eigenständige Persönlichkeit. Als derjenige, der schon länger auf der Welt ist und der - wie ich es schon sagte - Macht über das unterlegene Kind hat, muss ich zunächst dem Kind Respekt entgegenbringen, nur so LERNT das Kind, andere zu respektieren.

6. Es muss nicht ALLES immer gleich "geahndet" werden. Ich möchte meinen Kindern auch Nachsicht beibringen.

7. "Lernen durch Schmerz, Erfahrung durch Entsetzen." Wenn ich das höre, wird mir einfach nur schlecht!#schock

Beitrag von lily76 31.08.07 - 16:52 Uhr

Nachtrag:

Es ist vielleicht nicht immer möglich, einem Kind jegliche Scham zu ersparen. Wenn ich meinem Kind ernsthaft ins Gewissen rede, schämt es sich vielleicht auch bzw. hat ein schlechtes Gewissen. Das ist natürlich wichtig, es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die kein Unrechtsbewusstsein habe.
Was ich meinte: Ich demütige mein Kind nicht, indem ich es seiner Würde beraube. Dazu zählt für mich: schlagen, verbal fertigmachen, vor anderen Menschen anprangern.

Ich sagte, wenn ich etwas androhe, ziehe ich das auch durch. Das stimmt in den meisten Fällen. Es hat allerdings (gerade letzte Woche) auch schon Situationen gegeben, wo ich eingesehen habe, dass ich einen Fehler gemacht habe. In diesem Fall ist die Konsequenz selbstverständlich hinfällig, das habe ich dem Kind auch so gesagt und mich entschuldigt.

Beitrag von abc_mensch 02.09.07 - 12:12 Uhr

Wie gesagt, deine Theorien klingen ja alle schön, aber die Praxis sieht schon anders aus.
Nur, wenn ich ein Kind habe, dass sich partout nicht anziehen lassen will (selber nix aussuchen will usw), dann helfe ich nach indem ich es gegen seinen Widerstand anziehe oder (was du ganz entzetzlich finden wirst) in Unterwäsche zum Kindergarten fahre.
Genauso im Winter. Ich sage ein oder zweimal, zieh etwas Warmes an und wenn es das nicht tut, dann ist es selber Schuld wenn es friert.

Das sind Erfahrungen, die ein Kind macht, die vielleicht auf den ersten Blick demütigend sind, aber spätestens danach haben sie es wirklich begriffen...

  • 1
  • 2