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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von wildcat75 23.09.08 - 17:19 Uhr

Hallo Zusammen,

ich habe in den letzten Tagen mehrfach gelesen, dass auch andere Probleme mit Ihren -frisch im Kiga - Kindern haben. Unsere Tochter geht seit 7 Wochen in den Kiga und ist seit dem unausstehlich. Wir hatten vorher schon starke Trotzphasen, aber was seit dem Kigastart hier abgeht ist kaum noch auszuhalten. Ich muss dazu sagen, dass wir auch noch ein 3 Monate altes Baby haben und das bestimmt auch nicht einfach für sie ist. Allerdings geht das Baby total unter und wird kaum beachtet im Moment.

Sie geht jeden Tag wieder gerne in den Kiga. (Gott sei Dank) Allerdings ist sie dort sehr still, sitzt fast nur am Maltisch, spricht kaum und beobachtet eher nur. Aber sobald ich sie im Auto habe geht es los... Sie ist einfach nur auf Krawall gebürstet. Ist frech, hört nicht, gibt überhaupt keine Antworten mehr, schlägt um sich, pfeffert z.B. Butterbrot durch die Küche... etc.

Klar wissen wir, dass sie sich dort erst mal eingewöhnen muss und ihren Platz finden muss. Aber so gewissen Verhaltensregeln müssen einfach immer noch bleiben. z.B. nicht zu schlagen...

Wir haben schon so viel versucht...
Viel Aufmerksamkeit, liebevolle Konsequenz aber nichts hilft. Im Gegenteil es wird mit jedem Tag schlimmer. Mein Mann und ich können mittlerweile auch kaum noch ruhig bleiben so genervt sind wir. Fast jeden Tag endet es nur noch in Geschrei und Machtkämpfe und mir ist sogar schon mal die Hand ihr gegenüber ausgerutscht. Obwohl ich total gegen Schläge bin...

Ich erkenne mein eigenes Kind nicht wieder und so langsam erschrecken mich auch meine Gefühle. Ich bin oft so wütend auf sie, dass ich sie einfach nur noch an die Wand pfeffern möchte. Ich merke auch das ich mich total von ihr distanziere. Ist das nicht schrecklich solche Gefühle gegenüber seinem eigenen Kind zu haben?

Ich bin am Ende mit meinen Nerven. Heute habe ich schon 3x heulend in der Ecke gesessen. Und eins ist klar SO kann es nicht weitergehen. Darum meine Frage an euch: Wo bekommen wir Rat und Hilfe in dieser Situation? Habt ihr noch Ratschläge für uns? Geht es euch ähnlich? Wie können wir unserer Tochter helfen im Kiga besser Fuß zu fassen, alles besser zu verkraften? (die Erzieher sind nicht wirklich eine Hilfe)

lg eine völlig verzweifelte Wildcat...

Beitrag von lisasimpson 23.09.08 - 17:57 Uhr

Hallo!

Eure Situation ist völlig normal- ist einfach gerade zu viel neues für die ganze familie und deine tochter läßt das raus, was du auch an wut in dir trägst..

Wenn du Hilfe suchst, wende dich an Erziehungsberatugesstellen in deiner Nähe- Adressen gibts übers Jugendamt (auch da kannste nach Hilfen fragen), über Caritas, Diakonie o.ä.

Wichtig ist, daß du versuchst, deine Ruhe wieder zu finden und deiner Tochter zugestehst, gerade nicht mi der Situation klar zu kommen. Es wird sich sicher alles einspielen, aber manchmal braucht das seien Zeit und manchmal auch ein bißchen Hilfe von Außen!
ich hoffe, du findest ein bißchen entlastung!

lisasimpson

Beitrag von vonnimama 23.09.08 - 17:58 Uhr

Hallo Wildcat,

erst einmal #liebdrueck, denn das brauchst du im Moment wahrscheinlich auch mal.

Unsere Situation war genauso und ist es phasenweise auch noch. Zwischen unseren Beiden liegen genau 3 Jahre Altersunterschied. Ich denke nicht, dass es bei uns am den Geschwisterchen liegt/lag. Unsere Kleine ist enorm willensstark. Bin auch schon auf offener Straße von wildfremden Menschen angesprochen worden, dass unsere Kleine es bei DEM Willen mal zu was bringen wird. Auch kein Trost. Zu den Zeiten lag sie meist schreiend und kreischend mitten in der Fußgängerzone, weil sie ihren Willen nicht bekam.

Wir haben es natürlich auch ab der Geburt ihres Brüderchens mit ganz viel Zuwendung etc. versucht, damit sie sich nicht zu kurz behandelt vorkommt. Ist auch nicht der Fall. Habe festgestellt, je netter und zuvorkommender man bei ihr ist, desto schlimmer wird sie. Unglaublich aber wahr. Mir ist leider auch schonmal die Hand ausgerutscht und ich hab ihr einen Klaps auf den Po gegeben (worauf ich wahrlich nicht stolz bin), aber sonst wär sie total abgedreht.

Seit ca. einem Jahr versuche ich es mit absoluter Konsequenz. Das hilft bei uns am besten. Wenn sie was nicht will, so wie ich es gerne möchte (was mehrmals am Tag passiert), versuche ich einfach konsequent zu bleiben. Beispiel: Wir waren die letzten beiden Wochen an der Ostsee und haben sehr viel unternommen: Radfahren, Schwimmen, Spielparadies etc. Alles Programm für sie. Der Kleine musste immer mitziehen (jetzt 16 Monate geworden). Sie hatte totale Ticks. Wollte keine Hose anziehen trotz Regen, nur ihr Kleidchen. Ihre Haare lagen nicht so, wie sie wollte (sie hat blonde Löckchen, möchte aber glatte schwarze Haare haben). Jeden Tag die gleichen Diskussionen. Habe mich schlussendlich gar nicht mehr drauf eingelassen. Diskutiere nie mit deinem Kleinkind, das bringt echt nichts. Wir haben dann unser Ding durchgezogen (sämtliche Ankündigungen von Konsequenzen prallten an ihr ab). Sie hat dann an zwei Tagen eine Stunde am Stück gekreischt wie eine Bekloppte (man, haben uns die Leute mitleidig angestarrt) ... dann war gut. Manchmal braucht sie so eine "Maßnahme" ;-) um wieder auf den Teppich zu kommen.

Sonst wäre der Urlaub für alle zur Hölle geworden.

Jetzt geht's wieder einigermaßen. Heute hab ich ihr auch schon einmal gesagt, ich diskutiere nicht mit ihr, sie hat ihre Hose anzuziehen. Sie hat es geschluckt. Bin gespannt, wie lange die Ruhe anhält.

Du siehst, auch anderen geht es genauso wie dir.

LG
Yvonne

Beitrag von ann75 23.09.08 - 20:34 Uhr

Hallo Wildcat,

ich kann dich gut verstehen, und ich finde es toll, wie du deine Probleme definierst und Hilfe suchst.
Ich finde, dein erster Ansprechpartner könnte die Erzieherin sein. Sie kann gemeinsam mit dir nach einer Lösung suchen und dir eventuell auch eine Beratungsstelle vermitteln. Ich finde deine Idee gut, allerdings sehe ich die Situation so, dass es schon noch im Rahmen des Normalen ist, was sich bei euch abspielt. Meine Tochter hatte auch grade ihre Eingewöhnung, als das zweite Kind kam... einfach eine ungute Potenzierung von Konfliktstoff und extrem hohe Anforderungen an ein kleines Kind. Noch dazu bist du in dieser Situation sehr labil und seelisch angespannter, als es "normal" wäre, wie man halt so drauf ist, wenn man ein kleines Baby zu versorgen hat.
Ich wünsche dir alles Gute, das renkt sich bestimmt wieder ein (bei uns hat die Eingewöhnung fast ein Jahr gedauert, also bis sie wieder ganz die "Alte" war und gerne hin ging, nur als Orientierung, nicht als Abschreckung)

Anne

Beitrag von nisifo 23.09.08 - 20:43 Uhr

;-)Also erst einmal finde ich es Schade dass die Erzieherinnen euch mit dem Problem "alleine" lassen. Ich kenne solche Situationen nur zu genügen. Klar ist es für alle eine völlig neue Situation und jeder muss damit erst einmal klar kommen. Da findet ein Ablösen vom Elternhaus statt auch wenn es nur für gewisser Zeit ist..aber sie muss von Euch abschied nehmen und ihr von der Kleinen. Und dass sie in der Gruppe da sitzt und nur Beobachtet ist auch normal. Sie muss ja erst einmal schauen wie die anderen so drauf sind und mit wem sie Fuß fassen kann.
Und wenn sie so den ganzen Vormittag sitzt, sich groß nicht bewegt ist sie einfach nur voll geladener Eindrücke. Die müssen irgendwo raus. Klar dass das im Auto bereits anfängt. Sie muss die Eindrücke verarbeiten. Außerdem wird sie sicherlich auch sehr erschöpft sein. Und dass da einiges an Gefühlen und EMotionen zum Ausdruck kommen ist auch klar. Sowohl bei der Kleinen als auch bei Dir. Wichtig ist dass man sie in deiser Situation ERNST nimmt. Ihr zuhört. Und wenn es nicht geht, weil das Baby gerade etwas aufmerksamkeit braucht , dann darf man das auch sagen. Z.b.: Hei, hör zu. Ich möchte dir gerne zuhören, aber das geht jetzt grad nicht weil das Baby Hunger hat. Aber wenn wir zu hause sind und der Kleine im Bettchen liegt, dann darfst du mir erzählen was du heute tolles erlebt hast. Vielleicht hilfst du mir beim zu Bett bringen dann geht es schneller.
Und wenn die Wut so groß wird, weil sie das jetzt gerade auch nicht will, dann muss man ihr auch sagen dass das Geschrei euch beiden nicht gut tut. Wichtig in der Trotzphase ist: Nicht bestrafen. Das würde sie sowiso nicht verstehen. Und vor allem keine Konsequenzen aussprechen die nicht sofort durchführbar sind. BEispiel: Die Kleine bekommt ihren Willen nicht durchgesetzt und schmeißt ihr Brot durch die Küche. Sie ist sehr wütend darüber fängt an zu weinen und zu schreien, wird aggressiv dir gegenüber......doch ehrlich gesagt weis die Kleine in dem Moment gar nicht was sie tut...imGegenteil...sie gibt ein Hilfeschrei von sich.... ("Mama, ich bin Wütend weil ich nicht weis mit dem "NEIN" umzugehen. Hilf mir das zu verstehen.") Wenn dann der Blutdruck steigt und du immer mehr auf das Kind einredest, um so mehr verschliest das Kind die Ohren. Es kann auch in der Situation des Trotzanfalles nichts mehr aufnehmen. Und wenn dann ein Satz kommt, wie z.B. Warte nur wenn Papa heute Abend nach Hause kommt, dann werd ich ihm das sagen was du hier getan hast...dann ist es nur schlimm. Dann kommt nämlich womöglich am Abend noch ne Standpauke vom Papa und das Kind weis überhaupt nicht mehr was los ist, weil schon alles vergessen ist. Also wenn eine Handlung kommt dann sofort. Allerdings ist das sehr schwer weil das Kind eben nicht mehr zuhören kann wenn es einmal angefangen hat zu tillen. Was helfen kann, ist dem Kind eine Auszeit im Zimmer zu geben wenn es so "Laut" ist. Wichtig dabei soll aber sein, dass das Kind jetzt nicht das Gefühl vermittelt bekommt dass es nicht willkommen ist. Begleitend mit dem Satz, "Kind" hör zu...mir ist es zu laut und zu wild. Du gehst jetzt in dein Zimmer und wenn du dich beruhigt hast, dann darfst du gerne wieder kommen. Und wenn das Kind dann wieder auf sie zu kommt, dann reden sie mit ihm noch einmal über die Situation, fragen sei nach warum es sich so geärgert hat und versuchen sie dann eine Lösung und eine Antwort zu finden.

Sorry dass es so lange wurde... ;-)

Beitrag von nickis78 23.09.08 - 22:32 Uhr

ProFamilia, Caritas, Kinderschutzbund - überall da wird meines Wissens Hilfe angeboten - einfach nachfragen!

Den ersten wichtigen Schritt hast du schon erkannt; dass etwas getan werden muss. Und keine Angst, ihr seid nicht die Einzigen, denen es so oder ähnlich ergeht.

Das neue Geschwisterkind, der Kindergarten, das ist alles neu für die Große! Und das muss erst mal verarbeitet werden.

Wir haben das auch durch. Mittlerweile ist die kleine 8,5 Monate alt. Was soll ich sagen? Es bessert sich, zusehend. Auch wir hatten solche Phasen, aber wir haben es gepackt. Langsam klappt es immer besser, so wie wir uns es vorgestellt haben.

Also, ihr schafft das auch! Drücke euch die Daumen!

LG Nicki

Beitrag von vonni1974 24.09.08 - 09:34 Uhr

Was nisifo geschrieben hat, ist schon ganz richtig. Da kann man nichts mehr zu schreiben.

Was aber bei meiner Tochter sehr geholfen hat, waren die abendlichen Gespräche über den Tag. Sie lag abends im Bett und ich habe mit ihr darüber gesprochen was sie an diesem Tag besonders gut gemacht hat (auch wenn es kleinigkeiten waren, Lob tut immer gut) und was mir nicht so gefallen hat, woran wir noch arbeiten müssen und haben Lösungen gesucht.

LG

Ivonne

Beitrag von steiermark 24.09.08 - 11:01 Uhr

Hallo!

Anfangs habe ich meine nach dem KiGa Fernschauen lassen.
Das hat sie entspannt. Gespielt, gebastelt, gemalt, geturnt, Englischkurs mitgemacht... hat sie ja schon im KiGa und die fordern schon viel von den Kleinen.

Als ich mit einer anderen Mutter meine Erfahrungen ausgetauscht habe, hat sie mir das Gleiche erzählt.

Ich tratsche halt öfters mit anderen Müttern in der gleichen Situation. Oft gibts da ganz praktische Tipps.

Mein Sohn nimmt den KiGa Anfang leichter, der hält aber dort schon Mittagsschläfchen.
Ganztags ging deshalb (schlafen im KiGa) auch leichter. Da bekommst du ein ausgeruhtes Kind heim.
Hätte ich das nur gewußt, als ich noch nicht arbeiten ging ;-)

lg karin

Beitrag von eisheilige 24.09.08 - 21:11 Uhr

Hallo Wildcat,

ich stecke in der gleichen Situation wie du! Großer Junge (wird nächste Woche drei) und kleiner Bruder (10 Wochen). Heute war der erste KiGa Tag!
Aber schon vor diesem Tag habe ich genau das erlebt, was du erlebst, ich habe auch schon über Erziehungsberatungsstellen nachgedacht.
Jetzt habe ich am Freitag aber erst mal die U7a und hoffe, dass mir die Kinderärztin weiterhelfen kann.

Ich hätte nie gedacht, dass aus meinem wohlerzogenen Jungen so ein Monster ("Das Baby soll weg! Mach das Baby weg! Das Baby soll frieren, das Baby ist böse, ich mag meinen Bruder nicht .... oder noch schlimmer: Mama, du nervst mich, geh weg!") werden kann.

Würde mich interessieren, wie es bei euch weiter geht.
Grüße Eisheilige