Ich fühle mich so leer

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von janine2785 07.09.08 - 19:45 Uhr

Hallo ihr lieben,

heute fühle ich mich mal wieder endlos leer, es ist mittlerweile 4 Jahre her und die meiste Zeit schaffe ich es nicht daran zu denken oder zu reden, aber ab und zu überkommen mich die Gefühle und ich habe Angst ihnen nie wieder entkommen zu können wenn ich ihnen Platz in meinem Leben einräume. Es ist so das ich nie richtig mit jemandem reden konnte, anfangs wollte ich nicht und als ich dazu bereit war, war es zu spät. Mein Vater hatte bereits nach 8 Wochen eine neue Freundin und war so mit seinem Leben und der neuen Liebe beschäftigt das da kein Platz mehr war um über meine Mutter reden zu können, mein Bruder heiratete und wurde Vater und hatte seine eigenen Problemchen Beruf, Frau, Kind und die Wut auf unseren Vater unter einen Hut zu bekommen und meine Oma hasst meine Mutter so sehr dass sie jedes Wort über sie als persönliche Beldeidigung auffasst. Und mein Mann hat meine Mutter leider nicht mehr kennen gelernt. Meistens mache ich alles mit mir alleine aus und habe auch nicht so die Zeit zum nachdenken, aber in letzter Zeit übermannen mich die Gefühle und Erinnerungen an meine Mutter so unerwartet das ich mir nicht helfen kann. Wenn unsere Tochte im Bett ist und mein Mann noch im Büro und ich hier alleine im Haus sitze kommt es mir vor als würden mich die Gefühle auffresse. Es ist eine so unbeschreibliche Leere, obwohl ich weiß das meine Tochter im Bett nebenan liegt und mein Mann bald nach hause kommt.... Dieses Gefühl das diese Leere niemals durch irgendwen ausgefüllt werden kann. Dieses endgültige macht mich verrückt und ich weiß damit nicht umzugehen. Ich weiß auch nicht, es fehlt irgendetwas in mir und ich schaffe es nicht diese Lücke zu füllen. Ich habe Angst zu weinen, denn ich glaube nicht mehr aufhören zu können. Ich weiß gar nicht wann ich das letzte mal geweint habe. Ich konnte nichtmal weinen als ich damals nach Hause kam und und meine Mutter nicht mehr lebte. Ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung. Ein Hirnschlag, unerwartet und unwiederruflich. Ich habe eine Mauer um dieses Thema gebaut die mich vor allen Gefühlen beschüzt hat, aber nun Risse bekommt die ich nicht aufhalten kann. Was soll ich machen? Ich kann mir ein Tief nicht erlauben, wir haben ein großes Haus mit großem Garten und eine zauberhafte Tochter, da muss ich voll da sein. Ich will diese Leere nicht mehr, ich will da raus, akzeptieren das meine Mutter nicht mehr da ist, will es hinnehmen können, mich an sie erinnern und mich freuen das sie ein schönes Leben hatte und mein Leben auch schön ist.

Janine

Beitrag von diana1987 07.09.08 - 22:05 Uhr

hi

ich weiss wie du dich fühlst meine mama ist vor 3 jahren gestorben

habe am anfang auch nicht geweint weil ich es nicht konnte aber du musst es raus lassen glaube mir und danach geht es dir ein bisschen besser

es gibt immer zeiten wo du da sizt und es dich verrückt macht weil deine mutter nicht da ist die zeiten gibt es bei mir auch ich könnte in dem moment ausrasten weil ich nicht weiss wie ich damit um gehen soll
es ist schade das du mit nimandem in deiner familie reden kannst das würde dir auch helfen
habe am anfang auch immer gedacht das ich stark sein muss gerade wegen meinen kleinen geschwister und wegen meinem vater aber mittlerweile geht es bei mir nicht ich kann nicht mehr stark sein ich liege oft im bett und weine weil es sehr weh tut das meine mama nicht da ist und ihr nicht mehr erzählen kann was passiert ist oder wie auch immer aber wie gesagt du musst deinen gefühlen freien lauf lassen sonst frisst es dich von innen auf

wenn du noch fragen oder jemanden zum reden brauchst schreibe mich einfach über vk an

lg
diana

Beitrag von trixicat 08.09.08 - 11:15 Uhr

Hallo Janine,

ich kann dich gut verstehen - ich mache zurzeit bzw. seit zwei Jahren etwas Ähnliches durch...

Ich habe meine Mama schon vor 11 Jahren verloren, sie starb mit 58 Jahren an Krebs. Das war schlimm für uns alle, aber ich hatte ja noch meinen Papa und meine Schwester und meinen Mann, und wir konnten uns gegenseitig auffangen und die Trauer gemeinsam be- und verarbeiten.

Vor zwei Jahren erlitt mein Papa eine schwere Hirnblutung, lag zwei Wochen im Koma, und keiner konnte uns sagen, ob er das überlebt und welche Auswirkungen es schließlich für ihn haben würde. Er wachte dann wieder auf, war ein halbes Jahr in der Reha - und ist doch seitdem schwerstbehindert. Er ist geistig auf dem Stand eines Kleinkindes, kann nicht mehr sprechen oder sonst wie kommunizieren, er ist hochgradig inkontinent, muss also gewindelt werden, er ist halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen, und wir wissen noch nicht einmal, ob er uns noch kennt oder nicht. Wir wissen gar nicht, was in seinem Kopf vor sich geht, wie viel von dem, was wir ihm erzählen, er noch verstehen kann oder ob er überhaupt noch was versteht. Er lächelt, wenn wir ihn besuchen, aber das ist auch alles... Zu Anfang konnte er noch ein paar Worte artikulieren, aber sie ergaben schon damals keinen Sinn mehr - jetzt brabbelt er nur noch Laute und Töne vor sich hin oder starrt wortlos ins Leere. Es ist furchtbar, ihn so zu sehen - er war immer gesund, immer fit, sportlich, reiselustig - und jetzt ist er kaum mehr als ein lebender Leichnam... Ich habe inzwischen auch kaum noch Leute um mich herum, mit denen ich diese Gefühle, diese Hilflosigkeit, diese Leere besprechen kann. Meine Schwester hat ihn mehr oder weniger aufgegeben, besucht ihn nur noch aus Pflichtbewusststein, mein Mann ist mit der Situation an sich überfordert und verdrängt auch lieber (er hat seinen Vater vor fünf Jahren auf ähnliche Weise, aber nach "nur" 6-monatiger Leidenszeit verloren), und die Lebensgefährtin meines Papas hat genug mit sich und ihm und ihrem 96-jährigen dementen Vater zu tun... ich bin mit dieser Situation also auch ziemlich alleine. Klar, mein Papa lebt noch - irgendwie... aber für mich ist er als Papa eben nicht mehr da. Ich kann ihn nichts mehr fragen, ich kann nicht mehr auf seine Unterstützung bauen, ich weiß nicht einmal, ob er noch weiß, wer ich bin - und das ist endgültig, denn sein Zustand verschlechtert sich eher, als dass er sich verbessern könnte. Dieses Wissen, dass da niemand mehr ist, der mir Wurzeln gibt, der mir Vergangenheit gibt, das macht mich an manchen Tagen wütend, an anderen einfach nur todtraurig. Aber so ist es nun mal - irgendwie muss das Leben weitergehen.

Und so ist es auch bei dir.

Hast du dir schon mal überlegt, in eine Trauergruppe zu gehen? Es gibt solche Gruppen in jeder größeren Gemeinde von unterschiedlichen Trägern (Kirche, Caritas, Krankenhaus etc.). Meine Schwägerin ist nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes in eine Trauerberatung gegangen, und das hat ihr sehr geholfen. Allein schon das drüber-reden-können und verstanden werden ist viel wert.

Ich wünsche dir alles Liebe und Gute - dass die Sonne für dich bald wieder scheint!

trixicat