Mobbing in der Schule

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Beitrag von linda00078 12.09.08 - 12:36 Uhr

Ich möchte einmal eine Diskussion zum Thema "Mobbing in der Schule" anregen. Und zwar einmal nicht aus Sicht des Opfers, sondern genau anders herum: Was mache ich mit meiner Tochter, die der Täter ist?

Meine Tochter ist jetzt 14 Jahre und mitten in der Pubertät.
Es gab schon in der Grundschule vor einigen Jahren mal einen Vorfall, wo sie ein Mädchen so stark beschimpft und beleidigt hatte, dass dieses sich im Schulhof im Gebüsch versteckte und sich weigerte wieder herauszukommen.
Daraufhin wurde ich zu einem Gespräch in die Schule bestellt. Damals schien eine Aussprache mit meiner Tochter noch etwas zu bewirken. Es war jedenfalls in den nächsten Jahren Ruhe, dieses Thema betreffend. Es gab zwar immer Stänkereien im Freundes- und Bekanntenkreis. Aber das waren meiner Meinung nach nur alterstypische Auseinandersetzungen. Nichts weswegen man sich sorgen müsste.

Jetzt ist meine Tochter mittlerweile 14 und geht in die 9.Klasse. Sie ist beliebt, hat aber wenig wirkliche feste Freundinnen. Längere Zeit war sie mit einem Mädchen befreundet, welches auf Grund ihres Verhaltens von vielen anderen Mitschülern gemieden wird und an der vorigen Schule auch schon einmal Opfer von Mobbing wurde.
Nun neigt dieses Mädchen dazu sich wöchentlich in einen anderen Jungen/Mann zu verlieben und der betroffenen Person dies auch sehr offensiv mitzuteilen. Durch Liebesbriefe, EMails usw... Unter anderem betraf das einen Lehrer und (was die Angelegenheit zu unserem Problem machte) auch einen Bekannten von uns. Sie hatte ihn kennengelernt, da sie sehr oft bei uns zu Besuch war. Er ist 23 Jahre älter wie sie und hat definitiv nichts getan, wodurch sie sich in ihrem Verhalten bestätigt gefühlt haben könnte.
Wir haben lange überlegt, wie wir mit diesem Problem umgehen. Meine Tochter hatte sich mittlerweile mit dem Mädchen verstritten und wir hatten den Eindruck, dass sie sowieso wüßte, was vorgefallen ist. Oder es zumindest ahnt.
Daher haben wir das Gespräch mit ihr gesucht und ihr erklärt, was vorgefallen ist und dass wir es begrüßen würden, wenn sie sich wieder vertragen, dass es aber für alle das Beste wäre, wenn wir gemeinsame Unternehmungen wie Camping, Freizeitparkbesuche usw unterlassen.
Sie hatte uns bei diesem Gespräch mehrfach versprochen das Mädchen nicht darauf anzusprechen und den Vorfall auch nicht weiterzuerzählen.

Nun hat das neue Schuljahr begonnen und das Mädchen wird schlimmer gemobbt wie zuvor. Gestern musste ich nun erfahren, dass meine Tochter aktiv daran beteiligt ist. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn sie nun die Anführerin wäre. Sie wurde zusammen mit 2 anderen beteiligten Mädchen zum Direktor bestellt. Bei dieser Aussprache brachte sie als Verteidigung die Sache mit der Liebeserklärung hervor und schmückte das Ganze noch aus. Der Bekannte hätte jetzt Streit mit seiner Partnerin deswegen und das Mädchen wäre Schuld. Ist aber nicht so, ist gelogen.
Der Direktor will sich jetzt mit der Mutter des Mädchens in Verbindung setzen, damit sie psychologische Hilfe erhält.
Nun bleibt die Frage, was tue ich mit meiner Tochter. Sie lügt, missbrauch unser Vertrauen und ist absolut uneinsichtig was ihr Verhalten dem anderen Mädchen gegenüber betrifft. Versucht man mit ihr darüber zu sprechen, findet sie es noch lustig was sie dem Mädchen antun. Was das bewirken kann, scheint ihr vollkommen egal zu sein.
Die Ankündigung mit ihr eine Erziehungsberatung aufzusuchen führte zu der lapidaren Antwort:" Mach doch, dann setz ich mich da hin und sage kein Wort! Den Weg könnt ihr euch sparen."

Was würdet ihr jetzt tun?

Ich freue mich über jeden konstruktiven Beitrag.
(Kann aber erst heute Abend antworten, da ich auf Spätdienst muss.)

LG
Linda

Beitrag von frieda05 12.09.08 - 14:13 Uhr

tja... Zickenterror..,

bis zu einem gewissen Punkt ist er meines Erachtens ja normal (auch wenn ich hier schon oft mit Steinen beworfen wurde deswegen - wäre übrigens auch mal ein schöner urbini #huepf).

Möglicherweise war es etwas unvorsichtig Eurer Tochter noch eine "zusätzliche Waffe" in die Hand zu geben, indem ihr ihr die Information über diesen Brief an den Bekannten preisgabt. Nun denn, das Kind ist im Brunnen. Ich wäre mit solchen Sachen in Zukunft vielleicht etwas "geiziger".

Desweiteren denke ich, daß Du nicht mehr machen kannst als intensive Gespräche, d.h. das übliche #bla#bla mit "versetzt Dich in die Lage der Anderen" etc.pp. zu führen.

Die Frage stellt sich auch, wann und warum Deine Tochter die Freundin blockt. Nur wenn sie mit anderen zusammen ist? Gruppenzwang. Darüber muß man tatsächlich reden. Oder geht ihr die "Freundin" z. Zt. tatsächlich auf den Geist?

Die Notwendigkeit einer Erziehungsberatung sehe ich eigentlich auch nicht, außer wenn dies jetzt nicht der einzige Vorfall war.

Natürlich ist es nicht nett, andere auszugrenzen und uns Eltern ist das ja auch immer gleich mega-peinlich so ein "Monster" aufzuziehen...., doch glaube ich persönlich, daß Kinder durchaus auch mal Gelegenheit haben müssen ihre negativen Gefühle auszudrücken.

Und sein wir doch ehrlich..., das ist kein Phänomen der Jahre ab 2000+folgender. Schön oder nicht...., menschlich allemal. Solange es "im Rahmen" bleibt, würde ich nicht hysterisch.

Viel Erfolg.

Gott zum Gruße
Irmi

Beitrag von linda00078 12.09.08 - 23:18 Uhr

Hallo Irmi.

Vielen Dank für deine Antwort. Ich habe schon oft Beiträge von Dir gelesen und muss sagen, dass ich sehr oft deine Meinung teile.

Dass es ein Fehler war, meiner Tochter die Sache mit der Liebeserklärung zu sagen, denken wir jetzt auch. Ich sah Handlungsbedarf, da ich dachte die Mädels vertragen sich sicher bald wieder. Für diesen Fall wäre ich dann in Erklärungsnot gewesen, warum ich ihre Freundin nicht mehr bei gemeinsamen Unternehmungen dabei haben will. Daher dachte ich, es wäre am Besten mit offenen Karten zu spielen und habe fälschlicher Weise vorausgesetzt, dass meine Tochter die nötige menschliche Reife erreicht hat, die Tragweite des Vorfalls zu erfassen. Die Freundin hat meinem Bekannten nicht nur einfach ihre Verliebtheit gestanden sondern Angebote unterbreitet, wo selbst ich sprachlos war. (Würde mir ein Mann solche Sachen unaufgefordert schreiben, würde ich ihn wegen sexueller Belästigung anzeigen.)

<< Die Frage stellt sich auch, wann und warum Deine Tochter die Freundin blockt. Nur wenn sie mit anderen zusammen ist? Gruppenzwang. Darüber muß man tatsächlich reden. Oder geht ihr die "Freundin" z. Zt. tatsächlich auf den Geist? >>

Vermutlich spielen da beide Punkte eine gewisse Rolle. Vielleicht ist es ihr auch peinlich, auf Grund der Vorfälle, mit dem Mädchen befreundet zu sein. Man kriegt nur leider keine schlüssige Antwort, wenn man versucht mit ihr darüber zu reden.

Du hast sehr wohl recht, Mobbing gab es schon immer. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, fallen mir auch sofort ein paar Klassenkameraden ein, die bei uns kein leichtes Leben hatten. Vielleicht vergisst man das einfach, wenn man selbst nie betroffen war.

LG
Linda

Beitrag von hummelinchen 13.09.08 - 16:30 Uhr

Hallo Irmi,
du hast eine sehr direkte art Dinge zu benennen, ;-)...
Ich habe aber dann doch eine andere Meinung und gebe diese hiermit kund
(ganz ohne Steine ;-))

Zitat:
Natürlich ist es nicht nett, andere auszugrenzen und uns Eltern ist das ja auch immer gleich mega-peinlich so ein "Monster" aufzuziehen...., doch glaube ich persönlich, daß Kinder durchaus auch mal Gelegenheit haben müssen ihre negativen Gefühle auszudrücken.

Wie aber willst du das den Opfern erklären??

Deine Meinung ist bestimmt nicht in allen Punkten falsch aber sie bagatellisiert und das ist doch nichts anderes als weg zu schauen...

Ich als Elternteil habe doch Verantwortung und natürlich ist es leicht, sich mit den Worten: Ach, das ist nur eine ihrer 197 Phasen... raus zu reden aber das ist doch zu einfach...
Hier gibt es ein wiederholtes!!!! Problem. Das heißt, es wurde bewusst gemacht, denn das Mädchen weiß um diese Waffe. Das ist eine ganz schön kriminelle Energie - in meinen Augen. Wo soll das hinführen?
Genau, und darum ist es die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu führen und das ist harte Arbeit...
Kein Grund hysterisch zu werden - richtig - aber ein Grund mehr Verantwortung zu übernehmen...



lg Tanja



Beitrag von hummelinchen 19.09.08 - 14:44 Uhr

und anstatt sich mit meiner Meinugn auseinander zus etzen wird gar nicht mehr geantwortet... das passt...

Beitrag von hummelinchen 12.09.08 - 14:22 Uhr

Hallo Linda,

beschäftige dich mal genau mit dem Wesen deiner Tochter. Es gibt neben dem Opfer und seinen Problemen ja auch den Täter und seine Probleme...
Sowas kommt ja nicht von ungefähr...
Und möglichst objektiv...

Da gibt es viel zu googlen: (Mobbing Täter Schule / was fühlt der Täter Mobbing Schule) z.B.
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_360.html
http://www.onlineberatung-therapie.de/psychologische-beratung/mobbing/opfer-taeter.html
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml
http://www.helles-koepfchen.at/mobbing-an-schulen.html
http://www.wirsind40.de/kinder/schule/mobbinginschulen.html


Irgendetwas stimmt nicht mit dem Verhalten deiner Tochter.
Ich schlage dir vor, nicht das Kind zu einer Therapie zu schicken, sondern selber eine in Anspruch zu nehmen, um zu lernen, damit um zu gehen... Das kann dir Helfen sicherer zu werden, im Umgang mit dem Kind und auch zu verstehen, wie es soweit kommen konnte...

lg Tanja

Beitrag von linda00078 12.09.08 - 23:58 Uhr

Hallo Tanja.

Danke für deine Antwort.
Ich hatte heute morgen schon selbst einmal google "befragt", bevor ich den Beitrag verfasst habe. Einige der Links hatte ich auch gefunden. (Deine anderen Vorschläge werde ich mir morgen im Laufe des Tages mal in Ruhe ansehen.)
Da auf diesen Seiten jedoch hauptsächlich auf die Opfer eingegangen wird, fand ich sie in meinem Fall nicht wirklich hilfreich.
Jeder Mensch bekommt positive und negative Charakterzüge mit in die Wiege gelegt. Wie sie sich ausprägen, mag sowohl genetisch, wie auch durch das soziale Umfeld bestimmt werden.
Mit Sicherheit habe auch ich Fehler bei der Erziehung meiner Tochter gemacht. Ich denke es kann auch niemand behaupten, dass er immer alles richtig macht.
Mir geht es nun aber weniger um Ursachenforschung, sondern eher um Tipps für die Zukunft.
Daher kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, warum du mir eine Therapie empfiehlst. Ich will nicht mich ändern. Ich finde mich gut, so wie ich bin. :-)
(Auch wenn ich selbstverständlich immer bereit bin, Neues dazu zu lernen.)
Ich möchte, dass meine Tochter sich ändert. Sie soll verstehen lernen, was sie durch ihr Handeln anrichten kann. Und soll darauf Rücksicht nehmen!

LG
Linda

Beitrag von hummelinchen 13.09.08 - 15:56 Uhr

Hey Linda,
du hast mich falsch verstanden und ich danke dir für die sachliche Antwort...
Ich schlage dir vor, diesen Weg zu gehen, da deine Tochter ihn nicht gehen will. Und irgendeiner muss doch was verändern, oder?
Ich glaube du verstehst das Wort Therapie #schein.
Ich meine, dass du z.B. bei pro Familia anrufst und dir einen Gesprächstermin holst. Dort trägst du dein Problem vor und dort bekommst du hilfreiche Tipps, wie du durch dein Verhalten etwas andem Verhalten deiner Tochter ändern kannst (evtl.). Manchmal ziehen sie das Kind hinzu, manchmal dauert es mehrere "Sitzungen". Manchmal dauert es einige Zeit, bis das neue Verhalten greift...
Das ist total hilfreich und effektiv.
Ich kann das sagen, weil mein Mann und ich auch schon diese Hilfe in Anspruch genommen haben, seiner Tochter wegen.
Auch wir haben den Fall Mobbing mit Tochter als Täterin durch. Aber alles in allem etwas naiver als in deinem Fall und sie war jünger (12). Aber an deinem Fall sehe ich ja, dass da noch so einiges kommen kann...

Und natürlich macht jeder Fehler, ich habe Mio. gemacht.. Mindestens... #cool:-p
Genau wie jeder andere. Fakt ist aber, dass jedes Verhalten die Kinder prägt.
Irgendwas ist also passiert, dass es bei euch so weit gekommen ist. (nur sachlich zu lesen) und nun liegt es wieder an dir - als Mutter - etwas zu tun.
Mach den Anfang, vllt. zieht das sogar das Kind mit? Wer weiß das schon...

Das habe ich gemeint...

Verstehst du?

lg Tanja