Ab wann ist man abhängig von einem Partner?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von warum? 15.09.08 - 22:09 Uhr

Also mich würde mal interiseren, wie ihr zu dem Thema steht.

Ich habe eine Arbeitskollegin die im Augenblick riesigen "Liebeskummer" hat. Sie hat seit 6 Monaten eine Fernbeziehung.
Im Augenblick geht er nicht mehr ans Tel, oder fast nie, ruft sie nicht an und kommt auch nicht mehr zu besuch wie sonst jedes Wochenende.

Sie hat auch rausgefunden, das er sie angelogen hat bei manchen sachen.

Im Augenblick redet sie nur noch davon, bricht ständig in Tränen aus und ist sogar von der Arbeit nach Hause gegangen, da sie so fertig war.

Bitte versteht mich nicht falsch, aber ich denke man darf sich gar nicht so abhängig von jemanden machen.
Nein ich bin nicht herzlos und ich wäre auch total down, wenn das mir mit meinem Mann pasieren würde.....aber das Leben geht weiter.
Ich weiß nicht, ob ich mir hier verständlich ausdrücke.....ich meine nur, daß sie mir total Leid tut, da sie so abhängig von einer Person ist und sich dann noch so gehen läßt.
Ich meine meine Mutter starb als ich 18 war.........eine Welt brach für mich zusammen....aber trotzdem muß man weiter.....versteht ihr was ich meine.

Wie steht ihr zu so einem Thema?
Wieviel Abhängigkeit ist ok?


Beitrag von silkstockings 15.09.08 - 22:11 Uhr

Abhängigkeit ist nie okay.

Beitrag von gh1954 15.09.08 - 22:18 Uhr

>>>Ab wann ist man abhängig von einem Partner?<<<

Sobald man sich gegen das eigene Gefühl und gegen besseres Wissen anfängt, zu verbiegen.

>>>Wieviel Abhängigkeit ist ok?<<<
Abhängigkeit ist nie ok.

Beitrag von punkto 15.09.08 - 22:29 Uhr

du hast es schön auf dem punkt gebracht.

Beitrag von codie 15.09.08 - 22:19 Uhr

Abhängigkeit ist gar nicht ok.
Vielleicht sagst du ihr mal genau das was du hier geschrieben hast.

Beitrag von ***ichauch*** 15.09.08 - 22:26 Uhr

hey...

hm ih muss sagen das ich genau in der selben situation stecke wie deine arbeitskollegin...
weine den ganzen verdammten tag und weiss nicht mehr weiter:(((

du hast ja recht das man sich nicht so abhängig von jemanden machen darf...hab ich mir auch immer gesagt,und jetzt ist es doch so!!

auch bei mir ist es eine fernbeziehung...

du sagtest,er meldet sich nicht mehr so oft und besucht sie auch nicht mehr?!
Aber entgültig schluss hat er nicht gemacht???
Dann hat sie sicher noch hoffnung und denkt das alles nur ein missverständnis ist....
glaub mir,ich kann gut mitfühlen...
und auch ich habe noch hoffnung...obwohl mir jeder an den kopf greift:((((


Beitrag von glasregen 15.09.08 - 22:37 Uhr

Ich denke nicht,dass sie gleich abhängig ist.

Aber jeder Verlust wird nur überwunden in dem man auch Trauer einmal zulässt.

Vielleicht waren ihre Gefühle wirklich sehr starkt und ihre Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft sehr gross - da darf man auch eine gewisse Zeit trauern bevor das Leben weiter geht.

Ich denke richtig wäre es ihr jetzt ein wenig beizustehen, sie abzulenken, zum rausgehen zu animieren oder mal ein Gespräch anzubieten.

lg

Beitrag von bluehorizon6 16.09.08 - 06:33 Uhr

Du fragst nach Abhängigkeit, und verwechselst glaube ich Gefühl damit.

Abhängig zu sein ist nichts anderes alles sich einer Situation der Dinge die man eigentlich steuern sollte, gesteuert werden. Der eigene Wille ist in den Hintergrund getreten und man sieht keine Möglichkeit sich aus der Situation zu befreien.

Als Beispiele gebe ich dir mal die Hörigkeit, die Sucht nach Rauschgiften oder auch materielle Dinge können einen abhängig machen (Besitz- oder Kaufsucht). Ich denke dir fällt noch eine Menge mehr ein.

Und nun gibt es da noch die Liebe, ist das eine Abhängigkeit? In gewisser Form ja, mit dem Unterschied, das sie auf einer anderen Basis aufbaut, sie tut gut und ist förderlich weil sie es schafft Menschen gemeinsam zu entwickeln, sie vertraut, und sie gibt eine Zukunft..., und ganz besonders denke ich, normalerweise kannst du nichts dagegen tun. Die Liebe entsteht und man kann sich ihr nicht entziehen.

Und wenn du nun von deinem Partner enttäuscht wirst, oder dieser stirbt oder die Liebe erlischt unerwartet, deine Partner ist als nicht mehr auf der Ebene erreichbar wie es sein soll, dann bricht eine Welt zusammen. Und dann geschieht das was deine Freundin durchmacht, sie heult, sie verflucht, ist wütend... das nennt man trauern. Und wenn sie gut ist,
wird sie bis zu dem Moment kommen das sie Frieden schließt mit der Situation. Was immer die Lehre daraus ist, aber solange sollte man trauern. Das braucht die Seele.

Nun kannst du sagen das dir das mit einem Wisch gelingt und dich nicht in Abhängigkeit begibst, so wirst du auch nicht bedingungslos lieben. Vielleicht kannst du das auch mit dem Kopf so einrichten, aber du wirst nie bedingungslos lieben. Und vielleicht kannst du sogar schlechte Erfahrungen oder Enttäuschungen im Kopf abschließen, aber das ist dann nur Verdrängung.

Da ich in deínem Posting nichts von einer materiellen Abhängigkeit lese, gehe ich da auch nicht drauf ein.

alles Liebe
BlueH6

Beitrag von jacky 16.09.08 - 08:03 Uhr

Sehe ich genauso! Hätte ich so einen, wobei eine Fernbeziehung für mich ohnehin nicht in Frage käme, könnte der mich mal am, ihr wisst schon, lecken! Ich würde mich höchstens aufregen und schimpfen. Aber wegen einem, der eh weit weg wohnt und der scheinbar nix mehr von mir will, würde ich mir nicht die Augen ausweinen! Warum sollte man um jemanden weinen, der einen so abserviert?!

Beitrag von litha 16.09.08 - 09:38 Uhr

Nun denke ich aber, dass du da was verwechselst. Eine Abhängigkeit kann ich nun aus deinen Worten nicht erkennen. Deine Kollegin ist verliebt und hat durch die Zurückweisung im Moment schlimmen Liebeskummer. Jeder Mensch geht anders damit um. Die einen heulen im verborgenen, die anderen ganz öffentlich.

Wenn eine Liebe oder Hoffnung zerbricht, so durchlebt man verschiedene Stadien. Und Trauer ist wie Wut und Enttäuschung ein Teil davon. Und vermutlich hofft sie ja auch noch, dass es eine Zukunft gibt.

Insofern würde ich sie jetzt eher etwas trösten, statt ihr zu signalisieren, dass das Leben weiter geht. Dass das so ist, weiß sie sicherlich alleine, hilft ihr in ihrem Seelenleid aber nicht unbedingt weiter.

Beitrag von doctor-avalanche. 16.09.08 - 10:31 Uhr

"Wieviel Abhängigkeit ist ok? "

Da der Begriff "Abhängigkeit" für die meisten Menschen negativ belegt ist und sehr nah an Begriffen wie "hörig" oder "süchtig" angesiedelt ist, werden Dir die meisten sicher sagen, daß Abhängigkeit niemals "ok" ist.

Ich sehe das ein bisserl anders.

Wenn Leute meinen, sie wären nicht abhängig und würden dieses Gefühl der Abhängigkeit auch ablehnen , dann würde das eigentlich konsequenterweise bedeuten, daß man jederzeit aus einer Beziehung aussteigen könnte bzw, dass wenn man verlassen wird keinerlei Probleme, weder emotional, noch wirtschaftlich, noch sexuell mit dieser neuen Situation hat.

In der Regel ist das aber in einer Partnerschaft nicht so. Allein das Einlassen auf einen Anderen Menschen erfordert, ob nun leichter oder schwerer, eine Justierung auf diesen Menschen. Es sind sehr viele Abhängigkeiten auf verschiedensten Ebenen in einer Partnerschaft vorhanden und die sind so lange auch völlig akzeptabel, so lange 1.) kein Ausnutzen des anderen stattfindet, der durch die Abhängigkeit temporär oder dauerhaft einen gewissen Machtworteil hat. Bsp.: Es ist eine wenigstens latente Abhängigkeit desjenigen in wirtschaftlicher Hinsicht, der zuhause sich um Kinder und Haushalt kümmert von demjenigen, der das geldeinkommen sichert. Man ist abhängig von dessen Leistungsfähigkeit und -willen, seiner Ehrlichkeit, püunktlich und exakt das Geld bereitzustellen usw.. Andererseits verlässt sich der andere aber auch den Daheimbleibenden - und gerät ebenfalls in eine Abhängigkeit - daß dieser sich um die Erziehung kümmert, den haushalt regelt usw. - eben genau seinen Pflichten nachkommt, die nunmal für die Existent der Partnerschaft unabdingbar sind.

Die Grenze einer notwendigen bzw. akzeptabelen Abhängigkeit liegt im Grad dessen, was einem selbst an freiem Entscheidungswillen übrigbleibt. Um bei dem obigen Beispiel zu bleiben: Natürlich kann der Erwerbstätige nicht einfach sagen, er geht nicht mehr arbeiten, weil er einfach keine Lust mehr verspürt. Verantwortungsgefühl und Pflichtbewusstsein sind seine Motivation. Bedenklich wäre es, würde er sich zwanghaft genötigt fühlen (genötigt durch seinen Partner) diesen Erwerb anzutreten weil er z.B. Angst hätte, seinen Partner sofort durch eine Zuwiderhandlung zu verlieren.

Dies war nur ein Beispiel, es liessen sich viele finden, v.a. auf der emotionalen Ebene sind wir doch sehr abhängig von den Reaktionen, den Gefühlen und den Handlungen, die uns unser Partner entgegenbringt.

Ich glaube, die meisten Menschen verwechseln "Abhängigkeit" mit "Hörigkeit". Hörigkeit ist eine in den meisten Fällen für die eigene Existenz destruktive und extreme Form der Abhängigkeit. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der eigenen Existenz. Dieser sollte man sich in jedem Fall versuchen zu entziehen...