Warum Kleinigkeiten zum ständigen Heulen anregen ?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von diebennie 28.08.07 - 19:20 Uhr

Meine Tochter ist 4,5 Jahre und heult seit dem sie 3 ist wegen jedem bischen. Sie ist quasi eine richtige Heulsuse und muss sich das auch von ihren KiGa Freunden anhören. Aber das macht ihr nichts . Sie heult dennoch. Es ist ja nicht einmal so, dass sie alles bekommt, weil sie heult. Nein, ich habe es mit ignorieren versucht und trösten und leider muss ich zugeben, dass ich teilweise auch stimmlich in die oberen Lautstärken gegangen bin.

Ich habe sie nach dem Grund der Weinerei gefragt, mit ihr gesprochen, sie weiß es scheinbar selber nicht, es kommt einfach und sie kann nicht aufhören.

Sie ist zudem Erwachsenen gegenüber sehr schüchtern und heult schon, wenn sie jemandem Hallo und Tschüss sagen muss, aber darauf bestehe ich mittlerweise, denn das muss sie lernen. Auch stellt sie sich auf stur, wenn jemand ihr eine Frage stellt. Entweder sie dreht sich weg oder heult. Naja was willst du denn da als Mutter machen ?! Bin leicht überfordert. Literatur habe ich in ideser Hinsicht nicht gefunden. Vielleicht habt Ihr ja einen netten Tipp.

Die anderen Kinder im Kindergarten sind nicht so weinerlich. Ich halte es ihr nicht vor, ich denke das wäre falsch, sie mit anderen zu vergleichen, aber das ist es, was mir aufgefallen ist.

Viellecht hat jemnd ein ähnliches Problem oder besser noch, vielleicht hat jemand einen Ansatz dieses Problemchen aus der Welt zu schaffen ?! Ich bin für jeden Rat dankbar. Ansonsten ist meine Kleine schwer in Ordnung :-) Aber diese Sache hätte ich ganze gerne aus der Welt, vor allen Dingen, damit sie im Kindergarten nicht als die Heulsuse abgestempelt wird, wenn man den Namen erst einmal hat, bekommt man ihn sicher nicht mehr so schnell los :-(

Viele Grüße
Eure diebennie

Beitrag von mel3.76 28.08.07 - 21:08 Uhr

hallo,

die tochter meiner freundin(ist letzt 6) hat das gleiche problem und zwar seit ihrem 2. lebensjahr. sie ist auch bei erwachsenen die sie kennt,sogar oma und opa,teilweise so schüchtern,das sie nicht auf fragen antwortet oder weinend davon läuft wenn ihre mutter sie auffordert zu antworten.nachdem auch sie alles mögliche versucht hat,ist sie jetzt zu einem kinder-psychologen mit ihr gegangen weil sie jetzt auchg in die schule kommt und meine freundin möchte das sie sich dort nicht gleich ausgrenzt. erste erfolge sind tatsächlich schon zu merken.
alles gute

lg melanie

Beitrag von gismomo 28.08.07 - 21:24 Uhr

Hallo,
mein Sohn (5 geworden) flippt wegen jeder Kleinigkeit aus, das bedeutet er heult los wenn etwas anders läuft als er sich das vorgestellt hat. Mein Mann und ich haben alles versucht, um das in den Griff zu bekommen: Verständnis, Strenge, ... Das Schlimme ist ja, dass dieses ständige Heulen einen selber zur Weißglut treibt und man es als Eltern nicht mehr hören kann.

Ich war lange Zeit absolut ratlos deshalb und habe mir viele Gedanken gemacht, viel gelesen ... inzwischen habe ich mich für mich entschieden, mich von seinem Verhalten nicht mehr aufregen zu lassen und es einfach zu akzeptieren, was NICHT bedeutet dass ich es in Ordnung finde; sobald er sich wieder beruhigt hat rede ich mit ihm und sage ihm dass es andere Lösungsmöglichkeiten gibt als Heulen und Jammern und Meckern. Welche das jeweils sind, hängt ja von der Situation ab und wir besprechen es dann jeweils konkret.

Anfangs habe ich auch immer gefragt warum er sich denn so verhält - ich hab gemerkt dass sich dieses Verhalten dann besonders oft zeigt, wenn er sehr müde oder überfordert ist. Er konnte mir auch nicht sagen warum, und ich glaube die Kinder sind damit in dem Alter wirklich noch überfordert, sie können das noch nicht so analysieren wie wir Erwachsenen.

Wie ich mich jetzt verhalte:

- Ich akzeptiere, dass er in dieser Beziehung einfach anders ist als andere Kinder und dass das NICHT an meiner Erziehung sondern an seinem "Charakter" bzw. seiner Persönlichkeit liegt. (so wie ein anderes Kind z.B. ADS hat).

-Ich versuche selbst ruhig zu bleiben in der Situation selbst und ihn einfach machen lassen, wenn er sich durch ein paar Worte von mir nicht einkriegt - keinesfalls die Situation eskalieren lassen, indem man sich von ihm "reinziehen" lässt.

-Wenn er sich wieder beruhigt hat, reden wir darüber, und ich zeige ihm alternative VErhaltensweisen auf (alleine diese zu finden schafft er noch nicht).

-Wenn er andere nicht begrüßen mag versuche ich ihn dazu zu bringen (durch Aufforderung), wenn er es dann immer noch nicht macht weiß ich dass er grade extrem schlecht drauf ist und ich bestehe nicht darauf. würde er sich aber immer so verhalten würde ich ihm erklären warum er andere begrüßen soll.

Vielleicht das Wichtigste, was ich zu diesem Thema "weitergeben" kann - ich habe gemerkt, je mehr ich mich über das Verhalten meines Sohnes geärgert habe bzw. enttäuscht war, umso mehr hat ihn das verunsichert, was leider nicht dazu geführt hat dass er das verhalten ablegt. Je "cooler" ich damit umgehen kann umso weniger ist das ein Thema geworden. Manches regelt die Zeit, sag ich mir immer: wenn er mal 18 ist, wird er sich garantiert nicht mehr so verhalten.
Seitdem ich das gelassener sehe ist es viel besser geworden, und er akzeptiert es viel eher wenn ich sein Verhalten thematisiere und wir in einem günstigen Moment darüber reden.

Ich hab dir noch eine wunderbare Buchempfehlung, es geht darin zwar nicht direkt ums Thema "Heulen", aber darum wie man mit einem unerwünschten Verhalten seines Kindes umgeht. Für mich ist dieses Buch Gold wert, es hat mir wirklich die Augen geöffnet, was mein eigenes Verhalten angeht, und ich sehe seitdem vieles wesentlich gelassener als vorher.

Das Buch (das ich wirklich allen Eltern empfehlen würde) heißt "Das Resilienz-Buch" und ist von Robert Brooks. Ich wünschte ich hätte das Buch vor fünf Jahren schon gehabt, ich hätte sicher einiges anders gemacht.

Ich weiß jetzt nicht ob meine Situation mit deiner vergleichbar ist, das "Heulen" meines Sohnes war mehr so ein "ausflippendes" Heulen kein so stilles vor sich Hin-Weinen... weiß nicht wie das bei deiner Tochter ist?

lg
kerstin

Beitrag von anja1968bonn 29.08.07 - 08:25 Uhr

Wollte Dir nur schreiben, dass mir Dein Beitrag sehr gut gefällt! Vieles von dem, was Du geschrieben hast, trifft auch auf unseren Sohn (wird im Oktober 5) zu, und auch ich merke, dass es uns beiden besser geht, wenn ich mich nicht gleich mit aufrege und wichtige Dinge später bei besserer Gelegenheit anspreche. Das Buch werde ich mir mal angucken...

LG

Anja

Beitrag von mr02551 29.08.07 - 11:11 Uhr

Finde den Beitrag von Kerstin super!

Falls Du Dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich folgenden Link:

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Kindheitsforschung/s_2345.html

Lg
Emi