Wie richtig verhalten?

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von ineluki 07.09.08 - 12:02 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr könnt mir ein paar kleine Tipps geben hier. Gestern nacht starb der Vater eines guten Freundes.

Der Vater wurde vor zwei Tagen ins Krankenhaus gebracht, wo aber nur ein Kreislaufproblem für seinen Kollaps verantwortlich gemacht wurde. Es ging ihm auch wieder gut und er sollte heute entlassen werden.
Sein Sohn war gestern abend bei mir und wir haben uns einfach gut unterhalten und zwei Gläser Wein dazu getrunken. Dann klingelte gegen 12 sein Handy, sein Bruder. Allerdings hat er erst keine Verbindung bekommen, hat dann versucht zurück zu rufen und niemanden erreicht. Daraufhin hat er seine Mutter angerufen, bei der besetzt war. Da war dann für uns beide schon klar, dass jetzt eigentlich nur noch eine Nachricht so wichtig ist, dass bei einer 70jährigen Frau nachts das Telefon belegt ist. Sein Vater ist verstorben.

Ich hab ihn dann einfach in den Arm genommen und er wollte dann auch nach Hause fahren. (Er wollte sich nicht fahren lassen, hatte ich ihm angeboten.) Meine Frage ist jetzt, wie ich mich weiter verhalte. Ich kannte seinen Vater nicht persönlich, ebensowenig wie seine Mutter und den Rest der Großfamilie (mit Ausnahme eines Bruders). Aber ich habe ein recht inniges Verhältnis zu diesem Freund.

Ich habe keinerlei Erfahrungen mit solchen Situationen und dachte, dass ich ihm auf jeden Fall eine Karte mit einem netten Text schreiben werde. Und ich hatte ihm auch gestern noch gesagt, dass ich für ihn da bin, wenn er mich braucht. Ich bin ja kein Freund von Beisetzung, aber da sollte ich wohl auch hin, oder?
Oh man, ich fühle mich selbst auch grade so hilflos ihm gegenüber. Habt ihr irgendwelche Tipps?

Liebe Grüße,
Alexandra

Beitrag von coco1902 07.09.08 - 12:25 Uhr

Hmmmm,

also ich an Deiner Stelle würde ihm eben einfach Deine Hilfe anbieten und ihn fragen, ob Du ihn zur Beisetzung begleiten sollst. Vielleicht liegt ihm ja auch etwas daran.

Google doch mal nach schönen Trauersprüchen,

zB:

Menschen die wir lieben,
bleiben für immer,
denn sie hinterlassen
ihre Spuren in
unseren Herzen.
In Stiller Trauer

oder sowas:

Du bist nicht allein,
auch wenn in diesen schweren Stunden
unser Trost nur darin besteht,
liebevoll zu schweigen und schweigend mitzuleiden.



Das Leben eines lieben Menschen
ging zu Ende. Die Erinnerung aber
bleibt. Sie tröstet in Trauer und
Schmerz, spendet Hilfe und bringt Hoffnung.
Herzliche Anteilnahme

Je schöner und voller
die Erinnerung, desto
schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit
verwandelt die Erinnerung
in stille Freude.
Man trägt das vergangene
Schöne nicht wie einen
Stachel, sondern wie ein
kostbares Geschenk in sich.
Herzliche Teilnahme

Lieben Gruß,
Coco


Beitrag von sparrow1967 07.09.08 - 15:43 Uhr

Die Verse sind sehr schön- allerdings würde ich mir das "herzliche" sparen.

Aufrichtige Anteilnahme halte ich für passender.


Ich sage herzlichen Glückwunsch- aber nicht herzliche Anteilnahme oder Herzliches Beileid.
Für mich paßt es nicht zusammen - auch wenn man es häufig liest. Die Leute wissen meist gar nicht, dass man das Wort "aufrichtig" verwenden kann ;-).

Beitrag von wonka 07.09.08 - 19:33 Uhr

Aber von HERZEN kann doch auch Trauer kommen, oder?
Ich wollte, als mein Vater starb, gar nichts davon hören. Nur meine Ruhe haben.
Ob herzlich oder aufrichtig wär mit egal gewesen.
Aber natürlich sind die Menschen da verschieden und freuen sich über Anteilnahme.

LG
Lukas

Beitrag von sparrow1967 07.09.08 - 19:42 Uhr

Stimmt schon was du sagst. Natürlich kann die Anteilnahme von Herzen kommen- ist ja auch in den meisten Fällen so.
Ich finde auch die vorgedruckten Karten mit "herzliches Beileid" zum weglaufen.

Für MICH hört es sich ...schwer zu sagen.... merkwürdig an.
Alles in einen Pott - herzlich paßt immer - so in der Art.

Nun ja- ich wollt auch nur mal erwähnt haben, dass man auch aufrichtige Anteilnahme schreiben kann ;-)



#tasse *rüberschieb*
sparrow

Beitrag von wonka 07.09.08 - 20:02 Uhr

#tasse nehm, danke.

Ich finde Beileidbekundigungen sowieso zum Wegrennen. Und das tat ich auch am Tag der Beerdigung, ich bin einfach gegangen.

Aber vermutlich lag das mit an der Trauergemeinde.
Und ich verstehe, was du meinst. Es klingt nach Einheitsbrei und nicht wirklich ehrlich.

LG

Lukas

Beitrag von sparrow1967 07.09.08 - 20:11 Uhr

Jep- Einheitsbrei.

"Aufrichtig" ist etwas distanzierter, gediegener(?) - man wahrt in dem Moment etwas Abstand - was nicht heißt, dass man sich von den Trauernden zurückzieht.

Aufrichtig ist nun mal Aufrichtig.

Ganz distanziert und unpersönlich schreibt man eher:

entbietet Familie xy.

ohne persönlich Worte.


Ich mag weder die Beileidsbekundungen, noch das anschließende Kaffeetrinken. #augen
Meine Ma wollte das aber, als mein Pa starb....und so hab ich mich gefügt. Ihr tat es gut. Ich hätte mich am liebsten übergeben....:-(
Wie dem auch sei- bei mir gibts sowas nicht ;-)

lg
sparrow

Beitrag von coco1902 07.09.08 - 22:04 Uhr

(ich habs auch nur gegoogelt und geklaut ;-):-p

Beitrag von ineluki 07.09.08 - 17:41 Uhr

Danke!
Ich habe auch schon überlegt ihn einfach zu fragen, was die Bererdigung und die Trauerfeier angeht. Komme mir da halt einfach blöd vor, weil ich ja außer ihm eigentlich niemanden kenne. Aber das hat mich in der Idee jetzt schon etwas bestätigt.

Was die Karte angeht - das werden ein paar persönliche aufrichtige Zeilen sein ohne mehr oder weniger tiefgründige Sprüche, auch wenn sie noch so schön sind. Ich glaube einfach, dass er mit solchen Sprüchen nicht viel anfangen kann. Für den Schluss möchte ich lieber was verwenden wir 'In tiefem Mitgefühl', das klingt irgendwie persönlicher finde ich. 'Herzliche' möchte ich in einer Kondolenzkarte auch nicht schreiben, bin ich ehrlich. Auch wenn es in erster Linie meint, dass etwas von Herzen kommt.

Bin immer noch irgendwie mitgenommen, wenn ich dran denke, dass er das auf meinem Sofa erfahren musste.

Alex