Alkohol/Drogensuchtige Partnern werden doch nie trocken oder?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von hoffnungselusion 25.09.08 - 11:56 Uhr

Ich habe meinen Mann vor 10 Jahren kennengelernt. Ich war 21, er 29. Wir haben in unsere freie Zeit nur gekifft und getrunken. Für mich haben diese "Drogenleben" sich erst geändert als ich mit 28 schwanger wurde. (Was für ein Glück!)

Seitdem ist mein Manns Alkoholmisbrauch für mich zum großen Problem geworden - bestimmt auch schlimmer geworden. Er behandelt mich schlecht und macht mich sehr unglücklich wenn er trinkt. Wenn er kifft nicht so sehr.

Ich arbeite schon länger mit einer Therapeutin an mich, damit ich lerne endlich loslassen zu können und es nicht mehr mit mir machen zu lassen.

Vor eine Woche habe ich mein Mann gefragt, 2 Monate lang gar keine Alkohol/ Drogen zu nehmen. Nach 1,5 Tagen ist er sehr aggresiv geworden und hat sehr schlimme, teuere Mist gebaut. Zum ersten Mal bin ich bereit, ihm zu verlassen, obwohl ich es mir nicht wünsche. Ich stellte ihm zum ersten mal vor der Wahl - entweder Alkohol (und drogen) oder ich. Er meinte, er macht eine Therapie, er bekommt ein Leben im Griff, er wird um seine Familie kämpfen und für sich selbst auch das Leben dadurch erleichtern.

Für mich ist es so wichtig, dass er es schafft trocken zu werden, dass ich an nichts anderes mehr denken kann. Ich habe solche Angst, dass er versagt, dass ich nachts Albträume darüber bekomme.

Ich habe schon sehr viel gehört von Familien mit Alkoholprobleme und kaum Erfolgsgeschichten gehört. Ich vermute, dass ich sehr viel Energie mit meine Hoffnungen und Ängsten verschwinde und eigentlich gar nicht mehr warten soll.

Gibt es hier leute, deren Partner noch während der Partnerschaft erfolgreich trocken geworden ist? Kann jemand mir Hoffnung machen, dass es doch klappen könnte?

Beitrag von xx 25.09.08 - 12:03 Uhr

Mein SV hat es geschafft. Er ist der beste SV der Welt. Geschafft hat er es, weil ihm seine Familie wichtiger war als der Alkohol. Bei ihm waren allerdings keine Drogen im Spiel.

Ich drücke Dir die Daumen, dass dein Partner es schafft. Du machst das genau richtig, er muss wissen, dass er nur trocken auf Dich zählen kann und Du seine Abhängigkeit nicht länger unterstützt.

LG xx

Beitrag von Oje... 25.09.08 - 12:05 Uhr

Ich glaube ihm schon, daß das nicht nur so daher gesagt ist, sondern daß er schon bereit ist, sich helfen zu lassen.
Allerdings zweifle ich daran, daß er es schafft. Drogen sind sehr mächtig und die optimalen Voraussetzungen für Entzug/Therapie scheinen mir nicht unbedingt gegeben.

Dein Ultimatum kann ich nachvollziehen, aber meiner Meinung nach hätte der Wunsch von IHM aus kommen müssen, ohne Ultimatum, verstehst Du?

Dennoch möchte ich nichts ausschließen!
Bei mir war es wie bei Dir, ich habe ca. 13 Jahre gesoffen, wurde schwanger und habe aufgehört. Es gab einen Grund und einen WUNSCH, der von mir allein ausging.

Beitrag von stern76 25.09.08 - 12:32 Uhr

Respekt das du es geschafft hast aufzuhören....mach weiter so. Mann sagt, das nach einem Entzug das Leben schlimmer ist...weil jeden Tag ein Kampf ist kein Schluck zu trinken. Erst dannach fangen die Probleme an.

Ich habe einfach Hochachtung vor den Leuten, die es von alleine geschafft haben.

Beitrag von hoffnungselusion 25.09.08 - 18:37 Uhr

Hey, das ist schön, dass eine Schwangerschaft dich auch gerettet hat. Ich hatte überhaupt nicht den WUNSCH mit dem trinken aufzuhören, nur den Wunsch nach einem Kind. Ich hatte auch vor wieder zu trinken sobald das Kind da ist. Nun konnte ich nicht glauben wie schön ein nugteren Leben ist, daher fange ich doch nicht wieder an.

Ist das nicht das gleiche, wenn mein Mann sich WUNSCHT, seine Familie zu behalten? Ich hoffe doch! Wenn wir ihm verlassen, dann gehen wir auf einem anderen Kontinent (in meine Heimat).

Mit Drogen meine ich nur Gras - also er kifft und trinkt und mehr nicht. Ich weiß nicht ob ein Abhängigkeit an Gras soviel schlimmer ist als Alkohol...

Naja, du hast trotdem Recht, dass die optimale Umstände für eine Änderung nicht gegeben ist. Nachdem er diese schlimme Sachen gemacht hat konnte er mir nicht mal sagen warum. ICH musste ihm klar machen, dass es an seine Sucht liegt. Er klingt jetzt sehr motiviert, sein Leben im Griff zu bekommen, aber es ist schwerer als er denkt.

Beitrag von stern76 25.09.08 - 12:28 Uhr

Hallo,

mein Vater hat es geschafft und ist seit 12 Jahren trocken.

Aber nur wenn dein Freund es will, wird er es schaffen. Aber ich bin in der Meinung, das du da raus mußt und an diesem Leben ein Schlußstrich ziehst. Entweder er wird dabei wach oder nicht. Aber du hast Verantwortung für dein Kind. Du hast diese Chance bekommen und solltest es nutzen. Dein Kind bekommt es mit, das sein Vater komisch drauf ist. Egal, wie klein er ist aber er wird größer und irgendwann wird er dich dafür hassen. Hassen dafür, das du nicht den Mut hattest zu gehen und dir und ihm eine Chance gegeben hast. Auch wenn du trocken und keine Drogen nimmst. Das ist eine reife Leistung. Aber ich denke auch, das deine Therapeutin dir das gesagt hat. Das du immer wieder rückfällig werden kannst. Denn es muß nur was passieren, denkst nicht nach und du nimmst das Teufelszeug. Niemand hier und im Forum oder draußen in der Welt ist gefeilt auch abzustürzen.

Ich weiß nicht, was in paar Jahren ist...ob ich an der Flasche hänge. Verstehst du was ich damit meine? Du solltest dich jetzt schützen und dein Kind. Und wenn dein Partner mitzieht und sich helfen lassen will. Dann wird er sich melden...aber hoffen alleine, das macht dich kaputt. Du bist nicht verantwortlich für ihn, das ist er selbst...aber du hast eine Verantwortung gegenüber deines Kindes.

Und wenn Partner es geschafft haben und es dir Mut macht..das ist zwar schön hat aber nichts mit deinem Leben zu tun. Denn du hast jetzt ein Partner, der Drogen nimmt. Dir Zusprüch zu holen, ist ja super und regt dich zum nach denken an. Aber mehr nicht...wir hier können ihn nicht an die Hand nehmen. Und sagen...dudu lass das mal schön sein.

ER muß es WOLLEN!!!!

LG Anne

Beitrag von hidalgo 25.09.08 - 12:44 Uhr

hallo
ich war 12 jahre mit meinem ex-mann zusammen, davon 10 verheiratet, haben einen gemeinsamen sohn. dieser mann war meine ganz grosse liebe, ich hätte alles FÜR ihn getan. bis mir bewusst wurde, dass er ein massives drgen/bzw. alkohol-problem hatte, vergingen jahre! kiffen fand ich zwar nicht gut, konnte aber damit leben, denn er wurde davon nicht aggressiv oder so.
in kombination mit alk allerdings dann die hölle! er wurde immer verantwortungsloser, konnte nicht nicht einsehen, wie sehr der konsum unsere beziehung beeinträchtigte! ich habe gebettelt, gefleht, gedroht, ihn kurzzeitig verlassen...NICHTS half.
es wurde immer schlimmer...und jedesmal , wenn ich dachte; schlimmer gehts nicht mehr, setzte er noch einen drauf. könnte romane darüber schreiben...aber unterm strich kommt doch nur eines raus: entweder er sieht seine sucht ein und lässt sich professionell helfen....oder du gehst. es ist dein leben! und du hast nur eines!
lg und ich wünsche dir viel kraft und energie!

Beitrag von geschafft 25.09.08 - 18:01 Uhr

Hallo!

Ja mein Mann hat es geschafft. Er war seit seinem 18 Lebensjahr mehr oder weniger permanent aktiver Trinker (klingt das blöd)!

Ich habe ihn in einer kurzen Trockenphase kennen- und lieben gelernt. Kurz nach der Hochzeit kam der erste Rückfall, und so zog es sich über einige Jahre hin, mit Rückfällen, Entgiftungen und erneuten Rückfällen... Bis ich vor etwas über einem Jahr meinem Mann quasi die Pistole auf die Brust gesetzt habe und ihn vor die Wahl Alk oder ich gestellt habe. Er hat sich dann für eine stationäre Entwöhnungstherapie entschieden.

Seitdem ist er trocken und hält sich auch sehr gut... Allerdings weiss ich auch das es jederzeit einen Rückfall geben kann, aber auch das es kein Weltuntergang ist!!! Zumindest solange der Partner bereit ist weiterzukämpfen und sich nicht aufgibt...

Also wenn er bereit ist für die Therapie und nicht "nur" Dir zuliebe dahingeht dann KÖNNEN die Chancen auf eine dauerhafte und glückliche Abstinenz sehr gut sein!!!!

Wichtig ist das er NICHT gegen die Therapie angeht, und das Du Dir bewusst bist das es ein langer Prozess sein wird, der auch sehr schmerzhaft für beide sein kann!!!

Beitrag von heute-auch-schwarz 25.09.08 - 19:00 Uhr

Bin mit meinem Mann auch schon 10 Jahre zusammen und er hat früher schon sehr gerne getrunken. Dann hat er 2 Jahre lang absolut keinen Alkohol mehr angefasst. Irgendwann hat er dann ab und an mal wieder was mit getrunken, was ja auch nicht schlimm war. Ich weiß nicht, was der Auslöser war, aber plötzlich fing er auch heimlich an zu trinken. Überall fand ich leere Bierflaschen, er kam von der Arbeit betrunken nach Hause....usw.....
Es war ein verdammt langer und harter Weg, aber wir haben es geschafft. Wir haben 2 Kinder und er war auch im alkoholisiertem Zustand niemals aggressiv, ganz im Gegenteil, da ließ er plötzlich seinen Gefühlen freien Lauf, denn das fiel ihm immer so schwer. Lange Rede kurze Sinn. Natürlich hab ich ihn vor die Wahl gestellt und er hat begriffen, dass ich es ernst meine. Er hatte Angst uns zu verlieren, denn eigentlich waren wir wirklich ne kleine glückliche Familie. Er hat von heute auf morgen keinen Schluck Alk mehr getrunken. Natürlich bleibt ein Restrisiko, aber Vertrauen gehört auch hier dazu.

Liebe Grüße