Die Geburt unseres Sonnenscheins Domenic

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von heike011279 28.08.07 - 18:19 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

nachdem ich ja schon die vergangenen Monate immer bei Euren Geburtsberichten mitgefiebert und mitgelitten habe, darf ich nun selbst einen verfassen:

Der eigentliche Entbindungstermin war der 17.08.07.
Bereits Wochen zuvor attestierte mir sowohl der Frauenarzt als auch die Hebamme im Krankenhaus einen geburtsreifen Befund: Muttermund fingerdurchlässig, Kopf tief unten im Becken und Gebärmutterhals fast verstrichen.
Wir warteten also mit jedem Tag zunehmend darauf, dass etwas passierte, aber nichts tat sich.

So ab der 40. SSW hatten wir uns dann damit abgefunden, dass der Kleine wohl doch nicht vor Termin auf die Welt kommen würde und wir versuchten, das Ganze etwas entspannter anzugehen.

Die ganze Zeit über hatte ich sehr unregelmäßige und nur ganz leichte Wehen, die eigentlicht nicht mal den Namen "Wehe" verdient hatten.
Als der 17. August dann da war, beschlich mich so ein seltsames Gefühl. Irgendwie wurde ich ganz ganz ruhig und wusste auf einmal, dass es noch an diesem Wochenende losgehen würde.

Vielleicht haltet Ihr mich für verrückt, aber auf einmal war ich mir sicher, dass die Geburt kurz bevor stand.

Am Abend des 17.08. waren wir dann noch mit meinen Eltern in einem Restaurant, weil mein großer Sohn das letzte Wochende vor Schulbeginn bei seinen Großeltern verbringen wollte.
Gegen 22 Uhr waren wir zuhause und gingen beide völlig müde ins Bett.

Um 01:30 wachte ich mit einer sehr sehr heftigen Wehe auf. Ich stieg aus dem Bett auf um auf Toilette zu gehen. Im gleichen Moment spürte ich, wie meine Unterhose von Nässe durchtränkt wurde.
Ich dachte natürlich sofort an das Platzen der Fruchtblase.
Wie sich später jedoch herausstellen sollte, war es nur der letzte Teil des Schleimpropfes, der den ganzen Freitag über immer stückchenweise und vor allem "unblutig" abging.

Die Wehen kamen sofort im Abstand von 2 Minuten.
Ich also meinen Schatz geweckt (der innerhalb von 30 Sekunden fertig angezogen vor mir stand) und schnell noch unter die Dusche.
Dort hielt ich es aber nicht lange aus, da das warme Wasser die Wehen immens verstärkte.
Schnell etwas übergezogen, die letzten Dinge in die Kliniktasche gepackt und ab ins Krankenhaus.
Dort sind wir so gegen 2 Uhr nachts angekommen.

Zunächst wurde eine halbe Stunde CTG geschrieben und der Muttermund untersucht (2cm offen).
Die Hebamme und der Arzt, der Ultraschall machte und einen Venenzugang legte, gingen davon aus, dass sich die Geburt noch einige Stunden hinziehen könnte.

Da ich aber bei meinem ersten Sohn bereits in 4 Stunden "durch" war, bezweifelte ich diese Voraussage.

Die Wehen blieben im Abstand von 2 Minuten mit dem Unterschied, dass sie immer stärker wurden und ich irgendwann ins Wehenzimmer wechselte.

Um meine Schmerzen etwas zu lindern, gab mir die Hebamme ein Zäpfchen. Da dieses nicht wirkte bekam ich anschließend eine Spritze in meinen Allerwertesten #schock.
Die nächste Untersuchung so gegen 3 Uhr attestierte mir einen offenen Muttermund von 5cm.
So langsam war auch die Hebamme überzeugt, dass wir bis zu ihrem Schichtende um 06:30Uhr die Geburt hinter uns bringen würden.

Die Wehen kamen nun öfter (minütlich??) fast ohne Pause und mit zunehmender Intensität, so dass ich teilweise geschrien habe vor Schmerzen.
Mein Schatz war die ganze Zeit bei mir und hat mich so gut es ging unterstützt, aber wirklich Körperkontakt konnte ich nicht zulassen.
Die Spritze hat meinen Kreislauf außer Gefecht gesetzt, ich schwitzte wie ein Schwein und wusste nicht mehr wo oben und unten ist.
Zwischen den Wehen nickte ich immer wieder ein, wenn auch nur für Sekunden - denn mehr Zeit lag scheinbar nicht mehr dazwischen. #schwitz

Ich bettelte und wimmerte nach einer PDA. Der Anästhesist wurde gerufen.

Die nächste Untersuchung um halb fünf ergab, dass der Muttermund bereits auf 8cm geöffnet war.
Eine PDA war nicht mehr erforderlich (an dieser Stelle wurde ich im Ton etwas unhöflicher und warf der Hebamme vor, sich zusammen mit dem Anästhesisten gegen mich verschworen zu haben #gruebel).

Dann hieß es ab in den Kreißsaal.
Gegen halb sechs war der Muttermund dann vollständig eröffnet.
Pressen durfte ich aber noch nicht, da noch ein Restsaum an der Gebärmutter bestand.

Also hieß es nach links drehen, nach rechts drehen, in den Vierfüßlerstand etc.
Ich fühlte mich völlig überfordert und erklärte der Hebamme des öfteren, dass ich nicht hergekommen sei, um Gymnastik zu machen.

Gegen 6 Uhr kam dann eine andere Hebamme.
Der erklärte ich erstmal ausführlich, dass ich diese Geburt nicht überleben würde und ich mir deshalb einen Kaiserschnitt empfehlen würde. #augen

Dann durfte ich endlich pressen.
Zwischen zwei Presswehen hatte ich das Bedürfnis, dem Arzt zu erläutern, wie froh er doch sein könnte, dass er ein Mann ist und dieses niemals persönlich erleben müsste. #hicks

Nach etlichen Presswehen, einer gefühlten Raumtemperatur von 50 Grad und einer völlig entnervten Mama hat
unser Sohn #herzlich DOMENIC #herzlich am 18.08.2007 um 06:47 das Licht der Welt erblickt.

Seine Daten:

Größe: 53 cm #schock
Gewicht: 3.350gr #schwitz
KU: 35cm #schock

Mein Schatz hat übrigens in den letzten 45 Minuten den Kreißsaal verlassen, weil er mein Leiden nicht mehr ertragen konnte.
Mir war das Recht, ich fühlte mich bei der Hebamme und dem Arzt in guter Obhut und wollte ihn nicht zwingen bis zum Schluss bei mir zu bleiben..;-)

Alles in allem hat unser Kampf von der ersten bis zur letzten Wehe etwas mehr als fünf Stunden gedauert.

Puuuh, ich hoffe, Euch sind beim Lesen nicht die Augen zugefallen..

Ich hatte einen Dammriss II. Grades und wurde unter örtlicher Betäubung genäht.
Wir haben das Krankenhaus drei Tage später verlassen und sind derzeit dabei, unser Familienleben zu viert auf die Reihe zu kriegen..

Ich wünsche Euch allen eine entspannte und "angenehme" Geburt.

Gruß
Heike





Beitrag von piechen 28.08.07 - 22:30 Uhr

hallo heike,
ich muss dir wirklich ein kompliment machen...
bei den ganzen geburtsberichten, die ich bis jetzt hier gelesen habe, fand ich deinen am besten, amüsantesten, trockensten, sehr ermutigend....
wirklich ein dickes lob an dich, trotz der dramatik, hast du es geschafft, einen hauch sarkasmus und trockenen humor mit rein zu mischen.
vielen dank dafür und ich hoffe, dass ich im dezember auch so einen super geburtsbericht verfassen kann.
viele grüße und alles gute für dich und deine family wünscht
piechen + bubi inside 25 + 1 #baby

PS: dein domenic ist wirklich ein wunderschönes, süßes baby

Beitrag von sveavk 29.08.07 - 20:07 Uhr

hallo heike,

bin dieser tage dran mit entbinden und hab soo gelacht bei deinem bericht, huihui, echt klasse geschrieben!

alles gute dir und domenic und deiner fam!

svea und anouk inside et 30.8.:-D