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Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von why-is-me-so-dumb 04.09.08 - 10:58 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin, aber vielleicht könnt Ihr mir ja weiterhelfen.

Wer von Euch hat Erfahrungen mit den Reaktionen körperlich gesunder Kinder auf besondere Kinder oder Menschen?
Meine Schwiegermutter ist seit zwei Schlaganfällen halbseitig gelähmt und mein Sohn (4 Jahre alt) kann gar nicht damit umgehen, obwohl er sie nie anders gekannt hat.
Sie ist voll in die Familie integriert, ist überall dabei und alle gehen halt ganz normal mit ihr um.
Aber mein Sohn ist fast schon gemein zu ihr, allerdings nur, wenn ich nicht dabei bin.
Wie kann ich ihm beibringen, dass er sich ihr gegenüber auch ganz normal verhalten kann/soll?

Es ist mir so peinlich, dass er so reagiert und meine Schwiegermutter tut mir richtig leid.

Ich hoffe, Ihr habt einen Tip für mich!

Schon mal vielen Dank,
Sophie

Beitrag von dominiksmami 04.09.08 - 11:37 Uhr

Hallo,

also...da kann ich mir nur vorstellen das dein Sohn irgendwo was falsches aufgeschnappt hat...irgendwo verunsichert wurde.
Denn wenn ich von den Kindern hier ( mein Sohn, Freunde etc) ausgehe, dann kenne ich so eine Reaktion von den Zwergen nicht. Gut..so ziemlich alle fragen nach, z.B. warum sieht die/der so seltsam aus, warum läuft die/der so anders etc. Aber das die Kinder böse reagieren habe ich noch nicht erlebt, allerdings bin ich "nur" Mutter und hab sicher nicht die riesen Erfahrung!

Hier werden die Kinder aber auch recht früh daran "gewöhnt" hier in den Niederlanden gibts irgendwie mehr Altenheime..Pflegeheime...betreutes Wohnen und dergleichen als ich es aus Deutschland kenne und es ist ganz oft so das die Kindergartengruppen einfach mal die alten Leute "besuchen" gehen...mit ihnen spielen, sich Geschichten erzählen lassen, für sie basteln...aber auch von ihnen gebasteltes bekommen oder sogar mit ihnen gemeinsam basteln. Der Kindergarten in dem mein Sohn war hat das ungefähr alle 3 Monate mal gemacht so für 1 bis 2 Stunden sind die ins nahegelegene Alten/Pflegeheim hinüber.
Mein Sohn war immer ganz stolz weil er bei "Seiner" Kindergartenoma schonmal mit im Rollstuhl fahren durfte und sie ihm so schön vorgelesen hat *g*.

Dadurch ist der Umgang der Kinder mit alten und behinderten Menschen ein recht natürlicher, so empfinden wir es zumindest.

Ich denke du mußt es ihm so kindgerecht wie möglich erklären, aber sicher nicht zu doll schimpfen..um den Druck aus der Situation zu nehmen. Deine Schwiegermutter darf ihm gegenüber ruhig zugeben das er sie verletzt hat. Versuche mal rauszufinden ob vielleicht irgendwer in seiner Umgebung etwas böses oder abfälliges gesagt haben könnte.

liebe Grüße

Andrea

Beitrag von scrollan01 04.09.08 - 12:01 Uhr

Hallo,

Dein Sohn ist Caspar - nicht wahr? (anderes Forum hier).

Hm, also ich habe eine EX- Schwägerin die geistig behindert ist!

Meine Kleine hat sie quasi von Beginn an erlebt - immer mal wieder gesehen! Erst mit 3 Jahren frate sie dann, was los sei!

ich erzählte ihr das und klärte sie auf!

Das verstand sie schon recht gut. Und ich sagte auch daß sie nichts dafür kann denn im Bauch der Mama war sie gesund, erst bei der Geburt wurde sie so wie sie ist! (Sauerstoffmangel).

Und damit hatte sich das Thema erledigt!

Unsere Kleine ist körperbehindert - bzw. Organbehindert ;-)

Die kann ich ja auch nicht umtauschen! Und manchmal sieht auch sie nicht so toll aus und besonders wenn der Bauch dicker ist, kam mal ein "das ist ja voll ekelig" raus!

Da sprach ich mit ihr und sagte, daß Lilli das versteht und es sie sehr traurig macht - ebenso wie mich! Weil ich sie so liebe wie sie ist!

Und da meine Große Sichelfüße hatte und einen Fuß ab und zu immer noch etwas eindreht sage ich:"Du, das finde ich auch nicht ekelig. Das bist doch du!"

Seitdem kam nie was negatives!

Die Kleine kommt in den integrativen Kiga - da wid sie damit sofort konfrontiert werden und gut ist! ;-)

Beitrag von why-is-me-so-dumb 04.09.08 - 12:09 Uhr

Hallo Scrollan,

vielen Dank für Deine Antwort!
Natürlich habe ich mit Caspar gesprochen. Seine ehemals beste Freundin (welche leider zu den Sternen gehen musste) hatte eine schwere Stoffwechselkrankheit, war leider an den Rollstuhl gefessselt und hatte eine PEK-Sonde. Mit der ist er wahnsinnig toll umgegangen, hatte gar keine Berührungsängste oder sowas.
Aber bei meiner Schwiegermutter: Ich kenne ihn so nicht! Bis auf diese eine Aussage von ihm dreht er den Kopf weg, wenn ich auf das Thema zu sprechen komme und tut so, als würde er mich nicht hören.
Ich weiß echt nicht mehr, was ich machen soll.

Viele Grüße,
Sophie

Beitrag von why-is-me-so-dumb 04.09.08 - 12:02 Uhr

Liebe Andrea,

erstmal vielen Dank für Deine Antwort!
Was Du aus den Niederlanden erzählst ist in Deutschland leider noch ein Wunschtraum...
Und nochmal zu meinem Sohn:
Eine sehr gute Freundin von mir hat eine kleine Tochter, welche an einer schlimmen Stoffwechselkrankheit (Mitochondriopathie Komplex 4) gelitten hat. Wir haben oft etwas zusammen mit den Kindern unternommen doch vor 1 1/2 Jahren ist die Kleine an ihrer Krankheit gestorben.
Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann, warum Caspar so gemein reagiert, ist der, dass er Angst vor einem erneuten Verlust hat.
Er hat sicher von niemandem etwas schlechtes oder abfälliges über meine Schwiegermutter gehört, aber er sagt ihr z.B ins Gesicht, dass er nicht will, dass sie zu seinem Geburtstag kommt oder verschenkt Apfelstücke an alle, nur sie bekommt keines von ihm.
Als ich ihn gefragt habe, warum er sie so behandelt hat er geantwortet:
"Die ist hässlich, ich mag sie nicht und sie hat immer hässliche Kleider an."
Ich war und bin so schockiert! Und da er nur zu ihr so ist und das auch nur, wenn ich oder mein Mann nicht da sind, dann kann ich erst 4 Stunden später darauf reagieren.
Meiner Schwiegermutter hab ich schon gesagt, dass sie gleich darauf reagieren soll und sein Verhalten nicht wie bisher ignorieren soll.
Es ist echt schlimm für alle beteiligten, dass er so ist.

Viele Grüße,
Sophie

Beitrag von scrollan01 04.09.08 - 12:41 Uhr

Hallo zurück!

Hm, ... dann würde ich es doch mal eine zeitlang so machen, daß sie ihn eben nicht mehr mitnimmt.

Das hört sich hart an, aber manchmal muß man die Kinder einfach auch mal konfrontieren!

Sicher ist er noch "klein" - war meine auch - aber ich habe sie dann auch eine Zeit nicht mehr itgenommen oder hingelassen!

Und während meine Mutter die soooo doofe Oma war, obwohl sie sich echt kümmerte und sie die ersten 3 Jahre in Teilzeit betreut hatte, war meine SM immer die Tolle!

Weil es da auch immer Süßkram gab!

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Kinder sich auch wieder ändern!

Es scheint also nicht an einer Behinderung als solche zu liegen, daß er sich so verhält - sondern er hat einfach momentan eine Phase, die echt nervt!

Das legt sich wieder - ehrlich!

Du mußt nur immer Klartext reden und ihn daheim behalten, wenn die Cousins mitdürfen!

Wenn er sich benimmt, dann darf er zur Belohnung mit!

Einfach alles mal umkehren statt bestrafen!

LG Srollan

Beitrag von why-is-me-so-dumb 04.09.08 - 13:16 Uhr

Liebe Scrollan,

ich glaube, so werd ich's auch machen.
Das wird zwar für die arme Oma auch nicht leicht, aber so wie es jetzt ist, geht es auf gar keinen Fall!
Wenn wir am Wochenende wieder hinfahren, kann ich ihm ja sagen, dass er bei einem Freund oder der anderen Oma bleiben kann, weil wir nicht wollen, dass er sich wieder so gemein verhält, wenn wir ihn mitnehmen.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass das funktioniert.

Danke für den Rat und Dir noch einen schönen Tag,
Sophie

Beitrag von dominiksmami 04.09.08 - 13:13 Uhr

Ja genau sowas meinte ich mit Verunsicherung...eben das er Angst hat vor der Situation. Und wenn du jetzt sagst das könnten Verlustängste sein, denke ich dass das ein Ansatz ist...denn wenn er seine Oma nicht mag..dann muß es ihm ja auch nicht weh tun wenn er sie verliert... Solche Gedanken nehmen recht schnell gestalt an in Kinderköpfen!

Ja es ist sicher schlimmer für euch, das glaube ich dir *knuddel* aber schimpf nicht zu doll...denn gerade wenn wirklich Angst dahinter steckt muß er absolutes Vertrauen haben um sich zu öffen.

liebe Grüße

Andrea

Beitrag von nicola_noah 05.09.08 - 15:34 Uhr

Hallo Sophie,

Ich habe 6 gesunde Kinder und unser Jüngster,Maximilian ist Schwerstbehindert.
Geistig sowie Körperlich.
Er hatte mehrere Schlaganfälle etc etc und eine rechtsseitige Körperlähmung.
Max lag sehr lange im Krankenhaus und für meine großen war es schon sehr komisch.
Aber ich habe meine Kinder sehr offen erzogen und ihnen alles erklärt.
Zudem habe ich selber eine Große Behinderte Schwester.
Ich bin damit quasi aufgewachsen.
Max Geschwister haben ihn so angenommen wie er ist.

Für Viele gesunde Kinder die nie mit (ich sage immer) besonderen Menschen in Kontakt gekommen sind ist das schon eine sehr komische Situation.
Kinder sehen und merken natürlich das diese Menschen anders sind als andere.
Aber das kann man nur ändern indem man sie langsam da heran führt.

LG

Nicola

Beitrag von minimind 05.09.08 - 23:08 Uhr

Hallo Sophie

ohne dir wehtun zu wollen
muß ich dir sagen, dass dein Sohn nicht gesund reagiert

und das dass wahrscheinlich mit dir oder euch -
zumindest aber mit dem Umfeld und den Lebensumständen deines Sohnes zu tun hat.

normalerweise haben kleine Kinder ÜBERHAUPT kein Problem mit "anderssein"- also Behinderung.

Im Gegenteil.
Gerade diese unverdorbenen Kleinen haben besonders viel Empathie, Mitgefühl, Fürsorgeinstinkt- intuitiv und auch im spielerischen Sinn ( in keinem anderen Alter wird soviel um Kuscheltiere gebangt, werden Holzkühe gefüttert, Puppen in der Gegend rumgefahren und mit Brei verstopft )

Ausschlaggeben war der Satz: "... allerdings nur, wenn ich nicht dabei bin." :

- wenn ein 4- jähriger zu jemandem gemein ist, der erwachsen ist ( dies allein sollte schon eine Bremse sein )
- von dem er weiss, das dieser hilflos ist
- und es im ALLEINSEIN mit diesem tut -
- was heisst das er sich dessen ganz BEWUSST ist,
DAS er etwas (AN)TUT.

.....heisst dieses, das dein Sohn zur Zeit ein Problem fehlender Anerkennung, eigener Machtlosigkeit, zu wenig Zuwendung/ Aufmerksamkeit/ Bestätigung o.ä. hat.

Und das so massiv, das er bereits jetzt - unbewusst bewusst Schwächere "dengeln" muss um selbst ins Selbstwert- Gleichgewicht zu kommen.

Ich rate dir DRINGEND, sehr kurzfristig einen Termin mit einem Kinderpsychologen zu machen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Nicht der Oma wegen sondern weil dein Sohn bereits jetzt- aus bisher ungeklärten Gründen- sozial abnormal reagiert
und sich die Erfahrungen, die er zur Zeit macht, vorraussichtlich nicht unbedingt positiv auf seine weitere psychosoziale Entwicklung auswirken werden.

wie gesagt- nahezu garantiert:
es "liegt" nicht an deinem Sohn sondern an:
finde es heraus und ändere es..

lg

Petra

Beitrag von why-is-me-so-dumb 07.09.08 - 10:47 Uhr

Liebe Petra,

danke für Deine Antwort.
So dramatisch wie Du sehe ich die Situation nicht.

Caspar hat seine beste Freundin (die Tochter meiner besten Freundin) von Geburt an gekannt und mindestens 3 Mal die Woche haben wir etwas zusammen unternommen.
Die Kleine litt an einer schweren Stoffwechselkrankheit. Sie konnte ihre Muskulatur nicht benutzen, sprich: nicht sitzen, laufen, sprechen, schlucken, greifen... Die Beiden waren trotzdem beste Freunde. Caspar war immer liebe- und verständnisvoll mit ihr, hat es genossen, den Clown zu spielen und sie zum lachen zu bringen.
Vor etwas mehr als einem Jahr musste die Süße zu den Sternen gehen. Das war sehr schlimm , auch für Caspar.
Auch im Kindergarten (er ist in einer Koop mit Kindern von 3 Monaten bis 6 Jahren) erzählen mir die Erzieherinnen, dass er Babys so gerne mag und sich rührend um sie kümmert.
Er nutzt also keinesfalls jede Gelegenheit, um "Schwächere" zu dengeln. Und meine Schwiegermutter ist alles andere als hilflos! Sie ist zwar stark eingeschränkt, hat aber mit einem riesen Ehrgeiz wieder Laufen, Sprechen und Schreiben gelernt und besteht darauf, so viel wie nur möglich selbstständig zu machen.
Aber als ich Deinen Text gelesen habe, ist mir doch etwas eingefallen:
Ich glaube, dass Caspar einerseits Angst davor hat, dass noch ein besonderer Mensch in seinem Leben sterben wird und lässt sie deswegen nicht so nah an sich ran und andererseits kann es gut sein, dass er mit seiner Oma zu oft die Trennung von uns Eltern verbindet. Da wir beide sowohl studieren als auch arbeiten (müssen), sind wir öfters auf die Hilfe unserer Eltern angewiesen. Das bedeutet für Caspar: Wenn die Oma kommt, haben meine Eltern keine Zeit für mich.
Und dann denke ich noch, dass meine Mutter, sollte Caspar ihr gegenüber so reagieren, souverän reagieren würde und ihm gleich beim ersten Mal klar machen würde, dass sie das nicht akzeptiert und dass sie das verletzt.
Meine Schwiegermutter hingegen (zumal sie "nur" Stiefoma ist, ich mache da aber keinen Unterschied) traut sich das nicht. Sie sagt nichts dazu und erzählt es mir dann 5 Stunden später.
Ich werde folgendes tun:
1. Ich werde mit Caspar sprechen und ihm sagen, dass hier vorerst niemand stirbt, außer es passiert etwas schlimmes wie ein Unfall
2. Ich werde mit meiner Schwiegermutter sprechen und ihr sagen, dass sie auf solches Verhalten sofort reagieren muss und dass sie dabei meine vollste Unterstützung hat
3. Ich werde mehr mit Caspar und Schwiegermutter zusammen unternehmen, damit Caspar sieht, die Oma gibt es auch, wenn die Mama da ist und wir können schöne Sachen zusammen machen.

So, und falls Du wirklich durchgehalten hast und meinen teils wirren Schreib-Flash bis hier her gelesen hast (Respekt!),
dann wünsch ich Dir noch einen schönen Sonntag und nochmals vielen Dank für Deine Antwort!

Sophie

Beitrag von bipi168 06.09.08 - 12:07 Uhr

Hallo,
ich denke auch irgendetwas ist da schief gelaufen, vielleicht hat er mal eine abfällige Bemerkung gehört oder sonstiges da Kinder eigentlich wirklich keinen Unterschied machen, gerade wenn sie es nicht anders kennen.
Unser zweiter Sohn Tim ist behindert, erfahren haben wir es da war er 2 Jahre alt.
Meine Tochter Lea hat ihn von Baby nicht anders gekannt, genauso wie die anderen Geschwister.
Ich habe es Ihnen erklärt und sie leben ganz normal mit ihm, auch unser Patenkind oder Freunde der Kinder machen keinen Unterschied ABER es gibt auch Kinder die meinen Tim wäre wohl ansteckend und das kommt eindeutig von den Eltern.

Du musst dringend mit ihm reden und die Sache klären, es ist erstens verletztend für deine Schwiegermutter und in ein paar jahren wirst du richtig Probleme mit ihn bekommen.
mfg