brauche mal Rat - vorsicht lang!

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von claudi2712 19.09.08 - 10:17 Uhr

Das "vorsicht lang" schreibt hier fast jeder, weil es sich ja auch nicht in 4 Sätzen fassen lässt - sorry schonmal vorab.

Ich möchte von Euch Rat haben, ob ich überreagiere oder mich auf mein Gefühl verlassen kann. Also dann mal los:

ich bin seit 4 Jahren verheiratet, zusammen sind wir seit 7 jahren. Wir haben eine süsse, liebe 3jährige Tochter. Mein Mann war schon einmal verheiratet und hat aus dieser Ehe eine 12jährige liebe Tochter, die uns im 14-Tage-Turnus besucht.

Mein Mann war, als ich ihn kennenlernte, ein erfolgreicher, erfolgsverwöhnter Mensch. Wir hatten keinerlei Geldsorgen. Wir verdienten beide zusammen genug und haben unser Leben genossen.

Kurz nachdem unsere Tochter geboren wurde, hat mein Mann seinen Job verloren, nicht zuletzt deshalb, weil er sich nichts sagen lassen kann/wollte bzw. keine Kompromisse eingehen wollte. Soweit so gut, ich habe ihm damals quasi noch zugeredet, dass er sich ein solches Verhalten der Geschäftsleitung nicht gefallen lassen soll.
Er hat sich dann nach langem Suchen nach einer neuen Anstellung selbständig gemacht. Kurz: es hat nicht funktioniert und er hat im Mai aufgeben müssen. Als er sich selbständig machte, haben wir vereinbart, dass wir uns im Dezember 2007 mal die nackten Zahlen und Fakten der Unternehmung ansehen und dann gemeinsam entscheiden, ob das noch Sinn macht oder ob wir schliessen. Ich habe im Dezember auf dieses Gespräch gepocht und er redete sich alles schön, was zur Folge hatte, dass er erst im MAI 2008 aufwachte und endlich einsah, dass es nicht ging.

5 Monate, in denen ich der Alleinverdiener war, weil der Laden mehr gekostet als eingebracht hat.

Dazu muss ich sagen, dass ich - entgegen meines Plans - schon nach 6 Monaten Elternzeit wieder arbeiten gegangen bin, weil mein Mann ja die Arbeit verlor/hinwarf.

Das war nie mein Traum von einer Ehe - ganz ehrlich. Es fehlte an allem, ich musste mir auf der Arbeit schon Vorschüsse holen, damit wir die Miete zahlen können usw.

Naja, zusätzlich zu den Geldsorgen beschäftigen mich nun Geschehnisse ganz anderer Natur:

Zum einen ist er schon, seit wir zusammen sind, sehr aktiv in einem Verein. Ihr müsst dazu wissen, mein Mann fühlt sich gern "wichtig" und findet seine Bestätigung nicht darin, ein guter Familienvater zu sein sondern eben ausserhalb der Familie. Anfang des Jahres, als die Probleme mit dem Laden knallhart wurden, erzählte er mir, dass dieser Verein, der in einem Verband ist, einen Präsidenten sucht und er an dem Posten sehr interessiert wäre. Damals haben wir 3 Stunden mindestens darüber geredet. Ich hatte zu Bedenken gegeben, dass eine solche Präsidentschaft sehr viel Freizeit in Anspruch nimmt und er ja schliesslich auch noch eine Familie und ganz nebenbei auch noch diese mit zu ernähren hätte. Ich war und bin immernoch der Meinung, dass er hierfür einfach keine Zeit hätte, so er diese Präsidentschaft denn vollständig gut ausfüllen wolle. Es sei dazu gesagt: diese Präsidentschaft wird nicht vergütet, das ist allein "Hobby".

Damals sagte er mir, dass ich Recht habe und dass es ihm wichtig sei, was ich darüber denke. Soweit so gut, das Thema war für mich abgehakt.

Anfang März musste ich operiert werden - in einer 600 km entfernten Klinik. Ich war allein dort. Ich kam nach 8 Tagen, frisch operiert nach hause - das war der 11. März und am 15. März fährt mein Mann nach Hamburg und kommt als frischgewählter Präsident nach hause. Laden kurz vor der Pleite, der Frau klappt die Kinnlade nach unten und der Mann ist hochzufrieden.

Seitdem sieht sein Tag folgendermassen aus: 7 Uhr morgens Rechner an, erstmal mails vom Verbandgeschehen abrufen, irgendwann dann zur Familie in der Küche dazustossen, sich fertig machen - zur Arbeit (die er Gott sei Dank inzwischen wieder gefunden hat, aber leider nur einen Bruchteil der uns durch die Firmenpleite entstandenden Schulden tilgt), nachmittags nach hause kommen, erstmal ohne grosse Worte - mit Glück mal hallo - an den Rechner mails schreiben, und EEEEENDLOS telefonieren. Montags und Mittwochs abends Training, Dienstags meist Telefonkonferenzen und an den Wochenenden, an denen seine grosse Tochter nicht kommt, fröhlich durch die Weltgeschichte gondeln. Kind und Frau sitzen zu hause. Natürlich wird sich dann noch mit grossen Hundeaugen gewundert, warum die Frau wieder so säuerlich dreinblickt. Und sind wir mal ehrlich: wer hat Bock, mit ner pochenden Ader auf den Mann, mit eben diesem noch grossartig intim zu werden? Ich nicht - sorry.
Vor zwei Wochen war er vier Tage in Italien, letzten WE grosse Tochter da, heute fährt er bis Sonntag nach Berlin.

Ganz ehrlich: was soll man da machen?

Unzählige male habe ich schon mit ihm über meine Unzufriedenheit gesprochen - er nimmt es scheinbar genauso ernst, wie meine "Rede" vom Anfang des Jahres bezüglich der Präsidentschaft.

ich frage mich, warum er überhaupt noch ein zweites mal geheiratet hat - er bräuchte eigentlich ne Familie auf Abruf - wenn Monsieur mal Zeit und Lust hat. Ich kann ihm das glaub ich auf Dauer nicht bieten.

Was würdet ihr tun? Ganz ehrlich?

Beitrag von hezna 19.09.08 - 10:38 Uhr

Dein Mann hört dich nicht und nimmt deine Wünsche nicht wahr.

Weißt du, warum seine erste Ehe auseinander ging?

Vermutlich ist er beratungsresistent und will sich nicht reinreden lassen. Was er macht, muß getan werden und dies tut er auch mit großer Befriedigung.

Was ich tun würde, wird dir nicht viel nützen.

Hast du ihm schonmal die Pistole auf die Brust gesetzt a la: wenn du meine Wünsche nicht berücksichtigst, wird es eng für unsere Beziehung?

Kannst du dir vorstellen, endgültig allein zu sein? Ginge es finanziell?

Evtl. braucht dein Mann einen ordentlichen Tritt in den Hintern. Aber genausogut kann es sein, das er das als Steine in den Weg legen ansieht und eher akzeptiert, das du gehen möchtest, als dir auch nur einen Schritt entgegenzukommen.

Wäre es dann nicht die bessere Entscheidung, ohne ihn zu sein?

Gruß Hezna #klee

Beitrag von gh1954 19.09.08 - 10:41 Uhr

>>>Weißt du, warum seine erste Ehe auseinander ging?<<<
Der Gedanke ing mir beim Lesen als erstes durch den Kopf.

Deiner Antwort kann ich mich nur anschließen.

Gruß
geha

Beitrag von claudi2712 19.09.08 - 13:29 Uhr

Ja, ich weiss warum seine erste Ehe auseinander gegangen ist. Seine Ex-Frau hat sich einen anderen Mann gesucht.

Die Gründe sind mir klar, ich bin nur davon ausgegangen, dass das bei uns etwas anderes ist, dass ich stärker bin als sie, mehr Durchsetzungsvermögen habe und er mich ernster nimmt.#augen

Ich danke Euch für die Antworten, genauso fühle ich auch und Eure Antworten zeigen mir, dass ich nicht auf dem Holzweg bin.

In unseren schier nicht enden wollenden Gesprächen (Monologen meinerseits wenn ich ehrlich bin) habe ich ihm auch schon gesagt, dass ich seine Ex-Frau inzwischen gut verstehen kann, dass sie sich einen anderen Mann gesucht hat. Der Stil, wie sie es gemacht hat, ist jetzt wieder etwas anderes - aber DASS - ja, das verstehe ich. Sie hat sich auch allein gefühlt, unverstanden und hat ebenfalls Gleichgültigkeit von ihm signalisiert bekommen.

Zu Deiner Frage Hezna: ja, ich kann mir vorstellen, allein zu sein - jetzt bin ich es auch so oft, nur, dass ich mich jetzt ärgern muss, weil eigentlich bin ich ja verheiratet. Ich komme gut mit meiner Tochter zurecht, habe einen sicheren unkündbaren Job im öffentlichen Dienst (na gut, unkündbar ist nix, ich müsste aber schon goldene Löffel klauen).

Aber bin ich emotional schon so weit von ihm abgerückt? Ich weiss es ehrlich nicht. Wenn ich einen Schnitt mache, sollte der auch definitiv sein - rumgeeier von wegen "zusammen-auseinander-zusammen" habe ich in meiner Teenie-Zeit praktiziert und sind mir jetzt zu dumm - gerade mit der Kleinen nicht machbar.

Finanziell schafft man vieles, meine Mutter hat uns zwei kleine Kinder auch allein gross bekommen und ich hatte eine tolle Kindheit. Da habe ich keine Angst, ich kann zurückstecken.

Ich werde Deinem Rat folgen und ihm die Pistole auf die Brust setzen - ja, das ist gut. An seiner Reaktion werde ich dann ja sehen, was Sache ist.

Danke nochmal Ihr Lieben

Gruss
Claudia

Beitrag von seelenspiegel 19.09.08 - 13:55 Uhr

Mhh...ich muss gestehen dass ich mit Menschen wie Deinem Mann, denen es so wichtig ist was sie nach aussen hin darstellen nicht viel anfangen kann.

Ich bin auch ein verdammt sturer Hund, der sich nur ungerne was sagen lässt, aber bei mir wichtigen Leuten höre ich zu und schlucke meinen verdammten Stolz auch mal hinunter....besonders da niemand immer recht haben kann.

Gerade im Geschäftsleben muss man sehr viele Kompromisse eingehen....sei es mit Kunden, oder auch mit einer inkompetenten Führungsebene. Dort erreicht man sein Ziel eher mit subtiler Vorgehensweise als mit stolzgeschwellter Brust und Holzhammertaktik.

So wie Du schreibst schwankst Du im Moment zwischen völliger Resignation und Wut, und hast selbst erkannt dass das auf Dauer nicht so weitergehen kann.


"Was würdet ihr tun..."

Ich könnte mir ein Leben mit einem so selbstverliebten Partner nicht vorstellen, würde aber auch nicht damit rechnen dass dieser Partner sich nocht grossartig ändert.

Der bequeme Weg wäre, es auszusitze und ihn machen zu lassen....Dein Ding nebenbei zu machen und immer wieder zurückstecken zu müssen.....und jeden Tag ein bisschen mehr zu sterben.

Der schwere Weg wäre, ihm die Pistole auf die Brust zu setzen, auch auf die Gefahr hin dass er ein Leben ohne "Egoaufbauenden-Maßnahmen" nicht leben kann, und seine Art Bestätigung zu suchen einem Leben mti Euch vorzieht.

Ich bin nicht in Deiner Situation, aber ich weiss nur dass ich lieber alleine wäre, als mit so jemandem zusammen.


Ich wünsche Dir egal was kommt alles Gute

Gruss
#drache

Beitrag von asimbonanga 19.09.08 - 14:20 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen.

Beitrag von claudi2712 19.09.08 - 14:28 Uhr

Puh, klare Worte - damit kann ich etwas anfangen - danke!

Es ist genauso wie Du schreibst - hammer - als ich den Satz gelesen habe

"Der bequeme Weg wäre, es auszusitze und ihn machen zu lassen....Dein Ding nebenbei zu machen und immer wieder zurückstecken zu müssen.....und jeden Tag ein bisschen mehr zu sterben. "

habe ich richtig schlucken müssen - genauso ist es.

Ich wähle den richtigen Weg - die Pistole.

Danke!

Gruss
Claudia

Beitrag von eowina 19.09.08 - 15:28 Uhr

Hallo,
ich sehe es ein bisschen anders.
Ich finds toll, wenn man außerhalb der Familie noch andere Hobbys hat...
Ich kenne Paare, die nur aufeinander klucken und alleine gar nichts unternehmen.
Gut, vielleicht widmet mir mein Mann doch ein bisschen mehr Zeit, als Deiner...kann schon sein. Trotzdem habe ich meinem Mann noch nie sauer gewesen, weil er mal für 2 oder 3 Tage zum Rennen gefahren ist. Andersrum darf ich mit meiner Freundin ausgehen.

Ich sehe gar kein Interesse Deinerseits für Hobby Deines Mannes. Du betrachtest es abwertend...
Rede mit ihm, lass es dir erzählen, worum es da geht.
Und sag ihm auch, dass du dir mehr Zuwendung wünschst.
Wie sehen dann deine Tage aus? Hast du Hobbys, Freude?
Eo.

Beitrag von claudi2712 20.09.08 - 07:12 Uhr

hallo Eo,

von dem,was Du von mir weisst, ist Deine Sichtweise bestimmt verständlich. Ich weiss genau über dieses Hobby bescheid, ich selber habe es mit ihm zusammen am Anfang unserer Beziehung ausgeübt, konnte dann aber wg. Krankheit nicht weiterführen. Ich mag die Leute aus dem Verein und treffe mich auch hin und wieder mit ihnen zu Sommerfesten, Grillabenden usw.

Sicherlich habe ich Freunde und bin ganz Deiner Meinung, dass jeder sein Hobby haben und bloss nicht den ganzen Tag aufeinanderhocken soll. Das wäre auch nichts für mich. Es geht mir auch gar nicht darum, dass ich nun unbedingt mehr Quantität an Zeit für MICH haben will. Oh man wie schreib ich das jetzt? Ich wünsche mir einfach einen Partner, der GERN Zeit mit uns als Familie verbringt und nicht jemandem, den ich darum bitten muss, mehr Zeit mit uns zu verbringen. Der Wunsch müsste von ihm kommen, das Gefühl, weniger wichtig (mitsamt Kind) zu sein, als die Verbandsarbeit ist nicht schön - ich hoffe, Du kannst das nachvollziehen. In seiner "Hierarchie" kommt der Verband, der Sport an sich, eine ganze Zeit nichts, dann die Arbeit, seine Frau, seine kleine Tochter und dann irgendwann wenn noch Zeit ist, seine grosse Tochter. DAS ist es,was mich stört.

Er erzählt mir übrigens viel von der Verbandsarbeit und ja - ich gebe zu: es interessiert mich nicht. Aber mal ehrlich: kann man mir das verdenken - nachdem, wie er in den Verband gekommen ist? Einfach über das weggehen, worüber wir gesprochen haben und bei dem er mir nur zwei Monate zuvor Recht gegeben hat?

Ich bin also nicht rein negativ rangegangen, wirklich nicht.

Zum Thema Hobby: welches Hobby kann ich ausüben, wenn sich von 2 Erwachsenen chronisch einer aus der Verantwortung stiehlt und beinahe permanent abwesend oder so beschäftigt ist, dass die Kindererziehung/-betreuung wohl dann doch an der anderen Person "hängt" (soll nicht abgenervt klingen, ich liebe meine Tochter). Einer muss sich ums Kind kümmern, stimmt´s??

Also ganz so, wie Du vermutest, ist es nicht.

Gruss
Claudia