Wie ein altes Möbelstück

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Forum: Trennung

Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltszahlung ... ? Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jedes Elternteil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung.

Beitrag von dd70 09.09.08 - 20:03 Uhr

Seit Wochen lese ich nur und leide mit den traurigen.
In jedem Schicksal findet man etwas von sich.
Aber im Moment fühle ich mich wie ein altes ausgedientes Möbelstück.
Seit zwei Tagen fange ich an die Kisten zu packen und sehe nur Erinnerungen.
Nach 11 Jahren Ehe und insgesamt 17 Jahren Zweisamkeit ist auf einmal alles vorbei und anders.
Wie soll man das nur schaffen??
Gibt es hier überhaupt jemanden mit Happy End?- Jemanden, der wieder mit seinem Partner zusammengekommen ist und nun glücklich ist??

Entschuldigt, aber ich mußte das mal los werden....:-(

Beitrag von danii84 09.09.08 - 21:21 Uhr

Hey lass dich mal drücken #liebdrueck
Ich wünsche Dir alles Gute.

Beitrag von dd70 09.09.08 - 21:59 Uhr

Vielen Dank, das ist sehr lieb von Dir:-)

Beitrag von nyiri 10.09.08 - 05:30 Uhr

Lass Dich erstmal ans Herz drücken...

Jede Trennung hat ihre Ursachen. Offenbar hast Du diesen dicken Frosch noch nicht ganz geschluckt, aber mit etwas Abstand und genügend geweinten Tränen kann man auch die schmerzvollste Trennung irgendwann als eine Befreiung betrachten.

Auch ich packe zur Zeit Kisten und Säcke. Auch ich verlasse die gemeinsame Wohnung. Anfangs weigert man sich - auch wenn man selbst die Trennung herbeigeführt hat - das alles als Realität anzunehmen. Dann kommt die Wut, dann die Enttäuschung, das Unverständnis, das große "Warum". Und in all diese Emotionen mischt sich immer und immer wieder der Schmerz. Man verbringt Tage und Nächte mit Weinen, stummem Flehen, wehrt sich gegen die Trennung, obwohl man genau weiß, dass es eigentlich keinen anderen Ausweg gibt. Man fürchtet sich vor der folgenden Einsamkeit, fühlt sich von Allen verlassen. Niemand kann einem heilsamen Trost spenden. Man wacht morgens auf und stellt sich tausend Fragen.

Gibt Dir selbst die Zeit, das alles erst einmal anzunehmen, auch wenn Du glaubst, Du gehst daran zugrunde. Nein, Du wirst weiterleben. Eines Tages wachst Du auf und die Schmerzen sind erträglich.Nein, sie verschwinden nicht einfach, aber sie lassen sich mit Mühe und Not aushalten und man kann wieder etwas Luft holen. Ordne Dein Leben neu und konzentriere Dich nicht ausschließlich auf das Vergangene. Schau' erstmal nur nach vorne. Es ist unbeschreiblich schwer, ich weiß, aber Du hast keine Wahl.

Es geht im Schneckentempo bergauf, ganz langsam, Stück für Stück. Hab' Geduld und lass' es raus, aber bleib' nicht stehen. Mach' kleine Schritte, räum alles weg, was an ihn erinnert, sonst machst Du's Dir selbst schwer. Verstaue alle Bilder, alle Geschenke, alle Erinnerungen und tu' Dir nicht selbst mehr als nötig damit weh. Es wird leichter, irgendwann... Glaub' mir...

Beitrag von dd70 10.09.08 - 08:20 Uhr

Vielen Dank für Deine lieben Worte...
Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Du hast es genau beschrieben, genauso wache ich auf und gehe ins Bett.

Die Angst es nicht zu schaffen, obwohl ich sonst immer sehr selbstständig bin und die Angst es auch in finanzieller Hinsicht nicht zu schaffen.
Ich denke wenn ich erst mal in meiner kleinen neuen Wohnung mit meinen zwei Katzen eingezogen bin, kann ich anfangen alles richtig zu begreifen

Ich wünsche auch Dir viel Stärke und Glück :-)

LG

Beitrag von nyiri 10.09.08 - 10:06 Uhr

Das lässt nach, verlass' Dich drauf. Es dauert Wochen, vielleicht auch Monate, aber es vergeht. Es hilft oft auch, sich ordentlich Aufgaben zu stellen, die man tagsüber erledigen muss. Es lenkt ab, es raubt die Zeit, die man sonst mit Grübeleien verbringt. Es tut gut, Dinge geschafft zu haben, die wichtig sind, die man vielleicht lange vor sich hergeschoben hat, für die einem sonst die Lust oder die Motivation fehlte. Mach' Deinen Umzug zum perfekt organisiertesten Umzug aller Zeiten. Mach' ein Event draus, das Dir später als Erinnerung dienen kann, wie schön Dein Neuanfang war. Das gibt Kraft und liefert Energie. Ich mache derzeit genau das.

Aber verdränge Deinen Schmerz nicht über das natürliche Maß hinaus. Lass den Schmerz auch ab und an zu, er muss sein, denn er muss verarbeitet werden, sonst holt er Dich ein, wenn Du nicht mehr damit rechnest. Versuch' ihn in der alten Wohnung zu lassen. Such' Dir einen Weg, damit umzugehen. Schreibe, weine oder tu' Dinge, die Dir dabei helfen. Ich für meinen Teil schreibe, ich schreibe täglich und ich lasse es raus. Die Abstände, dass ich das unter Tränen tue werden ganz langsam größer und es hilft mir. Ich lasse Freunde daran teilhaben, weil ich all das in einem Blog tue. Und ich lasse auch diese Freunde daran teilhaben, wie meine neue Wohnung entsteht. Ich knipse jede Veränderung, schreibe meine Gedanken dort nieder und man bekommt Zuspruch. Es muss nicht immer ein Forum sein. Es darf ein Tagebuch sein, ein Blog, den nur auserwählte Leute lesen dürfen oder aber ein öffentliches Forum. Ich habe bewusst kein Tagebuch mehr begonnen, da mein Ex und ich unsere alten Tagebücher beim Einzug entsorgt haben. Es sollte ja ein "Neuanfang" sein und er hasste es, wenn ich "bloggte". Es gibt allerdings Blogs, wo man einzelne Beiträge auch mit einem Passwort versehen kann und so anonyme Leser ausschließen kann. Wenn's mir zu privat wird, tue ich das, dann lesen wirklich nur meine Freunde und meine Familie.

Und es tut unglaublich gut, ausgerechnet so zu bewältigen, denn ich mag es und er hasst es...;-) Ein Tagebuch würde mich zu sehr an ihn erinnern, also tue ich etwas, was er nicht mag. Und das Internet ist einfach zu klein, damit er davon nichts erfährt und er kann nichts dagegen tun, denn ich nenne niemals seinen Namen... ;-) Und es wirkt befreiend, ehrlich...

Kopf hoch, Kleines... Alles wird wieder gut, es braucht nur seine Zeit... #liebdrueck

Beitrag von dd70 10.09.08 - 13:47 Uhr

Vielen lieben Dank :-)
Euer Zuspruch tut einfach der Seele gut und aufeinmal ist man nicht mehr allein.

Ich habe zwar auch sehr gute Freunde, die mich wirklich super unterstützen und mir auch helfen, aber hier treffe ich Leute, die genauso empfinden und das gleiche, bzw. ähnliche Schicksal durchlebt haben, oder noch immer mittendrin sind...

Vielen Dank Euch Allen#danke#danke#danke

Beitrag von nyiri 10.09.08 - 19:54 Uhr

#bitte#liebdrueck

Beitrag von madame.de.pompadour 10.09.08 - 08:57 Uhr

Das hast Du wunderschön beschrieben und es trifft voll den Punkt.

Alles Gute!
M

Beitrag von nyiri 10.09.08 - 10:09 Uhr

Danke... #blume

Leider macht jeder mindestens einmal im Leben diese Erfahrung, aber sie lässt einen reifen und wachsen. Natürlich möchte man sich solche Erfahrungen sparen, aber ohne sie wäre ich nicht das, was ich heute bin.

Ein Ende ist immer auch der Anfang von etwas Neuem.