vom Glück überfordert

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ??? 16.09.08 - 08:49 Uhr

Hallo Ihr Lieben!
Ich habe ein Problem, dass mich schon seit einer ganzen Weile sehr intensiv beschäftigt bzw. mich schon fast verrückt macht:
Ich bin verheiratet und habe Kinder. Eigentlich habe ich ein Bilderbuchleben. Mein Ehemann ist verständnisvoll, lieb und nett, kümmert sich, alles in Ordnung. Den Kindern geht es gut, sie wachsen und gedeihen und sind wie alle Kinder, mal lieb, mal sehr anstrengend.
Ich selber aber komme damit nicht klar!
Ich komme aus einer zerrütteten Familie, meine Mutter hat meinen Vater mehrfach betrogen, ich habe das zum größten Teil mit eigenen Augen ansehen müssen. Ich habe dadurch ein sehr kompliziertes Verhältnis zum Thema Sex und Liebe. Dank meines Mannes geht es mir mit der Sexualität und der Liebe eigentlich ganz gut, aber seit geraumer Zeit quälen mich gewisse "Zwangsgedanken". Ich habe ständig Angst davor, dass ICH meinen Mann betrügen könnte, WILL es aber gar NICHT! Das heißt, ich malträtiere mich ständig mit den Gedanken "na, gefällt Dir der Mann? Gib es zu, Du willst doch mit ihm ins Bett" usw. Im gleichen Moment könnte ich vor Angst schreien, will das alles nicht, ich will meinen Mann nicht verlassen, will ihn nicht betrügen, will mein Leben mit meiner Familie nicht hergeben. Und doch quälen mich diese Gedanken...
Eine gute Freundin meinte zu mir, mir sei einfach nur langweilig, mir fehlen die wahren Probleme des Lebens. Aber ist die Erklärung wirklich so einfach? Bin ich wirklich nur vom Glück überfordert?
Kennt jemand von Euch diese Gedanken oder bin ich doch schon am Durchdrehen?

LG

Beitrag von schlumpfine2304 16.09.08 - 09:02 Uhr

hi.
ich find nicht, das du so klingst, als ob du kurz vorm durchdrehen bist.

es klingt, als ob du deine familie und deine kinder liebst und sie dich lieben.

was dir zu schaffen macht, sind deine "gene" ... du glaubst oder hast angst davor, zu werden wie deine mutter. (wer hat das nicht?) vielleicht solltest du, wenn noch möglich, das gespräch mit deinen eltern suchen. versuchen, die vergangenheit aufzuarbeiten. offensichtlich nagt sie so an dir, dass du dir einbildest, das es auf dich projeziert wird.

im übrigen ist es nicht schlimm, sich auch mal andere männer anzusehen. jede halbwegs normale frau sieht sich andere personen an und denkt sich, das er oder sie durchaus attraktiv ist. das heißt aber noch lange nicht, dass man irgendwann mit demjenigen in der kiste landen würde.

überleg doch mal. lass deine gedanken mal frei ... du triffst einen mann auf der straße. die böse mama kommt durch. na du willst ihn doch ... hol ihn dir ... dann kommst DU ... wie kriegst du ihn?! wie willst du (häschen *sorry*) dir denn einfach nen wildfremden mann auf der straße aufgabeln? ich glaub nicht, das du in irgendeiner form dazu in der lage bist!

gedanken sind nichts schlimmes! mach dich nicht fertig mit dingen, die nicht passiert sind!

liebe grüße
annett

Beitrag von ??? 16.09.08 - 13:34 Uhr

Hallo annett!

Ja, genau das denke ich. Es liegt in meinen Genen, es ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Und über die Zeit ist es nur schlimmer geworden mit meinen Ängsten. Angefangen hat es mit einem Arbeitskollegen, vor dem ich so panische Angst hatte, dass ich sogar gekündigt habe. Ich hatte Angst, dass ich mich in ihn verliebt haben könnte und bin deswegen regelrecht geflüchtet, weil ich doch meinen Mann nicht verlieren wollte. Doch diese Angst vor diesem Arbeitskollegen ging irgendwann über in eine generelle Angst vor allen (attraktiven) Männern. Vor diesem Ex-Kollegen habe ich am meisten Angst, weil er mein damaliger Auslöser war.

Das Problem ist: Ich glaube, ich bin von meiner Schlechtigkeit überzeugt und kann mir selber nicht glauben. Dass ich das wirklich nicht will.

Danke für deine Meinung.

Beitrag von lauraandrea 16.09.08 - 09:06 Uhr

Moin ???
Ich hatte sowas auch, bei mir lag es jedoch an Depressionen. Ich hatte kein Selbstvertrauen in jeder Hinsicht. Habe meinen Gefühlen nicht getraut, bzw. mir selber nicht und immer befürchtet ich könnte was anstellen, was alles kaputt macht....
Das war ein Bereich, in dem sich die Krankheit zeigte...
Ich bin kein Psychologe, aber vielleicht steckt bei Dir auch mehr dahinter. Hast ja auch mehr als genug mitgemacht....
Alles Gute
La

Beitrag von ??? 16.09.08 - 13:36 Uhr

Wie hast du es denn überwunden?

LG

Beitrag von lauraandrea 17.09.08 - 10:19 Uhr

Hallo ???
ich bin seit 6 Jahren in Behandlung. Mal mehr mal weniger. Habe damals begonnen ein Antidepressivum zu nehmen. Habe 2x reduziert und später ganz aufgehört aber leider 2x einen Rückfall erlitten. Den letzten gerade eben sozusagen. Nehme das Medikament jetzt wieder seit dem 01.09.
Man muss wissen, dass Depression eine Stoffwechselerkrankung im Gehirn ist. Das kann man gar nicht willentlich steuern. Mit dem Medikament, kommt dieser Stoffwechsel ins Gleichgewicht und ich nehme die Dinge/Erlebnisse wieder so wahr, wie jeder "normale" Mensch. Bei mir war die Intuition, die sonst so gut funktioniert fast futsch. Ich habe mir selbst nix mehr zugetraut, ein riesiges Chaos im Hirn...
Aber mein Doc sagt auch, es gibt keinen Menschen, der sein Leben lang depressiv bleibt, genausowenig, wie man von solchen Medikamenten abhängig werden kann. Manchmal reicht aber auch einfach das Gespräch mit einem Experten. Wir neigen doch alle eher dazu zu sagen, Mensch, ich spinne, oder das muss doch gehen, oder reiss Dich zusammen.......
Alles Gute
LA

Beitrag von snoopy777777 16.09.08 - 09:33 Uhr

würde ich auch so sehen du hast zuviel glück. sei zufrieden, besser zuviel als nur scheiße

Beitrag von seelenspiegel 16.09.08 - 09:58 Uhr

Für manche Menschen bedeutet Leben ein Wechselspiel der Gefühle....sie fühlen sich nur dann wirklich lebendig wenn es wehtut....nicht weil sie es bewusst wollen, es aber nicht anders kennengelernt haben, und sich in einer gegenteiligen Situation oftmals selbst fragen "hab ich das überhaupt verdient?"

Du bist nicht Deine Mutter...Du hast Deinen eigenen Weg gefunden, jetzt musst Du ihn nur noch gehen....und das schönste ist, Du gehst ihn nicht alleine.

Gedanken sind frei.....in Deiner Fantasy kannst Du treiben was Du willst und mit wem Du willst.....das tut niemandem weh.

Im übrigen stehst Du mit solchen Gefühlen und Gedanken sicher nicht alleine da....darüber wurden sogar Lieder geschrieben:

Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt

Böhse Onkelz
(Viva los tioz)

Ich zeige Dir was es heißt allein zu sein
ich trinke tränenschwarzen wein
ich folge Dir tief tief in die nacht
bis in den Abgrund Deiner Seele steige ich hinab
ich suche nach der die mich zum weinen bringt
liebe macht süchtig betrunken und blind
ich suche nach dem Weg aus der Leere
die mein Leben bestimmt

ich lass es Tränen regnen


Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt
bin ich nur glücklich wenn es schmerzt
ich schenk Dir mein gefrornes Herz
ich will das Du es für mich wärmst

Ich verirre mich nichts ist mehr klar
ich bin da wo vor mir keiner war
nicht fähig zu lieben oder liebe ich die Qual
liebe ich den Schmerz bin ich nicht normal
ich suche nach der die meinen Geist nach Hause bringt
ich suche nach der für die ich diese Lieder sing
nur eine Nacht in meinem Zimmer wir wachen auf und leben für immer

Ich lass es Tränen regnen



Mach Dir nicht allzu viele Gedanken....geniesse Deine Familie, geniesse Dein Leben.....sei Du selbst und glaube an Dich.

Lieber Gruß
#drache

Beitrag von schnuffikatze 16.09.08 - 11:04 Uhr

An die "guten" alten Onkelz musste ich auch gleich denken.

Die haben mir schon aus so mancher scheinbaren Depression heraus geholfen.

Manche Gedanken erscheinen uns unnormal, weil sie noch nicht ausgesprochen wurden.

Liebe Grüße
Annett

Beitrag von ??? 16.09.08 - 13:40 Uhr

"sie fühlen sich nur dann wirklich lebendig wenn es wehtut....nicht weil sie es bewusst wollen, es aber nicht anders kennengelernt haben"

DAS trifft es sehr gut. Ich habe manchmal das Gefühl,als MÜSSTE ich Katastrophen heraufbeschwören. So kenne ich das, und so muss es sein, glaubt mein altes Muster in mir.

Danke auch dir für deine tröstenden Worte.

Beitrag von goddess 16.09.08 - 17:49 Uhr

Hi!

Ich habe schon in einem anderen, gemeinsamen Forum von Dir gelesen.

Ich bin in einer ähnlichen Situation. Nur bin ich schon leider einen Schritt weiter.

Wenn Du magst, schreib mir doch eine e-mail. Vielleicht können wir uns so austauschen?

Würde mich sehr freuen!!

Lieben Gruß!

Beitrag von goddess 16.09.08 - 17:51 Uhr

ja, hmm: goddess@gmx.net

is' vielleicht hilfreich *zwinker*

P.S.: Ich sag auch nichts *schwör*

Beitrag von codie 16.09.08 - 10:54 Uhr

Vielleicht hast du das Gefühl im nicht genug zu geben?!

Sonst würde mir auch nur einfallen, dass dir super Langweilig ist.

Beitrag von lbunny 17.09.08 - 05:36 Uhr

gerade in Zeiten , in denen man sich aufeghoben und beschützt fühlt..oder wo alles eben in geregelten Bahnen läuft, kommen alte, nicht bearbeitete Konflikte zum Vorschein.


Ich glaube, dadurch das du jetzt eine gewisse Sicherheit hast, kommen die Trauma hoch und "zwingen" dich, das Geschehene zu verarbeiten.
Das hat nix mit Langeweile oder das du mit Glück überfordert bist zu tun, sondern mit dem Schutzraum, den du dir geschaffen hast.

Da du deine Gedanken als Zwangsgedanken einschätzt, solltest du einen Therapeuten aufsuchen, der dir bei der Bearbeitung hilft.