Wechsel von gesetzlichen Krankekasse ins Private...

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Beitrag von kloos 17.09.08 - 22:05 Uhr

Hallo,

mein Mann ist seit dem 01.09.09 Selbsständig. Er will sich privat versichern lassen. Wie läuft das? Was hat er für vorteile? Welche Beiträge muss er zahlen, was bekommt er zurück? Wie ist es mit Kirchensteuer, Arbeitslosen und Rentenversicherung???

Bitte, bitte helft mir. Ich soll mich darum kümmern, da er momentan unter Streß steht.

Wann mus er die gesetzliche Kündigen?

Lg

Tanja

Beitrag von seikon 17.09.08 - 22:23 Uhr

Also dein Mann kann in die private Krankenversicherung, er kann sich aber auch freiwillig weiterhin in der gesetzlichen Krankenkasse versichern.

Bei der privaten Kasse muss er ggf. eine Gesundheitsprüfung überstehen. Die Beiträge richten sich nach dem Alter, Gesundheitszustand und so. Das können schon mal so 300 Euro werden.
Wenn er privat versichert ist, dann müsst ihr erst mal Rechnungen vorstrecken und könnt sie nacher bei der Kasse einreichen. Bei der gesetzlichen rechnet der Arzt ja direkt mit der Kasse ab.
Wenn dein Mann privat versichert ist, dann gibt es keine Familienversicherung mehr. Das heisst er müsste dich und eure Kinder ebenfalls privat versichern, wenn du nicht arbeitest. Gerade bei Frauen wird das schnell teuer, und ihr müsst dann ggf. 500 - 600 Euro nur für die Krankenversicherung monatlich rechnen.

Ich persönlich würde die gesetzliche Krankenversicherung vorziehen. Ihr könnt euch über Zusatzleistungen ähnlich absichern wie bei der privaten Versicherung. Ein riesen Nachteil ist nämlich, dass dein Mann nach einigen Jahren nicht mehr so ohne weiteres in die gesetzlichen zurück kann.

Arbeistlosenversicherung kann er auf freiwilliger Basis machen. Generell muss er ja keine Abgaben leisten. Aber er kann sich wie gesagt freiwillig arbeitslosenversichern. Da gibt es glaube ich Pauschalbeiträge.
Ebenso wie bei der Rentenversicherung. Da würde ich mal beim Arbeitsamt anfragen, wie das genau läuft.

Wegne Kirchensteuer weiss ich leider nicht, da ich nicht mehr in der Kirche bin.

Beitrag von sockeline 18.09.08 - 09:08 Uhr

Wer in die privat wechseln kann, der zahlt in der gesetzlichen den Höchstsatz von ca. 280 €.
Dafür kann man sich sehr gut privat versichern, hat hervorragende Leistungen, bekommt bessere Medi´s und die Zuzahlung fällt auch weg. Geht man mal ein Jahr nicht zum Arzt bekommt man je nach Versicherung bis zu 4 Monatsbeiträgen zurück,
Und, während die gesetzl. auch noch die Beträge vom Weihnachtsgeld abzockt, tut die private das nicht.

Die Familienversicherung fällt weg, man muss die Kids privat versichern, die aber dann schon Rückstellungen in der privaten für´s Alter bilden.
Dadurch zahlen sie später einen erheblich niedrigeren Satz als wenn sie erst mit 30 wechseln würden.
Ich find die private gut.

Beitrag von seikon 18.09.08 - 10:01 Uhr

Ja, das stimmt. In der gesetzlichen würde er dann den Höchstsatz zahlen. Aber eben nur einmal.
Für 280 Euro bekommt er in der privaten gerade mal die Frau einigermaßen versichert. Da ist aber noch kein einziges Kind drin, und er selbst auch nicht.

Klar, man bekommt "bessere" Medis. Mehr Leistung.

Die Frage ist hier aber, ob diese Leistungen immer gerechtfertigt sind, oder ob einem Privatpatienten nicht auch viel unnützes aufgeschwatzt wird, weils halt ja eben die Kasse zahlt.
Zumal, was ist denn, wenn die Selbstständigkeit mal schlecht läuft, und er sich die private Krankenkasse auf einmal nicht mehr leisten kann? Dann hat er den Salat und kann nicht mehr so ohne weiteres in die gesetzliche Zurück wechseln.

Ich höre immer wieder, dass es in Deutschland die 2 Klassenmedizin geben soll. Aber ich sehe das anders.
Wer wirklich akut Hilfe braucht, da wird nicht gefragt, bei welcher Kasse er ist. Oder hast du schon mal ne privat/gesetzlichen Trennung auf der Intensivstation gesehen?

Ich hatte bei meiner Geburt ein Einzelzimmer. Also voll die Behandlung wie ein Privatpatient. Ich bin aber in der gesetzlichen. Den Eigenanteil von 28 Euro pro Nacht habe ich die 3 Tage aus eigener Tasche bezahlt.
Auch bei Ärzten gönne ich mir ab und an den "Privatpatientenbonus". Unterm Strich fahren wir damit aber immer noch günstiger, als in der privaten KV.

Wenn man alleinstehend ist, dann mag die PKV noch ganz gut sein. Aber spätestens, wenn man Frau und Kinder hat, die da mit versichert werden müssen lohnt das nicht mehr.

Beitrag von sockeline 18.09.08 - 11:03 Uhr

Was meinst du mit er würde ihn nur 1 mal zahlen??

Auch in der privaten wird die Hälfte des Betrages vom AG bezahlt.
Wenn du in der gesetzl. bist, also selbst KV-versichert bist, muss er dich nicht mitversichern, nur die KInder.

Ja, wir haben definitiv eine 2-Klassenmedizin.

"Zumal, was ist denn, wenn die Selbstständigkeit mal schlecht läuft, und er sich die private Krankenkasse auf einmal nicht mehr leisten kann? "
Das muss man so handhaben wie in der gesetzlichen einfach abbuchen lassen.

Bei Selbständigkeit ist es natürlich etwas anders als wenn man Angestellt ist. Ich bin zufrieden mit meiner Privaten, mein Mann ist in der gesetzl. geblieben und mein Sohn ist mit privat versichert (50 €).

Beitrag von tati_plus_wuerstchen 18.09.08 - 10:31 Uhr

Hallo,

nur mal so am Rande:
Man MUSS seine Kinder nicht privat versichern, es ist auch möglich, sie freiwillig gesetzlich zu versichern.
Selbiges gilt für die nicht berufstätige Ehefrau.

Wenn der Herr mit seiner Selbstständigkeit nicht über der Beitragsbemessungsgrenze verdient, könnten die Kinder sogar bei der Ehefrau familienversichert sein, sofern sie nicht weniger als der Gatte verdient (ich weiß nicht, ob die Fragestellerin arbeitet).

Liebe Grüße
Tati

Beitrag von seikon 18.09.08 - 10:50 Uhr

Und was ist, wenn die Frau länger als die möglichen 3 Jahre Erziehungsurlaub nehmen möchte? Dann muss sie wohl oder übel bei ihrem Arbeitgeber (sofern vorhanden) kündigen.
Und wenn sie kein ALG 1 bekommt, und der Mann zu viel für ALG 2 mit seiner Selbstständigkeit erwirtschaftet, dann muss er sie privat mit versicher, oder er muss sie selber freiwillig in der gesetzlichen verischern.

Beitrag von tati_plus_wuerstchen 18.09.08 - 12:47 Uhr

Hab ich was anderes behauptet?

Beitrag von hsicks 18.09.08 - 06:10 Uhr

Hallo Kloos,
ich stimme Seikon voll zu und würde auch die gesetzliche KV vorziehen und erweiterte Leitungen hinzubuchen.

Bei den Privaten muss jedes Kind extra privat versichert werden und bei jeder späteren Änderung der Versicherung gehen die dann nicht vom jungen Eintrittsalter ( wo die Versicherung billig ist ) aus, sondern vom dann gültigen Alter, wodurch sich die Versicherung mehr und mehr und mehr verteuert. Deshalb ging mein Mann vor ca. 15 Jahren wieder in die gesetzliche KV zurück, manche seiner Lollegen zahlen ein kleines Vermögen monatlich ( fast 1000 Euro für den Versicherten und Ehefrau ) .

Ich hatte vor vielen Jahren auch die Wahl, weil ich über der Pflichtversicherungsgrenze war und hätte mich nie für eine private KV entschieden, sondern blieb freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Kasse.

Gruß,
Heike

Beitrag von rudi334 18.09.08 - 11:50 Uhr

Für einen Familienvater rechnet sich die PKV nicht!

Beitrag von kloos 18.09.08 - 12:55 Uhr

Hallo noch mal an alle,

vielen Dank für die zahlreiche Antworten.

Ich bin selbst versichert, bei der GVK, da ich arbeite. Unsere Kinder sind bei mir mit versichert.
Mein Mann müsste nur sich versichern lassen. Und wenn das Geschäft gut läuft, wollten wir die Kinder bei dem Vater mit versichern lassen.

Soweit ich informiert bin, kann man schon später von der PKV in die GVK wechseln. Wenn die Firma nicht gut läuft, man pleite ist (Arbeitslos). Und wenn man schon einiges an Beiträgen an die GVK gezahlt hat. Mein Mann hat ordentlich 15 Jahre lang in die GVK eingezahlt. Ich glaube es gibt schwierigkeiten, wenn man schon im Studiumalter in die PKV wechselte und erst in reiferen Jahren in die GVK wollte. Lasse mich aber besseren belehren.

Grüße

Tanja

Beitrag von pete1323 18.09.08 - 14:11 Uhr

Hallo Tanja,

wie immer bei diesem Thema gibt es Leuet, die gar nichts wissen und Leute, die ein sehr gefährliches Halbwissen haben.

Ich kann Dir nur raten, Dich in eine Beratung zu begeben und alles weitere dort zu klären.

Viele Punkte, die in den bisherigen Antworten aufgetaucht sind, sollte man betrachten: Entwicklung der Selbständigkeit, berufliche Situation der Ehefrau, ...

Es gibt sehr vieles, das wichtig ist.

Generell kann man nur sagen: Es gibt die 2-Klassen-Medizin in Deutschland bezogen auf den Faktor Zeit. Wie sagte ein Ökonom: "Wer Zeit hat, bezahlt mit Zeit und wer Geld hat, bezahlt mit Geld."
Und in den zukünftig zu erwartenden Gesundheits"reformen" wird es immer mehr zu diesen 2 Klassen kommen.

GANZ WICHTIG: Sollte Eure Situation so passend sein und Dein Mann sich für die PKV entscheiden, dann sollte er versuchen, den Beginn auf den 01.12.2008 zu legen oder einen Versicherer finden, der ihm den Einstieg in die "alte Tarifwelt" garantiert.
Hintergrund: Ab dem 01.01.2009 müssen die PKVs den Basistarif anbieten und gleichzeitig in ihre anzubietenden Tarife das Wechselrecht (unter Mitnahme Teile der Alterungsrückstellungen) einkalkulieren. Jeder, der also in diese "neue Tarifwelt" einsteigt, zahlt generell einen höheren Beitrag.
Aber auch die Beiträge zur GKV werden mit Einführung des Gesundheitsfonds zum 01.01.2009 steigen (genauere Zahlen gibt es erst ab dem 01.11.2008).

Wenn Du weitere Fragen hast, kannst Du sie gerne stellen; gerne auch über die VK, da die Antworten teilweise sehr spezifisch mit dem individuellen Fall zu tun haben und es die anderen - wie ich an den immer wieder gleichen falschen Antworten erkenne - kaum interessiert.


gruß pete

Beitrag von kloos 18.09.08 - 16:58 Uhr

Danke. Ich hatte mich heute mit einigen Versicherungen in Verbindung gesetzt. habe nächste Woche mehrere Termine, bin gespannt, wer, was zu erzählen hat.

Grüße

Tanja

Beitrag von pete1323 22.09.08 - 12:34 Uhr

Hallo Tanja,

wäre schön, wenn Du die Ergebnisse posten könntest.


gruß pete

Beitrag von cgwkmg 18.09.08 - 22:39 Uhr

Man muß bei dieser Entscheidung sehr gut rechen denn ein Wechsel zurück ist sehr schwer!

Ich bin gesetzlich versichert in Elternzeit.
Mein Mann privat. Unsere beiden Söhne über ihn privat. Wir zahlen 220 Euro für die drei in der privaten (in der gesetzlichen wären es ca. 280 Euro). Bei einem eventuellen dritten Kind halten die Beiträge sich die Waage, erst ab den vierten wäre die Private teurer.
Wir sind sehr zufrieden so. Bisher ist es für uns die deutlich günstigere Variante (mit auffällig besseren Leistungen z.B. Zahnarzt!)