Sorge um meinen Sohn - Verhaltensfrage (lang!)

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von snoopfi 22.09.08 - 10:50 Uhr

Hallo und guten morgen,

ich mache mir Sorgen um meinen Sohn.
Finn ist 37 Monate alt. Er war schon immer ein sehr eingenwilliges Kind, hatte schon immer einen starken Willen. Finn ist für sein Alter sehr groß und hat daher wenig Respekt vor älteren Kindern, ganz zu schweigen vor gleichaltrigen. Er stellt sich jeder Situation ohne Angst und möchte sein Ziel durchsetzen.

Seit ca. einem halben Jahr steckt Finn voll in der Trotzphase .

Im Juli ware wir beide zusammen in Mutter-Kind-Kur. Die 3 Wochen ohne Familie und mit viel Zeit füreinander hat uns sehr aneinander geschweißt. Er war in der Kur zwar auch immer noch ein sehr eingenwilliges Kind, provozierte spielerisch auch gerne mal andere Kinder, aber er war auch sehr einfühlsam und empfindsam. Es gab zwischen uns zwei weniger Streit, weniger Diskussionen, er nahm eher an, was man ihm sagte.

Nun geht er seit August in den Kindergarten. Uns war klar, dass sich sein Verhalten ändern wird, wenn er in den Kindergarten kommt. Er testet nun wieder mehr zu Hause aus, ist trotziger. Allerdings habe ich seit ein paar Tagen das Gefühl ein unglückliches Kind zu haben, ein Kind, was nicht aus seiner eigenen Haut heraus kann . Er ist mit allem unzufrieden, schreit, zornt, schlägt, weint sehr viel.

Ein Beispiel: wenn er etwas trinken möchte und ich ihm zwei Alterativen anbiete, will er keine von beiden, aber er will auch auf keine der beiden Alternativen verzichten, sodass es ein ständiges Hin und Her gibt. Wenn ich ihn dann frage was er denn nun möchte, weiß er es oftmals selbst nicht, er zuckt mit den Schultern. Noch ein Beispiel: verbiete ich ihm etwas, endet das Ganze immer in Tränen und Geschrei. IMMER! Ich komme dann nicht mehr an ihn heran, nur wenn ich fest packe und sehr laut anspreche, habe ich eine Chance zu ihm durch zu dringen .

Diese Situation ist für uns alle sehr anstrengend und mich belastet es dazu noch, weil ich mein Kind nicht mehr erkenne .

Bei uns zu Hause gab es in letzter Zeit keine Veränderungen, wir verbringen im Rahemn des Möglichen (ich arbeite in Teilzeit, mein Mann arbeitet auch, aber es gibt Großelerter und Tanten) viel Zeit miteinander, sagen uns, dass wir uns lieb haben, kuscheln, spielen zusammen, gehen raus, in den Wald oder auf den Spielplatz.

Kann mir jemand vielleicht einen Rat geben? Was ist denn nur los mit Finn?

Liebe Grüße
Snoopfi

Beitrag von cazie71 22.09.08 - 11:05 Uhr

Hallo Snoopfi.

Bei Euch herrscht haargenau dieselbe Situation wie bei uns. #schwitz

Mein Florian ist jetzt 4 Jahre alt und geht seit 2 Wochen in den Kindergarten. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche.

Florian fährt mit mir morgens in den Kiga (meine Arbeitsstelle ist nur 3 Min. vom Kiga entfernt) und mittags nehm ich ihn wieder mit heim. An den Tagen, an denen ich ganztags arbeiten muss, haben wir immer wütendes Geschrei und Tränen, wenn ich ihn mittags bei der Omi abliefere (wohnt gleich neben uns) und ich wieder zurück zur Arbeit fahren muss. Auch sonst ist Florian momentan noch viel aggressiver und jähzorniger als sonst. Auf der anderen Seite ist er aber auch noch viiiiiiel anhänglicher und liebesbedürftiger als sonst. Er hängt nur noch an meinen Hosenbeinen, möchte mich überall hin begleiten, schläft seit dem Kiga wieder bei uns im Bett und will tausendmal am Tag kuscheln.

Ich glaube, es ist einfach dieser absolut neue Lebensabschnitt, den der Kiga nun mit sich bringt. Auf der einen Seite ist er ein "Herdentier" und ist ganz verrückt darauf, mit anderen Kindern zu spielen (aber auch zu streiten - er spielt einfach gerne den Chef und sagt den anderen gerne was sie zu tun haben! #heul), andererseits tut es ihm aber weh, sich morgens von mir zu trennen.

Ich hoffe, dass sich das ganze bald einspielt und er merkt, dass er im Kiga seinen Spass haben kann, aber dass er dabei auch mal Kompromisse eingehen muss. Er muss lernen, auch mal anderen Recht zu geben und deren Willen respektieren.


lb. Grüsse
Carmen

Beitrag von wildcat75 22.09.08 - 11:25 Uhr

Hallo Snoopfi!

Ich kann dir leider keinen Rat zu deiner Situation geben - nur soviel.... bei uns ist es sehr ähnlich.... Meine Tochter ist 3 Jahre alt und hatte schon lange die eine oder andere Trotzphase. Aber seitdem sie im Kiga ist, kommen wir auch gar nicht mehr mit ihr klar. Sie hat soviel Wut ins sich und ist manchmal einfach nur auf Krawall gebürstet. Wir haben auch schon alles versucht. Vermehrte Aufmerksamkeit, liebevolle Konsequenz... wir sind auch nur noch ratlos. Mittlerweile ist es so, dass wir alle so gereizt sind, dass es nun regelmäßig zu Machtkämpfen mit Geschrei kommt. Und einmal ist mir sogar schon die Hand ausgerutscht... Wofür ich mich total schäme... Jeder sagt immer das ist nur eine Phase und das ist halt so wenn sie in den Kiga gehen und sich dort erstmal behaupten müssen und ihren Platz finden müssen... nur hilft einem das nicht wirklich weiter, oder? Ich merke richtig wie ich mich innerlich von meinem Kind distanziere... Ist das nicht furchtbar wenn man sein eigenes Kind selbst nicht mehr erkennt und sein ganzes Verhalten nur schrecklich findet?

Du siehst du bist nicht allein. Wir haben uns überlegt, jetzt eine Handvoll Regeln mit ihr zu besprechen und diese mit ihr zusammen auf ein Poster zu malen/kleben. (z.b. nicht schlagen nicht schreien etc.) Außerdem werde ich mit unserem Kinderarzt und den Erzieherinnen nochmal sprechen. Evtl. auch mit einer Erziehungsratgeberstelle... weil es so einfach nicht weitergehen kann... Ich denke, Hilfe suchen ist hier keine Schwäche und vielleicht weiß ja jemand ein paar kleine Tricks um die Situation zu entschärfen.

Aber es hilft auf jeden Fall schon ein bißchen sich hier auszutauschen und zu sehen es geht auch anderen so. Man ist nicht allein und auch selbst nicht an dieser Situation schuld.

Wir können uns gerne weiter austauschen wenn du magst ... bis dahin halt die Ohren steif...
denn gleich ist Mittag und da kommen die kleinen Monster aus dem Kindergarten... HILFE!!! #schwitz

lg wildcat

Beitrag von snoopfi 22.09.08 - 20:28 Uhr

Hallo Wildcat,

entschuldige die späte Antwort, aber ich konnte mich erst jetzt richtig deiner antwort widmen.

wie Du es beschreibst, so geht es meinem mann und mir auch. manchmal ist es soweit, dass die stimmung bei uns im haus so gereizt ist, dass ich denke: jeden moment explodiert etwas oder jemand.
am samstag hatten wir im kidergarten einweihungsfest. finn hatte keinen mittagsschlaf gemacht und war UNAUSTEHLICH. alles was man ihm anbot, hat er zornig abgelehnt, war nur am weinen und wütete rum und wußte wohl selbst nicht was er wollte. ich habe mich im vorfeld für küchendienst eingetragen und als es dan soweit war und ich gehen musste, wollte mein mann mit finn heim. du glaubst nicht was finn für einen aufstand gemacht hat, mein mann war furchtbar entnervt und mir war die ganze situation schrecklich peinlich. wie scheint das denn, wenn man vor den ganzen anderen (über-) müttern so einen aussetzer hat?!?!
naja, lange rede kurzer sinn, ich bin froh, dass ich hier mütter gefunden habe denen es genauso geht, denn es ist für mich leichter zu erdulden, wenn ich weiß, dass es bei finn nur eine phase ist!
das mit den regeln finde ich übrigens sehr sehr gut. das habe ich auch schon oft überlegt. auch ich werde meinen kinderarzt bei gelegenheit ansprechen.

viele liebe grüße und starke nerven :-)

snoopfi

Beitrag von steiermark 22.09.08 - 13:21 Uhr

Hallo!

Ich kann dir sagen warum, aber nicht was da hilft ;-)

Die Kleinen sind in der Trotzphase (wissen wir ja). Das heißt sie entdecken ihren eigenen Willen, die Persönlichkeit, praktisch selbst zu bestimmen. Nicht mehr mit Mama das Gleiche zu wollen, denken,...

Gleichzeitig sind sie zum ersten Mal unter so vielen "Fremden" KiGa Kinder und Erzieherinnen, also auf sich alleine gestellt, gelöst von der Mama.

Wenn sie jetzt daheim sind, wollen sie nichts wie hin zur Bezugsperson und Nähe, aber ihre Entwicklung sagt ihnen sie müssen sich lösen, also selbst bestimmen. Das geht nicht gleichzeitig, also sind sie wie es auch ist unzufrieden.

Ich hoffe einfach auf die nächste Phase, bis dahin wünsche ich allen viiiiiiel Geduld und starke Nerven.

lg karin

Beitrag von anne_loewe 22.09.08 - 13:50 Uhr

Liebe Snoopfi,

ich empfehle Dir das Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden", lass Dich bitte nicht von scheußlichen Titel abschrecken :-)
Darin wirst Du Dich und Deinen Sohn vielleicht in einigen Situationen wiederfinden (ohne dass ich meine Dein Sohn sei ein Tyrann!) ist wirklich ein gutes Buch für Eltern von Kindern mit "starkem Willen".

LG Anne

Beitrag von babybaer4 22.09.08 - 15:58 Uhr

Hallo,

ich glaube das ergeht so ziemlich allen Neulingskindergarteneltern so.
Für die Kinder ist es einfach superanstrengend das ganze neue zu verarbeiten.
-Alleine im Kindergarten
-viele neue Eindrücke
-neue Regeln
-neuer Tagesablauf u.s.w

Es ist normal das es einfach antrengend ist und wir Eltern müssen es erstmal ausbaden,bis sie sich dran gewöhnt haben.
Meine Beiden sind /waren die liebsten Kinder im Kindergarten bis zur Kindergartentür und dann "Holla die Waldfee.


Lg Sabine