Der böse Stiefvater und die Pupertät ein Teufelskreislauf

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von b.blue 28.08.07 - 09:33 Uhr

Vielleicht kennt das ja jemand und weiß, wie aussichtslos ich die Situation empfinde.

Meine Tochter ist jetzt 14 Jahre und seit ihrem 3. Lebensjahr, sind mein Partner und ich zusammen. Die beiden haben sich zwar nicht innig geliebt, aber respektiert und ich habe noch schöne Kuschelfotos in unserem Album. Es fing eigentlich schon mit der Geburt ihrer Schwester vor 7 Jahren an. Unumstritten muss ich zugeben, dass mein Partner mit seiner eigenen Tochter irgendwie liebevoller umgeht. Ich glaube aber tatsächlich, dass er nicht anders kann.

Wie dem auch sei zwischen den Beiden ist ein regelrechter Krieg ausgebrochen. Sie lehnt ihn völlig ab - "Du hast mir gar nichts zu sagen" - Pflichten übernehmen darf er aber. Er reagiert mit Trotz und stichelt "Wenn ich für Dich gar nichts bin und du dir von mir nichts sagen lässt, brauchst du auch nicht ständig auf meine Kosten zu telefonieren". So geht das jeden Tag und ich stehe immer dazwischen. Egal zu wem ich halte und was ich versuche - es ist immer falsch.

Meine Tochter besteht nur noch aus Abwehr und Gegenwehr, sie ist auf jeden Fall erst einmal dagegen und kommt auch grundsätzlich zu spät. Er ist verzweifelt und unglücklich. Abends, wenn meine Tochter nach etlichen Diskussionen endlich im Bett ist, gibt es fast gar keine Gemeinsamkeit mehr, weil wir uns dann ihretwegen streiten. Wir finden keine Lösung - hat jemand einen Rat?

Beitrag von manavgat 28.08.07 - 11:13 Uhr

Mein Rat wäre eine Erziehungsberatungsstelle mit deren Hilfe ihr alle gemeinsam erarbeitet, wie ihr miteinander umgehend wollt.

Wenn ein 14-jähriges Kind (!) und ein Erwachsener einen (Dauer-)konflikt haben, dann kann und soll von dem Erwachsenen ein reflektierteres Verhalten erwartet und eingefordert werden.

Gruß

Manavgat

Beitrag von maeuschen06 28.08.07 - 14:23 Uhr

Hallo,

"Unumstritten muss ich zugeben, dass mein Partner mit seiner eigenen Tochter irgendwie liebevoller umgeht."

Und da wundert dich die Reaktion deiner Tochter? Die wird sicher von der Pubertät noch verstärkt, aber sie merkt den Unterschied genau, wie furchtbar muss das sein. Und ihre Mutter lässt das zu.

Ich würde euch dringend zu einer Familientherapie raten, das könnt ihr nur schaffen, wenn ihr alle (!) euer Verhalten ändert.

lg

Beitrag von red_heat_cat 29.08.07 - 10:22 Uhr

Hi,
Ich habe auch einen Stiefvater und will nur erzählen, was bei uns war und was draus geworden ist. Meine Mutter hat meinen Stiefvater geheiratet als ich 3 1/2 Jahre alt war. Er war unser Nachbar und hatte mich aus dem Kindergarten abgeholt. Ich kann mich nicht daran erinnern, aber ich soll ihn selbst gefragt haben, ob er mein Papa sein will. Als ich 4 war kam mein Bruder zur Welt. Ich kann mich an viele Sachen nicht mehr erinnern, aber immer wenn ich mein Fotoalbum aufmache muss ich einfach heulen. Mein Bruder und ich hatten beide das gleiche Fotoalbum (da konnte man Sachen rein schreiben und es gab auch Seiten zum bemalen). Der Fotoalbum von meinem Bruder wurde richtig schön gemacht, mein Stiefvater hat dort so viele Sachen rein geschrieben und auch ganz tolle bunte Bilder rein gemalt, das wollte ich auch und habe meine Eltern immer darum gebeten, aber die hatten mich immer nur auf später vertröstet. Dann hatte ich einfach versucht auch solche Bilder ins Album zu malen, die waren ganz schlecht, so gut wie man mit 5 oder 6 Jahren eben malen kann. Und in die Textflächen habe ich das Alphabet rein geschrieben. Ich war so traurig, dass ich nicht so ein schönes Fotoalbum habe und immer wenn ich mir mein Fotoalbum anschaue, sehe ich diese Bilder und muss immer wieder heulen. Später habe ich immer von meinem Stiefvater Dräsche bekommen, egal wer Schuld war, ich war immer an allem Schuld. Mein Bruder wurde immer anders behandelt. In der Pubertät hat sich das richtig zugespitzt. Diese bescheuerten Sprüche, immer hat er an mir rum gemeckert und sich über mich lustig gemacht und wenn ich frech wurde hat er mich geschlagen. Und dann diese heuchlerischen Umarmungen, wenn andere Leute da waren. Ich habe ihn so richtig gehasst und meine Mutter auch, weil sie mir das angetan hat. Ich war schlecht in der Schule, habe angefangen zu rauchen und bin paar Mal betrunken nach Hause gekommen. Dadurch wurde ich noch mehr geschlagen. Ich habe mir mehrmals die Pulsadern aufgeschnitten und hatte oft sogar darüber nachgedacht meinen Stiefvater einfach umzubringen. Irgendwann mal mit 14 hat meine Lehrerin das alles mitgekriegt und war mit mir beim Jugendamt. Ich bin ins Kinderheim gekommen. Es war richtig toll dort, ich wurde ganz fair behandelt (wie andere Kinder), man hat sich auch meine Meinung angehört und vor allem hat nie jemand mich ausgelacht oder geschlagen. Ich wurde auch ganz anders (will nicht wissen, was aus mir geworden wäre, wenn ich zu Hause geblieben wäre).
Ich mache gerade meine Diplomarbeit, bin seit über 7 Jahren mit meinem Freund zusammen und habe einen 5 Monate alten Sohn, den ich über alles liebe und dem ich wunderschöne Bilder ins Fotoalbum male. Mit meinem Stiefvater rede ich bis heute kein Wort, außer Hallo und Tschüß. Unsere Beziehung wird immer schwierig bleiben. Es wird sich nie ändern.
Euro Situation ist sicherlich viel anders und es wird wohl nicht so enden, wie bei mir. Aber als Mädchen braucht man einen Vater, einen richtigen Vater. Selbst wenn dein Partner der netteste Mensch auf der Welt wäre, wäre er trotzdem nicht der richtige. Auch wenn der Vater beide Kinder gleich behandelt, fühlt man sich als Stiefkind, als würde man nicht dazu gehören. Solche Beziehungen sind nie einfach, aber wohl besser zu verkraften, wenn es mehrere Stiefkinder sind und man nicht allein ist. Ich weiß auch nicht, ob eine Therapie bei so etwas hilft. (Als Familie sitzt man da nur rum und kann dann doch nicht das sagen was man wirklich denkt, weil die Personen ja auch da sind. Eine Einzeltherapie für die Tochter wäre sicherlich besser, weil sie dem Therapeuten alles erzählen kann, was sie bedrückt. Das wird eine 14 jährige aber nicht verstehen. Sie wird es dir übel nehmen, wenn du sie dahin schickst) Es wäre wahrscheinlich besser, wenn der Partner (er ist ja der Erwachsene) sich mehr zurück halten würde, auf Aussagen wie „Du hast mir nichts zu sagen“ einfach gar nicht reagieren. Es wird zwar beim Problem nicht helfen, aber dadurch wird der Streit einfach nicht zugespitzt. Vielleicht würde es auch helfen, wenn ihr beide Kinder mehr gleich behandelt. Der Partner soll aber nicht mehr Zeit mit ihr verbringen und sie so behandeln wie die eigene Tochter, dafür ist es zu spät und sie wird es auch nicht wollen. Aber wenn du als Mutter das dann kompensierst und mehr Zeit ihr widmest, als der kleinen Tochter, würde sie sich ein stückweit besser fühlen. In ein paar Jahren hat sich das Problem erledigt, sie werden zwar keine guten Freunde werden, aber sie werden sich aus dem Weg gehen und bei Familienfeiern den Schein einer glücklichen Familie trügen.

PS: Im Kinderheim waren die meisten Kinder wegen ihrer Stiefväter da. (Schläge, sexueller Missbrauch, Vergewaltigungen). Wusstest du, dass die Löwenmännchen ihre Stiefkinder umbringen und die Affenmännchen kümmern sich nur solange um das fremde Kind bis sie ein eigenes bekommen.
LG

Beitrag von manavgat 29.08.07 - 13:25 Uhr

Wir sind weder Löwen, noch sind wir Affen!

alles andere, was Du gesagt hast, ist von meinem Widerspruch nicht betroffen.

Der Mensch ist ein Kulturwesen. Heißt: wir haben die Wahl.

Gruß

Manavgat