Gewalt in der Beziehung - Schweigepflicht?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von estutsoweh 22.09.08 - 13:28 Uhr

Hallo,

vor zwei Tagen hat mich mein Partner und Vater meines Kindes im Streit so sehr am Oberschenkel getreten, dass ich erst gar nicht mehr auftreten konnte. Heute ist die Stelle blau und geschwollen und tut immernoch sehr weh, so dass ich nur humpeln kann.
Nun meine Frage: wenn ich jetzt zum Arzt gehe und die Wahrheit erzähle, muss der Arzt das für sich behalten oder könnte er den Vorfall bei der Polizei melden?

Beitrag von batzi71 22.09.08 - 13:30 Uhr

Willst Du abwarten, bis er Dich fast zu tode prügelt?????
Der Arzt hat Schweigepflicht, aber Du nicht!!!!

Beitrag von shalyda 22.09.08 - 13:54 Uhr

Hallo,

Natürlich hat ein Arzt Schweigepflicht.

Hast du vor, Dich und Dein Kind den Gewaltausbrüchen Deines Mannes länger ausgesetzt zu sein?

Falls ja - schade, denn Du hast nicht nur für Dich sondern auch für DEIN KIND eine Verantwortung - denk' mal drüber nach!

Shalyda

Beitrag von echtjetzt 22.09.08 - 14:29 Uhr

wow, das ist echt doppelt heftig..

zum einen, dass er dich körperlich so verletzt, zum anderen, dass du es geheim halten willst :o

tu deinem kind einen gefallen und verlass ihn..

Beitrag von doctor-avalanche. 22.09.08 - 14:52 Uhr

Ist es das erste Mal oder ist sowas schon häufiger passiert? Hat er Dich absichtlich bzw. gezielt getreten oder aus Versehen getroffen? Ist er auch sonst aufbrausend und neigt zu Gewalt? Ist er dem Kind gegenüber schon so aufgetreten?

Wenn es ein Ausrutscher war, würde ich von einer Anzeige absehen. Du kennst ihn am besten und weisst möglicherweise, was da "noch zu erwarten ist"......

Aus Deinem 5-Zeiler kann man das nicht herauslesen, daher finde ich so manche Ratschlage hier auch leicht überzogen......

Beitrag von echtjetzt 22.09.08 - 15:05 Uhr

najo, mir würde halt jetzt spontan keine situation einfallen, in der ich meine partnerin im streit ausversehen so stark gegen den schenkel treten könnte, dass sie nicht mehr auftreten kann..

gehe deshalb mal schwer von absicht aus.

sollte es doch irgendwie versehentlich passiert sein, wird die frau threaderstellerin wohl ohnehin nicht auf unsere ratschläge hören..

Beitrag von estutsoweh 22.09.08 - 15:19 Uhr

Nein, es ist leider schon mehrere Male vorgekommen und war mit voller Absicht. Aus einem Streit heraus, er fühlte sich von meinem Lächeln (war eher um meine Unsicherheit zu überspielen - er fasste es als ausllachen auf) so provoziert, dass er zwei Schritte auf mich zustürmte und zutrat.
Nein, unserem Sohn gegenüber ist er nie so aufgetreten, sonst wäre ich natürlich schon (samt Kind) gegangen.

Beitrag von borstie2000 22.09.08 - 16:17 Uhr

Hallo !

Sowas geht einfach nicht..... da gibt es keine Entschuldigung mehr. Ich garantier Dir, daß das nicht besser wird. Im Gegenteil, er fühlt wahrscheinlich keinerlei Reue, oder ?
Er fühlt sich in dem Recht bestätigt, daß er Dich körperlich derart misshandeln darf !

Ich geb Dir einen Rat: geh zum Arzt und vertraue Dich ihm an, lass Dir mit einem Attest bestätigen daß Du körperlich misshandelt worden bist und heb es irgendwo auf. Solltest Du nämlich doch irgendwann Deinen ganzen Mut fassen und nach weiteren noch schwereren Übergriffen dieses Kerls zur Polizei gehen, dann hast Du chronolgisch stichfeste Beweise gegen ihn, und Du wirst ( Deinem Kind zuliebe ) keine Probleme mit Sorgerecht, Unterhalt usw. haben.

Sammel alles, was er Dir wann, Wo und Warum angetan hat...so leid es mir tut, aber nur das kann Dir irgendwann helfen, wenn Du es schaffst Deine Lebensqualität zurückzubekommen....und die bekommst Du nur, wenn Du ihn verlässt.

Alles Liebe und viel Glück#klee

Borstie

Beitrag von angelaangela 22.09.08 - 14:56 Uhr

Willst du wirklich DAS wissen oder eher, was du nun tun sollst? Auch wenn es ein Ausrutscher war, du darfst das nicht auf sich beruhen lassen und einfach nur hoffen, dass es nicht mehr geschieht. Das wird schief gehen. Polizei oder Paartherapie, das wär die Alternative, die ich ihm zur Wahl stellen würde. Auch wenn ich weiß, dass allgemein meist zu Polizei geraten wird, ohne jeden Kompromiss.

Beitrag von estutsoweh 22.09.08 - 15:14 Uhr

Also, erst mal vielen Dank für die Antworten.
Ja, ich bin im Moment ziemlich ratlos. Trotzdem glaube ich, dass zur Polizei zu gehen niemandem hilft.
Leider war das nicht das erste Mal, doch das schlimmste.
Ich bin mir zu 100% sicher, dass er unserem Sohn gegenüber nie gewalttätig sein wird. Schon allein die Vermutung wäre für mich ein absoluter Trennungsgrund.
Vater und Sohn lieben sich über alles. Trotzdem sieht mein Freund nicht ein, dass er langfristig auch unserem Kind mit seinem Verhalten schadet.
Warum ich nicht gehe? Trotz allem liebe ich ihn noch und hoffe, dass er sich ändert. Paartherapie habe ich ihm vorgeschlagen, da hat er nur gelacht.
Im übrigen verstehe ich die kritischen Kommentare, ich hätte früher sicher genauso reagiert.

Beitrag von echtjetzt 22.09.08 - 15:27 Uhr

"Trotz allem liebe ich ihn noch und hoffe, dass er sich ändert. Paartherapie habe ich ihm vorgeschlagen, da hat er nur gelacht."

lies das bitte nochmal genau durch..

vergiss die illusion, dass er sich ändert. für ihn scheint es doch bestens zu laufen.

ich kann schon verstehen, dass es nicht so einfach ist, sich zu trennen.

letztendlich musst du selbst beurteilen, ob du damit klar kommst, aber glaub nicht daran, dass sich von alleine was ändert.

wenn sich etwas ändern soll, gib ihm noch 1 (in worten: EINE) chance. sollte er noch ein mal körperlich tätig werden, bist du (bzw. er) weg.

dann kann er sich überlegen, wie wichtig ihm die beziehung ist.

du solltest das aber im falle des falles auch wirklich durchziehen, denn wenn nicht, hast du ihm bewiesen, dass er mit dir machen kann, was er will..

Beitrag von starshine 22.09.08 - 15:49 Uhr

Meine Liebe - ich lese Deine Worte und höre mich selbst vor ein paar Jahren. Eines weiss ich: er wird es immer wieder tun und es wird immer heftiger werden. Ja, ich weiss: ER nicht, ER ist die Ausnahme.... Als unser Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte) davon erfuhren waren auch alle geschockt, aber da hatte ich schon 2 Jahre lang mein Gehirn selbst gewaschen mit den gleichen Sprüchen, die Du gerade für Dich zurecht legst.

Wenn er körperliche Gewalt anwendet, dann gehört verbale Gewalt und Verachtung schon längst zu Eurem normalen Repertoire. Das geht an Eurem Kind nicht spurlos vorüber. Wenn Du Dich nicht wehrst wird Euer Sohn lernen, dass das völlig normal ist. Ausserdem wird er irgendwann vor Eurem Kind zutreten, schlagen oder sonstwas.

Lass es nicht soweit kommen. Wenn er nicht zur Therapie geht, dann geh alleine und lerne Dich zu wehren.

#stern

Beitrag von gh1954 22.09.08 - 15:58 Uhr

>>>Ich bin mir zu 100% sicher, dass er unserem Sohn gegenüber nie gewalttätig sein wird. <<<

Red dir das mal ein....

Es gab sicher eine Zeit, da warst du dir 100%ig sicher, dass er DICH niemals schlägt.

Hat nur dein Kind ein Recht auf körperliche Unversehrtheit?
Bist du nichts wert, dass du dich schlagen lassen musst?


Und komm nicht mit: Aber ich liebe ihn doch.... dann ist dir nicht zu helfen....

Beitrag von an-mi 23.09.08 - 12:27 Uhr

Das war nicht das erste Mal,doch das war das schlimmste......DAS WIRD NOCH SCHLIMMER UND EINES TAGES STEHST DU NICHT MEHR AUF.Nimm deinen Sohn und geh.Du willst das beste für deinen Sohn???Dann sie zu,das er in einem gewaltfreien Haushalt aufwachsen kann.Denn wenn er so groß wird,wird er entweder genauso wie sein Vater(Vorbildfunktion)oder er wird seel. Probleme haben,weil er weiß,das sein Vater ein Schläger ist und seine Mutter vermöbelt hat.

Beitrag von greystone 22.09.08 - 16:39 Uhr

Hallo Liebe,

Du bist durcheinander und es ist verständlich, dass Du Dich noch so an ihm klammerst - aber ist es wert???

Vergiß nicht: Du hast nur EIN Leben - verschwende es nicht so, warte nicht, bist Du im Rollstuhl sitzt - wie willst Du dann Dein Kind erziehen?

Hast Du Dir solche Familie für Dein Kind gewünscht?

Wie soll Dein Kind in der Zukunft sein Leben meistern? Wovon soll es sich ein Beispiel nehmen? Von der Hölle, die Du ihm zu verschonen versuchst?

Rede mit Deinen Eltern, Freunden - mach es öffentlich! Vielleicht werden Dir dann auch Augen geöffnet.

Ich drücke die Daumen.
lg
greystone

Beitrag von So nicht 22.09.08 - 17:55 Uhr

Er hat Dich so sehr getreten, dass Du nicht mehr richtig laufen kannst.
Du sagst, Du liebst ihn und willst ihm die Chance einräumen, seine Gewalttätigkeit in den Griff zu kriegen.

Wie soll er das denn tun? Wie stellst Du Dir vor, dass er es abstellt? Durch Gespräche mit Dir, da er ja mit Dritten nicht sprechen will?

Beitrag von nick71 22.09.08 - 18:45 Uhr

Der Arzt unterliegt definitiv der Schweigepflicht...aber es könnte sein, dass deine Krankenkasse die Behandlungskostenvon deinem Partner zurückfordert, wenn du dem Arzt sagst, dass er dich getreten hat. Wäre zumindest bei mir so...ich bin allerdings privat krankenversichert.

Als "Warnung" für deinen Partner solltest du beim Arzt auf jeden Fall wahrheitsgemäß angeben, wie du dir die Verletzung zugezogen hast...wenn du dich schon nicht dazu durchringen kannst, Strafanzeige zu erstatten (was er sich eigentlich verdient hätte).

Beitrag von smr 22.09.08 - 20:07 Uhr

Hallo!
Auch wenn es Dir unangenehm ist, würde ich mir attestieren lassen, woher die Verletzungen kommen.

Sollte es doch irgendwann mal zum Äußersten kommen, kannst Du immerhin belegen, daß Dein Partner gewaltätig gegen Dich war.
LG
Sandra

Beitrag von eigentlichzwecklos 22.09.08 - 21:35 Uhr

Hallo du ,

es ist immer wieder das gleiche, ob hier im Forum oder sonstwo.
Frauen werden geschlagen oder sonstiger Physischer und psychischer gewalt ausgesetzt und sie verteidigen immer wieder Ihre Männer...Er macht das nie mehr..Er würde das meinem Kind nicht antun..Er ändert sich..Ich liebe ihn...blablabla...

Mädchen wach auf und geh...In einer funtionierenden, von gegenseitigem Respekt geprögten Beziehung wird nicht getreten und geschlagen.Du wirst dich so dran gewöhnen, dass du irgendwann vergisst, dass es nicht normal ist und auch anders geht.

Man möchte so viele Frauen hier einfach nur durchschütteln ...aber man kann als ausstehender nichts machen, ich sprech aus Erfahrung.

Irgendwann kommt der Punkt, wo du sagts: genug ist genug. Anscheinend ist der Punkt bei dir nicht erreicht, es braucht noch ein paar Erniedrigungen und Schläge. Nun dann, ich hoffe, der Punkt kommt, bevor du nicht mehr für deinen Sohn sorgen kannst.

Ich habe noch niemals gehört, dass sich ein prügelnder Freund geändert hat.

ich hoffe, dein Arzt ist sensibel genug, glaub mir, er wird merken was los ist, du musst nicht lügen.

Trotzdem alles Gute, obwohl ich nicht denke, dass du deine Verstand, Deine Verantwortunmg für dein Kind, deinen Stolz ect. einsetzt und diesen Arsch verlässt.

es gibt viele zu viele von Frauen wie Du und es ist jedes Mal himmeltraurig und unbegreifbar

Beitrag von gh1954 22.09.08 - 23:35 Uhr

Du hast leider recht...

Beitrag von babytime1986 23.09.08 - 11:47 Uhr

Der Arzt darf nichts ohne deinen willen sagen.
Aber du solltest dir sowas nicht gefallen lassen.
In deutschland gibt es einrichtungen die dir helfen ein neues Leben anzufangen du musst Ihn auch nicht anzeigen wenn du das nicht willst.
aber sei nicht schwach und lass dich nicht so nieder wegen einem Mann.
Mein Mann hat mich noch nie geschlagen aber ich kenn das von meiner Mutter es ist nur durch ein versehen passiert und dann gings weiter und wurde immer schlimmer bis sie fast nur noch vor sich hin vergetiert hat du hast deinem kind gegenüber eine verantwortung.
SEI STARK FÜR DEIN KIND

Beitrag von leira29 23.09.08 - 14:17 Uhr

Hallo!

Ja, der Arzt muss sich an die Schweigepflicht halten.

Meine Frage: Warum möchtest Du zum Arzt?
Wie kann der Dir (wirklich) helfen?

In(fast) jedem Krankenhaus gibt es z.B. einen Sozialdienst. Ebenso oftmals in Caritas-/ Diakoniestellen.
"Gewalt gegen Frauen" z.B. ist ein Projekt, welches Dir bestimmt mehr Infos und Hilfe gibt.

Solltest Du wirklich mal nachdenken und Dir sicher sein, dass Du ohne den Typen besser dran bist, (egal welche blöden, verletzenden oder "achwietollen und süßen" Entschuldigungen und Ausflüchte von ihm kommen!) dann lass Dir helfen! ! !
Und bleibe dabei ( das ist oft das Schwerste...)

ansonsten kann ich nur sagen:
Versteh mich bitte nicht falsch, aber ein Schmerzmittel, hochlegen und ggf. kühlen , kannst du auch alleine.

Und wenn es nicht das erste Mal war, das Dein Freund zugehauen hat, dann weißt Du ja sicher, blaue Flecken gehen weg.
Aber wie berechenbar/ unberechenbar Dein Freund ist, ob er wirklich die Finger vom Kind (und von Dir) läßt..... kannst Du nicht(nie) wissen. Und, wer einmal zugeschlagen hat (so unkontrolliert), der macht es auch wieder!
Dafür solltest Du Dir zu schade sein, echt!