Was mich ein bisschen traurig macht

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Forum: Finanzen & Beruf

Dieses Forum bietet Platz für alle Fragen und Antworten rund ums liebe Geld und die Absicherung der Familie - egal ob ALGII, Haushaltsgeld, Baufinanzierung oder Altersvorsorge. Auch Themen wie ElterngeldKindergeld sowie der Wiedereinstieg in den Beruf sind hier richtig.

Beitrag von mumpi08 07.09.08 - 22:21 Uhr

Hallo Zusammen,

ich bin jetzt seit ca. zwei Monaten hier im Forum angemeldet und lese sporadisch mit... ein zwei Beiträge habe ich auch schon verfasst... aber da ich noch keine werdende Mami bin studiere ich meistens die Diskussionen.

Nur eine Sache macht mir ein bisschen Bauchweh:
Mein Mann und ich gehören zu den sogenannten "Einkommensschwachen Haushalten". Soll heißen, wir haben beide lediglich Arbeitsstellen mit ca 20 Wochenstunden. Hinzu kommt, dass unsere Stellen befristet sind.
Mein Mann verdient knapp 900 € netto und ich 749€ netto. Abzüglich aller laufenden Kosten bleiben uns dann ca. 600-700€ zum Leben.
Wir sind damit eigentlich mehr oder weniger zufrieden... aber wir wissen, dass bei uns der Weg zum Abgrund nicht besonders weit ist.
Durch die befristeten Arbeitsverträge müssen wir uns ständig darum sorgen ALG II Empfänger zu werden.
Mein Mann bekommt jetzt zum Glück bereits zwei Berufsjahre am Stück zusammen, so dass er ein Anrecht auf ALG I hat... bei mir ist das leider anders. Aktuell wäre ich ein Fall für die ARGE wenn ich meinen Arbeitsplatz verliere. (Mein Arbeitgeber hat mir zwar eine Verlängerung meines Vertrages zugesagt, aber unterschrieben ist noch nichts)
Eigentlich ist das aber auch egal, denn durch unsere kleinen Arbeitsverträge bekämen wir so oder so nur den ALG II Regelsatz heraus und müssten uns dann noch zusätzliche Unterstützung suchen.
Wir leben nicht über unsere Verhältnisse. Wir haben eine 40qm Wohnung und ein kleines, altes Auto (weil ich für meinen Beruf eines benötige, mein Arbeitgeber setzt voraus, dass ich meinen eigenen PKW gegen 30 ct Kilometerpauschale für Dienstfahrten einsetzte) Bevor ich meinen Job angetreten habe, haben wir auf ein Auto verzichtet.

Ich vermute, dass es viele Paare gibt, die in ähnlichen Verhältnissen leben.
Mir ist mein kleines, einfaches Leben sehr viel Wert und ich wäre sehr betroffen, wenn ich in eine ALG II Existenz rutschen würde... aber es kann ganz schnell passieren, vielen jungen und auch älteren Menschen kann es passieren.
Wenn ich hier aber die Diskussionen verfolge, die mit und über ALGII Empfänger geführt werden, wird mir regelmäßig flau im Magen.

Selbst die wohlgemeinten Antworten klingen schnell ziemlich bewertend, fast so wie:Du bist doch selbst schuld an deiner Lage!
Andere User halten gar nicht an sich und schreiben schnell abwertend, zum Teil sogar so, dass Beiträge entfernt werden mussten. Das hat mich sehr erschreckt...

Ich habe beruflich viel mit Menschen zu tun, die sich am anderen Ende unserer Gesellschaft befinden... und sicher gibt es immer einige unter ihnen, die sich das auf ihre Art und Weise so ausgesucht haben... aber es sind nicht so viele, dass jeder mit dem "Aufkleber" ALG II auf der Stirn potentiell ein Faulpelz oder ein Simulant oder sonstiges ist.

In einer anderen Diskussion wurde bereits die Rechnung eines bestimmten Wirtschaftsprofessors besprochen, der meinte, dass 170 € zum Überleben für eine Einzelperson ausreichen würden. Es macht mich sehr unglücklich, das ein Mensch der das 9 oder 10fache im Monat zum Leben hat so etwas sagt.
Und noch trauriger finde ich es, dass hier User dazu auffordern den Rest dieses traurigen Artikels zu lesen, weil der nette Mann ja so viele andere richtige Sachen geschrieben hätte. Das hat er mit Sicherheit, den er ist ein Professor der Wirtschaftswisschenschaften. Er sollte auch etwas kluges zu sagen haben.

Viele Menschen in unserem Land leben an der Armutsgrenze, und viele davon sind Familien. Das ist schlimm. Aber jeden von ihnen pauschal als weniger wertvollen Menschen zu definieren geht zu weit.

Und wenn jemand zu einer Beratung in die ARGE geht (ich habe übrigens selbst auch einmal dort gearbeitet), dann darf er Freundlichkeit erwarten und dass jemand Verständnis für ihn hat.
Ein Kunde muss kein Verständins für seinen Berater haben.
Ich erwarte von meinen Kunden auch kein Verständnis dafür, dass ich eventuell genervt von seinem Vorgänger bin... wo kämen wir denn da hin?

Selbst habe ich mal in einem meiner Beiträge mein Herz ausgeschüttet und zugegeben, dass ich oft Angst habe weil mein Mann und ich uns ein Baby wünschen, aber wir beide keine festen Jobs haben.

Da bekam ich knallhart die Antwort (netter verpackt natürlich, aber der Unterton war herauszulesen), dass wir dann eben Pech hätten, man kann schließlich nur mit einem festen Einkommen ein Kind kriegen. Wenn man das nicht hat muss man es eben lassen.

Ich hatte weder geschrieben, dass ich sofort ein Baby machen möchte, noch dass ich zur Zeit keine Arbeit habe (denn ich habe ja einen Job aber er ist unsicher), sondern nur, dass ich mich mit der Entscheidung sehr schwer tue und mir deswegen häufig Sorgen mache.

Irgendwie hatte ich nach dem Lesen der Antworten auf meinen Beitrag (natürlich waren auch sehr liebe Antworten dabei) das Gefühl ein schlechter, nicht wertvoller Mensch zu sein.
Mir wurde natürlich auch noch gesagt, dass es soch nicht sein könne, dass man keinen festen Job fände.
Daraufhin habe ich mich gefragt, warum so viele Menschen in unserem Land so lange Lebensläufe haben und jedes Jahr einen neuen Job anfangen.
Offenbar haben sehr viele Userinnen hier einen festen Job. Das freut mich natürlich für sie...
Aber es gibt hier auch Frauen mit Zeitverträgen...
dürfen die keine Familien gründen? :-(

Zum Abschluss wurde mir noch gesagt, ich sei sowieso noch zu jung um daraus ein Problem zu machen.
Ich finde nicht dass ich mit 27 Jahren zu jung für eine Familie bin...und mein Mann ist es mit 35 sicher auch nicht. Wenn jemand die Entscheidung treffen kann mit 40 zum ersten Mal Mutter zu werden, warum wird mir dann dieses Recht abgesprochen?

Ich finde nicht, dass sich irgendjemand für seine Lebenssituation entschuldigen muss. Und ob jemand selbstverschuldet in eine schwierige Lage gekommen ist oder nicht, können wir als einfache "Mitleser" wohl kaum beurteilen.

Ich bin ein kleines Licht in dieser Gesellschaft, eines von denen die wenig verdienen, die in kleinen Wohnungen leben und nicht in den Urlaub fahren. Ich bin glücklich und ich habe häufig Angst in den finanziellen Abgrund zu fallen (vielleicht passiert es, vielleicht passiert es nicht) und deswegen darf ich keine Familie haben?
Oder muss mich vielleicht abschätzig behandeln lassen?
Ich hoffe nicht das es wirklich so ist... zumindest nicht hier, wo wir doch schöne Ereignisse teilen und uns Anregungen bei Problemen holen wollen.

So, jetzt habt ihr Euch die Augen verdorben beim Lesen dieses laaaaangen Beitrages... aber ich dachte ich könnte es mal sagen.

Liebe Grüße
mumpi

Beitrag von trillian81 08.09.08 - 08:03 Uhr

Du schreibst mir aus der Seele!!!!!!!!!!!!#liebdrueck

Wenn ich mich so umschaue sind bei uns im Umfeld viele Familien die am Minimum knabbern und nicht durch Faulheit, sondern trotz Jobs. Sie schaffen es trotz 2 Kindern und der ExistenzAngst, aber man fühlt sich wirklich abwertig.

Wir haben ja bereits ein Kind, aber hängen auch immer am seidenen Faden und das obwohl wir beide Ausbildungen / Weiterbildungen usw haben. Bin der Elternzeit schon wieder jobben, damit das ALG2 in dieser Zeit ergänzend, weniger wird bzw ganz wegfällt.

Man fühlt sich sehr oft als ziemlich bescheuert, weil man eben auch einen Kinderwunsch hatte oder sogar noch den Wunsch nach einem 2.Kind hat. So ein wenig nach dem Motto: Wie kann man sich nur das eigentlich natürlichste auf der Welt wünschen wenn man !trotz Arbeit! eher am Minimum lebt?

Grübel mit dem 2.Kind echt hin und her. Haben noch die wichtigesten Dinge von dem 1.Kind (wollten eigentlich nur eins, hatten viel weggeben), aber die Angst ist ja: Schafft man es mit dem Existensminimum solange bis beide wieder im Job sind......Na ja, so geht das Gedankenkarussel weiter.
Denke es ist machbar, eine Weile auf jeden Fall, aber irgendwann sind die Kinder auch größer und man kann wieder mehr arbeiten.
Zudem schaffen es ja viele Familien und ich denke die gehören nicht alle zu dem NormalverdienerSatz.

Alles Gute und den Kopf nicht hängen lassen!

Beitrag von micnic0705 08.09.08 - 08:17 Uhr

Hallo,

ich denke das Problem hier ist, dass viele Beiträge oftmals schon in einem fordernden Ton verfasst werden.
Und da es nunmal die Mehrzahl der Beiträge ist, wird schnell pauschalisiert.

Ich kann, wenn ich ehrlich bin, auch nicht verstehen, wie manche Kinder in die Welt setzten können, wenn absehbar ist, dass sie ihr Leben auf lange Sicht nicht ohne staatliche Hilfen bewältigen können.

Klar kann jeder von uns ganz schnell abrutschen. Ein geregeltes Einkommen und ein fester Arbeitsplatz sind keine Garantie, dass man nicht in ALG II-Bezug kommen kann.

Ich denke aber wirklich, dass oftmals der Ton vieler TE eine Rolle spielt. Und das führt dann wiederum dazu, dass der Ton der User, welche antworten auch nicht gerade schön ist.

LG Nicole

Beitrag von casperchen 08.09.08 - 09:16 Uhr

Hallo,

ich schliesse mich mal bei dir an, denn ich sehe es genauso!

LG
casperche

Beitrag von rine74 08.09.08 - 10:29 Uhr

Hallo Mumpi,

sieh das bitte nicht so verbissen. Ich denke die meisten verdrängen das die Abhängigkeit von Hartz IV uns alle treffen kann.

Wenn es danach geht, das nur einkommenstarke Familien mit dauerhaft sicheren Job Kinder bekommen dürften. Tja, dann sterben wir hier leider aus.;-)

Also Kopf hoch und jeder soll so leben wie er es für richtig hält und im Rahmen seiner Möglichkeit.

Leider haben viele vergessen was den wirklichen reichtum ausmacht.... und das ist nicht der schnöde Mamonn.

LG Rine

;-)

Beitrag von frischerduft 08.09.08 - 11:01 Uhr

#kleeHallo Mumpi,

dein Beitrag hat mich eben wirklich zum Nachdenken angeregt. Und er sollte es auch bei solchen Leuten tun, die Geringverdiener und ALG II - Empfänger pauschal aburteilen.

Lass dir bitte NIEMALS von irgend jemandem erzählen, dass du aufgrund deiner Einkommensverhältnisse ein Mensch bist, der weniger wertvoll ist als andere.
DEnn in meinem Augen hängt der "Wert" eines Menschen, wenn man dies so bezeichnen möchte, von ganz anderen Faktoren ab.
Wie eine Vorposterin schon schrieb, nur ganz wenige, sind davor gefeit, nicht auch irgendwann in ihrem Leben, ob verschuldet oder unverschuldet, von ALG II abhängig zu sein. Auch mein Arbeitsverhältnis ist befristet, was nach Ablauf der Befristung kommt, kann niemand sagen und ja, ich habe auch einen Kinderwunsch, der leider bisher aus med. Gründen unerfüllt blieb. Aber ich stehe jetzt kurz vor meiner 3. künstlichen Befruchtung und mein Mann und ich hoffen, dass es diesmal funktioniert.

Bezüglich deines Kinderwunsches kann ich nur sagen, dass ich dich bewundere, dass du diesen überhaupt verfolgst. Aus dem Verwandten-, Bekannten- Freundeskreis kenne ich viele junge Paare, die gerade darum, weil sie eben ein geringes Einkommen haben, ihren Kinderwunsch auf "irgendwann ..." verschoben haben. Vielmehr geht es ihnen darum, dass sie sich mit einem Kind zu sehr finanziell einschränken müssten, was für sie überhaupt nicht in Frage kommt.

Na klar, muss man sich mit einem Kind erst mal einschränken und kann keine großen Sprünge machen, wenn das Einkommen nicht rosig aussieht. Wichtig ist, dass man sich mit den Konsequenzen für das eigene Leben vorher beschäftigt hat und auch dazu bereit ist,
Abstriche in der Lebensqualität zu machen.
Nach der Elternzeit kann man wieder eine Arbeit annehmen und selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen.

Also, lass dich nicht beirren und verrückt machen.

Alles Gute

LG Nici

Beitrag von drachenengel 08.09.08 - 11:10 Uhr

Hallo Mumpi...

da ich nunmal eine derjenigen bin, die der Meinung ist, dass man schon den Berg der Eigenverantwortung selber tragen muss, dazu nun mal meine Meinung :-)

Es stimmt MICH traurig, wie selbstverständlich hier so manche losfragen, was sie wo mit welchen Mitteln beantragen können, wie sie es am sichersten gestalten, um evtl hier und da noch Gelder abzugreifen, da der Staat ja schliesslich Kinder wolle...

Weisst Du, es ist einem jeden Menschen sein Kinderwunsch gegönnt... ich liebe Kinder über alles und hätte am liebsten selber eine XXL-Familie...

ABER:
anstatt zu überlegen, was kann man wo beantragen (Erstausstattung etc)
anstatt auf den drei Jahren Elternzeit zu pochen, die wirtschaftlich aber nicht eigenfinanzierbar sind,
anstatt nur seine Rechte zu sehen...

sollte JEDER sich auch der Verantwortung seinen Kindern gegenüber bewusst sein.. und der Verantwortung sich selber gegenüber..

Solange man nur seine Rechte aber nicht seine eigene Verantwortung wahrnehmen mag... solange sollte man halt dann eventuell auch mal über den Tellerrand hinwegschauen...

wir selber stehen für unser Handeln und unser Denken selber ein... egal ob es dann anstrengend, belastend etc ist.. beim Grossen gab es kein Erziehungsgeld, mein Einkommen war aber mit Ende Mutterschutz schlagartig weg... also wurde halt abends, am WE oder nachts gearbeitet.. bzw dann, wenn der Partner daheim war... oder wir "engagierten" Nachbarn als Tagesmama/Babysitter..

Jeder kann in eine Notlage geraten, aber sollte auch ein jeder dann bereit sein, alles dran zu setzen, aus dieser wieder rauszukommen..

Hier wird es immer wieder konträre gar heftige Diskussionen deswegen geben... denn es gibt nunmal diejenigen, die notfalls mit 2 Jobs sich und ihre Familie selber finanzieren, die auf "Partnerleben" verzichten...
und es gibt diejenigen, die nur darauf pochen, dass der Staat einen ja nicht hängen lassen darf..

Weisst Du, der Herr der Wirtschaftswissenschaften schrieb unter anderem auch weiter, dass man jedem die Chance aufs Arbeitsleben geben soll, was absolut wichtig ist... um sein Selbstwertgefühl zu erhalten... nur leider sehen das die wenigsten ein..

Da ich selber wegen der Jobs zig mal umzog, da ich selber mich auch nicht einfach zurücklehne und mich auf den Staat verlasse, daher geh ich schon davon aus, dass es zumutbar ist, entgegengesetzt der Arbeitszeiten des Mannes dann zu arbeiten oder mein Kind notfalls früher als ab dem 3. Lebensjahr betreuen zu lassen..

Denn bei allem Bedauern der eigenen wirtschaftlichen Lage ist es nunmal so, dass man immer im Hinterkopf Plan B haben sollte: "wie kann ich mich und die Familie auch ohne staatliche Hilfen finanzieren"...

Elterngeld hin oder her... meiner Meinung nach sollte man halt sagen:

KEIN Elterngeld für alle
KEIN Kindergeld für alle

Dafür:
kostenlose Kinderbetreuung für alle
kostenlose Schule/Förderung/Mittagessen für ALLE
kostenlose Lernmittel, Klassenfahrten, Studien

DENN DANN haben alle Kinder die gleiche Chance...

Was bringt es bitte, wenn der Staat sozialschwache Familien fördert, diese Förderungen aber oft NICHT bei den Kindern ankommen!?

Leider haben wir das Erlebnis selber im Umfeld... da wird nach dem Motto gelebt, der Staat muss ja... und jede Chance auf Arbeit wird vertan... es tut verdammt weh, dieses Kind in der Situation zu wissen..
Vereine sind da zu teuer, gesundes Essen ist zu teuer, Hauptsache aber man hat eine WII etc..

ja, diese Personen erfüllen das komplette Klischee... nebenbei arbeiten, natürlich unangemeldet... und da platzt mir der Kragen..

Und DAS stimmt MICH traurig... das so viele Eltern eher jammern, von wegen kein Geld, von wegen der Staat zahlt dieses ja nicht oder jenes..

Wie gesagt, wer in diese Not hinein bewusst Kinder plant, der sollte sich mal fragen, ob DAS in der heutigen Gesellschaft so angebracht ist..

Möchtest DU Eueren Kindern dann mal sagen, in den Zoo darfst Du nicht mit, ein Mittagessen kann ich nicht bezahlen, neue Turnschuhe kann ich nicht kaufen etc!??

Kinder kosten eine Menge Geld... dessen sind sich wenige bewusst...

Wir leben wahrhaftig nicht grosskotzig etc... aber auch wir stellen es fest.. was da an Kosten sind..

Kindergartenausflug- Beteilung mal eben 10 Euro, Mittagessen im Kiga mal eben täglich 2.70 Euro, vom Beitrag mal abzusehen.
Sportverein, Schuhe, das läppert sich heute schon und wird mit dem Älterwerden noch mehr!

LG
Mone

Beitrag von miau2 08.09.08 - 13:21 Uhr

Hi,
"In einer anderen Diskussion wurde bereits die Rechnung eines bestimmten Wirtschaftsprofessors besprochen, der meinte, dass 170 € zum Überleben für eine Einzelperson ausreichen würden. Es macht mich sehr unglücklich, das ein Mensch der das 9 oder 10fache im Monat zum Leben hat so etwas sagt.
Und noch trauriger finde ich es, dass hier User dazu auffordern den Rest dieses traurigen Artikels zu lesen, weil der nette Mann ja so viele andere richtige Sachen geschrieben hätte. Das hat er mit Sicherheit, den er ist ein Professor der Wirtschaftswisschenschaften. Er sollte auch etwas kluges zu sagen haben. "

Offenbar spielst du auf meine Aussage an. Schade nur, dass du mir das nicht direkt antworten konntest/wolltest, sondern es in eine neue Diskussion verpacken musstest.

Was ist denn so falsch daran, wenn man verlangt, die GANZE Information zu lesen und nicht nur die sensationssuchende Schlagzeile? Nichts anderes machst du doch auch, oder?

Du verlangst, dass man sich die gesamte Geschichte anguckst - und nicht pauschal mal eben annimmt, dass alle ALGII - Empfänger Schmarotzer wären. Richtig so, aber nichts anderes - nur bei einer anderen Seite - war meine Aussage.

Komisch, bei dir soll die richtig sein (bekommst sogar meine volle Zustimmung...), aber wenn man das für etwas fordert, das vielleicht dem einen oder anderen nicht passt, dann ist es plötzlich falsch und macht dich dann traurig.

DAS ist traurig in meinen Augen. Immer nur hören zu wollen, was man hören will.

Mir kommt manchmal auch das kalte Grausen, wenn hier mal wieder gefordert, gefordert, gefordert wird. Nicht etwas die Arbeitsleistung des Arbeitslosen, nein, das darf man natürlich nicht laut sagen, sonst pauschalisiert man ja wieder, sondern Geld - vom Staat, upps, natürlich vom Steuerzahler.

Dass das mit dem ständig nur fordernden und nicht arbeitswilligen Arbeitslosen nicht der Normalfall ist ist den meisten hier bekannt. Aber wer sich so im Forum präsentiert und erst mal fragt, was einem denn so für die nächsten Jahre alles zustehen würde, damit man getrost noch die nächsten X Kinder planen könnte - der sollte dann auch damit rechnen dass diejenigen, die dafür bezahlen müssen das nicht wirklich toll finden.

Na ja, und wenn jemand hier mit 18 oder 20 und schon einem Kleinkind das nächste plant (Betonung auf plant) und dann von unverschuldet redet - dafür fehlt mir zumindest das Verständnis.

Wer nur Schlagzeilen liest, bekommt genau DEN Eindruck, den du gerne korrigiert hast. Trifft aber nicht nur auf die Dinge zu, wo es einem gerade in den Kram passt und die eigene Meinung deckt.

Und wer sich als ALGII - Empfänger hinstellt und meint, der Wunsch, dass das Sozialsystem zu Arbeit und Anerkennung führt wäre nicht mal erwähnenswert, weil er ja von jemandem kommt, der das natürlich eh nicht wissen kann - der sollte mal über seine Einstellung nachdenken.

Frei nach dem Motto: der hat mehr Bildung als ich, der hat mehr Kohle als ich - also ist einfach mal alles von vornherein Unsinn, was der labert, denn wichtig ist das natürlich eh alles nicht. Oder auch: natürlich sagt der auch mal was richtiges, er wird schließlich teuer bezahlt, aber warum soll man sich die Mühe machen, das zu lesen - es kommt ja doch nur von jemandem, der viel zu viel Geld hat. Und gar nicht wissen kann, wie es bei anderen aussieht.

Viele Grüße
Miau2

Beitrag von maus152449 08.09.08 - 14:52 Uhr

Toll geschrieben, ganz Deiner Meinung!

Beitrag von mumpi08 08.09.08 - 17:38 Uhr

Liebe Miau,
ich antworte Dir an dieser Stelle einfach mal direkt.
Das habe ich in der letzten Disskussion nicht getan, weil die schon so lange lief, dass ich nicht daran geglaubt habe, dass irgendwer noch mitliest und natürlich auch, weil ich mir nicht pauschal Deine Aussage herauspicken wollte. Es ging mir nicht um Deine persönliche Einstellung.
Auf die hat jeder ein Recht. Das war es ja, was ich mit meinem Beitrag erreichen wollte (sorry wenn es nicht so rüber kam aber ich hatte eher das Bedürfnis mich zu den Menschen zu äußern, die hier meines Erachtens häufig ziemlich böse verurteilt und regelrecht angemacht werden)
Und ich meine mich zu erinnern, dass ich in meinem Beitrag auch zugeben musste, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig in eine schwierige Lage bringen (aus welchen Gründen auch immer... lass es Faulheit sein, oder die Vorstellung dass das Leben viel einfacher ist wenn man von den Leistungen des Staates lebt... was ja ein Trugschluss ist)

Und ja, es gibt hier Menschen die Erwartungen an den Staat haben (so würde ich das nennen, denn viele hier stellen einfach die bloße Frage danach, was sie denn beantragen könnten und werden direkt danach schon "zerfleischt", wenn ich das mal übertrieben so sagen darf)

Und ich möchte Dir sagen, dass ich sehr wohl den gesamten Artikel dieses Wirtschaftsspezialisten gelesen habe und ja auch bereits eingeräumt habe, dass er durchaus mit einigen Aussagen Recht hat... was ich natürlich von einem Professor erwarte, denn wenn jemand eine Profession erworben hat spreche ich ihm grundsätzlich Intelligenz zu ;-) Wär ja schlimm wenn dem nicht so wäre.

Was mir und vielen anderen Lesern oder Nicht Lesern so übel aufstösst ist, dass es grundsätzlich sehr gut situierte und sicher im Leben stehende Menschen sind, die behaupten zu wissen wie man mit geringen finanziellen Mitteln leben kann.
Und die Anerkennung im Job oder generell für Arbeitsleistung erhält man eben hauptsächlich durch den Lohnscheck am Ende eines Monats... nur steht da bei sehr vielen Menschen nicht mehr wirklich viel drauf... und der Chef kommt nicht zu ihnen, klopft ihnen anerkennend auf die Schulter und sagt: Lieber Herr XY, Gute Arbeit, weiter so!"
Und was diese ominöse Rechnung mit 170 € angeht, nur um es nochmal zu fokussieren, da bin ich leider nicht tolerant und aufgeschlossen genug, denn ich glaube ihm nicht, dass er das in vollem Maße beurteilen kann. Natürlich kenne ich seinen eigenen sozialen Hintergrund nicht, ich weiß nicht ob er die Nachkriegszeit in vollem Bewusstsein miterleben musste, also weiß wie es ist wenn man Hunger leidet oder Angst haben muss, dass doch gleich wieder geschossen wird...
Aber selbst wenn er so groß geworden sein sollte, kann er nicht beurteilen, wie es heute ist in unserem Land zu leben wenn man zur unteren Schicht der Gesellschaft gehört.
Ja richtig, wir jammern auf hohem Niveau. Heute muss niemand mehr verhungern... und darüber sind wir alle froh.
Ich bin auch froh darüber, dass es Kindergeld und Eltergeld und so weiter gibt, dass man eine Elternzeit nehmen kann und dass wenn man keine Arbeit mehr hat jemand da ist, der für einen sorgt.
Wir sind ein Sozialstaat, immernoch, auch wenn die sogenannte soziale Hängematte längst nicht mehr so weich ist, wie sie noch vor einigen Jahren war ;-)

Ich wünsche mir einfach, dass hier niemand so böse verurteilt wird, wie es hier manchmal der Fall ist. Es hat hier wie gesagt schon richtige Beschimpfungen gegeben, die zensiert werden mussten #schock
Das finde ich heftig.

Und ja, ich habe auch Verständnis dafür, wenn Du oder irgendein User sich darüber aufregt, dass sie selbst schwer für ihre Familie schuften gehen und andere sich einfach "aushalten" lassen.

Trotzdem sind viele Aussagen oder das eine oder andere "sich Luft machen" einfach nur fies und gar nicht mehr sachlich. Und das stört mich eben.
Ich finde es gut, dass ich es hier sagen konnte und dass es offenbar auch jemand gelesen hat. Das ganze lange BlaBla...

Schade finde ich, dass ich auch schon wieder das Gefühl habe mich rechtfertigen zu müssen (was natürlich mein eigenes Problem ist, denn ich vermute mal Du wolltest mich nicht angreifen... aber ich weiß es nicht)
Ich mache meine Arbeit gern, auch wenn ich nach meiner eigenen Meinung zu den Menschen gehöre, die finanziell ziemlich ausgebeutet werden. Ich habe nette Kollegen, denen es ganauso geht wie mir. Ich habe auch einen netten Chef (der nichts dafür kann wie es ist), ich hätte nicht wirklich viel weniger Geld zur Verfügung wenn ich einfach zu Hause bliebe...aber ich gehe eben gern zur Arbeit.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass es meine Pflich ist zu Arbeiten.
Ich habe nur einen Teilzeitjob bekommen... ich kann es mir schlichtweg nicht erlauben nach der Geburt eines Kindes zu Hause zu bleiben. Ich weiß, dass ich nach Ende des Mutterschutzes (und so Gott will wird meine Gesundheit schnell wieder hergestellt sein nach der Geburt) sofort wieder zur Arbeit gehen muss wenn ich meinen Job behalten will.
Wenn ich nicht funktioniere werde ich ersetzt. Es gibt 20 andere die meinen Job gern haben wollen...
Ich überlege mir welcher Zeitpunkt für eine Schwangerschaft wohl der beste ist, damit ich Zeit genug habe zu beweisen, dass ich auch als Mutter noch eine vollwertige Arbeitskraft bin.
Meine Verträge werden jeweils um ein halbes Jahr verlängert... es ist also entsprechend schwierig den richtigen Zeitpunkit zu finden.
Ich habe nicht vor völlig planlos ein Baby zu bekommen.

Ich finde es grundsätzlich nicht richtig jemandem das Gefühl zu geben, er sollte sich lieber überlegen ein Kind in die Welt zu setzten... und das ausschließlich aus finanziellen Gründen.
Geld ist wichtig, ohne Zweifel, aber da gibt es auch noch andere Dinge.

Ich erinnere mich, dass es zuerst die Sozialhilfeempfänger waren, auf die sich die öffentliche Meinung eingeschossen hatte
Frei nach dem Motto: "Die haben nichts und können nichts und kriegen ein Kind nach dem anderen."
Dann wurde die Sozialhilfe aufgesplittet, so dass wir heute Sozialhilfeempfänger und ALG II Empfänger haben, die auch nichts haben und nichts tun und ein Kind nach dem anderen bekommen.

Ich gebe ganz offen zu, ich bin auch nicht so konzipiert, dass ich es "wagen" würde schwanger zu werden wenn ich keine Arbeit habe, denn ich weiß natürlich, dass ich als Schwangere keine Arbeit bekomme und als junge Mutter erst Recht keinen Einstieg in eine Arbeit finde, denn welcher Arbeitgeber will schon gerne Mütter mit kleinen Kindern beschäftigen.
Aber das ist meine eigene Einstellung, ich kann die nicht auf andere Frauen übertragen. Ich weiß nicht ob ich auf ein Kind verzichten würde wenn meine biologische Uhr zu ticken beginnt, der Wunsch immer größer wird und ich gleichzeitig seit fünf Jahren (ich nenne jetzt einfach irgendeine Zahl) auf der Suche nach Arbeit bin. Abgesehen davon finde ich mit einer Lücke von fünf Jahren in meinem Lebenslauf wohl auch nur noch schwerlich eine richtige Anstellung (damit meine ich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, MiniJobs sind wohl eher kein großes Problem).
Als seit Jahren arbeitslose Frau sehe ich vielleicht in einem Kind nicht nur die Erfüllung eines völlig natürlichen Wunsches, sondern auch etwas sinnstiftendes, denn was gibt es wertvolleres und schöneres als eine Familie, ein neues Leben. Mit der Geburt meines Kindes, tue ich endlich wieder etwas sinnvolles, habe wieder eine richtige Aufgabe.
Nur bekommt man dafür keine Anerkennung, sondern nur ein Kopfschütteln. Arbeitslos ist die Frau also immernoch... und jetzt hat sie auch noch ein Kind in die Welt gesetzt!
Sie hätte sich lieber in ihr Schicksal ergeben und kinderlos sterben sollen (ja, das ist jetzt ein extremes Beispiel ich weiß)

Und jetzt fühle ich mich in meiner Weiblichkeit ziemlich bedroht, weil ich spüre wie die Meinung: Setz DU bloß kein Kind in die Welt! jetzt auch auf die Geringverdiener übergreift.
Sind wir die "Schmarotzer" von morgen, obwohl wir gar nicht "schmarotzen".
Werde ich eine Frau werden, die weder für ihre Arbeit, noch für die Gründung einer Familie gewertschätzt wird?
Darf ich keinen Kinderwunsch haben weil ich zu wenig Geld verdiene?

Man sagt zwar immer, man soll nichts auf die Meinung anderer geben. Aber ich bin nicht so angelegt. Ich möchte nicht das jemand denkt: "Wie konnte die nur ein Kind in die Welt setzen, die kann ihm doch gar nichts bieten!"
Ich könnte meinem Kind einiges bieten: Ich habe eine wunderbare Familie, die sich schon jetzt darauf freut, dass mein Mann und ich irgendwann ein Baby kriegen. Es hätte immer jemanden bei dem es geborgen und gut aufgehoben wäre, Opas die mit ihm Baumhäuser bauen, Omas die mit ihm singen würden, einen Papa der in jeder freien Minute und bei jedem Wetter auf den Spielplatz schieben würde, der liebevoll und aufopfernd wäre, und nicht zuletzt eine Mama, die den Anspruch hat es zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft zu machen, die es in seinen Träumen bestärkt und alles versuchen wird um ihm die richtige Förderung zukommen zu lassen (egal ob es ein Musterschüler, oder ein kleiner Faulpelz ist, ein Ingenieur oder ein Dachdecker werden möchte)
Ist das gar nichts wert?

Und ist das Kindergeld (als einziges Beispiel an dieser Stelle, weil es in meinem persönlichen Fall die einzige fianzielle Unterstützung ist, derer ich mir sicher sein kann) nicht für alle Familien da?
Ja, ich bin eine Mutter die darauf angewiesen sein wird, aber ist das nicht okay?
Ich würde mein Kind mit Sicherheit auch durchbringen, wenn ich es nicht bekäme, einfach weil ich auch zwei Jobs annehmen würde, damit mein Kind auf eine Klassenfahrt gehen oder den Turnschuh haben kann der gerade hoch angesagt ist und ohne den es ganz sicher nicht leben kann (ich war auch mal Kind und Teenie ;-))

Aber ich möchte nicht auf die Chance Mutter zu werden und ein Kind großzuziehen verzichten weil ich wenig verdiene und vielleicht Angst haben muss meinen Job auf Grund einer Schwangerschaft zu verlieren.
Und ich möchte auch nicht dafür verurteilt werden, weil ich bereit bin auch unter diesen Voraussetzungen ein Baby zu bekommen.

Aber ich komme schon wieder völlig vom Thema ab.

Ich bin selbst in einem totalen Gefühlschaos, weil ich persönlich schlicht und ergreifend nicht weiß was richtig und was falsch ist und mich deswegen schnell selbst beleidigt und angegriffen fühle, wenn ich hier mitlese und erfahre, wie Frauen mit schwächerem sozialen Hintergrund sehr schnell angegangen werden.
Es liegt an meinem persönlichen Interesse, dass ich diese Diskussion hier nochmal extra aufgemacht habe.
Niemand ist völlig selbstlos, das liegt nicht in der Natur des Menschen!
Ich möchte einfach nicht irgendwann wie eine Mutter zweiter Klasse behandelt werden, wenn ich hier mal eine Frage einstellen muss.

So liebe Miau. Falls Du Dir die Mühe gemacht hast, das hier alles zu lesen, bin ich Dir dankbar... ich habe offenbar einen Schreibfimmel (was einfach daran liegt das ich mich viel mit diesem Thema befasse und deswegen auch empfindlich bin) #hicks

Ich wollte Dich mit meinem Beitrag weder irgendwie anpieksen, noch provozieren, es war schlicht und einfach Zufall, dass ich mir gerade Deine Aussage herausgegriffen hatte (die ja noch dazu auch nicht beleidigend geschrieben war). Sie diente mir lediglich als Aufhänger!

Ich finde es gut, dass ich in diesem Forum wohlmeindende Antworten auf Fragen bekommen kann, aber durchaus auch auf Kritiker und Skeptiker stosse.
Nur denke ich, dass der Ton immer die Musik macht... und das habe ich in diesem Themenbereich stark vermisst. Und das nicht speziell bei Dir!!

Es tut mir leid wenn Du Dich über mich geärgert haben solltest und möchte dass alles wieder gut ist.

Und natürlich möchte ich mich auch bei den Damen bedanken, die mir ein bisschen Zuspruch gegeben haben und meine Gefühle nachvollziehen konnten.

Wir haben alle verschiedene Meinungen und Gedanken zum Thema Familiengründung. Und ich wollte wirklich keine Meinung geringschätzen.
In diesem Sinne ein sehr ehrlich gemeintes: Sorry #schein

Liebe Grüße
Mumpi

Beitrag von miau2 09.09.08 - 13:44 Uhr

Hi,
du musst dich weder rechtfertigen, noch hast du mich wirklich verärgert...

Ich halte mich bei den meisten dieser Diskussionen (speziell bei denen, wo Beleidigungen herumfliegen) lieber raus, auch wenn ich manchmal dem einen oder anderen (Betonung darauf, dass ich damit eine absolute Minderheit meine...) gerne meine Meinung sagen würde...

Wieder der eine oder andere, der heute ein normales oder meinetwegen gutes Einkommen hat kann die Situation besser beurteilen, als viele sich vielleicht vorstellen. Viele dieser Menschen haben auch mal studiert, und bei wem der volle Bafög-Satz gewährt wurde, da kann man sich mit ein wenig Ahnung vielleicht vorstellen, dass die finanziellen Verhältnisse nicht gerade der "Oberschicht" entsprochen haben. Und obwohl es für mich kein Bafög gab habe ich 5 Jahre von Geld gelebt, das nicht mehr war als das, was es heute an ALGII gibt - sicher, vor ein paar Jahren war vieles (aber nicht so viel, wie man gerne glaubt) billiger als heute, keine Frage. Aber dafür konnte ich jeden Monat einen deutlichen Beitrag sparen. Der würde wohl heute wegfallen.

Von daher denke ich, dass ich schon ein wenig weiß wovon ich spreche. Auch weiß ich aus eigener Erfahrung in einem Schwellenland, dass hier gerne auf hohem Niveau gejammert wird - aber i.d.R. kennt man ja nichts anderes als den Standard einer Industrienation, von daher kann ich das gut verstehen.

Worum es mir vor allem ging war einfach das: jeder ALGII-Empfänger, egal, ob ergänzend oder komplett oder was auch immer, jeder Wohngeldempfänger und jeder Empfänger vom Kinderzuschlag hat das Recht, nicht pauschal als Schmarotzer o.ä. verurteilt zu werden. Stimme ich voll zu, auch wenn ich meinem Bruder als einziges "Beispiel", das ich persönlich und gut kenne in den Hintern treten könnte, wenn er sagt, für 5 Euro pro Stunde macht er sich nicht den Rücken krumm (und dafür lieber in Kauf nimmt, mit seinen 34 Jahren bisher genau 1 Jahr in einem versicherungspflichtigem Beschäftigungsverhältnis gewesen zu sein) - ich habe im Studium übrigens stolze 2,50 pro Stunde bekommen und war froh, überhaupt einen Job zu haben. Ja, klar, ein paar Jahre her ;-) und es war ja das, was ich dann zusätzlich hatte (was natürlich bei ALGII-Empfängern zumindest zum Teil auch so wäre). Und das war es mir dann schon wert.

Aber das gleiche muss für alle Aspekte des Themas gelten, auch wenn mal jemand Meinungen äußert, die gerne heiß diskutiert werden können und auch müssen. Und dass es für Diskussionen nicht reicht, Schlagzeilen zu wiederholen und auf aus dem Kontext gerissenen Aussagen herumzureiten - das ist doch nichts anderes als das, was du selbst vollkommen richtig erkannt hast.

Du hast Recht, der Ton macht die Musik. Aber auch das gilt für beide Seiten, und ich lese immer nur Beiträge mit Mitleid für die, die doch nur fragen wollten und dafür beleidigt wurden - Mitleid für die, die als Antwort auf neutrale Aussagen und gelegentlich berechtigte Kritik beleidigt und runtergemacht werden gibt es i.d.R. nicht.

Warum nicht? Weil die vielleicht ein höheres Einkommen haben? Aber wenn man (ebenfalls richtig) der Meinung ist, dass Beleidigungen kein Weg sind - dann muss auch das für beide Seiten gelten.

Kritik an sich gehört in einem Forum dazu, und selbst das ist halt oft schon zu viel. Selbst wenn sie vollkommen berechtigt ist (in dem einen oder anderen Fall ;-)).

Viele Grüße
Miau2