Franziskas Weg

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von jessi2205 26.09.08 - 17:45 Uhr

Gerade ist Olli und meine Schwiegereltern mit der kleinen spazieren so das ich endlich mal die Zeit und die Ruhe habe meine Gefühle, Gedanken und meinen Geburtsbericht
zu schreiben.....

Eigentlich sollte ich glücklich sein.
Eigentlich sollte ich nicht weinen.
Eigentlich sollte ich freudestrahlend durch die gegend laufen weil sich unser Wunder endlich erfüllt hat.
Eigentlich sollte ich nicht traurig sein.......

Aber ich bin traurig, traurig darüber das ich eine Geburt hinter mir habe die ich niemanden wünsche.
Ich bin traurig das ich nicht stillen kann.
Ich bin traurig das ich mein Kind in der ersten Woche nicht die Gefühle zeigen konnte wie eine Mutter es tun sollte.
Ich bin traurig und ich schäme mich dafür das ich gesagt habe ich kann dieses Kind nicht lieben.............

Aber ich merke auch das es täglich besser wird.....!

Angefangen hat alles als ich über ET ging, nein, angefangen hat alles als ich schwanger wurde....
Diese ständige Angst um mein Kind, ob alles in Ordnung ist, ob mein Kind gesund ist......
Sonntag der 14.9. ich war schon 5 Tage über ET hatte ich ein ganz ungutes Gefühl und wollte ins Krankenhaus.
Ich hatte den ganzen Tag über schon leichte aber regelmäßige Wehen, also sind wir noch auf unser Strassenfest und danach ins Krankenhaus.
Dort angekommen klingelten wir am Kreissaal.
Ich erzählte der Hebamme von meinen Ängsten und sie brachte mich leicht generft ins CTG Zimmer und es wurde CTG geschrieben.
Nach ca. 20 Minuten gings rund. Ich bekam eine Wehe die nicht mehr aufhören wollte 2,3,5 Minuten, ich weiß es nicht mehr, ich schaute aufs CTG und sah die Herztöne meiner Maus bei 70.
Keine zehn Sekunden später kam die Hebamme rein und meinte drehen sie sich bitte auch die andere Seite, sofort.....
und auch in dem Moment kam schon der Arzt rein und meinte: "Ich möchte sie jetzt untersuchen das CTG ist nicht in Ordnung, wie groß und schwer wird das Kind denn geschätzt???"
Ich meinte: "Keine Ahnung den letzten Ultraschall hatte ich in der 34 SSW"
Also wurde erst mal ein Ultraschall gemacht. Die kleine wurde auf 3900 + - 300 gramm geschätzt, Muttermund zu.
Danach musste ich wieder ans CTG aber keiner sagte mir was los ist und man lies mich wieder eine halbe Stunde liegen....
Nach einer Stunde kam der Arzt zu uns und meinte: "Sie haben jetzt zwei möglichkeiten. Entweder wir leiten morgen ein oder sie bekommen einen Kaiserschnitt, wenn wir einleiten besteht die Gefahr das die Schultern stecken bleiben oder die Herztöne wieder runtergehen und sie doch einen Kaiserschnitt brauchen, wenn wir einen Kaiserschnitt machen haben sie mit den üblichen Risiken zu rechnen, aber sie müssen sich JETZT entscheiden!"
Jetzt erkläre mir mal bitte einer wie man als überängstliche Mama damit umgehen soll?????????? Für mich ist eine Welt in dem Moment zusammengebrochen....
Ich entschied mich das man JETZT einleitet und nicht bis morgen wartet, also bekam ich das Wehengel um den Muttermund gelegt, danach eine Stunde CTG und dann Schlafen.
An Schlaf war natürlich überhaupt nicht zu denken, ich hatte nur Angst um mein Kind. So gegen 5 Uhr morgens setzten die ersten Wehen ein, alle 7 Minuten und gut auszuhalten.
Gegen 6 Uhr bin ich wohl für einen moment eingenickt und habe geträumt das mein Kind steckenbleibt, ich bin aufgewacht und hatte so eine Panik das ich nur noch einen Kaiserschnitt wollte.
Mittlerweile kamen die wehen alle 5 Minuten.
Um 8 Uhr bin ich wieder in den Kreissaal und sagte der Hebamme das ich einen Kaiserschnitt möchte da ich ein ganz ungutes Gefühl habe.
Sie meinte das es aber vor 16 Uhr nix wird weil noch zu viele vor mir dran sind.
Ich sagte ihr das ich aber mittlerweile alle 4 Minuten wehen habe, doch sie meinte da müsse ich jetzt durch.
Also bin ich völlig mit den Nerfen fertig wieder mit Olli zurück auf mein Zimmer und habe Wehen veratmet.
Bei jeder Wehe die kam dachte ich: "Bitte Muttermund bleib zu"
Ich habe vorher immer gesagt das ich nicht der Typ Frau bin der da laut rumstöhnt, aber irgendwann war mir das alles scheißegal und ich habe nur noch AAAAAAAS und OOOOOOOOOOHS von mir gegeben.
Um 14 Uhr war es dann soweit. Ich wurde endlich abgeholt. Jetzt fehlen mir auch einige Sachen.
Ich weiß noch das ich in einen Vorraum kam dort zwei Infusionen bekommen habe und fürchterlich gezittert habe und das Olli sich umgezogen hat und ich ihn nicht wieder erkannt habe ich dem sexy grünen Outfit *gg*
Die PDA hat nicht weh getan, die wehe dazwischen war viel schlimmer, und am schlimmsten war das bei dieser Wehe die Herztöne meiner Maus wieder auf 60 runtergegangen sind.
Ich hab nur noch geheult und gesagt: "Bitte, bitte beeilt euch"
Dann fehlt mir wieder ein ganzes Stück.
Ich weiß erst wieder das ein Arzt meinte "etzt ruckelt es noch mal kurz.................Was haben sie denn bestellt????"
Und Olli sagte: "Ein Mädchen"
Und da hörte ich meine Tochter auch schon schreien........
Man zeigte sie uns kurz und brachte sie dann weg...........Einfach weg................................und ich fühlte mich so allein......
Ich wollte doch dieses Gefühl haben Mama zu sein, sie nackt und glibberig auf meinem Bauch haben, sie riechen fühlen und sehen, doch sie haben sie einfach mitgenommen.......
Ich sagte zu Olli er soll hinterher gehen was er dann auch tat.
Eine halbe Stunde später wurde ich zurück in den Kreissaal geschoben und da lag ich nun, allein.
Ohne Kind und ohne Mann.
Ich hörte draussen ein Baby weinen, war das mein Kind???? Ich weiß es nicht!!!!!
Die Hebamme kam mit einem angezogenen Baby und meinem Mann ins Zimmer, legte mir das Kind in den Arm und sagte Herzlichen Glückwunsch das ist ihre Tochter...!!!!!!!

Ja und da lag sie nun. Meine Tochter! Neun Monate in meinem Bauch, mein Fleisch und Blut, mein Kind und mir sooo fremd!!!!!
Scheiße mann hab ich gedacht reiß dich zusammen und sei glücklich!!!!!!!!
Aber ich war nicht glücklich, mir ging es scheiße, richtig scheiße........

Im nachhinein stellte sich herraus das ich um den Kaiserschnitt nicht drum herum gekommen wäre weil mein innerer Muttermund sich nicht öffnen wollte.
Ich fühlte mich im Krankenhaus überhaupt nicht wohl nachdem was im Kreissaal abgegangen ist, obwohl auf der Station alle nett waren.

Ich habe mich am dritten Tag nach der Op selber entlassen weil ich gedacht habe zuhause wird alles besser.....
Wurde es aber nicht.....

Am Dienstag habe ich dann alles nachgeholt.
Ich habe mein Kind ausgezogen (da habe ich mein Kind das erste mal nackt gesehen 8 Tage später) mich ausgezogen und habe mir mein Kind auf den Bauch gelegt.....und habe geweint, und geweint und geweint.........und seitdem ist irgendwas passiert.....

Wenn mein Kind schreit dann reagiere ich und wenn mein Kind mich anschaut könnte ich dahinschmelzen und wenn mein Kind nachts wach wird und hunger hat sehe ich es nicht mehr als belastung sondern freue mich das ich danach mit ihr kuschelnd wieder einschlafen kann......ist das endlich Mutterliebe????????

Beitrag von pipim 26.09.08 - 19:35 Uhr

hallo jessi,

wie traurig, dass du so ein schlechtes geburtserlebnis gemacht hast.

aber super das du auf dein gefühl gehört hast.

sei nich mehr traurig, so eine extremsituation ist halt schwer zu verdauen und braucht ein paar tage. du hast ganz normal reagiert.

was ich super finde ist, dass du dein geburtserlebnis nachgeholt hast. man kann gar nicht genug so kuscheln, weil nackte haut löst einen hormonschub in dir aus, der dich an dein kind bindet.

alles liebe euch dreien und eine wunderbare erste zeit.

lg pipim mit florian 17 monate und oliver 36.ssw

Beitrag von tyribaby 26.09.08 - 21:58 Uhr

Hallöchen

Wollte nur sagen,dass ihr echt tolle Namen habt,denn unsere heißen Florian,Niclas und Oliver;-)
also echt tolle Namen.

LG Antonia mit ihren 3 Jungs

http://oliverhendrik.unsernachwuchs.de/home.html

Beitrag von alex.2101 26.09.08 - 20:42 Uhr

Man, du kannst dir nicht vorstellen, wie ich gerade heule, nach dem ich den Geburtsbericht von dir gelesen habe.

Mir tut das so leid, dass du so ein schlimmes Geburtserlebnis hattest. Da freut man sich 9 Monate lang auf den Zwerg, hat Ängste die man bewältigen muss, jeder US wird sehnlichst herbeigesehnt und irgendwann wünscht man sich nichts sehnlicher, als den Zwerg endlich im Arm zu halten. Man stellt sich alles so schön vor: die Geburt, der erste Kontakt, der stolze Vater der wahrscheinlich vor Freude heult und sagt, wie sehr er einen liebt und das man die tollste Frau auf der Welt ist und man selbst vor Mutterglück völlig von Sinnen ist und dann kommt alles anders.

Ich bin wahrscheinlich gerade ein wenig zu sentimental. Das liegt aber daran, dass ich mir die Geburt meines Sohnes so vorstelle und ich will nicht aufgeschnitten werden und schon garnicht allein irgendwo hingeschoben werden und mein Freund und mein Kind sind woanders.

Aber ich bin froh darüber, dass du deine kleine süße Tochter nun annimmst und diese Zweifel wahrscheinlich in kürzester Zeit verschwinden werden. Warte ab, bis sie dich das erste mal anlächelt. Du wirst vor Glück wahrscheinlich platzen.....:-D

Und ein großes Lob für dich, dass du dich getraut hast, deine Gefühle so zu beschreiben.... ist nähmlich nicht immer alles eitel Sonnenschein.

LG Alex (die sich auch schon oft Gedanken über die Geburt macht)

Beitrag von lulu2003 26.09.08 - 20:50 Uhr

Hallo Jessi,

ohje, dein Beitrag ist mir richtig Nahe gegangen. #liebdrueck

Ja, es ist Mutterliebe die du jetzt empfindest und du hast, in dem du dir deine Maus auf den Bauch gelegt hast, genau das Richtige getan.
Ich bekam unseren 2.Sohn und war absolut glücklich. Alles paßte, doch ich fragte mich ständig, ob ich für ihn dieselben Gefühle habe wie für unseren Erstgeborenen. Und nun ist Luis fast 6 Wochen alt und ich spüre, wie diese Liebe von Tag zu Tag wächst. Gib die Zeit, setz dich nicht unter Druck. Das kommt alles noch von allein. Genieß die Zweisamkeit mit deiner Maus. Kuschel soviel wie möglich und gib dir die Zeit euch kennenzulernen.

Liebe Grüße
Sandra+Raúl (*21.12.03) + #baby Luis (*18.08.08)

Beitrag von lulu2003 26.09.08 - 20:55 Uhr

Habe noch was wichtiges vergessen. #hicks

Ersteinmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Tochter und sie kann froh sein eine so tolle Mama zu haben. Denn DU hattest Sorge das ihr was passiert und dich für den Kaiserschnitt entschieden. Das ist auch eine tolle Leistung wenn man in sich hineinhorcht und eine sehr wichtige Entscheidung trifft.

Beitrag von misstava 26.09.08 - 21:38 Uhr

Zitat:
>>Wenn mein Kind schreit dann reagiere ich und wenn mein Kind mich anschaut könnte ich dahinschmelzen und wenn mein Kind nachts wach wird und hunger hat sehe ich es nicht mehr als belastung sondern freue mich das ich danach mit ihr kuschelnd wieder einschlafen kann......ist das endlich Mutterliebe????????<<Zitat Ende


Ja, das ist Mutterliebe! #liebdrueck:-D

Die hattest du aber schon von Anfang an, glaub mir!

Herzlichen Glueckwunsch zu Eurer Tochter!#klee#fest

Beitrag von katgun 27.09.08 - 05:03 Uhr


Hallo Jessi,
mitten in der Nacht lese ich Geburtsberichte... Nein, ich hatte Meinen gerade über Deinen reingestellt!
Hör mal, sei Dir bewusst, dass Dein Kind gesund ist!
Ich bekam eine Vollnarkose und konnte nicht mal den ersten Schrei hören.
Ich habe auch ständig das Gefühl, dass etwas fehlt, irgendein Empfinden, welches ich nicht einordnen kann.
Manchmal sitze ich da, dann schießen mir die Tränen in die Augen und ich muss weinen. Ich habe meinen Kleinen neben mir, wir gucken uns an und dann bin ich nur noch glücklich, dass es da ist!
Leider hat es mit dem Stillen auch bei mir nicht geklappt, wir haben es 3 Tage lang versucht... Der Kleine brauchte unbedingt Flüssigkeit und so habe ich mich für die Flasche entschieden und schon wurden die Werte Tag für Tag besser!
Ich drück uns die Daumen, dass wir bald nur noch über die Geburt lachen können!
Alles Gute für Euch!
LG, Katrin mit Torge Silas (2 Wochen + 3 Tage)

Beitrag von lilas 02.10.08 - 21:18 Uhr

Hallo,

auch ich hatte eine sehr traumatische Geburt, die in einem sehr unschönen Not-Kaiserschnitt endete, und ich war hinterher unglaublich enttäuscht, traurig und fassungslos, dass dieser Moment, der eigentlich so schön sein sollte und auf den ich mich neun Monate gefreut hatte, sich in einen absoluten Albtraum verwandelt hatte.

Es nützt auch nichts, wenn einem immer wieder gesagt wird: "Hauptsache, das Baby ist gesund." Natürlich - dies ist die Hauptsache, und ich bin dafür auch sehr, sehr dankbar. Aber das bedeutet doch nicht, dass alles andere absolut unwichtig ist! Eine Geburt ist ein so einschneidendes Erlebnis, dass es eben NICHT egal ist, welche Erinnerungen man daran hat und welche Gefühle man damit verbindet.

Hast Du vielleicht eine Hebamme, an die Du Dich wenden kannst? Viele Hebammen sind gern bereit, ein solches Erlebnis mit Dir zu besprechen, denn es hilft wirklich, wenn man sich all die Traurigkeit mal von der Seele spricht.

LG
lilas

P.S. Die Geburt meines zweiten Kindes war übrigens ganz anders. Zwar lang und sehr schmerzhaft, aber ohne Komplikationen und abgesehen von der PDA ganz natürlich. Das Baby gleich nach der Geburt in die Arme schliessen zu können, war so schön - und gleichzeitig wurde mir in diesem Moment auch nochmals schmerzlich bewusst, was mein erstens Kind und ich damals nach dem KS verpasst hatten.