20 Jahre nach dem Tod meiner Oma holt mich die Trauer wieder ein

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von tapir 17.09.08 - 15:36 Uhr

hallo ihr lieben,

ich weiß gar nicht, ob es o.k. ist hier zu schreiben, denn so viele haben ja erst vor kurzem eine geliebte person verloren - das ist bei mir nicht so.
es geht um meine oma. sie starb an krebs, als ich 10 war. meine anderen großeltern starben noch vor meiner geburt, ich habe sie nie kennengelernt und auch nie vermisst.
als meine oma starb war es ein schock - ich habe sie sehr geliebt, sie war eine tolle frau - aber ganz ehrlich, mit 10 habe ich noch nicht verstanden, was das für mich bedeutet.
heute bin ich 30 und selbst mutter, und seit der geburt meines sohnes träume ich plötzlich immer wieder von meiner oma. es sind schreckliche träume, träume, in denen mir plötzlich klar wird, daß ich mich nie richtig von ihre verabschieden konnte, weil ich einfach zu klein war (ich durfte sie am ende auch nicht mehr sehen, es ging ihr wohl sehr sehr schlecht). träume, in denen mir klar wird, daß mein sohn diese tolle frau nie kennenlernen wird. ich hätte mir so sehr gewünscht, daß sie ein teil meines lebens sein kann, mitbekommt wie ich erwachsen werde, unseren sohn im arm halten kann... sie war noch sehr jung als sie starb...
heute nacht habe ich schon wieder von ihr geträumt, und immer wache ich auf und bin völlig fertig, könnte die stunden danach heulen und habe plötzlich dieses schlimme verlustgefühl, das ich komischerweise die ganzen jahre vorher nie in dem maße hatte.
ich fahre ab und zu an ihr grab, aber das hilft mir gar nicht. ich bin einfach nur traurig.
geht es noch jemandem so nach so langer zeit?

lg, t.

Beitrag von mama33 17.09.08 - 18:11 Uhr

Ich kenn das Gefühl!

Mein Liebligsonkel starb als ich 9 Jahre alt war.
Ich habe ihn mitgepflegt,bis zum Schluss und ihn auch in den Tod begleitet.
Vielleicht war das nicht das Richtige für ein Kind,aber ich bin heute froh,ihm zur Seite gestanden zu habem.
Er war wie ein Bruder für mich!

Dies ist schon lange 25 Jahre her,aber oft könnte ich in Tränen ausbrechen,weil ich ihn so schrecklich vermisse.

Ich kann Dich also sehr gut verstehen!

Traurige Grüsse

Michaela

Beitrag von tapir 17.09.08 - 20:31 Uhr

hallo michaela,

danke für deine antwort!
schon komisch, daß man nach so vielen jahren noch so traurig sein kann, oder?
manchmal - gerade wenn ich von ihr träume - ist es, als wäre sie erst gestorben.
ich bin so traurig über die zeit, die wir nicht zusammen hatten, immerhin war sie meine einzige oma, da die anderen großeltern schon tot waren.
auch für unseren sohn hätte ich mir gewünscht, daß er sie kennenlernen darf.
ich war ihr einziges enkelkind und sie hat mich so sehr geliebt, aber ich war damals mit der situation und ihrer krankheit sehr überfordert, wollte nicht mal ins krankenhaus, als ich noch zu ihr durfte.
so gern hätte ich ihr noch so viel gesagt, wie wichtig sie für mich war und ist und daß ich sie liebe.
es tut mir leid, daß du auch eine geliebte person verloren hast. und du hast meinen respekt, daß du in diesem alter schon für deinen onkel da warst!
ich hatte damals so viele ängste, wollte - als sie schon krank aber noch zuhause war - nicht mal mehr bei ihr übernachten, obwohl sie es sich so sehr gewünscht hat, weil ich immer dachte, sie könnte plötzlich sterben.
ich denke, ich werde morgen mal wieder mit meinem sohn zu ihrem grab gehen und ihr blumen bringen - vielleicht hilft mir das ja etwas.

liebe grüße, t.