Der Hartz4 - Satz noch viel zu hoch

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Beitrag von pati_78 04.09.08 - 22:21 Uhr

Hallo!

Es ging heute durch die Medien und ich habe noch den passenden Artikel dazu gefunden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,576376,00.html

Zwei Wirtschaftswissenschaftler haben ausgerechnet, dass der aktuelle Satz von 345 (?) Euro als Existenzminimum zu hoch ist und man mit 132 Euro im Monat auskommen muesste.

Wie sieht ihr das?
Zu meiner Person: Ich musste im Studium auch mit weniger zurecht kommen und es ging....
Aber auf Dauer? Neeee!

Aber: Kann man auf Dauer wirklich davon leben und sich gesund ernaehren?
Mit Besen statt Staubsauger und Bibliotheksbesuch statt Fernsehen und Internet.......

Beitrag von anyca 04.09.08 - 22:28 Uhr

Einen (!) Monat lang ginge das vielleicht, aber auf Dauer unmöglich. Da kann man sich ja im Zweifel kein Stopfgarn mehr leisten, um die kaputten Socken noch mal zu reparieren ... #gruebel

Ein, zwei Euro im Monat für Kommunikation anzusetzen ist doch menschenunwürdig, da ist ja noch nicht mal mehr ein Telefonanschluß drin, geschweige denn daß man ins Internet kann um z.B. bei ebay was günstiger zu bekommen #kratz

Beitrag von nightingale1969 04.09.08 - 22:35 Uhr

Schreiben sie doch in der Studie: Hat man alles in der (Chemnitzer) Stadtbibliothek, in der die Leihgebühr 1,- €/Monat beträgt.

Sie setzen für einen Anorak für einen Erwachsenen 9,99 € an. Wo?! Bei KIK? Klasse, dann kauft das Prekariat bei Menschen ein, die in absolut prekären Arbeitsverhältnissen stehen und "darf" sich zudem noch in chemiebelastete Klamotten hüllen, die anderswo auf der Welt von ausgebeuteten Billigstarbeitern gefertigt wurden (und weswegen hier viele gering Qualifizierte keine Jobs mehr finden und folglich von ALG II leben müssen...).

Nebeneffekt eines geringeren ALG II-Satzes: Es würden nicht mehr soviel arbeitende Menschen im ergänzenden ALG II-Bezug landen. Und man könnte ihnen von Seiten der Wirtschaft wunderbar zurufen "Was wollt Ihr denn? Ihr bekommt doch genug Lohn!"

Wer hier nicht merkt, dass diese Studie vor allen Dingen Wirtschaftsinteressen bedient, der merkt auch sonst nicht viel.

Beitrag von violinista 05.09.08 - 08:43 Uhr

Vor allem muss man anschauen, dass die Preise von 2006 sind. Hat sich ja auch einiges getan in der Zwischenzeit. Bei uns z.B. bekomm ich zu den Preisen, die die angeben auch im Discounter kein Brot / Nudeln usw. Auch in der Bücherei komm ich mit DEM Jahresbetrag nirgendwohin: in der kleinen Ortsbücherei kostet die Jahresgebühr 13 €, in der nächsten Stadt (die aber zu Fuß für denjenigen eh nicht zu erreichen wär, alles andere ginge aber finanziell nicht) 18€. und: Wo bleiben Dinge wie Strom, Bewerbungskosten, Kosten für Brille, Zuzahlungen beim Arzt, Rezeptfreie Medikamente (z.B. Nasenspray, Kopfwehtabletten) usw. - viele Posten wurden schlicht und ergreifend vergessen.
Zudem:
Jemand, der sich nicht mehr ordentlich kleiden kann wird auch keine Chance in einem Vorstellungsgespräch haben und ewig in ALG2 hängen.
Bei dem niedrigen Betrag, den diese Wissenschaftler dem Einzelnen zugestehen, ist vorauszusehen, dass derjenige in tiefe soziale Isolation rutschen wird, mit entsprechenden psychischen Problemen. Die Folgen für die Gesellschaft würden wohl horrend sein:
Steigende Kosten fürs Gesundheitswesen, höhere Kriminalität usw.

lg Violinista

Beitrag von nightingale1969 04.09.08 - 22:28 Uhr

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=28&tid=1651804&pid=10655866

Tipp an alle: Einfach mal den Selbstversuch machen und davon leben. Kinder erhalten dann entsprechend weniger analog der jetzigen Leistungen, nicht vergessen, bitte.

Ch.

...die diese Studie widerwärtig findet...

Beitrag von nightingale1969 04.09.08 - 22:49 Uhr

http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl4/interessantes/Soziale_Mindestsicherung_2008_komplett.pdf

Die Tabellen ab Seite 19 sind interessant... die Preise für Schuhe - klasse. Der gemeine Hartzi soll seine Füße wohl nur in Syntetik-Schrott hüllen...

Nee nee nee.

Beitrag von whitewitch 04.09.08 - 23:21 Uhr

Ich habe das auch gesehen heute und ich bin schockiert, kenne selber jemanden der Hartz4 bezieht. Sie hat noch eine Tochter zu Hause und kann sich selbst nicht mal neue Unterwäsche leisten. Nicht mal die vom Krabbeltisch. Ich meine Hallo wo soll das noch hinführen. Die die das ausrechnen wissen doch gar nicht wie das ist. Gesund ernähren, definitiv nicht möglich!!!

Beitrag von seehundandi 05.09.08 - 00:11 Uhr

Wer solch einen Schwachsinn glaubt ist selbst schuld. Das ist reine Meinungsmache von Millionären

Beitrag von sranda76 05.09.08 - 07:26 Uhr

Hallo

Als ich noch gearbeitet habe,dachte ich das auch immer,das die Hartz 4 Empfänger viel zu viel bekommen.Doch letztes Jahr verlor ich meine Arbeit,da ich nicht in Schichten arbeiten kann.Bin alleinerziehend und habe wirklich niemanden ,der meinen Sohn betreuen kann,außerhalb der Kita Öffnungszeiten.Hatte als Verkäuferin gearbeitet.Seit diesem Jahr lebe ich nun von Hartz 4 und ich muss sagen,das der Hartz 4 Satz viel zu niedrig ist.Ich gehe zur Tafel und gehe in die Kleiderkammer Bekleidung kaufen,da wir sonst am Ende des Monats nichts mehr zu essen hätten oder nichts zum anziehen hätten.Ich habe gegen meinen Arbeitgeber geklagt und auch die 1. Instanz gewonnen.Nun geht es in die 2.Instanz,da der Arbeitgeber Berufung eingelegt hat.Obwohl ich gewonnen habe,muss ich weiterhin von Hartz 4 leben und mein Arbeitgeber wartet nur darauf,dass mir die Luft ausgeht und ich aufgebe,aber das werde ich nicht tun.Denn ich möchte wieder arbeiten und für meinen Lebensunterhalt und den meinenes Sohn selbst aufkommen.Ich finde es schlimm,denn es werden alle über einen kamm geschert.Die die arbeiten wollen,so wie ich und die die nicht arbeiten wollen.Ich weiß,das ich die 2.Instanz auch gewinnen werde ( sagt der Anwalt ) und bald wieder arbeiten werde und dann auf Hartz 4 nicht mehr angewiesen bin.Diesen Tag kann ich schon gar nicht mehr erwarten.Diese Wirtschaftswissenschaftler sollten doch mal versuchen dieses 6 Monate zu proben.Sie würden jämmerlich versagen!!!

L.G.
Sandra,die diese Aufstellung zum KOTZEN findet!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Beitrag von schimmelreiter 05.09.08 - 08:49 Uhr

Tatsächlich handelt es sich bei dem ALGII-Satz nicht um das tatsächliche Existenzminimum, sondern um ein soziales Existenzminimum, wie kürzlich höchstrichterlich festgestellt wurde.

Zum sozialen Existenzminimum gehört es eben nicht nur genug zu essen und zu trinken zu haben, sondern auch Internet, Telefon und Fernseher zu haben, soziale Kontakte pflegen zu können (Fahrkosten), kulturelles Angebot nutzen zu können, sich bilden zu können (Bücher), u.s.w.

Kurzfristig kann man sicherlich mit viel weniger auskommen, die Erfahrung haben vor allem unsere studierten Mitmenschen oft machen müssen, langfristig ist es jedoch niemandem zuzumuten, den ganzen Tag nur zu hause zu sitzen, sich am Leben zu halten und dabei Barbara Salesch gucken zu müssen....

Also, was will man machen, wenn man sich schon nciht entschließen kann, für seinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen?

Beitrag von marion2 05.09.08 - 09:58 Uhr

Hallo,

selbst die sinnloseste Studie hat für gewöhnlich einen Auftraggeber.

Welcher Idiot wars diesmal? Weiß das hier wer?

Gruß Marion

Beitrag von duchovny 05.09.08 - 10:34 Uhr

Ein Bekannter von mir bekommt auch ALG II und der lebt manchmal (wenn er z.B. was anschaffen musste, Fahrradreparatur z.B.) von 20 - 25€ die Woche (Lebensmittel und Hygiene), aber ehrlich gesagt, dies grenzt dann fast schon an dahin vegetieren! Dann muss der für z.B. eine Flasche Bier, die er sich mal gönnen will schon auf z.B. ein Brötchen verzichten! Bei ihm ist das Essen dann abgezählt! Denke, dies würde bei 123 € im Monat schon der Fall sein, dass man nix extra haben oder kaufen kann und nichtmal eine Tafel Schokolade oder halt ein Bier oder sonstwas!
Da finde ich schon ist die Lebensqualität sehr eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden! Und gesunde Ernährung auf keinen Fall möglich! Mal Obst oder Gemüse!
Denke dies wäre dann Überleben aber keinesfalls Leben!

LG

Susanne

Beitrag von kati543 05.09.08 - 16:02 Uhr

Man kann doch wirklich über jeden Mist eine Studie machen. Ich habe während meines Studiums auch vom Kindergeld gelebt. Es hat gereicht, aber das kann man keinem Menschen - der aus diesem Alter raus ist - zumuten. Schon gar nicht mit Kindern. Das war nur machbar, weil nicht nur ich in dieser Situation war, sondern auch noch ein paar Andere und wir unser Geld zusammengelegt haben und dann Masseneinkäufe und Massenkochen veranstaltet haben. Zusätzlich haben wir natürlich an jedem WE den Kühlschrank bei Mama ausgeräumt und Wäsche gewaschen & Co. wurde eh zu Hause. Nur dann ist es machbar. Ach ja - neue Kleidung waren natürlich nie möglich. Das waren dann immer Geburtstags- & Weihnachtsgeschenke.
Meines Erachtens würde bei diesem ALG2 - Satz nur die Schwarzarbeit gesteigert werden.