ADHS - bitte Tipps von Betroffenen

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von yinyang65 08.09.08 - 19:28 Uhr

Hallo an alle,

ich versuche mal kurz, unseren bisherigen Werdegang abzubilden:

Papa (43) ist seit 4 Jahren mein (ich: 43) Freund, seit 3 Jahren wohnen wir zusammen, seit 1 Jahr in einem kleinen Häuschen. Die „Krümel“ sind jetzt 8 (m) und 13 (w) und besuchen uns ca. an 3 WEn im Monat, von Freitag Abend bis Sonntag Abend.

Habe mir auch alles Erdenkliche vorgenommen, habe ja selbst ein Kind schon großgezogen. Jetzt wir für mich alles auswegslos - daher möchte ich um Rat bitten.

Der Kleine hat ADHS, muss Tabletten nehmen, wöchentliche Psychologensprechstunde usw. - also mit einem Satz: Die Mama kümmert sich sehr intensiv um die Problemchen, die das alles mit sich bringt. Wir haben auch ein gutes Verhältnis, so dass wir oft die „Krümel“ besprechen :-)

Jetzt hatten wir das erste Mal zusammen Urlaub: Papa, die Krümel und ich. Seitdem bin ich sehr nervös, traurig oder aufgewühlt: alles zusammen!

Papa ist leider nur ein Kuschelpapa und erzieht oder mahnt gar nicht. Das bleibt alles an mir hängen. Könnt euch ja die Konstellation für mich dann vorstellen: ich bin die Böse, die „Fremde“ - die schimpft. Zumindest bei dem Kleinen. Den ganzen Tag testet er aus, wer beim Papa der Stärkere ist - er oder ich. Ich habe mich so belesen darüber, wie man damit umgeht - aber jetzt kann ich es nicht mehr akzeptieren, dass ich von seinem Sohnemann beschimpft und angebrüllt werde. Ich versuche oft, Dinge in Ruhe zu erklären, aber er sagt „NEIN“, „DOCH“ und „DARUM“. Er hat eine riesen Diskussionsfreude, ich nenne es neuerdings Streitfreude. Habe schon viel gelesen, dass da die Gedanken im Gehirn nicht so schnell sind, wie bei anderen Kindern und vieles gesagt wird, was sie gar nicht so meinen - aber ich bin jetzt am Ende. Wenn ich lauter werde, weil er partout nicht hört oder alles besser weiß, wird er auch lauter und das kann es doch nicht sein! Ansonsten akzeptiere/toleriere ich schon Einiges am Anderssein.

Und der Papa verliert jede Diskussion, weil ja bekannt ist, dass er spätestens nach dem 8. Mal Quängeln „umkippt“. So wird nun jedes WE für mich anstrengender, weil der Papa traurig die Arme hängen lässt, wenn ich was gegen sein Goldkind sage, oder auch mal mit ihm schimpfe. Wegen herumgeworfener alter Socken oder nach dem Ausziehen wild weggeworfener Schuhe. Alles wird ausgeräumt und in der Wohnung verteilt. Gut, er hat sicher Aufräumschwierigkeiten, aber ich erwarte da einfach vom Papa, dass er rechtzeitig einschreitet. Aber Fehlanzeige. Dass er nicht konsequent ist weiß er, sagt aber, er kann es nicht abstellen. Von der Mama weiß ich aber, dass solche Kinder einen besonderen geregelten Tagesablauf haben müssen, damit sie klarkommen. Leider spielt der Kleine auch nicht, er möchte den ganzen Tag „handwerken“. Und wenn der Papa nicht schnell genug mit draußen ist, da wird schon mal - ohne Fragen - die Heckenschere angemacht und losgeschnitten. Ich kann einfach nicht einsehen, dass so ein kleiner „Gurkenhals“ unser Wochenende bestimmt! Leider nehmen mit zunehmender Frechheit von seiner Seite auch meine Spielmomente mit ihm ab :-(

Mein gedanklicher Gegenbeweis, dass es anders gehen kann, sind ja die Großeltern. Da folgt der Kleine so halbwegs. Dort hat er Respekt vor Oma und Opa, weil Fehlverhalten auch negative Konsequenz hat! (nix Schlimmes, eben kein Eis oder kein Baden im Pool usw). Bei der Mama übrigens auch.

Die Große ist gerade anders: ausgeglichen, nicht frech und leidet sehr unter ihrem kleinen Bruder. Sie kam jetzt gerade zurück von einer Abnehmkur, ich vermute, es war angefressener Frust - weil sie immer zurückstecken soll. Aber ich passe sehr darauf auf, dass sie bei uns nicht zu kurz kommt, beim Papa allein würde sie das leider :-(

Ich hatte mich nun schon gekümmert um ein Gespräch mit einer Einrichtung mit einer Einrichtung, die sich um solche Kinder /Eltern kümmert. Aber da ich nicht die Mutter bin, müsste ich alles bezahlen oder den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes einschalten - was ich natürlich in so einem Ausmaß nicht möchte. Ich wollte ja nur eine Beratung für mich, vielleicht mache ich auch was falsch. Weil wir uns zusammen so hochschaukeln, andererseits fällt es mir schwer bei den ganzen, wilden Dingen, die bei uns passieren, immer ruhig zu bleiben.

Nun habe ich Angst, dass der Kleine unsere Beziehung zerstört, ich merke ja selbst, wie ich mich vom Papa zurückziehe, weil meine Wünsche (er hätte nicht nur eine Streichel- sonder auch eine Erziehungspflicht) nicht fruchten. Ich bin am WE „übrig“, weil Sohnemann ständig am Hosenzipfel vom Papa hängt und ich nicht mal 10 min mit ihm allein reden kann. Klingt nach Eifersucht, ich weiß.

Es ist am WE bei uns auch immer Geschrei, man hört die Krümel schon von weitem kommen. Und Vati schreitet nicht ein (das mache ich dann), wenn sich die Geschwister kämpeln oder anschreien (meist in negativer Absicht).

Falls wir eben keine Lösung finden, mit der wir alle leben können, werde ich mich zurückziehen - weil der Papa in erster Linie zu den Kindern gehört, nicht ich. Ich bin so verzweifelt, dass ich das nicht packe, ich bin keine Zanknudel, ich möchte lieber alles im Frieden klären, aber irgendwie lässt sich hier nix klären  Die Kinder tragen alles lautstark aus und Papa hängt hilflos die Flügel.

Vielleicht wisst ihr einen Rat, wie es bei uns weiter gehen soll. Jedenfalls graut mir vor dem nächsten WE und es tut mir so weh, dass ich mal so einen Satz schreiben muss :-(

Beitrag von nessi104 08.09.08 - 20:40 Uhr

lass dich mal #liebdrueck

mein sohn hat auch adhs und daher weiß ich wie wichtig absolute konsequenz und ein stramm geregelter tagesablauf ist.anderfalls würde es hier drunter und drüber gehen.er wird dann völlig aus der bahn geworfen.
gott sei dank ziehen mein mann und ich an einem strang und deshalb merkt man das adhs nicht so sehr.
klar haben wir auch die typischen adhs probleme,wie vergesslichkeit,chaos usw. aber damit kommen wir soweit zurecht.

und das ist der punkt.dein freund muss dringend seinen (?)
erziehungsstil ändern.
der junge braucht dringend grenzen.anders geht garnichts.schon garnicht bei einem adhs kind.
das muss ihm klar werden,sonst wird er die familie zerstören.
du allein schaffst es nicht.und der junge wird dich als die böse sehen,weil du versuchst ihn zu erziehen.
aber das weißt du ja.
vielleicht könnt ihr kinder regeln und erwachsenen regeln gut sichtbar aufhängen.
z.b. wir schreien uns nicht an.
wir räumen selbst unsere sachen weg.
wir sind freundlcih und respektvoll usw.

wer sich den ganzen tag daran hält bekommt einen glückspunkt.wer 20 stück gesammelt hat,bekommt eine kleine überraschung,eis essen,schwimmen gehen.für die erwachsenen halt essen gehen.
achja,ihr müsst das halt aufs we beschränken.vielleicht wenn dann 2 we gut geklappt haben,etwas besonderes am dritten we.dann fängt es von vorne an.
doch auch dazu muss dein freund mitmachen.

viel glück lg

Beitrag von starshine 12.09.08 - 10:45 Uhr

ADHS ist kein Problemchen sondern eine Stoffwechselstörung. Mein Mann hat das auch und seit wir aufgeklärt sind, wissen wir auch viel besser wie wir damit umgehen können. Es geht übrigens auch ohne Medis.... Es geht aber nicht ohne:

-klare Grenzen auch gegenüber der Schwester!
-Pläne, die genau eingehalten werden müssen
-trotzdem viel Liebe und Streicheleinheiten - aber eben erst wenn die Sachen erledigt wurden

Bitte folgendes nicht vergessen: Der Junge hat:
erhöhte Risikobereitschaft
kann sich nicht lange konzentrieren
empfindet u.U. Gerüche, Berührungen etc. als störend
muss sich sehr viel mehr anstrengen um etwas zu erledigen
kann nicht aus Fehlern lernen
sehr niedrige Frustrationsschwelle

das ist ne ganze Menge und da habe ich noch nicht mal alles aufgelistet. ADHSler sind nicht behindert, aber müssen sehr viel mehr leisten um zu den gleichen Ergebnissen zu kommen wie nicht ADHSler.

Ein Forum das hilft: www.anderswelt.de

Viel Kraft!
#stern

Beitrag von nessi104 13.09.08 - 19:41 Uhr

es geht leider meistens nicht ohne medis.
nur bei ganz leicht betroffenen.

lg