Erfahrungsbericht: Unser Kaiserschnitt

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von vanillie 19.09.08 - 16:43 Uhr

Hallo Mädels,

heute vor einer Woche hatten wir unseren KS wegen BEL. Sie ist endlich da, unsere Maja Soley! 2.970 g und 53 cm groß. Weil hier so viele mit sich hadern, ob sie einen KS machen lassen sollen oder nicht, und weil hier so viele Angst davor haben (genau wie ich Angst davor hatte), ist hier jetzt mein Kaiserschnitt-Bericht. Hoffe es ist ok, dass ich einfach meinen SS-Tagebuch-Eintrag rüberkopiert habe. Über das Persönliche könnt Ihr ja ggf. hinweglesen! *zwinker*

Ganz liebe Grüße und bis bald im Baby-Forum!
Vanillie mit Maja Soley und superstolzem Papa



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Mein Kaiserschnitt
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Heute ist es soweit - Dein großer Tag. Unser großer Tag! Um 5 Uhr stehe ich auf - ich habe nur zwei Stunden geschlafen und werde noch vor dem Wecker wach. Ich streichle Dich durch die Bauchdecke. Nach Weinen ist mir nicht mehr zumute, aber ich bin ziemlich nervös und habe große Angst vir dem Kaiserschnitt. Ich wecke Papa und gehe ins Bad. Gucke uns zum letzten Mal zusammen im Spiegel an - wie ich Dich in meinem Bauch vermissen werde! Unter der Dusche schmuse ich unseren Bauch mit Duschöl - ich lasse mir ein bisschen Zeit, es ist immerhin das letzte Mal. Als wir die Wohnung verlassen mit unserer Kliniktasche habe ich ein ganz komisches Gefühl - so wie ich diese Wohnung jetzt verlasse, wird sie nie wieder sein.

Um 6 Uhr checken Papa und ich im Krankenhaus ein und sind kurz darauf auch schon im Kreissaal. Hier ziehe ich meine normale Kleidung aus und ein komisch gemustertes OP-Hemdchen an. Wir brauchen sowohl Papas geballte Muskelkraft als auch die Expertise der diensthabenden Hebamme, um die Thrombosestrümpfe anzuziehen - das soll schon Größe L sein? Himmel, wir müssen wirklich fett geworden sein! Ich muss lachen über solche Gedanken - wie wunderbar banal an einem außergewöhnlichen Tag wie diesem! "Ich bin fett geworden!" Ich hab ja auch echt keine anderen Probleme in diesen Folterstrümpfen und mit den Hose gestrichen voll bis obenhin...

Gegen 6:30 steige ich aufs Krankenhausbett und die Hebamme legt mir die Kanüle. Rückblickend war dieser Moment am Kaiserschnitt selbst am schmerzhaftesten. Aber das weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, deshalb werde ich immer nervöser, während der Wehentropf läuft und Papa und ich Deinem Herzschlag lauschen. Unser letztes CTG.

Um 7:30 Uhr kommt Oma - direkt von der Arbeit ins Krankenhaus. Sie wundert sich, wie ruhig und gelassen ich bin - und ich wundere mich noch weitaus mehr, dass das so aussieht. Ich könnte nämlich die Wände hochgehen, so nervös bin ich! Um 7:40 holen uns zwei Hebammen ab und bringen uns in den OP. Währenddessen zieht Papa sich in einem anderen Raum um - er bekommt einen schicken blauen Kittel und einen Mundschutz. Wir werden durch eine Schleuse in den OP gebracht und dort auf eine schmale Liege bugsiert. Es ist ein richtiger Operationssaal, weiß und grün und kalt und unfreundlich. Außer Dir und mir sind noch eine jüngere Krankenschwester, zwei ältere Krankenschwester, ein Arzt, eine Anästhesistin und eine Hebamme dabei. Alle sind ruhig und gelassen - für das Krankenhauspersonal ist das alles ja auch bloß Routine. Für uns ist es aber der wahrscheinlich aufregendste Morgen unseres Lebens. Als die Narkoseärztin meinen Rücken abtastet und zwischen den Wirbeln nach einer geeigneten Stelle für die Spinalanästhesie sucht, bekomme ich richtig Angst. Ich sitze auf der Pritsche und drehe immer wieder den Kopf und gucke panisch über meine Schulter, weil ich ja nicht sehen kann, was die da hinter bzw. an meinem Rücken machen! Eigentlich haben sie ja gesagt, sie geben Bescheid, wenn es losgeht. "Achtung, jetzt kommt ein kleiner Pieks!", sagt die Narkoseärztin. Das ist die lokale Betäubung, die ist gar nicht schlimm. "Nehmen Sie meine Hände und drücken Sie sie!", sagt die jüngere Krankenschwester. Und das tue ich bis meine Finger weiss-bläulich und blutleer sind. Ich spüre einen unangenehmen Druck im Rücken und hoffe, dass es bald losgeht mit der Spinalanästhesie. "Wann geht es denn los?", frage ich. "Das war's schon!", antwortet die Narkoseärztin, und jetzt merke ich's auch - ein warmes Gefühl im Popo und in den Oberschenkeln. Die Krankenschwestern helfen mir, mich wieder hinzulegen, und packen meine Beine auf die Beinlehnen. Ich hatte so eine Angst vor dem Festschnallen der Beine - dabei merke ich das doch gar nicht mehr. Ich lege mich hin, und die Krankenschwester befestigt ein paar Elektroden auf meiner Brust und ein Blutdruckmessergerät an meinem Arm. Dann muss ich meine Arme genau wie meine Beine in Halterungen legen. Die Krankenschwestern legen Handtücher und OP-Tücher über ein Metallgestell kurz oberhalb meiner Brust. Ich habe so eine Angst - schon wieder kann ich nicht sehen, was die Ärzte da machen! Dabei ist das mit Sicherheit das Beste so - ganz bestimmt will ich auch gar nicht sehen, wie mein Bauch aufgeschnitten wird.

Endlich kommt Papa zu uns - er setzt sich ans Kopfende eben uns und streichelt mein Gesicht. Ich weiss, dass es jetzt losgeht, und fange am ganzen Oberkörper an zu zittern. Papa fragt besorgt, ob alles in Ordnung ist. Sein halbes Gesicht ist hinter dem Mundschutz versteckt. Ja, sage ich, es ist alles in Ordnung - das sind nur die Nerven... Ich spüre ein Ruckeln auf der anderen Seite des Sichtschutzes - ein bisschen ist es so, als würde ich am Bauch nach oben gezogen. Es tut wirklich kein bisschen weh! Das einzige, was mir jetzt noch Angst macht: Als ich plötzlich Atemschwierigkeiten bekomme. Aber schon höre ich eine Stimme: "Keine Angst! Wir drücken jetzt oben auf Ihren Bauch!" Ich zittere und bin so angespannt, dass ich kaum atmen kann. Gleich bist Du da, gleich, gleich, gleich... und dann, dann bist Du wirklich da! Ich höre Dich, bevor ich Dich sehe. Ein ganz dünnes Schreien, eher wie ein Wimmern. Oh Gott, wir haben's geschafft - Du bist da! Und Du machst ein Geräusch! Mir laufen die Tränen rechts und links aus den Augen, und ich verdrehe den Kopf. "Wo ist es denn? Wo ist es denn?", frage ich. Ich muss Dich sehen!!! Und dann zeigen sie Dich endlich - ein kleines, bläuliches, zusammengerolltes Bündel Mensch. Irgend wer drückt meine Hand und beglückwünscht uns.

Während sie mich wieder zunähen, kann ich nur an Dich denken - ich höre Dich, Du wimmerst die ganze Zeit. Es ist ja auch kalt und hell und ungemütlich, das würde mir auch nicht gefallen! Dann bist Du endlich da - Papa hält Dich in den Armen. Du steckst in warmen Tüchern und einem plumeau-ähnlichen Stoffding. Es schaut fast nur Dein kleines Gesicht heraus. Diesen Moment werde ich ganz sicher niemals vergessen. Du bist so ein süßes kleines Baby! Überhaupt nicht zerknautscht! Ganz rosig - und diese winzig kleinen Finger! Und diese vielen dunklen Haare! Damit hätte ich niemals gerechnet, denn Papa und ich haben doch beide eher helle Haare und hatten bei unserer Geburt nur einen helle Flaum auf dem Kopf! Aber Du - Du hast jetzt schon mehr Haare als Papa! Der hat übrigens ganz feuchte Augen, als er Dich sieht - und Oma auch, als wir zurück im Kreissaal sind. Dort schmusen wir erstmal ganz ausgiebig. Du liegst nackt auf meiner Brust - Du hast noch ein kleines Fellchen auf den Armen und am Rücken, und Du riechst so gut! Nachdem Papa und ich Dich ausgiebig bestaunt und geschmust haben, wirst Du gewogen und gemessen - Du bist 53 cm groß und wiegst 2.970 g. Du bekommst ein kleines Handband an, eines mit rosa und weißen Perlen und Deinem Nachnamen. Die Hebamme macht einen Abdruck von Deinem kleinen Füßchen. Und dann, dann darfst Du baden - zurück ins warme Nass wie in den vergangenen 10 Monaten. Papa hält Dich dabei fest, und die Hebamme macht ein erstes Foto von Euch Beiden. Anschließend wirst Du zum ersten Mal gewickelt und angezogen, und dann darfst Du in meinen Arm und ich muss Dich erstmal nicht mehr hergeben.

Am späten Mittag dürfen wir auf unser Zimmer - ein Zweibettzimmer, aber ohne Bettnachbarin. So sind wir ganz unter uns! Wir schicken den Papa erstmal nach Hause - er hat heute noch nichts gegessen und ist schon ganz grau im Gesicht!

Der restliche Tag zieht irgend wie einfach an mir vorbei. Ich habe nur noch Augen für Dich und schmuse die ganze Zeit meine Nase an Dein kleines Köpfchen. Irgend wann kommen Oma, Opa und Tante Katrin zu Besuch. Alle wollen Dich mal kurz schmusen. Opa Ingo bringt Dir einen wunderschönen Rosenstrauß mit - kaum auf der Welt, und schon den ersten Verehrer!

Nachmittags kommt Papa nochmal wieder, muss abends aber leider irgend wann wieder nach Hause. Obwohl ich nach dem Abklingen der Spinalnarkose erstmal überhaupt keine Schmerzen hatte, tut mir jetzt ganz furchtbar der Unterleib weh. Es ist nicht die Kaiserschnittnarbe, es sind die Nachwehen. Ich bekomme Schmerzmittel durch den Tropf - Paracetamol. Später gibt es Voltaren-Tabletten, die aber überhaupt nicht helfen. Da kann ich ja gleich eine Aspirin nehmen! Auch die Tramal-Tropfen bewirken irgend wie gar nichts. Zum Abendessen bekommen wir einen Tee ud 4 Scheibe Zwieback. Wir naschen aber auch ein Stückchen Schokolade - vorsichtshalber hatten wir ja eine Tafel eingepackt.

Am Abend versuche ich mit Papas Hilfe aufzustehen. Das geht nur sehr schlecht. Ich habe Unterleibsschmerzen und kann leider kaum stehen. Als ich es ans Waschbecken schaffe, um mir die Zähne zu putzen, guckt mir ein graugesichtiges Etwas aus dem Spiegel entgegen. Ich habe den Kaiserschnitt unterschätzt - statt abends unter die Dusche zu springen und mit Dir über den Gang zu stolzieren, bin ich heilfroh, als ich nach meiner Weltreise ans andere Ende unseres Krankenzimmers wieder im Bett liege.

Unsere erste gemeinsame Nacht ist etwas ganz besonderes. Du bleibst die ganze Zeit bei mir, in meinem Arm, in meinem Bett. Du weinst viel, und ich schmuse Dich und versuche, Dich zu trösten. Die Kinderschwestern sagen, das ist das Kindspech - Dein erster eigener Stuhlgang, der Dich in Deinem Bäuchlein quält. Sie schlagen mir vor, Dich ins Kinderzimmer zu geben über Nacht. Damit ich Kraft tanken kann. Aber ich bringe es nicht fertig, Dich wegzugeben - Du bist doch gerade erst angekommen! Außerdem hast Du Schmerzen und willst ganz bestimmt nicht alleine sein. Wir schlafen die ganze Nacht nicht, und als es morgens wieder hell wird, bin ich furchtbar erschöpft. Immerhin habe ich jetzt fast zwei Nächte durchgemacht. Du bist auch erschöpft und schläfst irgend wann endlich ein. Aber vorher haben wir einen ganz besonderen Moment. Du liegst in meinem Arm und ich schaue Dich an und sage: "Ich bin ja bei Dir! Ich lass Dich nicht allein!" Du öffnest kurz die kleinen Augen, schaust mich an - und Du lächelst! Obwohl Du doch noch gar nicht wissen kannst, was ich gerade zu Dir gesagt habe!

Beitrag von escada87 19.09.08 - 16:51 Uhr

oh man ich musst so heulen als ich das gelesen habe. Wunderwunderwunderschön geschrieben #blume#blume

#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul

#herzlichlichen Glückwunsch euch Dreien

Beitrag von 20baby08 19.09.08 - 16:56 Uhr

hey...

das ist soooo schöööööööön...#blume hab richtig tränen in den augen... wünsche euch alles liebe und gute!!!!!!!



Lg Vani 32ssw

Beitrag von arwa 19.09.08 - 16:57 Uhr

#herzlich Glückwunsch, ganz toller Erfahrungesbericht.
Auch ich wünsche euch alles gute.

lg arwa (wird nicht Mama aber dafür Omi :) )

Beitrag von nesliboz 19.09.08 - 17:05 Uhr



Herzliche Gratulation zu eurem Engel!!

Das ist alles wirklich wunder wunderschön!!!!

ich wünsche eurer kleinen Familie alles gute... Gott Segne Euch !!!


#herzlich
Nesli

Beitrag von superschatz 19.09.08 - 17:07 Uhr

Wunderschön... #heul

Ich wünsche euch alles Gute!

Beitrag von corikn 19.09.08 - 17:48 Uhr

Ach mensch, die Hormone, jetzt sitz ich auch hier und heule... Gerade weil ich in der gleichen lage bin, mein Schatz wird am 6.10.08 wegen BEL per kaiserschnitt geholt und da macht man sich natürlich seine gedanken....#kratz

Aber du hast das wirklich schön beschrieben! Danke!

Alles gute dir und deinem Sonnenschein!

Lg, cori

Beitrag von josili0208 19.09.08 - 17:57 Uhr

Ich wollts erst nicht lesen - ich hatte ja selber schon 2 KS #gaehn Aber das hast Du ganz toll beschrieben, genau wie bei mir wars, haargenau, nur dass ich nicht persönlich in den Kreissaal gehen durfte sondern vorher schon tagelang in den Wehen lag #aerger. Aber das nächste Mal wirds genauso! ;-)

lg und alles Gute für Euch, jo

Beitrag von babycherry 19.09.08 - 18:49 Uhr

#heul #heul #heul #heul #heul #heul #heul #heul

wunderschöner bericht!

liege grüße, cherry