Sorgen um den Vater

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von bussi999 01.12.09 - 21:06 Uhr

Hallo zusammen,

ich muß mich einfach mal ausheulen, ich kann einfach nicht alles in mich reinfressen.

Ich mache mir gerade große Gedanken um meinen Vater. Wie viele wissen, sind letzte Woche Donnerstag die zwei Schwerverbrecher aus der JVA in Aachen ausgebrochen. Ein JVA-Beamter wurde dabei von hinten überfallen, gefesselt und geknebelt. Dieser Beamte ist mein Vater.

Körperlich ist er unversehrt geblieben. Aber seelisch ist er total angeschlagen. Und jetzt kommt so langsam alles raus. Sein Kollege hat den Schwerverbrechern geholfen. Er hat das Vertrauen meines Vaters missbraucht. Ein Vertrauen, das in diesem Job lebenswichtig ist. Ein Vertrauen, ohne das man diesen Job nicht ausüben kann. Und so wie es aussieht, kann mein Vater diesen Job nicht mehr ausüben.

Mein Vater hatte eigentlich letzte Woche frei, ist aber für einen erkrankten Kollegen eingesprungen. Und dann so was. In vier Jahren wäre mein Vater in Rente gegangen. Nie ist irgendetwas gewesen. Und jetzt das.

Mein Vater ist ein seelisches Wrack. Meine Oma sagt, sie hätte meinen Vater noch nie so gesehen. Er ist nur am heulen. Er geht natürlich auch zum Psychologen. Aber so fertig hat meine Oma ihn wirklich noch nie gesehen.

Ich habe so Angst um meinen Vater. Er ist keiner, der gut über seine Gefühle reden kann. Er frisst alles in sich hinein. Wir wohnen leider auch nicht nah beieinander. Wir können uns also auch nicht oft besuchen. Und telefonieren ist auch nicht sein Ding. Ich mach mir einfach im Augenblick so viele Gedanken.

Sorry, daß ich mich hier so ein bißchen ausheule.

bussi999

Beitrag von caitlynn 01.12.09 - 21:19 Uhr

Er sollte sich zum Aufabeiten des Ganzen eventuell professionelle Hilfe holen sonst könnte ihn das alles nur mehr und mehr belasten.

Beitrag von frauke131 02.12.09 - 09:21 Uhr

Oje, das tut mir leid für deinen Vater! Helfen kannst Du ihm weni, außer für ihn jederzeit dazusein! Kommt eine frühere Berentung infrage? Oder Versetzung an den Schreibtisch?

Alles Liebe für Deinen Vater, ich hoffe, der Psychologe kann ihm helfen und Zeit heilt ja auch viele Wunden...

#blume

Beitrag von ma2004 02.12.09 - 09:41 Uhr

Hallo!

#liebdrueckDas tut mir sehr leid für deinen Vater und für Eure Familie.

Ich wünsche Euch und vor allem ihm viel Kraft und Geduld mit der Situation umzugehen. Ich hoffe er hat genug Unterstützung.#klee#pro

Ich habe gestern die Pressekonferenz gesehen. Dort wurde von 5 Opfern gesprochen. (2 Taxifahrer, 1 junge Frau und das Ehepaar) Dein Vater wurde leider vergessen, das finde ich schade.

Alles Gute für Euch

Gruß

Susanne

Beitrag von alpenbaby711 02.12.09 - 13:00 Uhr

Das ein Kollege wohl den Schlüssel auf dem Kopierer liegen gelassen hatte das hab ich vorhin im Net gelesen. Tut mir sehr leid für deinen Vater das er da mit reingezogen worden ist. Er soll ich psychologisch helfen lassen damit er besser damit klarkommt. Das Vertrauen ist natürlich erstmal weg, aber es sind nicht alle so? Wieso hat der Kollege eigentlich so gut mit den Verbrechern gekonnt? Stand er vielleicht unter Erpressung oder sowas?
Ela

Beitrag von scrollan01 02.12.09 - 14:14 Uhr

Au weia!

Ich habe letztens schon von Dir gelesen, daß es dein Vater ist!

Mein Rat wäre auch: er braucht Hilfe!

Alleine kann man sowas wohl kaum verpacken - gerade in dem Beruf!

Ich kann sehr gut verstehen wie es deinem Vater ergeht! Da geht man tag tägl. dort arbeiten, macht den Job mit gutem Gewissen und denkt, andere machen diesen auch so. Und dann stellt man fest, einer, dem man echt vertraut, baut so einen Mist!

Die Frage ist nur: war er erpressbar?
Lag der Schlüssel tatsächlich auf dem Kopierer oder wird das so gesagt, damit die JVA gut da steht und eben keiner vom Personal bewusst und vorsätzlich gehandelt hat!?

Dieser Kollege soll Vater sein!
WAS könnte ihn dazu gebracht haben, zu helfen???

Verstehst Du?

Vielleicht hatte er aus wlchen Gründen absolut keine Wahl - aus Angst????

Verurteilen will ich den jetzt auch nicht ehe er nicht ausgesagt hat!

Die Ausbrecher sitzen wider - der Ausbruch wird nicht bstsraft - aber ich hoffe sehr, daß sie einen neuen Prozess wegen Körperverletzung an deinen Papa und wegen Geiselnahme auf der Flucht noch einmal zusätzlich verknackt werden!

Dein Vater leidet jetzt sehr!

Helft ihm!

LG Scrollan

Beitrag von bussi999 02.12.09 - 16:04 Uhr

hallo,

vielen dank für die liebe worte. mein vater ist in psychologischer behandlung. ich hoffe, es hilft ihm. er sagt halt so wenig.

bussi999

Beitrag von paula74 03.12.09 - 09:39 Uhr

Liebe Bussi999

Dein Vater hat gewiss einen posttraumatischen Schock erlitten. Es gibt verschiedene Wege, so etwas zu verarbeiten: drüber reden ODER eben nicht drüber reden. Das hängt wirklich von der Person ab. Im Allgemeinen sagt man, dass jeder, der etwas Schlimmes erlebt hat, erstmal duschen, essen und schlafen soll, bevor er überhaupt anfängt, daran zu "arbeiten". Damit sich das Geschehene nicht allzu sehr ins Gehirn "einfrisst".
Auf jeden Fall sollte er nicht dazu gedrängt werden. Frag ihn doch, was er glaubt, was ihm momentan gut tun könnte. Vielleicht kannst Du ihn trotzdem einfach einladen. Oder ihn in Ruhe lassen. Frag ihn, ob er mit der psychologischen Betreuung zurecht kommt. Jeder braucht wirklich "seinen" Therapeuten, wenn Patient und Therapeut nicht zusammen passen, dann bringt es nichts. Es soll sich ruhig trauen zu wechseln, wenn er sich nicht wohlfühlt.
In meinen Augen sind das die Dinge, die Du tun kannst. Dräng ihn nicht zu sehr, über seine Gefühle zu reden.
Ich weiss -zumindest ansatzweise- auch was Du fühlst, denn mein Vater wäre genauso und hat mir immer mal wieder auch wirkliches Kopfzerbrechen bereitet.
LG und alles Gute für die kommende Zeit,
Paula