Dyskalkulie/Antrag auf Lernbehinderung/Konsequenzen

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Beitrag von be8te 12.09.08 - 06:40 Uhr

Heute möchte ich mich auch mal mit einer Frage an Euch wenden.

Meine Tochter (7 Jahre) besucht die 2. Klasse einer Regelschule. Seit drei Jahren geht sie auch zur Ergotherapie und macht grosse Fortschritte was ihre "Wahrnehmungsstörung im Raum" betrifft.
Die Kleine hat Dyskalkulie der Stufe 3-4.

Im ersten Schuljahr sah es lange Zeit so aus, dass sie die Klasse evtl. wiederholt - sie war sehr häufig krank und hatte über 200 Fehlstunden. Da ich aber täglich in die Schule gegangen bin um ihre Hausaufgaben zu holen, hat sie nicht so sehr viel verpasst und wurde (zunächst auf Probe) versetzt. Es hätte sein können, dass sie nach den Weihnachtsferien ins erste Schuljahr zurück gestuft wordeen wäre.
Davon ist heute überhaupt keine Rede mehr. Sie war in diesem Schuljahr noch nicht krank, kann (endlich) trotz ihres Asthmas regelmässig am Schwimm- und Sportunterricht teilnehmen, ist inzwischen auch in die Klassengemeinschaft integriert und hat sogar zwei "richtige" Freunde. Alles Dinge die im ersten Schuljahr noch undenkbar waren. Kurz und gut: meine Tochter blüht regelrecht auf.

Gestern nun hatte ich wieder ein langes Gespräch mit der Klassenlehrerin. Ich bat um diesen Termin, weil ich den Eindruck habe, dass meine Tochter im mathematischen Bereich im Moment nur noch Rückschritte macht. Dies wurde mir von der Lehrerin bestätigt.
Tatsache ist, dass meine Tochter in ihrer Klasse die beste Leserin ist, die zweitbesten Diktate schreibt und sich in allen anderen Fächern (Sachkunde, Religion, Kunst, Musik) im oberen Mittelfeld befindet. Sie gibt durchdachte Antworten und bringt die Lehrerin mit ihren Fragen und Argumenten oft "ins schwimmen".
Im ersten Schuljahr gab es an unserer Schule so eine Art "Lehrerüberschuss", sodass mein Kind das Glück hatte, zusätzlich zum eigentlichen Unterricht, zweimal in der Woche gesondert gefördert zu werden. Das klappt aus organisatorischen Gründen in diesem Jahr nicht mehr. Nun ist eine Sonderschulpädagogin an die Schule gekommen -für ein anderes Kind- bei der meine Tochter mit insgesamt 8 Kindern der gesamten Schule einmal wöchentlich "mitläuft". In dieser Stunde werden allerdings lediglich Wahrnehmungsspiele praktiziert.

So, nun sagte mir die Lehrerin gestern, dass die Möglichkeit bestünde, einen "Antrag auf Lernbehinderung" zu stellen. Zwar hätte meine Tochter definitiv keine Lernbehinderung, sondern nur die Probleme im mathematischen Bereich, aber sie würde es gerne versuchen um dem Kind eine individuelle Förderung zukommen zu lassen. Das hörte sich ja erst einmal toll an, aber:
Im Allgemeinen würden diese Anträge nur für Kinder gestellt, die in mehreren Fächern nicht klar kommen. Würde der Antrag "positiv" entschieden, dann hätte mein Kind zweimal in der Woche eine Doppelstunde Einzelförderung bei o.g. Sonderschulpädagogin in Mathe. Desweitern würde sie während der gesamten Grundschulzeit kein Zeugnis im herkömmlichen Sinn bekommen, sondern eine Beurteilung in Textform. Am Ende der Grundschulzeit wird das Ganze aufgehoben (bleibt allerdings in der Schulakte) und mein Kind hätte die Möglichkeit, ganz "normal" eine weiter führende Schule zu besuchen.
Wird dem Antrag nicht so entsprochen, wie wir das gerne hätten, dann könnte entschieden werden, dass mein Kind eine Förderschule besuchen muss. Und dann bliebe mir nur noch die Möglichkeit zu klagen - anders könnte man dagegen nicht angehen.
Die Lehrerin ist natürlich der Meinung, dass meine Tochter auf gar keinen Fall auf eine Förderschule gehört. Sie will dies ggbf. auch zigfach in dem Antrag begründen - aber leider hat sie in diesem Moment nicht die Entscheidungsgewalt.

Alternative:
Wir stellen den Antrag nicht. Meine Tochter würde nach wie vor in der Klasse bleiben, aber im Matheunterricht nur so mitlaufen weil die Klassenlehrerin bei 30 Kindern nicht in der Lage ist meine Tochter gezielt zu unterstützen. Mein Kind würde ein ganz normales Zeugnis bekommen, allerdings "wird da bei Mathe nie was tolles stehen".
Leider ist Dyskalkulie im Gegensatz zu LRS nicht anerkannt. Die Lehrerin begründet dies mit Kostengründen. Ein Dyskalkuliekind zu fördern wäre weitaus kostenintensiver als ein LRSkind zu fördern. Im übrigen gibt es auch nicht genügend Dysklakuliekinder - weil es angeblich in vielen Fällen gar nicht erst erkannt wird.
Bei uns in NRW gibt es zwei für mich erreichbare Institute, die sich mit Dyskalkulie befassen. Kostenpunkt: ca. 250 Euro monatlich, wobei man hier von einer Förderung über mehrere Jahre ausgehen muss. Leider kann ich diese Summe nicht aufbringen.

Was soll ich also tun? Dem Antrag zustimmen oder mein Kind weiterhin "einfach mit laufen" lassen? Wie würdet Ihr entscheiden? Ich muss mich übrigens schnell entscheiden, da der Antrag noch vor den Herbstferien gestellt werden muss...

Gruß
be8te

Beitrag von arkti 12.09.08 - 08:12 Uhr

Sorry aber ich sehe sowas als "Beschiss" an.
Wie du selber schon geschrieben hast, Lernbehinderung ist was anderes und ich finde diese Förderung sollte auch diesen Kinder bleiben.


Beitrag von elternzeit-papa 12.09.08 - 08:21 Uhr

Liebe Be8te,

ich würde mich - am besten telefonisch gleich heute Vormittag, das geht am schnellsten - mal an besagte Institute wenden, ob es Möglichkeiten gibt, diese 250 Euro zumindest teilweise vom Jugendamt übernehmen zu lassen. Hier in Niedersachsen zum Beispiel werden Betreuungskosten bei niedrigem Einkommen der Eltern zumindest teilweise übernommen, das müsste bei einer solchen Förderung ja eigentlich auch der Fall sein.

Ich hätte jedenfalls auch Bedenken, einen solchen Antrag zu stellen, eine gezielte Förderung die Dyskalkulie betreffend schiene mir da wirklich sinnvoller zu sein. Das ist aber ein Laienrat, ich kenne mich mit Dyskalkulie nicht aus.

Viele Grüße,

ez-p

Beitrag von glucke68 12.09.08 - 08:29 Uhr

Schönen guten Morgen,

wer hat denn festgestellt,dass Deine Tochter Dyskalkulie hat?

Sei froh das Du eine Lehrerin hast,die sich damit auseinander setzt.

Meine Tochter hat auch Dyskalkulie aber leider mußte ich alles alleine machen,ich hatte sofort gemerkt das meine Tochter Probleme hat nur die Lehrerin meinte ich seh ein Problem wo keins sei.
Also bin ich zuerst zum schulpsychologischen Dienst gegangen,sie haben dann meine Tochter getestet und eine hochgradige Dyskalkulie festgestellt.

Mittlerweile war es so,dass meiner Tochter alles egal war,sie wurde auch in den anderen Fächern schlechter,hatte sehr starke Bauch-und Kopfschmerzen,wollte nicht mehr in die Schule gehen.

Dann sind wir zu einer Kinderpsychologin gegangen,sie hat Fabienne auch nochmal getestet und ich bekam dann von ihr ein Gutachen mit dem bin ich dann zum Jugendamt gegangen,weil ich versuchen wollte den §35a zu bekommen,damit würde ich dann die teuren Förderungen bezahlt bekommen.

Es ist verdammt schwer,diesen § genehmigt zu bekommen,die Kinderpsychologin machte mir keine Hoffnung das ich ihn bekommen würde,aber ich hatte Glück und seit März diesen Jahres machen wir eine Therapie in Düsseldorf und erst jetzt merke ich das mein Kind aufblüht.

Seit der 1. Klasse habe ich alles versucht,weil wie schon oben geschrieben sofort gemerkt habe,dass mein Kind ein Problem hat,bei meinen beiden Großen war es nämlich nicht so.Wir haben Kumon,Studienkreis,Lerntherapie,Fabienne hatte die 3.Klasse wiederholt,es war eine schlimme Zeit.

ich wünsche Dir und Deiner Tochter alles Gute

LG
Daniela

Beitrag von rossi67 12.09.08 - 08:31 Uhr

Hallo,
ich würde mit dem Institut Kontakt aufnehmen und fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, dies übers Jugendamt zu fördern. Vielleicht haben die mehrere Schüler, deren Eltern nicht selber für die Kosten aufkommen können.
Oder du recherchierst mal über die Sunflowertherapie, die ist zwar auch sehr teuer (bis zu 1.500 €), aber da gibt es einen Fördertopf, für Kinder, deren Eltern finanziell nicht in der Lage sind, die Therapie zu bezahlen.
LG R.

Beitrag von manavgat 12.09.08 - 09:40 Uhr

Stell keinesfalls den Antrag auf Lernbehinderung!!!!!

Dann schicken sie Dein Kind irgendwann - aus Kostengründen - in die Sonderschule.

Stell beim Jugendamt einen Antrag auf Förderung mit der Begründung Dein Kind würde seelischen Schaden nehmen, müsste sie die Klasse verlassen. Die genauen Paragraphen kenne ich nicht, das musst Du selbst rausfinden. Wichtig ist: das seelische Wohl des Kindes muss gefährdet sein, dann gibt es einen Zuschuss. Erst Antrag stellen, dann den Fördervertrag machen.

Andere Möglichkeit wäre ein SPZ. Auch hier gibt es Förderung, die dann von der Krankenkasse bezahlt würde.

Es gibt kein vernünftiges Dyskalkulie-Material. Wir haben auch schon gesucht....

Gruß

Manavgat

Beitrag von shippchen 12.09.08 - 14:51 Uhr

Hallo Be8te,

Bei deinem Kind ist ja wohl Dyskalkulie festgestellt worden. Dann kann sie auch eine Förderung in Mathematik bekommen. Die Förderung für Dyskalkulie gibt es nämlich nur, wenn ein Kind in allen anderen Fächern durchschnittlich gut ist und NUR in Mathe Defizite aufweist.

Vielleicht hilft dir das weiter
http://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/2e-imix-t-01/user_files/personal/lorenz/littv.html

Falls du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden. Ich hab mich intensiv mit dem Thema Dyskalkulie beschäftigt, zumindest was Fördermöglichkeiten betrifft. Was das Rechtliche betrifft, bin ich da leider nicht ganz so fit. Werde dir aber gerne helfen, wenn es irgendwie geht.

lg,
Simone

Beitrag von kraxy 13.09.08 - 08:15 Uhr

Guten Morgen,

lese gerade deinen Threat und möchte dazu folgendes berichten:

Bei meiner Tochter wurde auch eine Dyskalkulie vermutet - und ich kann dir nur den Weg, wie er hier bei uns ist, beschreiben:
Beim JA gibt es eine Extra-Stelle, die bei LRS und Dyskalkulie berät und einem die notwendigen Schritte erläutert.
Dazu geht es als erstes zu einem Psychologen (z.B. von Beratungsstellen), die das Kind auf Dyskalkulie testen - wenn es anerkannt ist, dann unterstützt das JA die notwendige Lerntherapie - du schreibst zwar, dass dein Kind eine Dyskalkulie hat - aber wie wurde das getestet und wieso hat dir die testenden Stellen nicht weitergeholfen?

Es gibt übrigens auch Lerntherapeuten, die Dyskalkulie-Förderung anbieten - über die sind wir über Lehrergespräche und Gespräche mit anderen Betroffenen gekommen - 250 Euro erscheint mir sehr hoch (aber kommt natürlich auch auf die Dauer, Häufigkeit der Förderung etc. an...)

Bei uns ist es auch so, dass meine Tochter keine Mathenote im Zeugnis hatte - kein Problem - und ich bin mir sicher, dass wenn alle anderen Noten im - wie von dir beschriebenen - sehr guten Bereich sind - was sollte sie dann auf der Förderschule (und vor allem, welche sollte es denn dann sein???)

Ich würde nochmal bei städtischer Seite nachfragen, ob es noch Fördermöglichkeiten gibt, ansonsten würde ich den Antrag stellen, denn ich sehe jetzt keinen direkten Nachteil für deine Tochter.

Alles Gute für euch
kraxy