Geburt schon 3 Monate her, aber immer noch wie Trauma...

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Forum: Geburt & Wochenbett

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Beitrag von cryingangel1 25.09.08 - 19:56 Uhr

obwohl ich fast eine Bilderbuchgeburt hatte. :-(

Hallo,

ich würde gern wissen, ob es noch jemandem so geht oder ob mir jemand Ratschläge geben kann.
Ich hatte alles in allem eine super Geburt. Aber ich war unter der geburt (und auch danach) so geschockt von der Intensität der Schmerzen, dass es sich für mich anfühlt wie ein Trauma. Was mich besonders traurig macht, ist, dass ich am Ende so von allem (ich will mal sagen) "überrumpelt" wurde. Der Mumu ging innerhalb von 20 min von 6 auf 10 cm auf und die Herztöne von meinem Kleinen waren ganz schlecht. Das habe ich aber gar nicht mitbekommen, weil ich so mit Wehen verkraften beschäftigt war. Es wurde noch ein Arzt geholt (ich habe im Geburtshaus entbunden), der in der Presswehe auf meinen Bauch gedrückt hat, nachdem die Hebi kurz zuvor einen Dammschnitt gemacht hatte. Und dann war der Kleine nach der 2. Presswehe schon da. Ich hab so geschrien, weil ich nicht mehr weiter wusste, dass ich es gar nicht mitbekommen habe, dass mein kleiner Schatz schon auf der Welt war. Als mir die Hebi ihn dann gezeigt hat, habe ich ihn auch sofort in die Arme geschlossen, aber ich war völlig durcheinander, konnte nicht verstehen, warum mein Baby nun da war. Überhaupt konnte ich es nicht verstehen, dass es MEIN Baby war, weil ich von der Geburt an sich gar nichts mehr mitbekommen habe. Ab einem gewissen Punkt, habe ich nur noch vor Schmerz geheult und gedacht, ich würde sterben und man würde mich sterben lassen. Sorry, wegen dieses Ausdrucks, aber ich dachte es wirklich so. Ich dachte auch, dass ich irgendwann darüber lachen würde, aber ich kann es absolut nicht.
Als der Kleine dann da war und ich eigentlich nur noch meine Ruhe wollte, wurde noch der Schnitt genäht - logisch. Aber ich war so am Ende mit den Nerven, dass ich mich am liebsten in einer ganz dunklen Ecke verkrochen hätte. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass dieser erste Moment mit meinem Schatz kein Zauber für mich war, ich stand einfach nur unter Schock.
Ich liebe meinen kleinen Niclas über alles und würde ihn nie mehr hergeben, aber ich hatte große Probleme dabei, ihn richtig anzunehmen. Auch, weil ich ihn am Anfang wegen der schmerzenden Dammnaht nicht versorgen konnte und das alles mein (großer ;-)) Schatz übernommen hat.
Ich liebe ihn mehr als alles andere, aber ich fühle mich so schlecht, weil ich SEINE Geburt als so traumatisch empfunden habe. Dabei sollte das doch der glücklichste Moment sein #heul
Der kleine Mann kann doch gar nichts dafür, dass ich ihn nicht freudestrahlend empfangen habe. #heul
Ich habe so ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber. :-(

Hat jemand etwas ähnliches erlebt und kann mir einen Ratschlag geben?

Wäre euch sehr dankbar!

Liebe Grüße,
Sandy + Niclas

Beitrag von kja1985 25.09.08 - 20:31 Uhr

Hallo Sandy,

ich habe es ähnlich erlebt. Die Brutalität der Wehen und die Situation des Ausgeliefertseins haben mich völlig geschockt. Ich habe lange gebraucht mein erstes Geburtserlebnis zu verdauen. Ich hab die ersten Tage nach der Geburt meiner Tochter so viel geweint, weil ich mich unfähig fühlte, mich geschämt habe, verunsichert war.

Bei der zweiten Geburt hab ich mich dann nicht mehr fremdsteuern lassen. Ich wusste welche Schmerzen auf mich zukommen und hab mich innerlich darauf vorbereitet. Ausserdem hab ich mir nichts sagen lassen. Ich hab genau gemacht was ich wollte und wann ich wollte. Das war gut so. Die zweite Geburt war viel viel schöner.

Alles Gute.

Beitrag von teufelinchen72 25.09.08 - 20:54 Uhr

Liebe Sandy,

zermartere Dir bitte nicht das Hirn - mir ging es während der Geburt meines ersten Kindes ähnlich.
Und ich persönlich finde, es sollte im GVK tatsächlich gesagt werden: Es kommt der Punkt wo Ihr denkt, ihr sterbt! Denn an den Punkt bin ich auch gekommen.
Ich habe nachher auch nur geschrieen, Herztöne waren plötzlich auch weg (er hat dann eine Kopfsonde gelegt bekommen), ich später Sauerstoff - ich glaub ich stand kurz vor dem Hyperventilieren.
Wäre mein Mann nicht gewesen - ich hätte von den Anweisungen der Hebamme NULL mitbekommen.
Hatte dann auch einen Dammriss 3. Grades (KU war 37cm und er kam nur so herausgeschossen).
Ich war zwar gleich verliebt in meinen Sohn, aber ich konnte es auch nicht glauben, dass das nun MEINES war.
Auch gehörte ich nicht zu den Frauen, die alle Schmerzen sofort vergessen, dafür habe ich gut 8 Monate gebraucht.

ABER: dennoch hatte ich keine Bedenken wegen einer neuen SS und die 2. Geburt verlief viiiiel besser als die erste (auch wenn sie viel schneller ging) dennn NUN wusste ich, was auf mich zukommt und ich wusste, dass ich das schaffen werde (ohne PDA oder sonstige Mittelchen).

Tja, und nun bin ich in der 26.SSW und bin vor der 3. Geburt aufgeregter, wie vor den ersten beiden zusammen.

Du warst fix und alle nach der Geburt und brauchst Dir keine Vorwürfe zu machen, dass Du nicht gleich die Sektkorken hast knallen lassen - mit der Zeit wird diese Geburt trotzdem zu Deinen glücklichsten Momenten gehören - trotz der momentan noch traumatischen Erinnerungen. Diese werden bleiben, aber an Dramatik verlieren.

Du liebst Dein Kind und das zählt. Deine Maus kann sich später eh nicht daran erinnern, ob Du "freudestrahlend" warst, oder nicht.

Und nochwas: Die Geburt an sich gehört bestimmt in den eher seltenen Fällen zu den glücklichsten Momenten - es ist wohl eher der Moment, wo das Kind da ist, der Schmerz weg ist und man das Kind in den Armen halten darf.

Ganz liebe Grüße,
Wiebke

Beitrag von bine3002 25.09.08 - 23:14 Uhr

Hast Du mit deiner Hebamme mal über das Geburtserlebnis gesprochen? Oder mit einem anderen Menschen? Freunden, Familie? Wenn nicht, dann tu das und zwar so oft wie möglich. Das tut sehr gut. Wenn Du die Möglichkeit nicht hast, würde dir vielleicht eine psychologische Betreuung gut tun und das Wissen, dass deine Gedanken ganz normal sind. Übrigens auch die Tatsache, dass Du dein Baby am Anfang nicht richtig annehmen konntest und überwältigt warst. Du brauchst deswegen absolut kein schlechtes Gewissen zu haben. Die Natur hat das sogar so vorgesehen und dafür gesorgt, dass Babys erst ab ca. dem 3. Monat Urvertrauen zu ihrer Mama aufbauen. Bis dahin sind sie quasi ungebunden. Der Grund ist einfach der, dass sehr viele Mütter so lange brauchen, um sich mit ihrer neuen Rolle zu identifizieren. Ich auch, obwohl die Geburt meiner Tochter vergleichsweise lässig war. Bis etwa 3 Monate danach habe ich mich nicht wirklich wie eine Mama gefühlt. Vo da an ging es dann langsam.

Beitrag von cecarazna 25.09.08 - 23:15 Uhr

Die Geburt meines Sohnes war vor ca 16 monaten und ich habs immer noch nicht verdaut
den es ging über 30 stunden.........
ich muss dazu aber sagen das ich in einem sch..ss Kh war.#
den mein muttermund öffnete sich nie mehr als 2 cm
dan bekam ich noch für 10 minuten eine pda die eigentlich für nichts war.dan hatten sie eingeleitet und die schmerzen waren so schlimm der ganze körper tat weh.
danach war ich ca 10 minuten weg nicht bewusstlos aber ich kan mich an nichts mehr erinnern ausser der sauerstoffmaske
ich denke wenn ich nicht so ein sch..ss kh und sche..ss Ärzte gehabt hätte wäre die geburt für mich schöner gewesen

ich habe das immer noch nicht verdaut und werde es warscheinlich auch nie.den durch dieses erlebnis möchte ich kein baby mehr im moment aber mal schauen wie ich mich in 2 -3 jahren fühle
lg

Beitrag von meggie39 26.09.08 - 13:34 Uhr

Hallo Sandy,

mir ging das bei der ersten Geburt ganz ähnlich wie dir. Ich hatte das Gefühl, komplett die Kontrolle verloren zu haben vor lauter Schmerz und wollte einfach nicht mehr. Meine Kleine hatte am Schluss auch schlechte Herztöne und kam (glücklicherweise) so schnell raus, dass ich völlig überrumpelt war. Leider war die Hebamme auch nicht allzu hilfreich, sondern hat nur mit mir geschimpft, was im Nachhinein meine Schuldgefühle noch verstärkt hat.

Ich habe ca. 5 Monate gebraucht, um einigermaßen darüber hinwegzukommen, und bin dann wieder schwanger geworden. Die zweite Geburt lief ganz anders - obwohl die Schmerzen auch sehr stark waren, hatte ich nicht dieses Gefühl des Kontrollverlusts, weil ich alles schon kannte und daran glaubte, dass ich es schaffen würde.

Allerdings habe ich dann ein paar Monate nach der zweiten Geburt plötzlich Panikattacken und Ängste vor Krankheiten entwickelt und bin deswegen in Therapie gegangen. Habe in der Therapie festgestellt, dass Angst vor Kontrollverlust und Schuldgefühle deswegen schon in meiner Kindheit angelegt waren und durch ein späteres Trauma (Unfall) noch verstärkt wurden. Ich denke, es hatte auch damit zu tun, dass ich die erste Geburt als so schlimm erlebt habe.

Ich würde dir raten, erstmal noch ein bisschen abzuwarten - drei Monate sind keine Zeit, da steckt man auch noch mitten im Hormonchaos. Viel drüber reden, wie hier schon geraten wurde, ist sicher auch gut. Ansonsten wäre - wenn es so bleibt oder du dich jetzt schon furchtbar schlecht fühlst - therapeutische Hilfe wirklich eine gute Wahl. Vielleicht kann dir deine FÄ ja einen Therapeuten empfehlen, der auf Geburtstraumata spezialisiert ist oder sowas in der Art.

Versuch jedenfalls, deine Schuldgefühle loszuwerden. Du hast Großes geleistet und ein Kind zur Welt gebracht. Du wirst noch Größeres leisten und deinem Kind über viele Jahre hinweg eine gute Mutter sein. Das ist das Wichtigste. Dein Kleiner hat nichts davon, wenn seine Mama sich schuldig fühlt wegen Gefühlen, von denen er selbst noch gar nichts mitbekommen hat.

Alles Gute!
Meggie mit Paula (24 Monate) und Charlotte (11 Monate)

Beitrag von heimbine 30.09.08 - 08:41 Uhr

Hallo Sandy,

ja mir ging es bei der dritten Geburt genauso.Ich dachte mein Kind und ich sterben.
Leider kam bei mir der Punkt wo ich es verarbeitet hatte nicht von alleine. Und so habe ich mich in eine Psycho- Therapie begeben,wo ich dieses Trauma verarbeiten konnte.
Nächste Woche wird die Kleine 4 Jahre und seid etwa einem Jahr geht es mir wieder gut.
Diese Geburt selbst werde ich wohl nie als schön empfinden,jedoch habe ich akzeptiert das ich nichts mehr ändern kann.
Solltest du das Gefühl haben alleine nicht damit fertig zu werden, kann ich dir nur raten dich einem Arzt oder der Hebamme anzuvertrauen.

Ganz liebe Grüße
Sabine

Beitrag von mamavon2 02.10.08 - 23:49 Uhr

hatte bei der geburt meiner großen ähnlich schlimme erlebnisse. sie kam erst beim zweiten mal setzen der tablette. brauchte letztlich 12 stunden, stand zeitweilig unter tramal (beruhigungsmittel) weil noch keine pda gesetzt werden konnte. es ging stundenlang in sachen muttermundöffnung null und nichts vorwärts. irgendwann dann doch. dann kam die pda. später eine stunde presswehen, nur damit sie letztlich per zange geholt wurde, weil sie feststeckte! der arzt mit der zange sie rauszerrend, während mir drei hebammen auf dem bauch rumdrückten, mir dabei ein handtuch übers gesicht warfen, damit ich nicht sah, was passierte. kaum draußen kam sie auch schon in die kinderklinik - verdacht auf verschlucktes fruchtwasser (dass leider, leider auch noch grün war). klinik 30 km vom entbindungskrankenhaus weg. letztlich lag sie zehn tage intensiv!!! meine kleine war nämlich völligst übertragen!!!

hör' bitte auf, ein schlechtes gewissen zu haben. dafür, dass es lief, wie es lief kannst du nichts. genieß es einfach, dass dein sohn jetzt da ist! habe mit der großen jede minute versucht doppelt zu genießen. geburt als glücklichster moment, damit machte ich mich auch lange, viel zu lange wahnsinnig. bin froh, dass sich mein sohn ungeplant ankündigte...

denn die erlebnisse bei der geburt der großen führten bei mir zur totalen panik vor geburt meines sohnes und ich drängte drauf an ET+2 eingeleitet zu werden. per gel klappte es an ET+4! den horror von der geburt der großen hatte ich erst mit der geburt meines sohnes überwunden! denn der kam ohne probleme für ihn und blessuren für mich innerhalb von sechs stunden nach beginn der einleitung auf die welt! ich genieße gerade die anfangszeit jetzt (bei der großen fehlen mir die ersten zehn tage) noch intensiver.

also, ratschlag kann ich dir zwar keinen geben, kann dir halt nur sagen: beim zweiten wird manches dann doch wesentlich besser! wie auch schon vorweg geschrieben: beim zweiten tust du viel eher das, wonach DIR ist. ich legte mich schon zur einleitung mit den hebis an, die gerade keine lust mehr auf einleitungen hatten (parallel zu mir liefen noch eine hand voll anderer durchs krankenhaus). drängte darauf, dass meinem willen und dem meiner frauenärztin stattgegeben wird. entbunden habe ich auch dort, wo ICH wollte. wechselte vom bett auf den hocker... und es wurde der allerschönste augenblick meines lebens! (wohlgemerkt diskutierte ich sogar unter horror-wehen noch mit der hebi über pda nachlegen und wehentropf bei den presswehen. die zweite geburt macht also echt selbstbestimmender!)