Unterhaltsverpflichtung begünstigt Scheidung

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Total frustriert 11.09.08 - 20:13 Uhr

Hallo,

gerade habe ich testweise den Unterhalt berechnet, der im Fall einer Scheidung fällig wird:

Mann: etwa 2100 Euro netto, Frau 700 Euro netto, 3 Kinder

Mann zahlt an Frau und 3 Kinder: 1050 Euro

Nach einer Scheidung stehen der Frau 1750 Euro zur Verfügung + Kindergeld, vorher 700 Euro, dem Mann 1050 Euro, vorher 2100 Euro.

Ganz unabhängig von Gefühlen spricht alles Rationale stets für eine Scheidung seitens des Geringverdieners, der die Kinder betreut (und deswegen zwangsläufig weniger verdient), also in aller Regel der Frau. Ich bin der Meinung, dass mehr Arbeit in den Erhalt einer halbwegs funktionierenden Paarbeziehunggesteckt werden würde, wenn der Ehegattenunterhalt komplett wegfallen würde.
So gesehen ist doch jede Ehe mit Kinderplanung und ohne Ehevertrag völliger Unfug für den Mehrverdiener (also meistens den Mann). Und jeder, der eine Ehe eingeht, ein verliebter Dummkopf. Die Scheidungsquote liegt etwa bei 40 %, oder?

Was spricht noch für eine Heirat heute?

Beitrag von doctor-avalanche. 11.09.08 - 20:48 Uhr

"Was spricht noch für eine Heirat heute?"

Liebe ...

Beitrag von onti2 12.09.08 - 15:51 Uhr

...aber doch nur, weil sie blind (und gelegegentlich bloed) macht....

Beitrag von pupsismum 11.09.08 - 20:49 Uhr

Du hast testweise den Unterhalt berechnet? Wofür macht man denn so einen Blödsinn? #kratz

Heiratet man deiner Meinung nach also nur aus rationalen/finanziellen Gründen?

Dann haben wir definitiv etwas falsch gemacht. Uns war das Geld total schnuppe, wir haben tatsächlich nur fürs Herz geheiratet, als I-Tüpfelchen unserer Beziehung. #kratz

Irritiert
pupsi

Beitrag von whitewitch 11.09.08 - 21:01 Uhr

Siehst du genau deswegen würde ich nicht heiraten, genauso gut kann auch die Frau dem Mann Unterhaltsverpflichtet sein, nee danke. Da rakert man sich ab und muss dann auch noch Zahlemann und Söhne machen ohne mich. Heirat never ever, hab das einmal hinter mir und mein Mann ging aus der Scheidung als Sieger hervor. Nur gut das wir nicht lange genug verheiratet waren sonst hätte ich ihn bei seinem mießen Gehalt wirklich noch monatlich was zahlen müssen.#schock

Beitrag von mariella70 12.09.08 - 00:48 Uhr

Die Berechnung halte ich für einseitg.

Famlieneinkommen (Frau verdient 700 leistet allerdings Familienarbeit unentgeltlich, vergünstigt Steuersatz über Splitting, also müssen wir das Gesamteinkommen zugrundelegen, oder der Frau einen fiktiven Stundenlohn ausweisen...)
2900 zzgl Kindergeld, macht 580 € pro Kopf
nach der Trennung, laut deiner Berechnung:
Sie mit 3 Kindern: 1750 €, macht 437, 50 pro Kopf plus KG
Er, alleine 1850 €, zzgl. Anlage U, plus Freibeträge auf Steuerkarte.
Unterhalt muss sie versteuern.
Die Kinder und die Frau haben rein rechnerisch rund 100 Euro weniger, nach 3 Jahren fällt EU in den meisten Fällen weg. Scheidung ist für Frauen das Armutsrisiko Nr. 1, immer noch, trotz Unterhalt.
Soviel zu deiner Milchmädchenrechnung, zum Rest: Ich habe aus Liebe geheiratet, mein Mann zahlt freiwillig und gerne Unterhalt für seine erste Familie. Kinder, die studieren, kosten halt lange Geld, aber machen auch viel Freude.
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von mariella70 12.09.08 - 00:50 Uhr

verknüsselt: 2800 - gemeinsam, 560 pro Kopf

Beitrag von joulins 12.09.08 - 09:04 Uhr

Genau so ist es. (Das mit dem Armutsrisiko meine ich.)

Traurig, aber wahr.

Beitrag von immer noch frustriert 12.09.08 - 10:58 Uhr

Hallo Mariella,

Deine Gegenrechnung "pro Kopf" kann ich nachvollziehen (dass nur Frauen unentgeltliche Familienarbeit leisten halte ich aber für ein Vorurteil, jeder Vater tut das auch, neben der "Geldarbeit", mehr oder weniger) und zeigt auch den finanziellen Verlust insgesamt durch die Scheidung (Gefühle und anderes Flüchtige lassen wir mal ausser Betracht).

>> Scheidung ist für Frauen das Armutsrisiko Nr. 1, immer noch, trotz Unterhalt.

Das liegt nur daran, dass Frauen (damit meine ich natürlich alle Mütter ;-)) die finanzielle Unabhängigkeit aufgeben damit sie sich "ganz um die Kinder kümmern" können. Bei Wegfall des Ehegattenunterhalts im Scheidungsfall könnte sich das der geringverdiendende Ehepartner einfach nicht leisten.
Mit klaren Vorteilen für eine gleichberechtigte und daher wahrscheinlich erfolgreichere Partnerschaft.
Die These hier: der Ehegattenunterhalt muss weg. Jeder Erwachsene ist für sein finanzielles Auskommen selbst verantwortlich.

Beitrag von litha 12.09.08 - 11:05 Uhr

Klärst du Joulins und mich mal auf, ob du Männlein oder Weiblein bist .... #gruebel

Danke #blume

Beitrag von u-n-w-i-c-h-t-i-g 12.09.08 - 11:13 Uhr

nein.

Beitrag von joulins 12.09.08 - 11:26 Uhr

Womit die Frage beantwortet wäre. :-)

Beitrag von u-n-w-i-c-h-t-i-g 12.09.08 - 11:37 Uhr

ja (das wort kenne ich trotzdem).

Beitrag von doctor-avalanche. 12.09.08 - 11:47 Uhr

"Die These hier: der Ehegattenunterhalt muss weg. "

Falsch! Es gibt, und so steht es auch im BGB, eine nacheheliche Fürsorgepflicht. Bei Beziehungen aus denen Kinder entstanden sind, gilt diese Fürsorgepflicht auch bei nicht verheiratetn Paaren als Betreuungsunterhalt.

Ich halte beides für absolut notwendig und richtig.

Vor allem mit einer Ehe gehe ich in ganz besonderem Maß eine Verantwortung gegenüber einem anderen Menschen ein, der, wie in vielen Fällen, nicht so einfach ins Berufsleben zurückkehren kann bzw. mit der Aufzucht der Kinder beschäftigt ist & eine wertvolle Arbeit leistet -nicht nur gegenüber dem anderen, nun getrennten Elternteil sondern auch gegenüber der Gesellschaft.

In jedem Fall ist es so, daß nach einer Scheidung BEIDE Partner finanziell schlechter dastehen. Es ist nicht nur ein Armutsrisiko für die Frauen/Mütter, wie Mariella schrieb, sondern auch für die Männer eine erhebliche Minderung an Lebensqualität, da ihnen vielfach ausser dem notwendigen Selbstbehalt von € 840,-- (bei Erwerbstätigen) nicht viel bleibt.

Beitrag von joulins 12.09.08 - 11:51 Uhr

Hallo Doktor,

zu kurz gekommene Zweitfrauen, die sich beispielsweise ein eigenes Kind wünschen, was aber in der Beziehung mit einem geschiedenen Dreifachvater einfach finanziell schlecht machbar wäre (oder nur machbar, wenn die Zweitfrau trotz neuen Baby arbeiten gehen würde, während sich die Erstfrau trotz großer Kinder zuhause "ausruht"), würden sich das vielleicht wünschen.

Es gibt einfach Leute, die sehen das ganze Spektakel von einem anderen Gesichtspunkt.

Ich nicht. Ich finde den Ehegattenunterhalt gut und richtig. #cool Der Kinder wegen, natürlich. #freu

Joulins

Beitrag von onti2 12.09.08 - 16:39 Uhr

hallo Mariella,

so weit ich weiss, wird dieses Armutsrisiko aber oft von den Muettern verteidigt. Die Probleme, die Vaeter haben, die ihre Kinder nicht den Muettern ueberlassen wollen, sind jas bekannt.

Ich waere dafuer, Heiratswilligen eine Einfuehrung in das Scheidungsrecht zur Pflicht zu machen...

Beitrag von litha 12.09.08 - 08:45 Uhr

Auch heute spricht immer noch die Liebe und das Gefühl auch "offiziell" zu zeigen, dass man einen gemeinsamen Weg gehen möchte für eine Heirat.

Mariella hat dir ja schon eine schöne Gegenrechnung aufgestellt. Was mich jetzt aber noch interessieren würde ist, wäre es dir egal, was mit deinen kleinen Kindern passiert im Falle einer Scheidung, wenn du der Mutter übergangsweise keinen Unterhalt zahlst? Und du sie somit in die Arbeit zwingst und die Kinder eventuell dadurch leiden? Ich rede nun nicht von Schulkindern, sondern von Kleinkindern.

Dass sich einige Mütter hier zu ihren Gunsten auf den "Lorbeeren" ausruhen, will ich gar nicht abstreiten, ich denke jedoch, das ist eine geringe Menge. Blöd natürlich für den Mann, der genau eine solche geehelicht hatte ... :-)

Beitrag von joulins 12.09.08 - 09:11 Uhr

Litha, Kinder leiden nicht zwingend unter arbeitenden Müttern - wohl aber darunter, daß nun bei jeder Ausgabe aufs Geld geschaut werden muß. Und ich meine damit gar keine Anschaffungen. Ich meine einfach die normalen Ausgaben für ein Schulkind.

Unser Großer ist noch nicht mal "Schulkind", aber ich habe letzte Woche ca. 350 EUR in der Schule abgegeben, einfach mal so:
198 EUR Schwimmkurs
70 EUR Materialgeld
36 EUR Gruppengeld
48 EUR Milchgeld
und 276 EUR Essengeld habe ich überweisen

Ich frag mich, wie man das als alleinerziehende Mutter einfach mal aus der Tasche zieht - vor allem, wenn man zwei Schulkinder hat? #gruebel Und da sind weder Klassenfahrten, noch Musikunterricht etc dabei ...

Beitrag von litha 12.09.08 - 09:25 Uhr

Ich habe mich nicht richtig ausgedrückt.

Das was du schreibst meinte ich damit. Dass eben an allen Ecken und Enden, trotz der Arbeit der Mutter gespart werden muss.

Und da frage ich mich eben, ob das einem Vater egal ist, wie die Lebensqualität der Kinder sinkt, wenn er die Zahlungen einstellt.

Beitrag von joulins 12.09.08 - 10:25 Uhr

Ich denke mal, das Ausgangsposting war von einer Frau. #gruebel

Beitrag von litha 12.09.08 - 10:44 Uhr

???

Eine Frau, die dafür ist, nach der Scheidung mit leeren Händen da zu stehen, weil der meist besserverdienende Mann nicht zahlen muss/soll?

#gruebel

Klang eher wie ein frustierter Ehemann, der sich mal ausgerechnet hat, was er abdrücken darf, wenn seine Holde sagt nun sei Schicht im Schacht ...

Beitrag von joulins 12.09.08 - 10:55 Uhr

Eine Frau, die mal ausgerechnet hat, wieviel sie bekommt, wenn sie den Kerl abserviert, der sich wie das vierte Kind im Hause benimmt und außer Geldverdienen nichts auf die Reihe kriegt.

Die sich wundert, wie er so doof sein konnte, unter diesen Voraussetzungen überhaupt in eine Ehe einzusteigen - und sich nun fragt, warum er sie WIRKLICH geheiratet hat ... #kratz

#freu

Keine Ahnung. Vielleicht war es auch ein Mann. Oder eine Zweitfrau, die einen bald geschiedenen Erstmann abstaubt, und sich ärgert, daß von seinen stattlichen 2100 nur 1050 übrigbleiben werden, sowie von 4 WEs im Monat nur zwei.

Und die sich nun fragt, ob sich die Ehe überhaupt lohnt?

Beitrag von joulins 12.09.08 - 08:57 Uhr

Guten Morgen!

Ich finde, deine Rechnung ist insofern falsch gedacht, als die Frau, auch wenn sie vorher nur 700 zuverdient hat, ja in jedem Fall auch das vom Mann verdiente Familieneinkommen genutzt hat - sei es für die Kinder oder für sich. Also standen ihr vorher auch mehr als 700 zu Verfügung, und der Mann hatte keine 2100 zum Verjuxen.

Nach der Scheidung hat der Mann nach Abzug aller Unterhaltsverpflichtungen mit 1050 EUR nur für sich garantiert mehr Geld zur Verfügung, also vorher in der Familie. Mit den 1050 darf er nämlich machen, was er will.

Mal ganz davon abgesehen ist es tatsächlich so, daß in der Konstellation, die du beschreibst (Ehemann verdient gut, Frau verzichtet der Kinder wegen auf Einkommen und Rentenansprüche etc, zumindest über einige Jahre) ein Ehevertrag für eine Frau absolut unklug ist. Ein solcher Ehevertrag schützt nur die Vermögenswerte des Mannes, auf die die Frau nach der Scheidung keinen Zugriff hat (je nach Formulierung im Vertrag). Ob man die rechtlichen Möglichkeiten, die durch einen fehlenden Ehevertrag entstehen, als Frau dann auch ausschöpft, hängt natürlich ganz an den persönlichen moralischen Vorstellungen der Frau ab ... ;-)

Gruß
Joulins (ohne Ehevertrag #cool)

Beitrag von sehr frustriert 12.09.08 - 11:33 Uhr

>> Nach der Scheidung hat der Mann nach Abzug aller Unterhaltsverpflichtungen mit 1050 EUR nur für sich garantiert mehr Geld zur Verfügung, also vorher in der Familie. Mit den 1050 darf er nämlich machen, was er will.

Diese Argumentation ist nur für den Vater gedacht, der sich von den Kindern abwendet.

Von den 1050 muss er seinen Lebensunterhalt bestreiten *und* seine eigenen Aufwendungen für die und mit den Kindern: Fahrten und Urlaub, zum Beispiel, eigene Geschenke oder Zuwendungen unabhängig von der Mutter. Während der Kindesunterhalt an den betreuenden Ex-Partner all diese Dinge abdecken soll und auch gewährleistet.

Beitrag von joulins 12.09.08 - 12:04 Uhr

Das ist wahr - allerdings hat ein geschiedener Mann ja auch alle Zeit der Welt (an den Nichtbesuchswochenenden oder unter der Woche abends), um zusätzlich Geld zu verdienen - was ja von den geschiedenen Frauen auch irgendwie erwartet wird: zusätzlich Geld zum Unterhalt dazuzuverdienen.

Probleme treten natürlich dann auf, wenn es eine Zweitfrau gibt, die den Mann irgendwie beansprucht - mit Hinblick auf Zeit und Geld und eigene Kinderwünsche ...

Fazit als Mann: großer Mist.
Fazit als Erstfrau: #cool
Fazit als Zweitfrau: klug sein und akzeptieren, daß der Mann Altlasten hat.

Man muß immer im Auge behalten, daß der Gesetzgeber mit dem Unterhaltsgesetz die "Familie" schützen will. Will sagen: daß schon existierende Kinder im Falle einer Trennung nicht benachteiligt werden.

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