Verlust-, Trennungsangst bei unserem 3jährigen Sohn

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von stawinmi 11.09.08 - 14:09 Uhr

Hallo,
unser Sohn ist jetzt drei Jahre alt und geht seit 2 Jahren ganztägig in eine Kita.
Das Problem ist, dass es immer wieder Situationen gibt, wo er sich beim Abschied nicht von mir oder meiner Frau trennen möchte. Er klammert sich dann schon vorher an uns, will auf den Arm und weint teilweise stark, darin drückt sich oft eine tiefe Traurigkeit, hilfloses Flehen aus. Das kann zwischen 5 und 15min dauern und sich auch noch nach dem Abschied beim Hinbringen hinziehen, wie die Kindergärtnerin berichtet.
Diese Situationen haben sich in den letzten 2 Jahren immer mal wiederholt, es gibt Phasen 4 – 6 Wochen, wo es kein Problem gab, aber es kommt immer wieder und war vor ein paar Tagen so schlimm, dass der Kindergarten uns anrief und wir unseren Sohn abholen mussten.
Nun möchte ich ein paar Hintergrundinformationen geben, die vielleicht helfen die Ursachen für diese „Trennungsschmerzen“ unseres Sohnes zu ergründen.
1. Unser Sohn hat zwei 14jährige Schwestern und keine Geschwister in „seinem“ Alter.
2. Ich als Vater bin relativ häufig beruflich unterwegs, oft die ganze Woche.
3. Unser Sohn schläft noch bei uns im Bett, wenngleich er seit Neuestem ein eigenes Bett im gleichen Zimmer hat. In seinem Bett schläft er noch nicht alleine ein und wenn er nachts aufwacht, schläft er auch nicht mehr alleine ein, d.h. er kommt wieder zu uns.
4. Während mein Sohn lange Zeit sehr auf mich fixiert war, trifft dies nun auch auf meine Frau zu, da auch sie jetzt ab und zu mal ein paar Tage unterwegs ist.

Ich denke, dass sind insgesamt Situationen, die in Familien vorkommen, ebenso die Reaktionen eines Kindes auf diese Situation.
Was uns jetzt aber sehr verunsichert ist die schon länger andauernden Hinweise/Wünsche/Aufforderungen aus der Kita, dass wir mit unserem Sohn zu einer kinderpsychologischen Beratungsstelle gehen sollten, da es nicht normal sei, dass ein Kind nach zwei Jahren in der Kita, durch sein Weinen immer noch derartige tiefe Schmerzen, Verlustängste etc ausdrücken würde. Man kann dem Weinen förmlich ansehen, wie mein Sohn leidet, dass da ein seelischer Schmerz ist. Am Anfang war in der Kita sogar von einem „Schreikind“ die Rede.
Wir haben bereits eine Familienberatungsstelle konsultiert und 3 Elterngespräche ohne unseren Sohn geführt. Da ging es aber eher um die Frage, wer von uns beiden ihm was erlaubt, d.h. wer ihn wie erzieht und ob es da Unterschiede gibt, die unseren Sohn ggf. verunsichern würden.
Langsam stehen wir vor der Frage, ob es ggf. die Kindergärtnerinnen selbst sind, die mit dem Weinen unseres Sohnes überfordert sind oder sich zumindest sehr gestört fühlen. Sie betonen zwar, dass es ihnen um unseren Sohn ginge, der ja schließlich leidet, aber es ist ihnen auch zuviel, wenn er sich anstatt Vater oder Mutter, dann auf eine Erzieherin fixiert und von ihr getröstet werden möchte.
Es sei abschließend auch bemerkt, dass unser Sohn andererseits auch Tage hat, an denen er sehr gerne in der Kita ist, uns sogar zum Abschied aus der Tür schiebt, oder selbständig in den Gruppenraum, sogar ohne „Tschüß“, geht. Er spricht sehr gut und sehr viel und ist seit gut 2 Monaten auch völlig trocken.
Ist unser Sohn ein Fall für den Psychologen und wie sollen wir mit der Situation im Kindergarten umgehen.
Lieben Dank
stawinmi

Beitrag von exstudent01 11.09.08 - 14:12 Uhr

Hallo,

ich werde morgen mit meiner tochter zu einer kinesiologin gehen.

google mal ein bißchen. findet man schnell was.

ich habe auch ein "exemplar", was unter trennungsangst leidet. und angst vor neuen situationen mit unbekannten leuten hat.

lg.

Beitrag von zauberfee69 11.09.08 - 17:13 Uhr

Hallo,

ich war bei einer Psycho-Kinesiologie wegen meines Sohnes.
Bei uns hat es leider NULL gebracht. Aber ein Versuch war es wert.

Wünsche Euch viel Glück und vielleicht kannst Du mir mal mailen, ob es bei euch geklappt hat.

LG

Beitrag von sapiens 11.09.08 - 14:19 Uhr

Das kann man von hier aus trotz deines ausführlichen Berichts nur schwer beurteilen. Mein Sohn hat auch keine gleichaltrigen Geschwister und kommt nachts auch oft in unser Bett. Zwar gibt es Tage, wo er nicht so recht loslassen will, die sind aber sehr selten und das Gemaule nur kurz.
Ich würde in jedem Fall zu einem Psychologen gehen, und sei es nur um beruhigter zu sein. Vielleicht hat er auch Ideen und Tipps für euch, die Erzieherinnen scheinen mit der Situation ja nicht so wirklich zurecht zu kommen.

Alles Liebe

Andrea

Beitrag von buffy1907 11.09.08 - 17:40 Uhr

Hallo Du,

wenn ich das richtig verstehe bist Du der Vater des Kleinen?! Was ist mit Deiner Frau - geht Sie arbeiten?

Mir hat sich nämlich die Frage gestellt, ob Ihr ihm nicht an solchen Tage seine Ängste nehmen könntet, indem Deine Frau mit ihm länger im Kindergarten bleibt oder er vielleicht auch mal einen Tag zu Hause bleiben kann?

Unser Sohn geht seit Mai in den Kindergarten und er geht wirklich gerne und hat sich superschnell eingewöhnt. Es gibt aber auch Tage, an denen er nicht so gerne hin möchte. Meist ging dann etwas voraus, das ich durch nachfragen doch irgendwie erahnen kann. Dann versuche ich, dieses Problem zu beheben.

Niko schläft übrigens auch noch bei uns im Zimmer, ist ein sehr anhänglicher und verschmuster kleiner Kerl. Er braucht auch im Kindergarten noch sehr viel Zuwendung - sonst würde er nicht bleiben wollen.

Wie sieht es in dieser Hinsicht bei Euch im Kindergarten aus? Hat er eine feste Bezugsperson (Niko schmust wirklich immer an seine Frau Müller ran - für mich voll okay, er braucht diesen Halt)? Oder gibt es jemanden (Kind od. Erzieherin), der ihn vielleicht verunsichert?

Was war sonst in diesen Zeiten, in denen es so heftig ist, los? Da muss doch was dahinter stecken (könnte es z.B. sein, dass er sich krank fühlt?! Dass viele Besuche waren?? Er schlecht geschlafen hat??). Bei solchen Gelegenheiten ist Niko auch oft fertig und viieel anhänglicher als sonst. Manchmal merke ich sogar daran zuerst, dass er eine Krankheit ausbrütet.

Wirklich schwierig, Euch da einen Rat oder eine "Diagnose" abzugeben. Sicher geht Deine Frau, die ihn ja wohl täglich hinbringt, schon am Stock....mir würd das echt das Herz zerreißen.

Jedenfalls mal alles Gute und wenn Du antwortest (und ich nachher noch die Zeit finde #schein), dann fällt mir vielleicht noch was ein.....

Liebe Grüße

Sandra

Beitrag von stawinmi 11.09.08 - 18:28 Uhr

Hallo Sandra,
vielen Dank für deinen Beitrag. Bei uns ist es so. Normalerweise bringt ihn meine Frau in die Kita, aber wenn ich da bin und es zeitlich klappt mache ich es. Was konkret in den letzten Tagen los war ist, dass meine Frau einige Tage auf Seminar war und eben nicht zu hause. Ich dagegen war in den letzten 2 Monaten sehr viel mit ihm zusammen, davor war es eher nur das Wochenende. Ich denke schon, dass es mit dem "Nicht Da Sein" des einen oder anderen Elternteils zu tun hat. Er sucht auch nachts, wenn er bei uns schläft immer den Körperkontakt, d.h. prüft mit den Füßen ob jemand da ist und greift dir mit den Händen ins Gesicht, spielt mit den Lippen oder schwingt sich auf meinen/ihren Bauch wenn er irgendwie sicher gehen will. Bis zu einem gewissen Grad halte ich das für normal, aber ab wann ist es auffällig? Andererseits muss man sagen, dass Leute, die ihn sonst so wahrnehmen, sehr erstaunt sind, dass er solche panischen Reaktionen zeigen kann, denn den Eindruck, den er sonst so bei anderen erweckt, lässt dies nicht vermuten. Es ist selbst für uns ein Rätsel was da manchmal in dem Kleinen passiert, denn er ist keinesfalls schüchtern eher im Gegenteil. Er hat kein Problem eine ganze Kaufhausetage zu erkunden ohne sich umzudrehen, aber wehe ihm fällt ein, dass Papa ja auch noch da sein müßte, aber wo?? Dann alarmiert er die ganze Abteilung. Soweit erstmal für den Moment.
Vielen Dank nochmal
Michael

Beitrag von buffy1907 11.09.08 - 20:18 Uhr

Hallo michael,

komme leider erst jetzt dazu, noch mal zu antworten.

Ohne Euren Sohn zu kennen, erkenn ich doch einige Paralellen zu unserem Kind - z.B. bei dem, was Du zum Schlafverhalten schreibst.

Unser Sohn ist weiterhin jemand, für den Routine, also geplante und vorhersehbare Abläufe sehr wichtig sind. Auch braucht er regelmässige Zuwendung von Mama und Papa.

Vielleicht liegt also tatsächlich da bei Euch der Hund begraben? Fehlt ihm die Struktur, die Vorhersehbarkeit, wann wer tatsächlich greifbar ist? Redet Ihr mit Eurem Sohn darüber, warum, weshalb und wann und wie lange Mama und Papa arbeiten gehen....?

Weiterhin kam mir noch der Gedanke: Könnte es sein, dass er als kleines Kind od. Baby mal schlechte Erfahrungen gemacht hat? (Ein Beispiel: Unser Niko liebt Tiere über alles, sitzt auch auf riesige Pferde usw.! Aber: er hat richtig Angst vor Hunden, da ihn mit ca. 10 Monaten so ein Kläffer völlig aus der Fassung gebracht hat. Das sitzt bis heute tief).

Unser Sohn, der wie gesagt bis heute ein anhänglicher und sehr, sehr liebesbedürftiger Typ ist, war als kleines Kind auch nirgends "abzugeben". Ich habe es dann gelassen und auf mein Bauchgefühl gehört - er brauchte eben noch Zeit. Irgendwann war er von selbst so weit und hatte später auch keine Eingewöhnungsschwierigkeiten im KIGA. (Natürlich war ich auch dazu in der Lage, da ich Zuhause bin und nur ein Kind habe!).

Musste Euer Sohn denn schon früh irgendwo bleiben, wo ihm Nähe gefehlt hat? Oder ist ihm vielleicht in fremder Obhut etwas passiert, was ihn damals verängstigt hat?

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Sohn ähnlich wäre wie Eurer, wenn ich damals hätte durchgreifen müssen und irgendwo hätte fremdbetreuen lassen. #kratz.

Alles Überlegen bringt Euch ja aber letztlich nix, wenn Ihr es nicht ändern könnt. Ich, als Laie und lediglich 3jähriger Mama-Erfahrung, würde sagen: Gebt ihm soviel Nähe und Sicherheit ihr irgendwie könnt, dann gibt es sich hoffentlich irgendwann.

Alles Gute und liebe Grüße

Sandra

P.S.
Ach ja, wann ist so was normal, wann auffällig?
Ich würde sagen: Was heißt schon normal? Das ist ein sehr subjektiver Begriff. Wenn Ihr als Eltern das Gefühl habt, ihr habt es nicht mehr im Griff, das Kind leidet und braucht Hilfe von außen, dann würde ich nach Anlaufstellen suchen.
Nur weil es eine Kindergarten-Erzieherin rät, jedenfalls nicht!