Deutsche Rechtsprechung

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von nele0511 27.08.07 - 15:30 Uhr

Liebe Urbias,

vorgestern hatte ich einen Brief meines Anwalts gelesen, der mir die Sprache verschlagen und meinen Adrenalinpegel anschwellen lassen hat. Manchmal begreife ich die deutsche Rechtsauffassung nicht.

Mein Sohn (13) ist diesen Monat zu seinem Vater gezogen, weil er es angeblich bei uns nicht mehr ausgehalten hat. Wenn man Pflichten hat und es erwartet wird, dass man regelmäßig zur Schule geht, kann das Leben schon hart sein. Sei's drum, jedenfalls ist er weg, ich hoffe, er bekommt auch von seinem Vater die Richtung gewiesen.

Mein Ex hat mehrere Jahre (2,5 J.) keinen Unterhalt gezahlt, obwohl ich einen Titel laufen habe, dass er monatlich 150 € zahlen muss. Letztes Jahr habe ich einen Gerichtsvollzieher beauftragt, und ich habe dann 4.500 € als "Nachzahlung" bis einschl. Dez. 2006 erhalten. Seit Jan. 2007 ging wieder keine Zahlung ein.

Ab August muss ich nun nach Tabelle für meinen Kleinen an den Ex bezahlen. Ich fragte meinen Anwalt, ob ich die noch ausstehende Summe für Januar bis Juli (1005 €) geltend machen kann und dieser schrieb mir, dass das nicht ginge, da das Geld meinem Kind zustehe und dieses jetzt beim Vater lebe.

Das kann's doch nicht sein... !

Meinem Kind hat es doch nicht an irgendwas gefehlt, obwohl sein Vater nicht zahlte. Letzten Endes habe ICH das Geld ausgelegt, worum sich sein Vater gedrückt hat. Miete wurde gezahlt, Musikstunde, Orchesterstunde, Sport, Kleidung, Essen - alles hab ich bezahlt. Habe dafür an mir gespart. Und jetzt bin ich nicht berechtigt, im Nachhinein das Geld von ihm zu fordern??? Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, ich ziehe finanziell immer nur die Ähem-karte. #gruebel Aber wenn mein Anwalt mir das sagt, wird wohl was dran sein. Trotzdem - ich finde das wirklich ungerecht. #kratz

Zornige Grüße#wolke

Nele

Beitrag von sonne.hannover 27.08.07 - 16:01 Uhr

hm, mit "Gerechtigkeit" hat das "Recht" noch lange nichts zu tun. Also, nix für Ungut, aber es hilft nichts.
Wieso hast Du den Unterhalt nicht geltend gemacht per Gerichtsvollzieher oder so, als Dein Sohn noch bei Dir gelebt hat ?

Beitrag von nele0511 27.08.07 - 16:43 Uhr

Wie gesagt, das hatte ich erst Ende letzten Jahres gemacht und ihn bis Dez. bekommen. Vielleicht naiv, aber ich dachte immer, vielleicht zahlt er noch. Tja, und dass mein Sohn zu seinem Vater wollte, war so vorher für mich nicht absehbar. Wir hatten schon Auseinandersetzungen, aber dass es von seiner Seite her so eskaliert, hätte ich nicht für möglich gehalten. Es kam also ziemlich überaschend. Sonst hätte ich doofe Nuss sicher eher reagiert.

Danke für deine Antwort, die zwar nicht erbaulich ist,aber dafür kannst du ja nüscht...

Nele

Beitrag von sugarfrett77 27.08.07 - 18:42 Uhr

hallo nele,

ich selbst bin von dem leidigen thema zum glück nicht betroffen, aber ich zweifel auch bei vielen entscheidungen im familien- und freundeskreis an dem iq der rechtssprecher.

was mich interessieren würde - mit welcher begründung hat denn dein ex nicht gezahlt? und was passiert mit dir, wenn du den spieß umdrehst und ebenfalls die zahlungen verweigerst bzw. hinauszögerst? nicht dass ich das gutheiße, eines wie`s andere ist mist. aber es kann ja wohl nicht sein, dass man sich als vater so verhält :-[

lg & ein dickes fell wünscht dir
yvonne

Beitrag von nele0511 28.08.07 - 07:50 Uhr

Das habe ich auch immer gedacht:

>>es kann ja wohl nicht sein, dass man sich als vater so verhält <<

Seit der Titel besteht, dass er für jedes Kind (mein Großer ist inzwischen 18) 150 € bezahlen muss, hat er immer ja, ja, gesagt, wenn ich gemahnt habe, aber eben einfach nicht gezahlt. Ohne Begründung.

Während des langwierigen Prozesses, der der Festsetzung des Titels vorausgegangen war, war er plötzlich einen Tag vor der Verhandlung arbeitslos geworden oder hatte die entsprechenden Unterlagen nicht vollständig mit (oder gar nicht) usw.
Er hat nach dem Abitur überhaupt keine Ausbildung gemacht und dann gesagt, er finde keine Arbeit. Mein Anwalt hat ihm dann nachgewiesen, dass er in den alten Bundesländern auch ohne Ausbildung eine Arbeit finden kann (als Fabrikarbeiter oder so) und was er da verdienen kann. Da mein Ex nie nachgewiesen hat, dass er sich um Arbeit gekümmert hat, wurde dann vom Gericht ein fiktives Einkommen ermittelt und die Summe festgesetzt, die er monatlich zu zahlen hat.
Liegt unter Tabelle, aber was soll's.
Nur, er hat sich eben auch im Nachhinein einen Dreck geschert darum.
Und nun das.... oooooh, ich bin so sauer!!!! :-[

Nele

Beitrag von manavgat 27.08.07 - 18:46 Uhr

Natürlich kannst Du das Geld fordern. Aber Du kannst es nicht verrechnen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von nele0511 28.08.07 - 07:37 Uhr

Ich soll also an ihn herantreten und sagen "mein Bester, da stehen noch 1005 € aus, überweise sie mir bitte binnen 14 Tagen!" ???

Er hat es trotz Gerichtsbeschluss nicht gemacht, erst der Gerichtsvollzieher hat das Geld bei ihm lockermachen können. Da wird er das auf meine Forderung auch nicht tun. Und mein Anwalt meint, es fehle nun die rechtliche Grundlage nochmal einen Gerichtsvollzieher dort vorbeizuschicken.

Tja, eingebüßt ist auch gehandelt. Gerade "verrechnen" wäre das einzige, was mir dazu einfallen würde. Aber dann tritt er bei Gericht an und ich ziehe wieder den Kürzeren, das ist mir klar.
Ach, Mist.

Danke für deine Antwort.

Nele

Beitrag von nick71 28.08.07 - 08:18 Uhr

"Und mein Anwalt meint, es fehle nun die rechtliche Grundlage nochmal einen Gerichtsvollzieher dort vorbeizuschicken."

Kann ich mir so nicht vorstellen, aber das ist nur meine persönliche Rechtsauffassung. Da würde ich mich ggf auch nochmal mit dem zuständigen Gerichtsvollzieher in Verbindung setzen...der wird wahrscheinlich auch wissen, was machbar ist und was nicht. Hast Du einen FACHANWALT für Familienrecht? Die anderen haben nämlich oft keine Ahnung, wovon sie reden.

"Gerade "verrechnen" wäre das einzige, was mir dazu einfallen würde. Aber dann tritt er bei Gericht an und ich ziehe wieder den Kürzeren, das ist mir klar."

Ich würde das einfach versuchen. Wenn er dann zum Gericht rennt, kannst Du ja immer noch zahlen.





Beitrag von nele0511 28.08.07 - 08:34 Uhr

Ja, ich habe einen Fachanwalt für Familienrecht. Bis jetzt hat er immer gewusst, wovon er redet. Ich glaube ihm schon, dass er Recht hat, auch wenn meine persönliche Auffassung von "Gerechtigkeit" dem widerspricht.

Wenn ich jetzt 4 Monate nicht zahle - lasse ich damit nicht mein Kind das ausbaden? Das will ich nicht. Denn MIR ist es nicht scheißegal, wie der "Kleine" versorgt werden kann... Wahrscheinlich wieder hoffnungslos naiv.

Vielleicht ist es ein Mittelweg, eine kleinere Zahlung an ihn vorzunehmen und mir das Geld sozusagen in Raten wiederzuholen. Ich werde vielleicht erstmal versuchen mit ihm zu reden, auch wenn ich nicht viel Sinn darin sehe, denn er wird nicht sagen "also gut, ich habe mich sieben Monate um Zahlung gedrückt, nun brauchst du mir nichts zu überweisen, bis wir quit sind"...

Danke für deine Zeilen!

Nele

Beitrag von nick71 28.08.07 - 08:41 Uhr

Wie gesagt, ich weiss nur, dass ein Titel 30 Jahre lang vollstreckbar ist...und ich sehe auf den 1. Blick keinen Grund, warum das in Deinem Fall nicht möglich sein sollte.

Aber ich bin halt auch kein Anwalt. Ruf doch einfach mal beim GV an...vielleicht kann der Dir ja was dazu sagen. Amtsgericht am Wohnort Deines Ex, dort mit der Gerichtsvollzieherverteilerstelle verbinden lassen. Straße angeben, auf der Dein Ex wohnt...und Du hast den zuständigen GV an der Strippe.

Nur ein Anruf...kostet nicht viel und hilft Dir evtl schon weiter.

Beitrag von nele0511 28.08.07 - 08:43 Uhr

Genau das werd ich tun! Dankeschön nochmal!

Nele#klee

Beitrag von nick71 28.08.07 - 08:46 Uhr

Freut mich, dass ich Dir helfen konnte...wäre schön, wenn Du nochmal berichtest, was der GV gesagt hat. Interessiert mich nämlich, wie das wirklich aussieht.

Beitrag von nele0511 29.08.07 - 07:08 Uhr

Guten Morgen, Sandra,

kleiner Zwischenbericht, der noch gar nix sagt. Mein Ex ist noch gar nicht wieder in meiner Stadt gemeldet. Seit nem halben Jahr wohnt er wieder hier. Der Gerichtsvollzieher muss ich da erstmal in der Stadt schlau machen, in der er vorher gewohnt hat.

Aber ich bleib dran!!!

Schönen Tag wünscht dir

Nele

Beitrag von elena.kaminsky 28.08.07 - 16:59 Uhr

>>Miete wurde gezahlt, Musikstunde, Orchesterstunde, Sport, Kleidung, Essen - alles hab ich bezahlt. Habe dafür an mir gespart.<<

Du beschwerst Dich über etwas, über das Du Dich nicht beschweren darfst. Wenn Du Kinder in die Welt setzt und die finanziellen Verhältnisse nicht so sind, um sämtlichen Bedürfnissen entgegenzukommen, muß man selbst eben zurückstecken. Ansonsten hättest Du wohl besser kein Kind in die Welt setzen dürfen.

Beitrag von liki 28.08.07 - 19:59 Uhr

für den Vater gilt das natürlich nicht, oder was ?

Beitrag von nick71 28.08.07 - 21:06 Uhr

Ich finde schon, dass man sich beschweren darf, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt.

Warum sollte alles an der KM hängenbleiben?

Beitrag von nele0511 29.08.07 - 07:01 Uhr

Oh doch - ich denke schon, dass ich mich darüber beschweren kann! Es ist ungerecht, wenn alle Initiativen (sowohl materiell als auch ideell) für das Kind nur von der Mutter ausgehen. Schließlich hat auch der Vater ein Kind in die Welt gesetzt und ist genauso mit verantwortlich dafür, dass es dem Kind gut geht.

Es geht hier nicht darum, dass ich für mein Kind kein Geld ausgeben möchte, dass ich nicht alles machen würde, damit es ihm gut geht. Es geht darum, dass es nicht ALLLEINE MEINE Anglegenheit sein kann, dies zu tun!

Nele

Beitrag von manavgat 29.08.07 - 09:24 Uhr

Blödsinn.

Selbstverständlich darf sie sich beschweren darüber, dass sie weniger Lebensqualität hat, weil der Erzeuger sich drückt!!!!!

Gruß

Manavgat

Beitrag von aimee81 29.08.07 - 14:59 Uhr

Es tut mir furchtbar leid, ich finde diese Rechtssprechung völlig in Ordnung. Du redest hier über das Geld von deinem Sohn, nicht über deines. Natürlich darf das nicht verrechnet werden, das wäre ja noch schöner.
Ich frag mich nur, was die Leute sich immer denken. Erst werden die Kinder in die Welt gesetzt, wenn die dann nciht so spuren wie man es gerne hätte, sind natürlich die Kinder selbst schuld und nicht die vorangegangene Erziehung der Eltern, und dann streitet man sich auch noch um das Geld, das für das Kind gedacht ist. Da kriegt man doch echt die Krise.
Und wenn schon der Vater der Meinung ist, er muss für das Kind nichts zahlen, finde ich es mehr als gerechtfertig, wenn du dein Kind darunter nicht leiden lässt und es selbst bezahlst (alles im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten natürlich und alles vorher bedacht, ob es nötig ist). Du warst auch dabei, als das Kind gemacht wurde oder? Entschuldige, aber du zählst auf, dass du deinem Kind Essen und Kleider bezahlt hast. Hallò????? Dein Kind hat ein Recht darauf. Über Musik oder Sport kann man vielleicht streiten, aber Essen???? Einfach nur kopfschüttel.

Beitrag von nele0511 29.08.07 - 15:32 Uhr

Ja, ich war auch dabei, als mein Sohn gemacht wurde. Aber ich war nicht alleine!

Deine Antwort: einfach nur Kopfschüttel. #gruebel

>>Mütter und Väter können den Unterhalt entweder durch Pflege und Erziehung oder durch Barunterhalt leisten. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet seinen Unterhalt durch die Pflege und Erziehung des Kindes. Der andere Elternteil zahlt den Barunterhalt. <<

Barunterhalt wird dazu verwendet, Lebensbedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Dazu gehört auch Essen und Trinken, Kleidung sowie anteilig Miete für die Wohnung. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben und hat nichts mit "Taschengeld" ("Du redest hier über das Geld von deinem Sohn, nicht über deines") zu tun.

Barunterhalt wurde durch den Vater nicht gezahlt (erinnerst du dich noch, wofür Barunterhalt verwendet werden soll? - Richtig, für Essen und Trinken, Kleidung sowie anteilig Miete für die Wohnung). Da die Mutter aber ein Herz für das von ihr in die Welt gesetzte Kind hat, ist sie selbst für diese Kosten aufgekommen, damit es dem Kind an nichts fehlt. Sie hat also die Pflege und Erziehung übernommen, den Teil des Unterhalts, den der Elternteil zu übernehmen hat, bei dem das Kind wohnt und ZUSÄTZLICH den Barunterhalt. Von wessen Geld? Richtig - von ihrem. Man könnte also sagen, sie hat dem Vater den Barunterhalt ausgelegt. Zumal das gerichtlich festgesetzt ist. Man sagt dazu, sie hat bei Gericht den Unterhalt titulieren lassen.

Und jetzt darf die Mutter den Vater nicht daran erinnern, dass sie dieses Geld ausgelegt hat? Das findest du in Ordnung?

Wir sprechen uns wieder, solltest du mal irgendwann ein Kind in die Welt setzen und für alles alleine aufkommen müssen - oh, nein, natürlich wollen.
Und sag nicht, das wird dir nicht passieren.

Kopfschüttel.

Beitrag von nick71 29.08.07 - 19:44 Uhr

"Du redest hier über das Geld von deinem Sohn, nicht über deines. Natürlich darf das nicht verrechnet werden, das wäre ja noch schöner."

Es geht in BEIDEN Fällen um Kindesunterhalt...von daher sehe ich eigentlich das Problem nicht. Er schuldet IHR (bzw dem Kind, aus der Zeit, als es noch bei ihr lebte) noch KU, sie muss ab jetzt KU an IHN (bzw ihren Sohn) zahlen, warum also nicht verrechnen, was der Vater über Monate nicht gezahlt hat? Kann doch so schwer nicht zu verstehen sein...

Dass das nicht rechtens ist, verstehe wer will...ich kann es nicht nachvollziehen.

Beitrag von xxaniaxx 30.08.07 - 15:09 Uhr

nick,
im Endeffekt hat es die Mutter vorgelegt, da sie mit Sicherheit keinen UHV bezogen hat.
Die Rechnungen zahlen sich (wie Kita, Kleider, Schuhe) leider nicht von alleine.
Ich kann sie in dem Punkt verstehen.
ania

Beitrag von bw1975 31.08.07 - 19:00 Uhr

Hallo,

das Geld, welches sie verrechnen will, ist auch das Geld Ihres Sohnes. Welches sie vorgestreckt hat ;-)

Rechtlich einwandfrei (Grundsätzlich kann gegen einen Unterhaltsanspruch nicht aufgerechnet werden, § 394 Satz 1 BGB), moralisch allerings nicht!

Gruß bw