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Archiv des urbia-Forums Allein erziehend.

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von friendlyfire 23.09.08 - 10:59 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

ich brauche mal ein paar Meinungen, Tips, Erfahrungen.
Schnell ein Abriss der vergangenheit:
Ende 2007 Trennung, Kindsvater zieht weg, ans andere Ende von Deutschland. Seitdem regelmäßige Besuche seinerseits, einmal im Monat holt er sie tagsüber und unternimmt schöne Dinge mit ihr. Sie telefonieren jedes Wochenende (Fr, Sa, So).
Unsere Tochter ist jetzt im August 3 geworden.

Die trennung verlief nach aussen hin (?) völlig problemlos. Wir zogen zu meinen Eltern ins Haus (eigene abgeschlossene Wohnung). In eine Gegend, die unsere Tochter von geburt an kannte und sich nicht fremd fühlte. Sie war schon immer viel und gern bei meinen Eltern und hat es nicht als Bruch gesehen (zumindest kann man das an ihrem Verhalten nicht feststellen.)

Wenn sie mal (und das ist sehr selten) nach ihrem Papa fragt, dann antworte ich ihr: "Papa wohnt jetzt in xy, bei Omi (seine Eltern wohnen auch dort oben) und arbeitet. Wenn er frei hat, kommt er dich besuchen."

Dann ist das in Ordnung für sie und sie wechselt das Thema. Papa ist bei uns kein Tabuthema und wenn er anruft unterhalten auch wir Eltern uns normal, freundlich und auch mal so small talk. Ich schaue auch Fotos mit ihr an und erzähle ihr von unseren gemeinsamen 2 Jahren...

Einmal erst (und das war vor ner Woche) war sie traurig und meinte: Ich hab keinen Papa mehr.
Dann hab ich ihr erklärt, dass sie sehr wohl einen Papa hat und der auch bald wieder zu Besuch kommt. Dann wars wieder völlig ok.

Gestern rief mein Freund an und sie meinte: Hallo ...! Hallo Papa! Hallo Papa!

Blöde Situation. Als ich sie später fragte, warum sie ihn Papa genannt hat, meinte sie: Ich will, dass ... auch mein Papa ist, das finde ich schön. Ich will 2 Papas.

Irgendwie habe ich Angst, dass ich was falsch mache. Ich will sie nicht überfordern, und mein Freund und ich sind sehr vorsichtig um ihr nicht zu viel zu zu muten. Die beiden mögen sich sehr, haben viel Kontakt und sie freut sich immer wenn er uns besucht.

Meint ihr, wenn sie nicht von selbst kommt, dass ich das Thema Trennung etc immer wieder thematisieren soll?
Ich bin so unsicher und will nichts falsch machen. Ich hab manchmal Angst, dass sie durch die trennung und die Tatsache, dass ihr Papa so weit (und eigentlich spontan unerreichbar) weg ist, irgendwie einen Schaden (blödes Wort) kriegt. Immerhin ist das ein Eingriff in ihr leben, wo sie nichts für kann... Auch wenn wir versuchen es ihr so leicht wie möglich zu machen.
Auch der Kontakt zu seinen Eltern ist genauso (fast noch intensiver) als vor der trennung. Seine Mama steht mir auch mit Rat und Hilfe zur Seite, soweit das von der Entfernung geht. Die Schwester vom Papa kümmert sich auch ganz toll und ich bin so froh, dass sich von der Seite für unsere Tochter nichts geändert hat.
Das Leute weiter wegwohnen und zu Besuch kommen ist sie von klein auf gewöhnt.
Aber irgendwie macht sie so einen ausgeglichenen, glücklichen und ruhigen Eindruck und hat sich durch die Trennung kaum verändert. Man liest ja immer, dass Kinder so unterschiedlich mit Trauer umgehen. Kann es sein, dass sie das wirklich so gut wegsteckt, weil "fast" alles gleich blieb und wenig Unsicherheiten entstanden?

Oh, beruhigt mich doch einfach oder gebt ein paar Tips. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mich die Angst vor einem psychischen Problem bei der Kleinen auffrisst. Dass ich schuld bin, weil ich es nicht geschafft habe, eine Beziehung zu führen (btw mein Ex hat sich knall auf fall getrennt)... ich suche dann förmlich nach Auffälligkeiten... Wie krank!!!

Danke euch!

friendly

Beitrag von grundlosdiver 23.09.08 - 14:12 Uhr

Hey, mach dir mal nicht so viele Gedanken!
Ich kann Dich zwar sehr gut verstehen, mir würde es sicher genauso gehen, aber so wie Du das schilderst, hört es sich doch sehr gut an! #pro

Du hast mit dem KV ein gutes Verhältnis. Er und seine Familie kümmern sich. Ihr macht alles, was bei dieser Entfernung möglich ist! #pro

Es ist doch normal, dass Kinder nach dem Papa fragen und Du erklärst ihr das prima und dann ist wieder gut.
Sicher wird es mal schwere Tage geben - Mama und Papa sind nun mal nicht mehr zusammen und dass Kinder ihre Eltern am liebsten zusammen sehen und zusammen leben wollen würden, ist doch verständlich und es wird immer mal Tage geben, wo sie vielleicht mal traurig ist. Wer hat denn immer einen guten Tag?!- Das gehört doch zum Leben dazu.
Wenn sie mal Sehnsucht hat, kann sie sicher immer mit dem KV telefonieren oder er kommt mal früher vorbei als sonst?! Irgendwie lässt sich das doch bestimmt einrichten...

Und dass sie zu Deinem neuen Freund spontan Papa sagt, finde ich als "Außenstehende" nicht dramatisch, sondern es ist für mich eher ein Zeichen, dass ihr alles richtig macht. Sie mag Deinen Freund, sonst würde sie nicht Papa sagen!
Im Prinzip hat sie sogar recht. Sie hat quasi "2 Papas": Einen Erzeuger, der weit weg wohnt, sich aber trotzdem so gut es geht kümmert.
Und den Freund von Mama, der sich auch kümmert.
Sehe ich nicht als falsch an, sondern als Bereicherung für das Kind.

Eine andere Sache ist es, wie der KV das finden wird. #kratz Wenn er damit leben kann, dass seine Tochter "2 Papas" hat, dann ist doch alles in Ordnung!
Manchmal machen die Erwachsenen alles viel zu kompliziert. Dein Kind wächst in einer liebevollen Umgebung auf und wird von allen geliebt - das spürt Dein Kind!!!

Macht weiter wie bisher, für mich hört es sich völlig in Ordnung an!
#liebdrueck

Beitrag von sunshine7505 24.09.08 - 13:22 Uhr

Hallo,
dass die Eltern getrennt leben (oder zusammen und sich nicht verstehen) oder dass ein Elternteil weit weg wohnt (ist bei uns auch so) ist nicht optimal. Aber eben nicht zu ändern und es kommt darauf an was man aus der Situation macht. Im Leben deiner Tochter wird nicht immer alles perfekt laufen. Du tust was du kannst, und das ist OK. Ich denke, dass man sich in diesem Fall bald mehr Sorgen um dich machen muss als um deine Tochter. ;-) Du zermübst dich mit den Schuldgefühlen, und das macht dich am Ende kaputt. Ich würde dir raten, dir professionelle Unterstützung zu holen, denn ein derartiges schlechtes Gewissen ist fast pathologisch und hat sicher tiefere Ursachen. Dann kannst du wieder freier leben und bist glücklicher, und das überträgt sich auf dein Kind. Ich würde versuchen, mit der ganzen Situation etwas ungezwungener umzugehen.
Das mit den zwei Papas finde ich persönlich auch schwierig. Julia hat, weil ich wieder verheiratet bin, einen Stiefvater und einen leiblichen Vater, den sie regelmäßig sieht. Dazu kommt nun ein Halbbruder. Wir trennen da klar, Julia hat einen Papa (leiblicher Vater) und ihren Stiefvater nennt sie beim Vornamen.
Wir wollen das alle auch so beibehalten.
LG und alles Gute!
Katja mit ihren #sonnenscheinchen Julia (*25.04.05) und Sebastian (*10.06.08)