Warum bin ich eigentlich traurig?

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von herzblatt81 08.09.08 - 17:36 Uhr

Im Mai diesen Jahres ist mein Vater gestorben. Wir hatten die letzten 6 Jahre keinen Kontakt, da mein Vater schon seit über 20 Jahren Alkoholiker gewesen ist. Ich habe immer wieder versucht Kontakt aufzunehmen und er auch, aber es hat nie was gebracht, weil er überhaupt keine Ahnung von meinem Leben hatte und auch nie eingesehen hat, daß er ein Problem hat.
Als ich nun im Mai die Nachricht bekam, daß er gestorben ist, hat mich das doch ganz schön mitgenommen. Und ich weiß nicht warum. Er hat sich nie um mich gekümmert, hat nie Unterhalt gezahlt. Ich will nicht sagen, daß er mich nicht lieb gehabt hat, aber als mein mann seine persönlichen Dinge aus der Wohnung für mich geholt hat, da war noch nicht mal ein Foto von mir oder ähnliches. Das hat mich tief getroffen. Da ich als einzige Tochter noch da war, mußte ich auch noch einen Teil der Beerdigungskosten bezahlen. Das hat mich total ange...
Ich merke wie einige um mich rum nicht verstehen, wieso ich doch traurig (gewesen) bin. Aber er ist nun mal mein Vater gewesen...

#danke

Beitrag von jensecau 08.09.08 - 18:37 Uhr

hallo!

ich glaube, dieses gefühl ist ganz normal. dein vater ist gestorben und er war nun mal ein teil deines lebens, auch wenn kein kontakt bestand. traurigkeit ist ein normales gefühl wenn jemand stirbt und auch du darfst so lange traurig sein, wie du traurig sein musst.

mein bruder ist vor knapp 2 jahren gestorben. er war gerade mal 22 jahre alt. ich hatte nie wirklich zeit zu trauern, traurig war und bin ich aber schon und zwar sehr. ich habe immer das gefühl, dass die welt um mich herum meint, dass ich nicht mehr traurig sein darf, weil es doch (für sie) schon 2 jahre her ist.

lg
claudine

Beitrag von stern76 08.09.08 - 18:38 Uhr

Hallo,

ich würde dir raten, da dein Problem doch tiefer geht und wieder alte Wunden aufreißen eine Therapie zu machen. Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Warum ist es so schwer, die Menschen die einem verletzten auch zu verzeihen. Dein Vater war krank, er hat es nicht einsehen wollen. Daran konntest du nichts daran ändern aber du solltest auch sagen. Das dein Vater sehr krank war und wenn mann so im Suff ist, dann sagt mann oder macht mann Sachen. Die Angehörige nicht verstehen. Ich mußte das mit 20 lernen. Verzeihe erst, dann kann dir erst geholfen werden. Denke da würde mir auch jeden Therapeuten Recht geben. Ich denke das du auch im inneren ein Groll hängst. Warum war er nie der Vater den du haben wolltest? Warum hat er keine Bilder von dir. Ich denke mal so, ob ich da richtig liege weiß ich nicht. Aber ich denke, im inneren wußte dein Vater. Hier stimmt was nicht aber er hatte kein Mut was zu ändern. Und Bilder von dir, hätte ihn daran erinnert. Das es ein Leben gibt, wo auch ein Kind entstanden ist und es ihm vielleicht auch peinlich war sich so zu zeigen. Nach so einer langen Zeit. Wenn er mal wohl klar gedacht hatte. Ich hoffe du verstehst was ich damit meine? In seinem Herzen gab es ein Platz, wo er dich geliebt hat und auch ein Leben das perfekt war. Mit Mutter, Vater und Kind und ohne Probleme. Aber die Realität sah anders aus.
Und laß die Trauer zu, es wird dir helfen das zu verstehen. Und bitte mach eine Therapie, denn ich denke irgendwann verdrängst du das wieder und nach Jahren kommt das wieder hoch.

LG Anne

Beitrag von daniko_79 09.09.08 - 08:45 Uhr

Hallo

mein Vater hatte auch einige Jahre ein massives Alkoholproblem und der Kontakt war auch so lala ! Die letzten 6 Wochen hatte wir garkeine Kontakt mehr weil ich es nicht verstanden habe das er mit dem Scheiss nicht aufhört . Meinen Kindern wollte ich das auch nicht zu muten das sie den Opa so sehen . Er ist dann im November 07 ins Kh gekommen mit einer Hirnblutung .. er scheint gefallen zu sein und auf den Kopf geknallt , genaues weiss man leider nicht . Ich war täglich bei Ihm am Bett gesessen , als er im Koma lag und danach . Unterhalten konnten wir uns nicht , er war in seiner kleinen eigenen Welt .. Bis zum Tod war ich bei Ihm !
Ich bin auch sehr traurig , es verfolgt einen irgendwie alles immer noch , ich vermisse Ihn ! Die Kinder kennen den Opa kaum, Kinder vergessen eh sehr schnell !
Ich rede sehr oft mit Ihm und guck dabei sein Bild an das bei uns im Esszimmer steht ..

Du kannst trotzdem traurig sein , es ist dein Papa ... du hast eikn Recht traurig zu sein !

Lg Dani

Beitrag von josili0208 09.09.08 - 12:51 Uhr

#liebdrueck
Ich kann Dich verstehen. Als 2007 mein Opa starb, ging es mir genauso. Wir hatten auch seit über 15 Jahren keinen Kontakt mehr, eine Beziehung hatte ich zu ihm sowieso nicht, er hat nur Schulden hinterlassen, die ich unter grossem Aufwand ausschlagen musste. Und trotzdem war ich traurig. Irgendwie war er trotz allem meine Familie...
Alles Gute jo

Beitrag von muckel82 09.09.08 - 13:13 Uhr

Hallo

ich glaube ich versthen was du meinst
Mein Vater hat sich auch noch nie wirklich um mich gekümmert. meine Eltern trennten sich an meinem ersten Geburtstag
Als vor fast 4 1/2 Jahren mein Sphn geboren wurde, aht er sich bei mir gemeldet. Ich war hin und hergerissen und wusste nicht ob ich micht mit ihm treffen sollte. Wir haben uns getroffen und obwohl er mir nicht fremd war, wollte ich keinen weiteren Kontakt

Nun ist er wieder "verschwunde", ich kann ihn nicht erreichen. Und manchmal habe ich sehr viel angst das ihm was zustoßen könnte und ich meinen Vater nie wirklich kennengelernt habe.

Auch wenn man keinen oder nur sehr wenig/schlechten Kontakt mit seinem Vater hatte, es bleiben nun mal unsere Väter

ich wünsche dir alles Gute

lg Nina