Der Geburtsmarathon meines kleines Sohnes Anthony Dean

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von hochheim 22.09.08 - 11:22 Uhr

Der errechnete Termin für die Geburt unseres Sohnes Anthony war der 28.08.2008.
Seit der 20. SSW wurde meinem Mann und mir angekündigt, dass unser Baby wahrscheinlich zu früh kommen würde, da sich zu diesem Zeitpunkt mein Gebärmutterhals zum ersten Mal verkürzt hatte und ich mich schonen musste. Das blieb auch die ganze SS so, ich hatte schon sehr früh regelmäßige Wehen (ab der 33. SSW), Anthony lag schon extrem früh in der richtigen Lage mit dem Köpfchen ganz weit unten, und, und, und...

4 Wochen vor dem errechneten Termin hatte ich dann nachts ganz extreme Wehen, Durchfall und musste mich erbrechen. Ich rief im Krankenhaus an und die meinten, ich müsse selbst entscheiden, da ich vor lauter Krämpfen nicht mehr sagen konnte, was Wehen waren und was nicht, ob ich schon ins Krankenhaus kommen wolle, aber es würde sich so anhören, als ob ich langsam unter die Geburt kommen würde. Ich habe erst mal geweint, weil ich die Nacht gar nicht geschlafen hatte und durch den extremen Flüssigkeitsverlust fix und fertig war. Ich dachte nur: „Und wer soll jetzt noch die Geburt durchstehen und dieses Kind auf die Welt bringen?“.
Ich entschied mich dann dafür ins Krankenhaus zu fahren und saß mit einer Kotztüte neben meinem Mann im Auto.
Im Krankenhaus wurde ich untersucht, auf dem CTG waren kaum Wehen zu sehen. Relativ schnell stand fest, dass ich mir einen Magen-Darm-Infekt zugezogen hatte (später stellte sich raus, dass ich den vom Geburtstag meines Patenkindes hatte), der sich anregend auf die Wehen ausgewirkt hatte. Sie behielten mich 2,5 Tage im Krankenhaus, ich bekam insgesamt 6 Infusionen (nachdem sie es geschafft hatten, mir eine Kanüle zu legen, da ich ja komplett dehydriert und gelb war) und lag in einem Einzelzimmer, damit ich die anderen Schwangeren nicht ansteckte.

Nachdem ich zu Hause war, brauchte ich noch eine knappe Woche, um mich wieder vollständig zu erholen, dann ging es mir wieder ziemlich gut, ich war viel unterwegs, hatte aber immer regelmäßig nachts Wehen. Der errechnete Termin verstrich.

Am 01.09. hatte ich dann wieder Termin beim Frauenarzt (mittlerweile ja jeden 2. Tag). Beim CTG waren auf einmal die Herztöne meines Kleinen unregelmäßig, mein Mann musste kommen und wir fuhren ins Krankenhaus. Da war das CTG unauffällig. Wir wurden für den nächsten Tag bestellt, um darüber zu sprechen, wann wir mit einer Einleitung beginnen sollten. Wir entschieden uns, am Do, den 04.09. zu beginnen.

Am 04. 09. brachten mich mein Opa und meine Mama ins Krankenhaus, da klar war, dass eine Einleitung oft länger dauert und wir keinen Urlaubstag meines Mannes vergeuden wollten.
Da sich bei mir der Muttermund nicht weiter öffnete und schon seit mehreren Tagen bei 2-Finger-Breit war, wurde entschieden mit einem Gel einzuleiten. Das bekam ich in einfacher Dosierung gegen 11°°. Danach musste ich 1,5 Stunden zur Kontrolle ans CTG, alles war in Ordnung.
Nachmittags kam mein Mann und lenkte mich ab, ich hatte regelmäßige Wehen, aber nicht viel schlimmer als sonst. Am Muttermund war keine Veränderung zu erkennen.
Gegen 17°° bekam ich dann eine doppelte Dosis des Gels. Die Wehen wurden stärker. Wieder kam ich zur Kontrolle ans CTG. Auf einmal waren die Herztöne wieder unregelmäßig und das über einen längeren Zeitraum. Ich bemerkte, dass die Hebammen und Schwestern unruhig wurden. Als die Herztöne nicht besser wurden, musste ich in den 4-Füßler-Stand und bekam Wehenhemmer und Infusionen. Mehrere Personen sprangen um mich rum. Sie versuchten, Anthonys Köpfchen von unten wieder weiter zurückzuschieben, damit der Druck weniger und die Herztöne wieder besser werden konnten. Ich hatte panische Angst und außerdem Schmerzen von dem in mir Rumgestoße. Nach einigen mir endlos vorkommenden Minuten wurden die Herztöne dann wieder normal. Ich musste an diesem Abend aber noch mehrmals sehr lange ans Kontroll-CTG.

Leider hatte ich auch insgesamt Pech, denn ich hatte eine Zimmernachbarin, die so laut schnarchte, dass während der Nacht eine Krankenschwester in unser Zimmer kam, um zu sehen, was bei uns los war. Da ich immer noch sehr aufgekratzt war, Schmerzen von dem Rumgestoße und starke Wehen hatte und das Schnarchen trotz Ohrstöpseln unerträglich war, schlief ich die ganze Nacht nicht.

Am nächsten Tag bekam ich kein Gel mehr. Auf dem CTG waren die Herztöne in Ordnung. Ich hatte stärkere Wehen (so stark, dass ich richtig Schnaufen musste), aber am Muttermund tat sich nichts, er war bei ca. 2 cm.
Gegen 13°° schickte ich meinen Mann zum Ausruhen nach Hause. Ich sagte ihm, dass er vor 17°° nicht wiederkommen müsse, da es sowieso nicht vorangehe. Ich hatte weiter ziemlich starke Wehen, an die ich aber mittlerweile schon gewöhnt war und versuchte, die Zeit totzuschlagen. Ich hatte Durchfall und musste immer wieder mal erbrechen.
Als ich gegen 15°° wieder untersucht wurde, war mein Muttermund auf einmal 7 cm offen und mir wurde geraten, meinen Mann anzurufen. Der hatte gerade was eingekauft und war daheim angekommen. Ich sagte zu ihm: „Bitte komm wieder, angeblich ist mein Muttermund bei 7 cm“.
Bis er da war wurden die Wehen immer stärker, so dass ich das ganze Krankenhaus zusammenschrie. Ich forderte mir eine PDA, weil ich nicht mehr konnte: kein Schlaf, die vielen Sorgen, das viele Brechen und der Durchfall... Die Hebamme sagte mir, dass es eigentlich zu schade sei, jetzt noch eine PDA zu legen. Da ich schon häufig gehört hatte, dass das Legen einer PDA so lange hinausgezögert wird, bis es nicht mehr geht, betonte ich mehrmals nachdrücklich, dass ich auf jeden Fall eine wolle, weil ich nicht mehr könne. Als mein Mann kam, hörte er mich schon von Weitem schreien. Ich glaube, meine Nachfragen nach meiner PDA (mir wurde gesagt, der Anästhesist lege gerade noch eine bei einer anderen Frau), waren nicht immer höflich ;-), ich hatte aber zeitweise auch totale Probleme noch richtig zu atmen und nicht anzufangen zu hyperventilieren vor Schmerzen.
Dann kam der Anästhesist endlich, stellte noch ein paar Fragen und jetzt ging es relativ schnell. Die Betäubung merkte man kaum und das Legen war absolut harmlos, außer, dass ich immer genau aufpassen musste, wann eine Wehe kam, damit er eine Pause machen konnte. Nachdem die Wirkung dann nach ca. 15 Minuten langsam eintrat, konnte ich mich wieder etwas entspannen. „Die Frau kann ja sogar lächeln“, sagte der Anästhesist. Und ja, ich konnte mich auch wieder unterhalten.
Die PDA war so gut gelegt, dass ich die Wehen noch merkte und ankündigen konnte, sie aber nicht mehr so extrem schmerzhaft waren. Leider wurden die Herztöne von Antony wieder schlechter. Um die Geburt zu beschleunigen, bekam ich wehenfördernde Mittel gespritzt. Mehrere Ärzte, Hebammen und Schwestern standen um mich rum, so dass mein Mann teilweise kaum an mich rankam, zwischendrin half er mir aber sehr beim Pressen und ich drückte seine Hände und Arme. Wegen der immer noch schlechten Herztöne wurde überlegt, was jetzt weiter geschehen solle, auch ein Kaiserschnitt stand zur Debatte. Herr Dr. Kern entschied Anthony erst mal Blut am Köpfchen abzunehmen. Das Ergebnis war, dass auch diese Werte schlecht waren. Er entschied sich zum Einsatz der Kiwi-Saugglocke (ein handbetriebenes Modell) und für einen Dammschnitt, da jetzt wirklich alles ganz schnell gehen musste. Wenn eine Wehe kam und ich sie ankündigte, pressten und zerrten alle an mir herum, eine Schwester ließ sich immer regelrecht auf meinen Bauch fallen, um zu schieben. Mein Mann sah zu diesem Zeitpunkt schon Anthonys Köpfchen.
Dann ging mit einer letzten Wehe auf einmal alles ganz schnell und Anthony wurde mir kurz auf den Bauch geworfen, danach aber ganz schnell wieder weggenommen, um die Werte zu überprüfen, der APGAR-Test ergab die Werte 6, 8, 9. Anfangs hatte Anthony kaum Farbe.
Ich konnte mich gar nicht freuen, da ich nur versuchte, alles, was die Ärzte sagten, aufzuschnappen.
Zum Glück war aber alles in Ordnung und ich bekam Anthony auf den Bauch gelegt. Besonders auffallend war, dass er nach Aussage des Klinikpersonals eine extrem dicke Nabelschnur hatte.
Die Nachgeburt kam sehr schnell und meine Plazenta war schon sehr verkalkt, weshalb ich gefragt wurde, ob ich während der SS geraucht hatte (ich bin absoluter Nichtraucher).
Danach musste ich noch genäht werden, was an manchen Stellen doch schon wieder ziepte, insgesamt aber harmlos war.
Endlich hatten mein Mann, Anthony und ich Zeit für uns und wurden ca. 2,5 Stunden allein gelassen. Jetzt konnte ich mich endlich freuen!!!
Anthony war bei seiner Geburt am 05.09., um 17:31, 51 cm groß und 3620 g schwer, sein Kopfumfang betrug 37 cm.

Leider hatte ich weiterhin noch etwas Pech, denn die Schwestern auf der Wochenbettstation hatten mir extra ein anderes Zimmer besogt, nur leider schrie das Baby der dort liegenden Frau die folgenden beiden Nächte fast nur, weil es ihm nicht gut ging. Die 1. Nacht war Anthony noch so müde von der Geburt, dass er trotzdem schlief. Nach der 2. Nacht entschied ich mich, mit Anthony nach Hause zu gehen, nachdem auch er die Hälfte der Nacht geschrieen hatte, weil er nicht schlafen konnte.

Insgesamt waren alle Ärzte, Hebammen und Schwestern superlieb zu uns und zum Teil auch traurig, dass wir schon heimgingen.



Beitrag von nane29 22.09.08 - 19:12 Uhr

Ein toller, spannender Bericht! Ich gratuliere zu deinem kleinen Kämpfer #fest

LG Jana + Lena *18.05.06 + #stern + #ei (12. SSW)

Beitrag von hochheim 22.09.08 - 19:20 Uhr

Vielen Dank, bin auch total happy, dir alles Gute für dieSS!