Alkoholkrankheit

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Beitrag von sehn-sucht.08 01.09.08 - 22:15 Uhr

Guten Abend,

ich vermeide bewusst die Begrifflichkeit "Sucht", da dieser Begriff meiner Meinung nach aufgrund seiner Stigmatisierung nicht mehr verwendet wird.

Es handelt sich um eine anerkannte Krankheit - diese sich einzugestehen ist aber nicht leicht und geht nicht schnell von der Hand.

Okay, um nicht um den heißen Brei zu quatschen:
ich habe mich endlich entschlossen, einen Entzug zu machen (auch wenn sich der Alkoholkonsum auf den Feierabend konzentierte - die Menge und Dauer ist definitiv gesundheitsschädlich und krank) und werde diesen übermorgen antreten. Ich habe eine Riesenangst davor, wie dieser ablaufen wird; vor den Entzugserscheinungen, dem einwöchigen Eingesperrt werden, vor den Geschichten, die man in den Therapiegruppen hört und zu erzählen hat, vor einem alkoholfreien Leben in den nächsten 40,50 Jahren.

Deshalb bin ich auf der Suche nach erfahrungen - was darf man essen und kochen? Darf auch beim Kochen kein Alkohol verwendet werden? Da wir oft auswärts essen gehen (müssen) - worauf muss ich achten? Was kann ich meinem Mann mit an die Hand geben, worauf er sensibilisiert sein müsste?

Soviele Fragen.... ich freue mich auf übermorgen - auch wenn die Angst ab und an überhand nimmt....... wie sage ich es meinen Eltern und Geschwistern? Bisher sind nur mein Partner, eine liebe Freundin und die Ärzte eingeweiht.

Ich bin für jeden Tip dankbar, wie das Ganze in der Realität aussehen könnte!

Liebe Grüße
sehn-sucht.08

Beitrag von schokobine 01.09.08 - 23:01 Uhr

Hallo Sehnsucht :-)

Ich habe zwar selbst keine Erfahrung mit Alkoholkrankheit, der Onkel meines Mannes war aber - seit vielen Jahren schon - trockener Alkoholiker.

Was ich aus dem Alltagsleben weiß, ist, dass er auf gar keinen Fall mit Alkohol (in jeglicher Form) in Berührung kommen durfte. D.h., selbstverständlich nicht in Getränken (er sollte nach Möglichkeit auch keinen Apfelsaft trinken, nichtmal Apfelschorle!) und natürlich auch nicht im Essen. Das bedeutete z.B., keinen Alkohl in Kuchen, Saucen und auch kein Likör übers Eis oder sowas. Auch sollte auf keinen Fall etwas enthalten sein, was nach Alkohol schmeckt, wie z.B. Rum-Aroma.

Bei Medikamenten, wie z.B. Hustensaft o.ä. musste er natürlich auch höllisch aufpassen!

Er hat das alles nach seinem Entzug aber perfekt gemeistert! Er hat z.B. im Restaurant nachgefragt: Ist da Alkohol in irgendeiner Form drin? Ich bin trockener Alkoholiker und dürfte das in dem Fall nicht. Das fand ich sehr mutig und er stieß damit überall auf Verständnis und alles wurde entsprechend berücksichtigt. Es war also so gesehen kein Problem für ihn, auswärts zu essen. Was ich nur immer total blöd fand, war dass die Leute um ihn herum sich im Restaurant die Birne zugesoffen haben, und er musste zuschauen #aerger Ich meine, es ist nicht zuviel verlangt, selbst auf Alkohol zu verzichten, wenn ein Alkoholiker anwesend ist. Klar, er hat immer betont, dass er das nicht wollte, dass man Rücksicht auf ihn nimmt. Aber ich konnte ihm ansehen, wie schwer es ihm fiel, die anderen trinken zu sehen....
Wenn mein Mann und ich mit ihm und seiner Frau unterwegs waren, war das nie ein Problem. Wir haben einfach alles mögliche an alkoholfreien Sachen geschlürft und uns dabei genauso amüsiert, wie mit Alkohol. Eigentlich sogar noch viel besser, da keiner von uns schon nach zwei Gläsern müde war!

Wie gesagt, ich weiß vor allem, dass du nach dem erfolgreichen Entzug ALLES tun musst, um nicht mehr mit Alkohol oder irgendwas was so schmeckt oder riecht, in Berührung zu kommen.

Bin mir aber sicher, dass du während deines Klinik-Aufenthaltes ausreichend mit Tipps usw. versorgt wirst!

Ich wünsche dir alles Gute für die kommende Zeit und dann viel Spaß in deinem neuen Leben! :-)

LG Sabine

Beitrag von sehn-sucht.08 01.09.08 - 23:15 Uhr

Liebe Sabine,

danke für Deine lange Antwort!! Auch wenn ich nach wie vor Angst habe vor dem Entzug - weniger vor dem Entzug selber als vor den Folgen, die dieser für mich haben wird - es ist so schön zu lesen, dass es Menschen gibt, die einem Glück und alles Gute wünschen - im neuen Leben. Leute, die erzählen, dass sie erlebt haben, mit wieviel Respekt trockenen Alkoholikern entgegen gekommen wird ... eine Tatsache, die ich nie erwartet hätte, aber von den wenigen Menschen, denen ich mich offenbart habe, genauso erfahren haben - bei Dir jedoch handelt es sich um eine Fremde. Und solche Motivationen sind für mich wirklich ergreifend und wichtig - also lieben Dank hierfür!! Und natürlich auch für die "realistischen" Tipps -ich bin gespannt, wie das im Alltag zu leben sein wird.
Heute habe ich schon div. Rezepte vernichtet, in denen Alkohol eine so wichtige Rolle spielt, dass er nicht austauschbar zu sein scheint (z.B. durch Fischfond).

Liebe Grüße
sehn-sucht.08

Beitrag von jsteinba 02.09.08 - 09:28 Uhr

du hast doch schon den erten Schritt getan! Und für alles gibt es Alternativen. Ich lebe auch alkoholfrei. Meine Mutter ist Alkoholikerin und seit jetzt fast 20 Jahren trocken. Gekocht wird bei uns zu Hause nur ohne Alkohol. Selbst eine TiraMisu - für viele der Inbegriff von Alkohol schmeckt super ohne. Beim Kochen kannst du den Alkohol oft durch Fond, Saft (evtl. ergänzt durch einen Schuss Essig ersetzen).

Alles Gute.
Julia

Beitrag von schokobine 02.09.08 - 09:38 Uhr

Hallo Sehnsucht,

dass du Angst vor dem Entzug hast kann ich gut verstehen. Die hätte ich auch... Aber es kann dir ja nur zugute kommen, vielleicht kannst du diesen Gedanken immer im Auge behalten...

Ich wüsste auch nicht, warum man (s)eine Alkoholkrankheit verschweigen oder vertuschen sollte. Ich denke, dass wir alle mehr oder weniger suchtgefährdet sind. Jeder hat doch so seine eigenen Methoden, sich bei Sorgen, Ängsten und Problemen "etwas Gutes zu tun". Mancheiner greift halt nur leider zum verkehrten Seelentröster und dann ist die Abhängigkeit schnell da....

Ich z.B. neige dazu, bei Stress, Sorgen und schlechter Laune zur Schokolade zu greifen (daher auch mein Nick ;-)) Genaugenommen ist das meine Droge #schmoll Nur, dass sie halt nicht so direkte, zerstörerische Wirkungen auf den Körper und die Psyche hat, wie z.B. Alkohol. Geschadet hat sie mir trotzdem. Ich hatte innerhalb von 10 Jahren gut 25 kg Übergewicht aufgebaut. Dies habe ich mittlerweile wieder abgebaut - aber letztendlich auch nur mit Hilfe von "Entzug". Den konnte ich zwar selbst durchziehen - aber schwer fiel es mir anfangs auch. Jetzt fühle ich mich aber prima - und habe gelernt, mit Sorgen, Ängsten und schlechter Laune ganz anders umzugehen :-)

Das Kochen ohne Alkohol ist wirklich überhaupt kein Problem! Seit ich Kinder habe, verzichte ich komplett auf Alkohol im Essen (ansonsten auch - ich trinke auch keinen Alkohol). Wie du schon schreibst - man kann ihn wunderbar ersetzen, durch verschiedene Fonds, diverse Essig-Sorten, frische Kräuter, Gewürze oder einfach nur Gemüsebrühe. Einfach mal herumprobieren und nicht enttäuscht sein, wenn´s nicht gleich super schmeckt. Weiter probieren und kreativ sein! Ich koche sehr gern und auch oft ausgefallenere Sachen - und das alles ganz ohne Alkohol und mit nur äußerst wenig Fett und Sahne usw.

Nochmal alles Gute, ich drücke dir die Daumen, dass du durch deinen Entzug straight und mit erhobenem Kopf hindurchgehst!

LG Sabine

Beitrag von ich-habe-zwei-davon 02.09.08 - 08:54 Uhr

hallo,

erst einmal finde ich das klasse das du diesen schritt von alleine gehen möchtest #pro

ich kenne es aus der eigenen familie und weis was es bedeutet,.. du hast super tips erhalten aber dennoch möchte ich eines dazu fügen was die wenigsten wissen: du musst aufpassen beim duschgel - in vielen gelen ist alkohol enthalten - dieser alkohol darf nicht durch die haut in den körper gelangen

ich wünsche dir alles gute und durchhaltevermögen #blume#klee#blume#klee

Beitrag von schokobine 02.09.08 - 09:41 Uhr

Wow - Duschgel auch? Das wusste ich noch gar nicht. Naja, da gibt´s bestimmt auch gute Alternativen.

Was mir noch eingefallen ist - Parfum! Quasi alle Parfums enthalten Alkohol, soweit ich weiss. Auch das kann also leider gefährlich werden. Der Onkel meines Mannes hat auch nie After-Shave benutzt. Er roch trotzdem immer gut :-) - ich müsste mal nachfragen, was er benutzt hat. War ja mit Sicherheit auch was alkoholfreies.

LG Sabine

Beitrag von tragemama 01.09.08 - 23:21 Uhr

Hallo sehn-sucht.08,

wow - meinen Respekt!

Du darfst nicht mal alkoholfreies Bier trinken - da ist ein nicht angabepflichtiges Restlein drin, das genauso wie ein Schluck Wein in der Nudelsoße oder dem Stamperl Schnaps im Käsefondue einen Rückfall auslösen kann.

Aber das lernst Du alles in der Therapie.

Du schaffst das!

Andrea

Beitrag von sehn-sucht.08 01.09.08 - 23:27 Uhr

Liebe Andrea,

DANKE!!!!

Auch wenn es mir Angst macht, auf die Deklaration jedes Lebensmittels achten zu müssen (was ich aufgrund von Nahrungsmittelallergien schon gewohnt bin...) bzw. dies meinem Mann zu überlassen...

Ich finde es so schön und motivierend, hier nicht nicht als "asozial" abgestempelt zu werden sondern stattdessen mut gemacht zu bekommen.

Und dafür kann danke ich Dir / Euch allen Gleichgesinnten!!
A.

Beitrag von daniko_79 02.09.08 - 10:38 Uhr

Hallo

vieleicht schreckt Dich das ein wenig ab ...

Mein Vater hatte im November letzten Jahres eine starke Hirnblutung durch seinen Alkoholkunsum den er jeden Tag zu sich genommen hatte . Er hat es nicht eingesehn , hatte einen Epileptischen Anfall bekommen und dieser brachte es zu der Blutung im Gehirn . Er kam ins Kh , wurde Operiert , ins künstliche Koma gelegt ... Endergebnis er bleibt ein Pflegefall höchsten Grades . Dazu kam noch eine Leberzirrose im Endstadium das Ihm in Februar das Leben kostete . Er ist dahin vegetiert .. erbärmilch bis seine Oragne endlich versagten !

Kein schöner Anblick !

Der Arzt meinte nur das er Bayerisches Hobby hat das Ihm das Leben koset und so war es auch .

Dani

Beitrag von sehn-sucht.08 02.09.08 - 15:18 Uhr

Danke fürs Mutmachen :-(

Meinst Du, ich weiß nicht um die Folgen? Ich mache den Entzug sicher nicht aus Jux und Dollerei und ein Fake ist das hier auch nicht.

Sorry, aber das musste ich jetzt rauslassen - denn Dein Beitrag war für mich eher kontraproduktiv.

Alles Gute