Stehende Ovationen für Deine Lakaien gestern in Hannover

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Forum: Medienwelt

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Beitrag von elodia1980 01.12.09 - 12:07 Uhr

Anderswo mühen sich vielköpfige Orchester damit ab, eine Reihe von Stücken opulent zu interpretieren, immer nach dem Motto: Viel bringt viel. Rammstein lassen im Schweiße ihres Angesichts beeindruckende Feuersalven steigen, um die Leute bei Laune zu halten.
Zahlreiche Musikerinnen und Musiker glauben sogar, sich ausziehen zu müssen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln. Sex sells, wenn sonst nichts hilft. Live klingen die meisten ganz gruselig und man muss eine Band schon sehr mögen, um Gesang und Spiel so unmittelbar zwei, drei Stunden lang zu ertragen.

Nicht so bei Alexander Veljanov und Ernst Horn, die es gestern in Hannover zu zweit geschafft haben, eine Reihe von Menschen mit ihrer minimalistischen Show in den Bann zu ziehen. Ein Klavier, eine Stimme und eine unglaubliche Bühnenpräsenz, mehr braucht es nicht, um wirklich gut zu sein. Deine Lakaien, seit eh und je sehr eigenwillig, zeigten, dass sie mehr denn je im Geschäft sind. Sie präsentierten eine Reihe von Songs quer durch die Jahrzehnte, auf altbekannte und gleichzeitig neue Weise. Velja sang, flüsterte, seufzte, schrie - und immer dieser samtene Touch in einer Stimme, die für einen einzigen Menschen viel zu gewaltig erscheint. Volker, mein Begleiter, sagte: "Boah, Gänsehaut", schon nach dem ersten Lied. Ich dachte: "Boah, in dieser Stimme liegt alles, was das Sein ausmacht, die ganze Bandbreite an möglichen Emotionen, ein Lächeln, ein Rufen, die kaum spürbare Berührung einer Ewigkeit, die wir alle nicht kennen." Dazu Ernst Horn und sein Flügel, dem er Töne entreißt, die staunendes Kopfschütteln hervorrufen.

In diesen Momenten liegt alles klar auf der Hand, worauf wir sonst keine Antworten wissen. Erinnerungen werden lebendig: an schwarze, wilde Zeiten - ein selbstvergessener Tanz, Seide und Rüschen um den Leib geschlungen, die Stunden größter Einsamkeit, in denen der "Dark Star" seine Schwingen ausbreitete und Musik Trost gab, wenn sonst nichts mehr ging. Großartige Zeiten, in denen "Over and done" eine neue Zielgerade bedeutete. Die Musik der Lakaien, stilistisch kaum einzuordnen, weckt ein Gefühl, das sich nicht in Worte fassen lässt.
Zuweilen ist es ein unbestimmtes Sehnen, die kein Objekt findet. Oder schlicht eine unbändige Lust, die eine Ahnung davon vermittelt, wie es sein könnte, die mühsam anerzogene Kontrolle zu verlieren und sich verwirrt im Nichts wiederzufinden. Manchmal auch die Erkenntnis: Das ist doch alles, was wir tun müssen, lächerlich einfach: Lauschen und hingeben, weiter nichts.
Die Fans dankten ihren Künstlern diesen phänomenalen Auftritt mit stehenden Ovationen.
Der ein oder andere wird es gefühlt haben: Das war so ein Moment, in dem Heinrich Faust vielleicht gesagt hätte; "Jetzt! Jetzt ist der Augenblick, der es wert ist, dass man ihn für alle Zeiten in Stein meißelt."

Quelle mit Bildern:

http://www.lindner-katharina.de/

Beitrag von waldwuffel 01.12.09 - 12:19 Uhr

Na da kann ich mich ja auf heute abend in Dresden freuen #huepf#huepf#huepf

Danke für deinen Beitrag!

LG waldwuffel

Beitrag von ladydoedelhai 01.12.09 - 13:14 Uhr

"Reincarnation, the torture never ends"

Jo das erste Lied, was ich damals von denen gehört habe ;-)

Beitrag von bee55 01.12.09 - 20:44 Uhr

Deine Worte, die Beschreibung der unbeschreiblichen Gefühle- so wahr, so treffend.

bee