Sorge um meinen Sohn - Verhaltensfrage (lang!)

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von snoopfi 22.09.08 - 10:49 Uhr

Hallo und guten morgen,

ich mache mir Sorgen um meinen Sohn.
Finn ist 37 Monate alt. Er war schon immer ein sehr eingenwilliges Kind, hatte schon immer einen starken Willen. Finn ist für sein Alter sehr groß und hat daher wenig Respekt vor älteren Kindern, ganz zu schweigen vor gleichaltrigen. Er stellt sich jeder Situation ohne Angst und möchte sein Ziel durchsetzen.

Seit ca. einem halben Jahr steckt Finn voll in der Trotzphase #augen.

Im Juli ware wir beide zusammen in Mutter-Kind-Kur. Die 3 Wochen ohne Familie und mit viel Zeit füreinander hat uns sehr aneinander geschweißt. Er war in der Kur zwar auch immer noch ein sehr eingenwilliges Kind, provozierte spielerisch auch gerne mal andere Kinder, aber er war auch sehr einfühlsam und empfindsam. Es gab zwischen uns zwei weniger Streit, weniger Diskussionen, er nahm eher an, was man ihm sagte.

Nun geht er seit August in den Kindergarten. Uns war klar, dass sich sein Verhalten ändern wird, wenn er in den Kindergarten kommt. Er testet nun wieder mehr zu Hause aus, ist trotziger. Allerdings habe ich seit ein paar Tagen das Gefühl ein unglückliches Kind zu haben, ein Kind, was nicht aus seiner eigenen Haut heraus kann :-(. Er ist mit allem unzufrieden, schreit, zornt, schlägt, weint sehr viel.

Ein Beispiel: wenn er etwas trinken möchte und ich ihm zwei Alterativen anbiete, will er keine von beiden, aber er will auch auf keine der beiden Alternativen verzichten, sodass es ein ständiges Hin und Her gibt. Wenn ich ihn dann frage was er denn nun möchte, weiß er es oftmals selbst nicht, er zuckt mit den Schultern. Noch ein Beispiel: verbiete ich ihm etwas, endet das Ganze immer in Tränen und Geschrei. IMMER! Ich komme dann nicht mehr an ihn heran, nur wenn ich fest packe und sehr laut anspreche, habe ich eine Chance zu ihm durch zu dringen #kratz.

Diese Situation ist für uns alle sehr anstrengend und mich belastet es dazu noch, weil ich mein Kind nicht mehr erkenne :-(.

Bei uns zu Hause gab es in letzter Zeit keine Veränderungen, wir verbringen im Rahemn des Möglichen (ich arbeite in Teilzeit, mein Mann arbeitet auch, aber es gibt Großelerter und Tanten) viel Zeit miteinander, sagen uns, dass wir uns lieb haben, kuscheln, spielen zusammen, gehen raus, in den Wald oder auf den Spielplatz.

Kann mir jemand vielleicht einen Rat geben? Was ist denn nur los mit Finn?

Liebe Grüße
Snoopfi

Beitrag von marion2 22.09.08 - 11:42 Uhr

Hallo,

dein Sohn benimmt sich total normal.

Wenn es ihn zurzeit überfordert aus zwei Getränken eins auszuwählen, warum bietest du ihm dann 2 verschiedene Getränke an? Eins reicht.

Kindergarten ist wie arbeiten gehen, dein Sohn muss jetzt mit anderen Kindern in seinem Alter kommunizieren. Das ist nicht leicht. Er muss sich durchsetzen und es wird jemanden geben, der irgendetwas besser kann als er - das ist frustrierend. Dann gibt es im Kindergarten andere Regeln als zu Hause. Er hat das jetzt verstanden und versucht zu Hause die Regel auch ein bisschen zu ändern.

Sieh es als "Phase" - das gibt sich wieder.

LG Marion

Beitrag von willow19 22.09.08 - 13:17 Uhr

Oh, ich hab da auch so ein Exemplar. Unser kleiner Mann hört momentan und dies eigentlich auch schon länger, überhaupt nicht. Egal was man sagt, es wird das Gegenteil gemacht. Er schlägt, gut er muss sich auch manchmal gegen seine Schwester verteidigen, aber seit er in den Kindergarten geht, spuckt er, was ich abslolut hasse. Im Kindergarten wurde er bei einem Märchen schon vor die Tür geschickt und heute hat er das Bad geflutet. Zu Hause ist es manchmal wirklich schwer, ihn unter Kontrolle zu halten. Ich frag mich dann auch oft, was ich falsch gemacht habe. Allerdings bin ich der Meinung, dass er genau so erzogen wird, wie unsere Tochter und sie ist zwar auch ne Zicke, weiß aber sehr wohl, wo ihre Grenzen sind. Vielleicht erwarte ich manchmal auch zu viel, weil er auch schon so groß ist und Teils für sein Alter auch "reifer" ist. Aber er ist halt doch erst 3 und probiert mit allen Mitteln aus, wie er mich auf die Palme bringen kann. Ja, dass macht er wirklich, denn schließlich ist er ja nicht dumm und versucht mich, fast den ganzen Tag zu ärgern.
Aber als unnormal betrachte ich es nicht. Gerade Jungs sollen da ja wirklich problematischer sein.
Naja, diese Probleme werden irgendwann aufhören, spätestens dann, wenn sie ausgezogen sind und vielleicht eigene Kinder haben.............;-)

Liebe Grüße

Beitrag von schnuffikatze 22.09.08 - 13:29 Uhr

Hallo #liebdrueck,

meine Tochter ist jetzt erst 21 Monate und ich habe bestimmt nicht so die großen Erfahrungen.
Aber die Situationen, die du beschreibst kenne ich sehr gut. Manchmal fühlt man sich von seinem eigenen Kind überfordert und das "nicht-verstehen-können" macht mich nur ganz traurig.

Meine Tochter ist auch oft von ihren Auswahlmöglichkeiten überfordert - glaube ich.
Ich biete ihr daher nur noch eine Möglichkeit an. An Tagen, an denen sie gut drauf ist, gibts auch mal Alternativen,aber sobald sie wieder gestresst reagiert, gibts einfach erstmal keine Wahl mehr und das geht so besser.

Für das Nein und das darauf folgende Geschrei habe ich jedoch keine Antwort. Das ist bei uns genauso. Mir ist nur schon aufgefallen, dass sie auch da leichter damit umgehen kann, wenn sie noch keinen anstrengenden Tag im Kiga hinter sich hatte. Sie ist dann einfach überreizt.

ICh war dir leider keine große Hilfe
liebe grüße
Annett

Beitrag von fruehchenomi 23.09.08 - 13:22 Uhr

Ich finde, manchmal dürfen Kinder einfach viel zu viel aussuchen und "mit entscheiden". Einige Veröffentlichungen guter Pädagogen sprechen da heute schon sehr dagegen. In guten Phasen der Kinder, warum nicht, aber, wenn sie ohnehin trotzen, maulen und schwierig sind, dann brauchen sie wohl keine Auswahl, sondern klare Linien. Wenn ich nur wüßte, wer das war, habs erst kürzlich im TV gesehen, war gut der Mann. Propagierte auch die These, dass Eltern nicht die Freunde der Kinder sein sollen, sondern eben "die Eltern", die die Regeln vorgeben müssen, Freunde sollen sich die Kinder woanders suchen. Genauso mit Kleidung. Als Beispiel: Warum muss ich dem ohnehin trotzenden Dämchen 3 Hosen morgens im Stress zum Aussuchen hinlegen ? ABENDS wird ausgesucht, was am nächsten Tag angezogen wird, das liegt am Stuhl und da gibts keine Diskussion mehr morgens. Oder sie darf im Schlafanzug in den Kindergarten.
Ein Getränk reicht, wenn er ohnehin nicht weiß, was er will. Denn wenn er bocken WILL, dann kannst Du ohnehin machen was Du willst, es ist falsch.
Hatte auch so eine Tochter, da war garnichts mit Auswahl usw - da wäre ich in dieser Phase wohl verzweifelt. Das und das gibts und fertig. Und wenn sie brüllte wie am Spieß, durfte sie sich in ihrem Zimmer ausbrüllen, wenn sie wieder fertig war, durfte sie wieder kommen.
Irgendwann geht auch diese Austesterei vorbei. Und - noch ein Trost: es werden noch viiiiele Zeiten kommen, wo Du Dein Kind nicht mehr wieder erkennst ;-) das zieht sich eigentlich wie ein roter Faden bis ins Erwachsenenalter.
LG Moni