Lohn bei Zeitarbeit....ist doch der Hammer

Archiv des urbia-Forums Finanzen & Beruf.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Finanzen & Beruf

Dieses Forum bietet Platz für alle Fragen und Antworten rund ums liebe Geld und die Absicherung der Familie - egal ob ALGII, Haushaltsgeld, Baufinanzierung oder Altersvorsorge. Auch Themen wie ElterngeldKindergeld sowie der Wiedereinstieg in den Beruf sind hier richtig.

Beitrag von sedonia 19.09.08 - 11:33 Uhr

HI!

Ärgere mich grad. Mein Bruder bekommt 6,30 €/Std. bei der Zeitarbeitsfirma.
Er muß grad in einem Betonwerk arbeiten und das ist wohl echt super heftig. Seine Klamotten sticken nach so nen Fett, womit er Teile Formen fetten muß. Die stellen ihm keine Arbeitskleidung.

Es ist doch der Hammer, was die sich rausnehmen. Echter Sklavenhandel!!

Darf ich fragen, was andere (vielleicht wißt ihr was) so bekommt bei der Zeitarbeitsfirma? Gibt es Firmen, die tariflich gebunden sind?

Mann, für nen "echten" Job muß man (frau) ja echt dankbar sein!

Gruß Sedonia

:-[

Beitrag von alinasmama2005 19.09.08 - 12:41 Uhr

Pft...

Das kriegt mein Mann auch ohne Zeitarbeitsfirma in seinem gelernten Beruf mit unbefristetem Arbeitsvertrag und auch ohne dass ihm irgendwas gestellt wird. Und das ist ein "echter" Job...

Kristin

Beitrag von seikon 19.09.08 - 12:43 Uhr

Ich bekomme von meiner Zeitarbeitsfirma etwas über 18 Euro pro Stunde.

Beitrag von duchovny 19.09.08 - 12:45 Uhr

Dies ist leider normaler Tarif!
Mein Mann hat in einer Zeitarbietsfirma angefangen mit 6,35 €/pro h! Dann bekam er in einer anderen 6,50 €/worauf der Geschäftsführer ganz stolz war, dass er soviel zahlt! In der letzten, bevor er übernommen worden ist bekam er 7,35 und dies war schon echt gut!
Es kommt in den Firmen auch drauf an ob er als Hilfs- oder Facharbeiter eingestellt ist! Dieser Lohn den du schreibst ist für Hilfsarbeiter normal!

Ich habe auch in einer Zeitarbeitsfirma angefangen nach meiner Ausbildung und dort gab es von vorneherein als Fachkraft 8,50 € und nach eine mJahr 9,20 € dann hat mein Chef mich jedoch übernommen (für einen besseren Lohn)!

Bei Hilfsarbeitern ist der Lohn so niedrig, aber so eine "Karriere" kann als Sprungbrett in eine Festeinstellung dienen. Da Leute ohne Ausbildung und/oder Schulabschluss sich beweisen können! Während es sonst so aussieht, dass man als Ungelernter keine Chance hat!

LG

Susanne

Beitrag von johanna1972 19.09.08 - 12:46 Uhr

Hi,

habe mich bei Zeitarbeitsfirmen als Sekretärin/kfm. Mitarbeiterin beworben und vorgestellt - also mein Stundenlohn lag zwischen 9.00 und 12,50 Euro die Stunde - plus Fahrgeld - die meisten Zeitarbeitsfirmen sind noch an einen Tarifvertrag angeschlossen entweder an die IGZ oder an den BZA/DBG. Ob die Zeitarbeitsfirmen Arbeitskleidung stellen weiss ich nicht - Sicherheitsschuhe auf jeden Fall - weiss ich aus dem Bekanntenkreis und Zuschläge gibt es bestimmt auch.

LG Johanna

Beitrag von ruhrpottjunge 19.09.08 - 12:48 Uhr

Wer "nimmt sich etwas heraus"?

Bestimmte Arbeiten haben auf dem ArbeitsMARKT einen bestimmten Wert. Und der hängt nicht davon ab, wie hart eine Arbeit ist, sondern fast nur von Angebot und Nachfrage.

Je unqualifizierter eine Tätigkeit ist, desto mehr Menschen können sie ausüben. Dementsprechend unterbieten sich die Anbieter (also die Arbeiter) quasi gegenseitig. Ein wenig abgefedert wird das noch durch die deutsche Arbeitsmarktpolitik, aber im Prinzip funktioniert das so und nicht anders.

Beitrag von seikon 19.09.08 - 12:56 Uhr

Ja, und das kann eigentlich nicht sein.
Egal, ob jemand hoch komplexe Tätigkeiten ausübt, oder eben "nur" Gußformen fettet, ich bin der Meinung, wenn jemand 40 Stunden pro Woche, Vollzeit arbeitet, dann sollte er sich von dieser Arbeit selbst ernähren können und nicht noch auf ergänzende Leistungen des Staates angewiesen sein.
Ich finde um die 1000 Euro netto sollte jeder alleinstehende, kinderlose Arbeitnehmer schon monatlich für einen Vollzeitjob raus bekommen.

Beitrag von ruhrpottjunge 19.09.08 - 13:07 Uhr

Das ist eine alte Frage: Soll man den Arbeitsmarkt als Markt funktionieren lassen und eventuelle Einkommenslücken von Staatseite her schließen?

Oder soll man durch Mindestlöhne ... einen funktionierenden Markt von Anfang an behindern und sich dann über die Folgen wundern - nämlich über noch mehr Arbeitslose?

Letzteres ist wohl die Meinung vieler, die noch in klassischen Kategorien denken: Schule, Ausbildung, ein Arbeitsplatz mit geregelter Arbeitszeit bis zur sicheren Rente. Leider(?) sind das aber Kategorien aus der Vergangenheit.

Ersteres ist eine liberalere, offenere Sichtweise. Vielleicht auch eine zukunftsfähigere. Auf jeden Fall ist es meine.

Beitrag von marion2 19.09.08 - 13:13 Uhr

"nämlich über noch mehr Arbeitslose? "

Quatsch - Stammtischgelaber!

http://www.handelsblatt.com/politik/wissenswert/mindest-fakten-ueber-mindestloehne;1278163

Gruß Marion

Beitrag von ruhrpottjunge 19.09.08 - 14:16 Uhr

Ein Tipp: Bevor du dich hier abfällig ("Stammtischgelabere") über andere Meinungen äußerst, solltest du zumindest die Artikel, auf die du dich beziehst, ganz lesen und nicht nur die Überschrift.

Beitrag von marion2 19.09.08 - 16:57 Uhr

Hab ich. Da steht drin, dass der Mindestlohn nicht automatisch zu mehr Arbeitslosigkeit führt.

Beitrag von seikon 19.09.08 - 13:17 Uhr

Ich finde Mindestlöhne wichtig.
Und es ist nicht so, dass die Firmen sich das nicht leisten könnten. Aber es wird ja nur noch nach Gewinnmaximierung geschrien.
Wieso z.B. sollte sonst Nokia das Werk in Deutschland dicht gemacht haben, obwohl es Gewinne eingebracht hat.

In anderen europäischen Ländern gibt es schon länger Mindestlöhne, und dort sind die Märkte auch noch nicht zusammen gebrochen.

So wie es jetzt ist kann es jedenfalls nicht mehr weiter gehen.
Es gibt immer mehr, die sich durch ihre Arbeit nicht mehr selber ernähren können. Und viele davon haben schon 2 oder mehr Jobs.
Und die staatlichen Transferleistungen, die diese Gruppe von Arbeitnehmern erhält wird von einer schrumpfenden Gruppe gezahlt, die das Glück haben, über ein relativ hohes Einkommen zu verfügen.

In Ländern wie den USA "funktioniert" das mit so niedrigen Löhnen auch nur deswegen, weil die so gut wie kein soziales Netz haben. Da ist quasi brutto gleich netto. Da gehen nur ganz wenige Abgaben runter.

Hätte der Bruder der TE diese 6 Euro und n Keks netto, dann sähe die Welt auch gleich ganz anders aus.


Beitrag von mannu 19.09.08 - 13:22 Uhr

Also was sollen dann Mindeslöhne bringen, wenn die Firmen sogar bei Gewinnen noch "einfach" abwandern?

Wir müssen den Wirtschaftsstandort Deutschland schmackhaft machen und das werden wir sicher nicht mit Mindestlöhnen erreichen.

Auch wenn nicht jede Firma gleich pleite gehen würde, müssen sie aber nicht ihren Standort in Deutschland aufrecht erhalten und Osteuropa lockt fröhlich mit Dumpinglöhnen.

Ergo hast du eben doch mehr Arbeitslose.


Beitrag von mannu 19.09.08 - 13:24 Uhr

"In Ländern wie den USA "funktioniert" das mit so niedrigen Löhnen auch nur deswegen, weil die so gut wie kein soziales Netz haben. Da ist quasi brutto gleich netto. Da gehen nur ganz wenige Abgaben runter"

Die meisten in den USA die nicht gut verdienen haben min. 2-3 Jobs und gehen dadurch auch am WE arbeiten.

Da gibt es kein Samstag und Sonntag ist frei...

Beitrag von tweety12_de 19.09.08 - 15:28 Uhr

hallo,
korrekt, kann das nur bgestätigen....

nun wird das halt so nach und nch auch hier bei uns so werden..... das halt 1 job nicht mehr reicht....

ich hatte, alsich alleine war und noch nicht verheiratet auch 2 jobs, da wurde ich immer erstaund angesehen,was 2 jobs? und wann hast du frei??

bei 1000 dm netto blieb mir nicht viel andres übrig.....
und geschadet hats mir allemal nicht.....

gruß alex

Beitrag von mannu 19.09.08 - 13:19 Uhr

Es ist eben nicht egal ob jemand eine komplexe Tätigkeit ausübt oder eine, ich nenne es jetzt mal, stupide.

Für eine komplexe Tätigkeit geht meist eine ganz andere Ausbildung vorweg mit Studium und co.
Zeit und Geld das derjenige, im Idealfall selber, in seine berufliche Karriere steckt um dann den verdienten Lohn zu erhalten.

Formen einfetten kann theoretisch jeder, da brauchts nichtmal nen Schulabschluss für.
Wie begründest du, dass derjenige der sich nur für diesen Job qualifiziert genausoviel bekommen soll wie der andere??

Sicher sollte man davon leben können, aber das ist heute eben nicht mehr so.
Schau dir die Menschen in den USA an.
Die haben teilweise 3 Jobs um über die Runden zu kommen.
Denen hilft kein Staat mit ALGII und solchen Scherzen.

Da haben wir es hier noch richtig gut und komfortabel.

Beitrag von seikon 19.09.08 - 13:25 Uhr

Lies meinen Beitrag noch mal richtig. Ich habe nie geschrieben, dass ein Akademiker genau so viel/wenig an Lohn bekommen sollte wie ein Hilfsarbeiter.
Ich habe lediglich geschrieben, dass jemand, der 40 Stunden pro Woche voll arbeitet sich selbst von dieser Arbeit ernähren können sollte und nicht noch mit ALG 2 aufgestockt werden muss.

Und ich finde halt, dass es da egal sein muss, welche Tätigkeit das ist. Jemand der 40 Stunden pro Woche Formen einfettet, der sollte eben auch so entlohnt werden, dass er nicht auf ergänzendes ALG 2 angewiesen ist. Was aber nicht automatisch bedeutet, dass er genau so viel bekommen sollte wie ein Akademiker in entsprechend gehobener Anstellung.

Beitrag von mannu 19.09.08 - 13:28 Uhr

Auch darauf bin ich eingegangen..

Sollte, ist aber nicht und so sind die heutigen Zeiten.

Früher sind die Familien noch damit ausgekommen, dass nur der Vater arbeiten geht.
Ist heute auch nicht mehr.

Die Zeiten ändern sich und so auch die Löhne.
Leider natürlich für jeden den es betrifft.

Beitrag von zwiebelchen1977 19.09.08 - 14:03 Uhr

Hallo

Kommt doch auf den Beruf an. Viele arbeiten mehr als 40 Stunden die Woche und brauchen keinen 2 Job.
Fastbjeder hat es in der HAnd, was er erlernt und was er aus seiner Zukunft macht. Und wenn jemand eine gute Ausbildung und guten Beruf hat, der sollte auch gut verdienen.

Bianca

Beitrag von felidae01 19.09.08 - 16:28 Uhr

Das kann man so aber auch wieder nicht sagen.

Lange Zeit hieß es immer, unqualifizierte und wenig bis schlecht ausgebildete Leute verdienen so wenig.
Heute sind es immer häufiger auch Leute mit anspruchsvollen Ausbildungen und Qualifikationen, die eben nicht unbedingt jeder machen kann - und die dennoch "nur" für nen Appel und nen Ei arbeiten.

Ich hab für eine ZAF gearbeitet für auch 6,30 Euro. Die fest Angestellten bekamen für die selbe Arbeit das Dreifache! Eben, weil nicht jeder Depp das machen kann... Zeitarbeiter sind für Unternehmen aber nun mal billiger als eigene Angestellte!

Erschwerend kommt für einen sich selbst regulierenden Arbeitsmarkt hinzu, dass die Arbeitslosen förmlich in diese Jobs mit Niedrigstlöhnen hineingezwungen werden. Ich hab das selbst erlebt und arbeite nun für 4 Euro brutto je Stunde. Und das alles andere als wohnortnah... Alternative? KEINE!

Und was bitte federt unsere Arbeitsmarktpolitik denn ab??? Lohndumping? In einigen Branchen vielleicht - aber dennoch sollte man von seinem Einkommen am Ende noch leben können! Und nicht noch aufs Amt angewiesen sein...

Nachdenkliche Grüße
#katze

Beitrag von mannu 19.09.08 - 13:15 Uhr

Wäre es ihm lieber einen 1 Euro-Job zu machen?

Sicher ist das nicht viel.
Aber es war schon immer so, dass man für die wirklich harten Jobs (körperliche Arbeit) nicht unbedingt viel Lohn bekommt.

Er hat aber erstmal was und muss das sicher auch nicht ewig machen.

Beitrag von drachenengel 19.09.08 - 14:28 Uhr

Hallo Sedonia,

nun, ich habe keine Vergleichswerte... doch kann man es eh nicht verallgemeinern..

Man könnte es doch nur vergleichen, insofern man die Stundenlöhne anderer Firmen für die gleiche Arbeit kennen würde.

Arbeitskleidung wird bei wenigen gestellt, sorry..

Welche Qualifikation hat Dein Bruder, welche Qualifikation erfordert der Job?

Parallel wird es in Zukunft leider noch heftiger werden, durch die Globalisierung, die Öffnung gen Osten, etc drängen immer mehr Niedriglöhner hierher..

Einen Schrei nach einem branchenbezogenen Mindestlohn kann ich allerdings NICHT befürworten, da mir die Gefahr zu hoch wäre, dass dann so einige Unternehmen lieber die Konsequenzen ziehen und abwandern... Der Staat lässt sich bereits seit Ewigkeiten von den ganz Grossen eh schon "ausnehmen", da wird also nix erfolgen bezüglich Mindestlohn.
Solange einige Giganten z. B. damit drohen, den Standort zu verlegen, werden sie z. B. auch von Gewerbesteuer befreit... also kann man sich denken, wie sehr man sich auf die Regierung verlassen kann...

LG
Mone

P.S.: Dein Bruder soll sich parallel fleissig weiterbewerben...

Beitrag von trollmama 19.09.08 - 18:28 Uhr

Ich hatte letztes Jahr eine Aushilfsjob in einer Baumschule.
Wir mußten die Blüten von Rhodedendronbüschen abknipsen. Die Sträucher waren nicht höher als unsere Knie und das bedeutete 4 Std. gebückte Haltung. Entweder stand man in der prallen Sonne oder es hat wie aus Eimern gegossen.
Ein paar Tage später mußten wir das Unkraut zwischen kleinen Baumsetzlingen entfernen. Es hat den ganzen Tag gegossen. Wir sind auf Knien im Morast herumgekrochen.
Ach ja, die Bezahlung betrug 5,00 Euro/Stunde.
Übrigens, auch wenn es nicht einfach war, mir hat es nichts ausgemacht - auch nicht, daß ich keine Arbeitskleidung gestellt bekomme habe, sondern die verdreckten und zugeschlammten Sachen selbst waschen mußte.
Und - wäre diese Arbeit nicht etwas für Deinen Bruder, oder ist es plötzlich gar nicht mehr so schlimm, im Betonwerk zu arbeiten?
Viele Grüße
Trollmama