Was ist plötzlich los mit ihm?!? Bindungsangst? Sonstige Probleme?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ratlose 03.09.08 - 21:53 Uhr

Guten Abend!

Ich muss meinem Frust hier einfach mal Luft lassen - vielleicht hat hier jemand ähnliches durch und kann mir Tipps geben oder seine Geschichte erzählen...

Vor 7 Monaten habe ich einen lieben, zurückhaltenden, aufmerksamen, bodenständigen, hilfsbereiten, ehrlichen Mann im Internet kennengelernt. Wie ich auch hat er in seiner Vergangenheit sehr viele Enttäuschungen mit Ex-Freundinnen erlebt, ist belogen und betrogen worden und war zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens schon 3 Jahre allein. In der Zeit hat er auch seine Mutter verloren, nach langer Krankheit.

Bis wir uns körperlich näher gekommen sind (erster Kuss) sind etwa 6 Wochen vergangen, alles hat sich sehr, sehr langsam entwickelt, was ja nicht unbedingt negativ zu betrachten ist! Aufgefallen ist mir nur immer, dass er sehr zurückhaltend mit Gefühlsäußerungen ist/war, ich habe im Laufe der Zeit gelernt, seine vielen Gesten mir gegenüber als solche zu deuten. Gesehen haben wir uns immer nur am Wochenende, meistens war mein Sohn(2 Jahre) dann mit bei ihm, das hat super geklappt. Nach einer Nacht brauchte er jedoch immer wieder Distanz, ganz selten bin ich mal 2 Nächte geblieben. Ich muss dazu sagen, uns trennen 75 km, ist also nicht mal eben möglich, sich zu sehen. Manchmal kam er überraschend auf mich zu, hat mich spontan zu sich eingeladen obwohl ich morgens erst heim gefahren war und dann am nächsten Wochenende wieder dieses Bedürfnis nach Distanz.

Seit 2 Wochen ist er wie ausgewechselt, alles hat angefangen mit einer SMS als Antwort auf eine von mir, in der ich ihm von einem Streit mit jemandem erzählt habe. "Ihm würde auch im Moment alles irgendwie zuviel", war seine Antwort darauf. Dann folgte extremes Zurückziehen, auch von Freunden und Nachbarn, exzessives Bodybuilding um entspannen zu können und nicht grübeln zu müssen (so sagt er), und eine Erklärung wieder per SMS, ihm sei bei dem Gedanken einer festen Bindung unwohl, das habe aber mehr mit ihm als mit mir zu tun... Häää ?!?#kratz


Seitdem zerbreche ich mir den Kopf, frage mich, was dahinter steckt - eine Depressive Phase, ein Burnout ( hatte seit 3 Jahren keinen Urlaub mehr in führender Position, aber von ihm aus um sich vom Tod seiner Mutter damals abzulenken), Bindungsangst aufgrund seiner Vorgeschichte??? An seinen kurzen Wochenenden stapeln sich dann seine Aufgaben, er hat ein Haus mit Garten, einen Vater, den er versorgt und unterstütztn - sein Schlafbedürfnis ist auch sehr hoch, klar, wenn man so durchpowert...Nächstes Wochenende wiederum sind wir verabredet - bis jetzt noch - ich begreif das alles nicht!:-(
Gibt es hier jemanden, der mit oben aufgezählten Problemen schon Erfahrung gemacht hat, entweder bei sich selbst oder beim Partner? Ich freue mich über viele Statements!
Ich will diesen Mann nicht aufgeben, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll! Ich habe das Gefühl, er hat ein echtes Problem und braucht Hilfe, aber wie komme ich an ihn ran??? Er ist für mich was ganz besonderes, sozusagen der Deckel auf meinen Topf! Wie kann es zu einem so plötzlichen Wandel kommen, es ist nichts vorgefallen!
Traurige, ratlose Grüße!
M.

Beitrag von hezna 04.09.08 - 07:08 Uhr

Eventuell haben sich ein paar Ereignisse noch zu denen gesellt, die er sich ohnehin jeden Tag aufbürdet und von denen du nichts weißt.

Es ist ja oft nicht die eine Aufgabe, die uns zum Rotieren bringt sondern die Summe aller.

Sicherlich hat er Probleme, aber sein Zurückziehen zeigt dir ja: bis hierher und nicht weiter. Jeder Versuch, ihn zum Sprechen zu bewegen, würde vermutlich scheitern.Und er würde noch mehr dicht machen.

Da er wie ein Bumerang immer zu dir zurückkommt zeigt doch, das er an dir interessiert ist und in 'guten" Zeiten deiner Gesellschaft bedarf.

Das er das auch für seine schlechten Zeiten braucht, wird noch dauern. Er ist im Lauf seiner Erfahrungen vorsichtig geworden und kann sich noch nicht so 100% auf dich einlassen, wie du es dir wünschst.

Vielleicht bringst du das Thema bei einem Treffen - bitte nicht per SMS - darauf, daß du dich manchmal abgeschoben und zurückgesetzt fühlst, wenn er dich plötzlich nicht sehen will und du gerne etwas mehr Sicherheit hättest, das alles in Ordnung ist.

Euer Miteinander ist alles in allem noch frisch. Laß ihm Zeit zu erkennen, daß du Mrs. Right bist.

Gruß Hezna #klee

Beitrag von ratlose 04.09.08 - 08:14 Uhr

Vielen lieben Dank für Deine Antwort! Ich werde, wenn ich ihn nächstes Wochenende sehe, versuchen, mal vorsichtig versuchen, ihn auf sein Verhalten anzusprechen und ihm signalisieren, dass ich für ihn da bin, wenn er mich braucht...
Alles nicht so einfach!
Dir einen schönen Tag...

Beitrag von nyiri 04.09.08 - 07:09 Uhr

Ihn zu bedrängen, wäre jetzt wahrscheinlich falsch. Das würde ihn eventuell nur noch mehr in die Isolation treiben. Ich gehe da von mir aus. Wenn ich ausgebrannt und "müde" bin, ziehe ich mich konsequent zurück und gebe mir selbst Zeit zum Erholen. Manchmal dauern solche Phasen nur 1-2 Tage, manchmal aber auch 3-4 Wochen. Kommt immer auf meinen Gemütszustand oder die Vorkommnisse an, die mich dazu bewegen. Es gibt solche Menschen, die in Problemsituationen zu Einzelkämpfern mutieren und sie wählen bei Konflikten meist die absolute Isolation, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Ich gehöre dazu.

Oft hat dieser Rückzug nichts mit dem jeweiligen Partner zu tun, sondern dient dazu, sich seiner Gefühle und Gedanken klarer zu werden. Manche Dinge lassen sich nur mit ausreichend Abstand objektiv und gesund behandeln. Nicht jeder sucht dann die Nähe zu Freunden oder dem Partner. Je mehr man einen Menschen dann bedrängt, der ein solcher Einzelkämpfer ist, desto schwieriger gestaltet sich das Ganze. Er/sie (ja, eigentlich wieder ich) macht "dicht" und wendet sich unter Umständen ganz ab, da es zu "kompliziert" wird. Man/frau redet dann auch nicht gerne. Tagelanges Schweigen kann die Folge sein. Das würde ich an Deiner Stelle nicht riskieren. In meinem Fall habe ich glücklicherweise Menschen um mich, die das wissen und damit leben - ist manchmal sicher nicht unbedingt einfach... #hicks

Sollte Dein Freund ein solcher Mensch sein, kann ich Dir nur raten, ihn unaufdringlich wissen zu lassen, dass Du "da bist", wenn er Dich brauchen sollte und würde mich vorerst in die Defensive begeben. Jedes Drängen auf Gespräche oder (sicher nett gemeinte) Hilfsangebote können das Gegenteil bewirken. Solche Menschen verhandeln ausschließlich mit sich selbst und nehmen sich (oft gewaltsam) die Zeit, eine Lösung für ihre Probleme zu suchen/finden. Wenn sie dabei jemand stört, fällt er/sie sehr schnell in Ungnade. Dieser Groll jedoch ist meist nicht von langer Dauer und verfliegt, sobald man/frau wieder eins mit sich selbst ist.

Klingt alles fürchterlich kompliziert, aber ich hoffe für Dich, dass das sein ganzes Problem ist. Ansonsten liegt der Hase woanders im Pfeffer, logisch...

Wie Du das heraus findest? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Egal, was er dazu sagt, Du musst ihm ja erstmal glauben und auf seine Motive vertrauen. Bindungsangst spielt bei solchen Menschen eine nicht zu unterschätzende Rolle, was aber tatsächlich nichts mit Dir persönlich zu tun haben muss. Zu viele Narben machen oftmals übertrieben vorsichtig. Geht mir nicht anders. Lässt sich ein solcher Mensch dann aber irgendwann voll und ganz auf Dich ein, hast Du einen Partner an Deiner Seite, der Dich mit jeder Faser zu lieben vermag. Der Weg bis dorthin ist allerdings enorm steinig und äußerst beschwerlich. Oberflächliche Menschen bleiben dabei meist am Wegesrand liegen. Nur perfekte Schauspieler mit Durchhaltevermögen oder wirklich reine Menschen schaffen es ans Ziel. Bei mir war es zuletzt ein Schauspieler... Eine Narbe mehr und eine Prise Vorsicht zusätzlich zur üblichen Dosierung sind die Folge.

Beitrag von ratlose 04.09.08 - 08:25 Uhr

Lieben Dank für Deine so aufschlussreiche Antwort! Interessant für mich, eine mögliche Erklärung für sein Verhalten von jemandem zu lesen, dem es offenbar zeitweise ähnlich geht.

Mich verwirrt das ganze ein wenig, weil ich bei Kummer und Sorgen eher den Kontakt zu anderen Menschen suche.

Ein kleines Beispiel noch - bisher hat seine Nichte sein Haus einmal in der Woche saubergemacht, nun hat sie ihm aus zeitlichen Gründen abgesagt. Vor kurzem noch, wenn sie dann mal wieder nicht da war, hat er gerne meine Hilfe angenommen, hat sich riesig gefreut, wenn ich ihm irgendetwas abgenommen habe. Letzte Woche schreibt er mir, sie kommt nun nicht mehr und er müsse nun das auch noch alleine machen. #kratz Grundsätzlich weiß er aber, dass ich ihm gerne etwas abnehme, um ihn zu entlasten. Du siehst, er macht total dicht, und wie gern hat er sonst meine Hilfe angenommen, bei allen möglichen Kleinigkeiten.

Er legt sich im Moment nach der Arbeit direkt ins Bett, wenn er nicht sein einschlafförderndes, Gedankenabschaltendes exzessives Training begeht... Das geht jetzt fast 3 Wochen so, ich hoffe, das hat bald ein Ende... Wenn ich ihn nicht vollkommen anders kennengelernt hätte, würde ich heute glauben, er ist ein A...loch! Aber er ist ein wunderbarer, ehrlicher Mensch. Schade, das alles auf einmal so ist!

Ganz liebe Grüße, Du hast mir sehr weitergeholfen!

Beitrag von nyiri 04.09.08 - 09:18 Uhr

Gern geschehen...

Vielleicht bittet er ganz einfach nicht gerne um Hilfe, was nicht heißt, dass er sie nicht gerne annimmt. Nur fällt es manchen Menschen schwer, darum zu bitten - mir auch... ;-)

Nur wenn's üüüberhaupt nicht anders geht, dann erst bitte ich meine Mitmenschen um ihr Zutun. Aber vorher verbiege und winde ich mich wie ein Aal, um es vielleicht doch alleine hinzukriegen. Wer weiß, vielleicht ist er auch so gestrickt und im Moment wächst ihm alles über den Kopf.

Warte etwas ab, vielleicht klärt sich die ganze Sache auf. Im Prinzip spreche ich sehr offen über mein Ego, allerdings erst, wenn es mir wieder besser geht. Niemals wenn ich gerade in einem solchen Tief stecke. Dann suche ich mir andere Ventile für meine Gedanken, selten sind das Freunde oder andere nahe stehenden Personen. Es ist nicht leicht, mit solchen Menschen klarzukommen, aber wenn man darum weiß, kann das funktionieren.

Hoffen wir mal, dass er keine anderen Beweggründe hat.

Beitrag von schon_do 04.09.08 - 07:09 Uhr

Hallo,

hmm hast noch keine einzige Antwort erhalten, ich denke dass er einfach nur bisschen überfordert ist, es evtl. echt so ist wie er sagt... dass ihm alles zuviel wird...

Ich meine, er hat nach langer Krankheit seine Mutter verloren, das ist ja wohl auch nicht ohne und schrecklich ohne Ende...
Vielleicht muss er da erstmal für sich finden, wiederum verstehe ich auch nicht wie er einen Menschen, den er angeblich liebt, so gleichgültig sein kann und Dich "fallen" lassen will....hmm so genau kann man das auch nicht hier beantworten da man Euch ja gar nicht kennt und die näheren Umstände usw.

Trotzdem alles Gute auch wenn Du durch mein Posting nicht schlauer geworden bist!!

Schönen Tag

Beitrag von schon_do 04.09.08 - 07:20 Uhr

oh doch schon Antworten....*grins**
naja ist ja noch früh!!

Beitrag von stormkite 04.09.08 - 08:56 Uhr

Hallo Ratlose,

kann sehr gut sein, das er sehr viel zu tun hat, und mehr Zeit und Raum für sich selber braucht.

So. Und du?

Was brauchst du in einer Beziehung, um glücklich zu sein? Kann ja sein, das du selber jemand bist, der gerne seinen Freiraum hat, und sich nicht verletzt fühlt, wenn der Partner sich immer wieder zurückzieht.

Dann ist das der richtige Mann für dich, und du wirst mit ihm sicher sehr glücklich.

Vielleicht hast du aber ganz andere Vorstellungen: Unbeschwerte, gemeinsame Wochenenden, verläßliche Treffen,Zeit füreinander, Planen einer gemeinsamen Zukunft, und dergleichen mehr ...

Dann bist du gut beraten, wenn du für dich überlegst, was du brauchst, um dich glücklich zu fühlen, und dann überlegst, ob dieser Mann es dir geben wird, oder nicht.

Und zwar jetzt, nicht irgendwann mal, in 5 Jahren, vielleicht ...


Beitrag von muggles 04.09.08 - 09:22 Uhr

In so jemanden war ich auch einmal sehr verliebt. Sein Verhalten war ganz aehnlich dem Deines Freundes.

Am Anfang hatte ich noch ganz viel Verstaendnis, aber ziemlich bald wurde ich unzufrieden, weil wir einfach nicht naeher "zusammen rueckten".

Ich habe das Thema mehrfach mehr oder weniger indirekt auf den Tisch gebracht. Als Antwort gab es zustimmendes Nicken, aber mehr auch nicht. Eine Verhaltensaenderung gab es nicht, auch keine haeufigeren Treffen. Irgendwann war ich richtiggehend verzweifelt und habe geklammert; daraufhin hat er sich von mir getrennt.

Heute weiss ich, dass er einfach ein anderes Beduerfnis nach Naehe hat als ich. Er braucht einfach weniger Partnerschaft als andere Menschen. So wird es bei Deinem Freund auch sein. Entweder akzeptierst Du es so wie es ist, oder Du musst Dich trennen.

Er wird sich nicht aendern, denn er ist ja mit der Situation zufrieden. Deshalb brauchst Du ihm auch keine Hilfe anzubieten.

Du kannst versuchen, mit ihm Klartext zu reden, damit er versteht, wie Du Dich in dieser Situation fuehlst. Ist er gewillt, etwas zu aendern, wird er es tun. Wenn nicht, wird Eure "Beziehung" keine Chance haben, es sei denn, Du machst viele Abstriche.

Liebe Gruesse, Claudia

Beitrag von snoopy777777 04.09.08 - 10:51 Uhr

viele sollten hier lernen, nicht die männer umzuformen und recht nicht ihnen zu helfen. ihr frauen würdet besser krankenpfleger werden

Beitrag von joulins 04.09.08 - 11:12 Uhr

Snoopy!!

So sehr ich deine oft verblüffend zielgeraden Direktschüsse schätze, aber das war am Thema vorbei!

Sie will ja nichts "umformen" - sie will nur begreifen, warum er so viel weniger Nähe zu ihr sucht, als sie es gern möchte.

Und viele der anderen Antworten waren doch absolut richtig: daß man mit unterschiedlichen Bedürfnissen nach Nähe irgendwie umgehen muß - ohne daß es gleich heißen muß, daß keine Gefühle vorhanden sind.

Snoopy, liest du eigentlich die Beiträge und Antworten auch richtig durch? #kratz

Joulins

Beitrag von ratlose 04.09.08 - 11:53 Uhr

Danke Dir! Ich will tatsächlich niemanden umformen - übrigens bin ich sogar Krankenschwester...;-)

Deswegen vielleicht ( Hintergrundwissen) vermute ich ja, dass ein Problem hinter seinem Verhalten steckt, eine depressive Verstimmung, eine Bindungsangst oder ein Burnout-Syndrom... Ich wollte mal in die Runde fragen, wie man mit so etwas umgeht, wie die Erfahrungen so sind, sowohl von betroffenen als auch von Partnern solcher... Ich mag ihn, so wie er ist, auch seine Art, wenig Gefühle zu zeigen, aber seine urplötzliche Zurückgezogenheit macht mich halt unsicher und nachdenklich.
Ich weiß nicht, wie ich ihn unterstützen soll, finde es schwer, den richtigen Weg zwischen Nähe und Distanz zu finden... Na ja,...