Schwester seit Jahren magersüchtig, es macht mich verrückt!

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von dawn79 29.08.07 - 11:43 Uhr

Hallo zusammen,

jetzt muss ich mir mal hier Rat holen, vielleicht ist ja jemand von Euch in einer ähnlichen Situation...

Meine Schwester (27 J.) ist nun seit 10 Jahren eßgestört, erst Magersucht, dann Bulimie. Sie ist immer noch im Untergewicht, aber das soll auch gar nicht das Thema sein. Sie hat zig Therapien (stationäre und ambulante) hinter sich bzw. teilweise abgebrochen, wenn es ihr zu viel wurde. Einerseits kann ich das verstehen, andererseits wird es natürlich nicht besser, wenn sie nicht über diesen einen "Punkt" geht, an dem sie immer abbricht.
Sie hat auch bisher keine Ausbildung fertig, sie jobbt, wenn es grade geht, wenn nicht, dann nicht. Dann leiht sie sich in der Regel Geld von unserem Vater o.ä.

Was mich am meisten aber beschäftigt, ist ihre Art. Sie ist immer freundlich und zuvorkommend - vordergründig. Am Telefon klingt sie dann manchmal so optimistisch, dass ich mir denke, sie könnte ja mal wieder zu Besuch kommen (sie wohnt 300 km entfernt). Obwohl es dann jedes Mal gescheitert ist, so auch dieses Mal.

Sie war 3 Tage da, aber nicht wirklich, weil sie so in ihrer Eßstörung gefangen ist. Sie ist generell viel alleine unterwegs, also nicht wirklich da. Und sie zieht mehrmals am Tag los, weil sie Essen besorgt. Das sagt sie nicht, aber man sieht ja, dass sie den ganzen Tag ißt und dass der Griff ständig in ihre Tasche geht. Sie bricht auch, das riecht man im Bad. Ich habe sie drauf angesprochen, habe ihr gesagt, sie möchte das bitte im anderen Klo machen (wir haben zwei), weil der Geruch unangenehm ist. Mehr sage ich schon gar nicht mehr. Sie leugnet, dass sie erbricht.

Ja, und dann klaut sie eben hier und lügt. Sie hat uns mehrere Male Geld gestohlen (wir schließen es inzwischen ein) und auch Sachen, und sie benutzt ungeniert meine Sachen, ohne mich zu fragen. Also natürlich darf sie mein Shampoo / Duschgel benutzen, wenn sie hier ist! Auch meine normale Creme ist ok. Aber sie benutzt alles, auch meine teuren Cremes, mein Make-up, mein Deo... Und nicht ein bißchen, sondern sie greift "ins Volle".

Gestern war es wieder so, bisher hatte ich ja nur den Verdacht, dass sie das bei mir benutzt (meinen Eltern ist das auch schon bei ihnen zuhause aufgefallen). Aber gestern habe ich im Vorbeigehen am Bad einen Blick riskiert, die Tür war einen kleinen Spalt offen. Sie hat mich nicht gesehen und ich sehe eben, wie sie gerade viel (!) Creme von meiner teuren Creme nimmt, in meinem Make-up wühlt, verschiedene Sachen aufmacht usw.
Ich hab sie dann erst danach zur Rede gestellt, hab gefragt, ob sie meine Sachen benutzt (und ich habe ihr mehrmals gesagt, dass ich das nicht möchte, das sind meine Sachen!). Sie leugnet es, sagt sie nimmt meine Sachen nicht, sie hat selber welche dabei. Ich hab ihr gesagt, dass ich sie gesehen habe. Sie leugnet es trotzdem.
Ich habe sie dann mehr oder weniger "rausgeschmissen", ich war so wütend und enttäuscht!!

Ja, soweit... Ich weiß einfach nicht, was ich noch denken soll. Ich bin alles zugleich: wütend, traurig, mitleidig, enttäuscht, will ihr helfen,... Ich finde es so schade, dass kein normales Gespräch möglich ist, weil sie so "aufgesetzt" ist, so gekünstelt, nichts ist mehr echt. Ich weiß, sie leidet wahrscheinlich auch sehr, aber das hilft ja nichts... Alle Gespräche scheitern, und wir hatten wirklich schon jede Sorte von Gespräch. Ich kritisiere sie nicht, ich halte ihr nichts vor, nur diese Lügerei und alles...

Und ich kann auch langsam selbst nicht mehr, eben besonders diese Lügerei macht mich fertig! :-[ Und dann kommt sie immer mit kleinen Geschenken hier an, auch für meinen Sohn, und das macht mich richtig wütend! Ich fühle mich richtig bestochen von ihr, so als würden die Geschenke das fehlende Vertrauen wieder gut machen. Ich kann nach so einem Besuch wieder nur Abstand nehmen, sonst macht es mich selbst verrückt!


Wer ist oder war in einer ähnlichen Situation und kann mir irgendwas raten??
Danke fürs Lesen!!

Beitrag von schnuffinchen 29.08.07 - 12:40 Uhr

Ja, ich habe (hatte?) ein ähnliches Problem mit meiner Schwester.

Allerdings hat die Dame ganz andere Geschütze aufgefahren, da sind die Aktionen Deiner Schwester "peanuts" #schwitz.

Ich kann Dir nur eines raten, vor allem auch im Sinne Deines Sohnes: Brech den Kontakt ab. Sie ist nicht bereit für Hilfe (die in erster Linie psychatrisch sein sollte!), und das einzige, was Du von ihr hast, sind Enttäuschungen.

Die Geschenkenummer kenn ich zur Genüge, aber letztlich bist Du nicht käuflich, und sie kann sich auch nur im ersten Moment ein gutes Gewissen erkaufen.


So hart es klingt - aber es ist das einzige, was Ruhe reinbringt.

Wenn Du Fragen hast, kannst Du mich gerne anschreiben :-).


LG

Beitrag von bobb 29.08.07 - 12:56 Uhr

ich war selber magersüchtig,hab aber nicht so einen mist gebaut,wenn aber auch gelogen(was essen und sport anging).

wenn ich dran denke,daß meine familie mich im stich gelassen hätte...na,vielen dank.

finde den tip-nett ausgedrückt-nicht in ordnung.
einschränken okay,aber nicht abbrechen.sie gehört zur familie und braucht hilfe.wenn sie jetzt fallengelassen wird,kann sie ganz abstürzen.
es ist nicht leicht,ich weiß selber,wie meine eltern gelitten haben.ich weiß nicht,ob ich es geschafft hätte,wenn ich alleine gewesen wäre.

lieber eine beratungsstelle aufsuchen und sich dort hilfe holen,als gleich den kontakt abbrechen.

Beitrag von laetitiajosephine 29.08.07 - 12:47 Uhr

Ein Verwandte einer Freundin ist auch magersüchtig mit allem drum und dran, zig therapien, meist abgebrochen, lügen, kein plan vom leben etc. die freundin hat sie sogar aufgenommen als die restliche familie ihr den rücken gekehrt hat, ist extra mit ihr zusammengezogen um sich um sie zu kümmern. alles hat sie mir nicht erzählt, aber es hat sie sehr belastet und sie hat sie bestohlen, genauso wie bei dir. inzwischen haben sie auch nur noch brüchigen kontakt, aber der freundin geht es wieder gut. sie hat sich entscheiden, sich nicht weiter einzumischen. und dasselbe rate ich dir. sie kommt so oder so nicht voran, dann kümmer dich wenigstens um dein eigenes wohlergehen. du hast doch schon alles menschenmögliche getan.

helfen tut man diesen menschen meist nur, wenn sie alleine dastehen. sie niemanden mehr haben, der alles entschuldigt, sie beschützt etc. dann müssen sie sich selbst um alles kümmern und entweder klappt es und sie kriegen mithilfe von therapie etc. die kurve, oder es klappt eben nicht. DU bist nicht schuld!

am besten gehst du zu einer beratungsstelle. viel besser noch wäre es, wenn sie selbst mitkäme. dort kann man dir bzw. euch helfen. vielleicht kann sie in einer art betreuten wohnen unterkommen.

alles gute!

Beitrag von curlysue2 29.08.07 - 19:17 Uhr

Hallo!

Erst einmal #liebdrueck

Ich selber habe auch Bulimie. Allerdings bin ich schon einen gr. Schritt weiter als Deine Schwester. Die meiste Zeit bin ich inzwischen stabil und habe es sogar geschafft eine Familie zu gründen. Ab und an habe ich, was mein Essverhalten betrifft Rückschritte, aber es hält sich (Gott sei Dank) im Rahmen. DieseRückfälle treten bei mir auch nur in Extremsituationen auf.

Was Dich und Deine Schwester betrifft: Sie ist noch nicht so weit sich wirklich helfen zu lassen. In dieser Situation wirst Du auch nicht zu Ihr durchdringen können. Sie ist nicht wirklich bereit sich Ihrer Krankheit bzw. ihrer Sucht zu stellen und sich helfen zu lassen. Und so schwer es auch fällt, Du wirst Ihr da nicht helfen können, noch nicht. Ich würde Dir raten den Kontakt zu reduzieren, aber ihr trotzdem Signale zu geben, dass Du für sie da bist, wenn sie irgendwann bereit ist sich wirklich helfen zu lassen.
Und Du solltest Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen. Gehe zu einer Beratungsstelle oder schließe Dich einer Selbsthilfegruppe an. Die gibt es inzwischen auch für Angehörige von Essgestörten. Oder schau mal im Internet, da gibt es auch Foren, wo Du Dich austauschen kannst. So siehst Du auch, dass Du nicht alleine bist. Versuche nicht dass mit Dir selber auszumachen, denn das ist mehr als schwer.

Hier noch ein paar Anlaufstellen und Links wo Du mal schauen kannst, viell. ist ja was für Dich dabei.

http://www.bzga-essstoerungen.de/

http://www.hungrig-online.de/

http://www.bundesfachverbandessstoerungen.de/de/2/index.html

http://www.bulimie.de/

http://www.anad-pathways.de/de/41/anad-die-beratungsstelle.html



Ich hoffe ich konnte Dir ein klein wenig helfen. Achja, Du kannst auch bei Eurem Hausarzt nach Adressen fragen, die haben meist auch Adressen von Selbsthilfegruppen und Psychologen usw. da.


Versuch auch Eure Eltern miteinzubeziehen, dass auch sie sich Hilfe suchen.

Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Stärke, denn die wirst Du brauchen. Und auch wenn es hart klingt, aber in erster linie muss Du an Dich denken!



LG

curlysue

Beitrag von colinchen 30.08.07 - 09:55 Uhr

Hallo,

ich möchte mich meiner Vorrednerin anschließen. Dass du den Kontakt reduzierst (da es dich und deine Familie ja sehr belastet) ist ok - aber lass sie nicht fallen.
Deine Schwester ist nicht "böse", sondern krank. Dass sie lügt und sich nicht richtig verhält, ist quasi ein Symptom ihrer Krankheit! Und wenn jemand erkältet ist, wird ja auch akzeptiert, dass er hustet (sorry für das lapidare Beispiel, aber es ist ja so).
Sie ist trotzallem deine Schwester. Ich würde ihr signalisieren, dass ich ihr immer helfe, wenn sie ihre Probleme wirklich bewältigen will, aber ich den Alltag, der durch ihre Krankheit belastet ist, nicht mehr aushalte.

Hast du eine Idee, warum sie in diese Krankheit abgerutscht ist? Was kompensiert sie mit ihren Fressanfällen? Was fehlt ihr? Liebe und Anerkennung erfährt sie sicherlich nicht zur Zeit (jemals?) - es ist ja auch grad schwer möglich, ich weiß.

Es gibt spezielle Beratungsstellen für Angehörige psychisch kranker Menschen (bei uns hier macht das die Diakonie). Vielleicht gibt es sowas bei euch auch. Ansonsten helfen dir auch andere Beratungsstellen weiter. Und wie oben schon erwähnt, die Internetseiten.

Alles Gute.
Colinchen.

Beitrag von bettyboo6 30.08.07 - 15:38 Uhr

Mein Mann hatte Bulimie - es trifft auch immer mehr Männer.
Den Kontakt abbrechen fände ich mehr als falsch - sie ist deine Schwester.
Und wenn es dir wirklich um die Kosten der Cremes etc geht... hm meine Schwester (gesund) könnte meine Cremes löffeln wenn sie wöllte.
Wenn es dir ums Lügen geht: das ist bei dieser Krankheit leider fast typisch. Mein Mann hat mich wegen der lapidarsten Sachen belogen, wo ich selbst heute noch nach dem Sinn frage.
Er verlor ständig seine Arbeit, da er regelmäßig krank machte. Auf Arbeit konnte er nicht seinen Fressattacken nachgehen, er war unter Kontrolle - also machte er lieber auf Arbeitslos.
Ich musste neben meiner Ausbildung sehen, wo ich das Geld herbekomme - Rechnungen wurden nicht bezahlt, Schulden wurden immer mehr und er hat unser Geld im wahrsten Sinne verfressen. (sorry, harter Ausdruck)
Ich war total überfordert mit der Lage, ich habe sehr sehr jung geheiratet und habe mich nicht getraut mich an fremde zu wenden.
Meine Ehe wurde die reinste Hölle und nach 5 Jahren bin ich Nachts geflohen, weil ich am Ende wirkliche Angst vor ihm hatte.
1 Jahr später starb mein Mann, kurz vor der Scheidung - die Todesursache konnte niemals geklärt werden, er war 28.

Such DIR hilfe von Leuten, die dir sagen können wie DU stark genug wirst, damit umzugehen.
Ich habe es nicht gemacht....

LG
die betty