Muss mich mal ausheulen... sehr lang, sorry

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von verängstigt 29.08.07 - 08:44 Uhr

Hi zusammen obwohl ich weiss dass es für mein Problem eine Lösung gibt möchte ich mich mal ausweinen, weil ich mich momentan ein wenig unverstanden fühle.
Das Ganze hängt mit meiner Vergangenheit zusammen. Als ich siebzehn Jahre alt war lernte ich L. kennen, damals auch siebzehn Jahre. Drei Jahre war ich mit L. zusammen. Bis heute weiss ich nicht, wie ich den Horror ausgehalten habe. Es fing vergleichsweise harmlos an. Mit Sticheleien gegen mich, die mich verunsicherten, die er aber stets als berechtigt hinstellte. Ich möchte dazu sagen, dass ich durch den Tod meiner Mutter ohnehin schon wenig Selbstbewusstsein hatte, mein Vater hat danach mit der Sauferei angefangen und wie Kinder beziehungsweise Jugendliche so sind gab ich mir die Schuld.
Wir waren ein halbes Jahr zusammen als L. mich das erste Mal schlug, um mich zu erziehen, wie er es ausdrückte. Schliesslich verlief unsere Beziehung wie folgt, er schlug mich, demütigte mich am laufenden Band, drehte mir die Handgelenke um, vergewaltigte mich in der Beziehung, aber am furchtbarsten war dass ich langsam begriff dass er schwer psychisch krank war. Er hörte Stimmen, fühlte sich verfolgt, das ganze Programm. Eines der Gründe weshalb ich mich nicht trennte war dass ich schreckliche Angst vor ihm bekam. Er hat nie konkret mein Leben bedroht, nur immer wieder gesagt ich würde ihm gehören, ihm allein. Es war schliesslich so, dass er seine ganzen Machtgelüste an mir austobte. Als ich zusammenbrach und auch wegen den Problemen mit meinem Vater in Therapie ging, fand ich den Mut mich von ihm zu trennen. Ein halbes Jahr später rastete er derart aus, dass die Polizei ihn mitnahm und ihn in die geschlossene Psychiatrie brachte. Danach kam er in ein betreutes Wohnen.

Ich habe selbst meine Therapie beendet. Heute geht es mir gut, habe aber kaum noch Kontakt zu meinem Vater, der neu geheiratet hat. Wie das Leben so spielt, befindet sich die betreute Wohngruppe im gleichen Ort wo mein Vater mit seiner neuen Frau wohnt. Das spielt noch eine gewisse Rolle.
Mein Vater hat von dem ganzen Drama damals nicht wirklich was mitbekommen. Ich habe irgendwann mit einer Freundin in einer WG gewohnt und mein Vater war da ja noch nicht trocken. Als ich jedoch von diesen Ortszuständen hörte, bat ich meinen Vater, L. nie und nimmer meine neue Anschrift rauszugeben. Mittlerweile war ich in die Stadt gezogen.

Seitdem sind über zehn Jahre vergangen.
Bin verheiratet, wir haben ein Kind zusammen.
In all den Jahren suchte L. tatsächlich öfters meinen Vater auf. Danach war eine längere Zeit Ruhe. Vor zwei Tagen stand er mitten in der Nacht bei meinem Vater vor der Tür und hat ihn angefleht, meine Adresse rauszurücken. Dabei hat er völlig abstruses Zeug von sich gegeben. Mein Vater hat sich zum Glück geweigert, aber nun bedroht er ihn. Bei meiner Oma ist er auch schon gewesen. Die wollte mir das garnicht erst sagen, da sie die einzige ist, die so ziemlich genau weiss, was damals alles passiert ist.

Weshalb es mir so schlecht geht ist nicht, dass er mich finden könnte. Das halte ich für so ziemlich ausgeschlossen. Dafür müsste er schon erheblich wieder ausrasten, diese Gefahr ist natürlich gegeben. Ich sage das nicht einfach so daher. In meiner Therapie haben meine Therapeutin und ich ausführlich über seine Symptome beziehungsweise wie diese sich äussern gesprochen, und sie hat mich ausdrücklich gewarnt, eben weil er eine tickende Zeitbombe ist. Mein Vater sieht das mit betonter Lässigkeit, aber er war damals ja auch nicht dabei.

Nun, wenn er bei mir vor der Tür stünde würde ich die Polizei rufen und vielleicht wäre es damit getan, aber ebenso halte ich es für ausgeschlossen. Die vom betreuten Wohnen merken hoffentlich, dass er sich wieder in etwas reinsteigert. Mir setzt halt so zu, dass ich schon wieder anfange, über diesen ganzen Dreck (sorry) nachzudenken. Nach unserer Trennung war ich eine Weile selbst furchtbar ängstlich und habe mich kaum noch aus dem Haus getraut.

Wir wohnen unmittelbar am Wald und ich ertappe mich seit gestern dabei, wie ich wieder ziemlich nervös werde, wenn ich das Haus verlasse. Nach zehn Jahren möchte ich einfach mit dem Thema durch sein und dann kommt er an und dringt wieder in mein Leben ein, sei es nur über meinen Vater und meine Oma. Ich weiss nicht, wie ich das alles schon wieder durchhalten soll, die ganze Wut, die ich noch habe, die Angst, die wieder aufkommt, die Bilder, die wieder vor Augen sind. Schliesslich die Scham, mein Mann weiss ja auch von dem Ganzen, dass so jemand aus der Vergangenheit auftaucht, als wäre es ein Makel, mit dem ich rumrenne. Vielleicht versteht das jemand hier, der ähnliches erfahren hat. Mir gehen ganz komplexe Dinge durch den Kopf und es täte gut, mit jemandem und sei es nur anonym darüber zu schreiben.

Beitrag von binnurich 29.08.07 - 08:51 Uhr

Kannst du versuchen, mit deiner Therapeutin von damals kontakt aufzunehmen?

Außerdem würde ich mich an den Sozialarbeiter im betreuten Wohnen wenden.

Versuche nicht mit deinen Sorgen und Ängsten allein zu bleiben, ich glaube, das verbessert die Situation nicht.

Alles Gute

Beitrag von goforgold 29.08.07 - 09:04 Uhr

Ganz klar.

Nimm Kontakt zu der Gruppenleitung des betreuten Wohnens auf und schildere das dein "Ex" deine familie terrorisiert! Die wissen dann Bescheid und können gegensteuern.

Im Zweifel wende dich auch an die Gerichte damit er ein Annäherungsverbot für deine gesamte Familie bekommt.

Beitrag von wummale 29.08.07 - 10:04 Uhr

hey süße.....

wir sind da eindeutig die falschen ansprechparner.

red mit deinem mann darüber...mit deiner oma....und freunden

am bestenn wäre natürlich die therapeutin....

ich wünsche dir viel kraft und mut.

sandra