Wir haben uns einen Tyrannen erzogen-die Erziehung läuft aus dem Ruder

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von mpunkt 01.12.09 - 21:55 Uhr

Hallo und einen schönen guten Abend,

ich habe mich unter einem anderen Namen angemeldet, weil ich unter meinem normalen Nicknamen immer den Familienbett-NieSchreienLassen-AufBedürfnisseEingehen-Weg propagiert habe. Aber nun stehe ich langsam vor einem Kind, das den Ton angibt und ich finde keinen Weg aus der Geschichte.

Mein Sohn ist 1,5 Jahre. Ich habe ihn 6-9 Monate unendlich viel getragen, geschuckelt, bei jedem Mucks auf ein ihn eingegangen, nach Bedarf gestillt, nächtelang im Halbstundentakt.
Er hat immer leicht gejammert, egal ob er was nicht konnte (drehen, krabbeln, laufen etc.), ob er was nicht bekommen hat, ob er hingefallen ist etc. Er war schon immer ein schlechter Schläfer, ein schlechter Esser. Er ist auch mit 1,5 nur 82 cm und wiegt 9,5 kg, ist also sehr leicht. Ich habe 9 Monate voll gestillt, weil er nicht essen wollte. Irgendwann aß er –aber nur mit Ablenkung und „bespielen“.

Jetzt haben wir folgendes Kind:

Er ist sehr gewitzt, spricht zwar kaum, versteht aber unheimlich viel. Zum Beispiel geht er in die Küche, holt sich eine Pfanne aus dem Schrank, hievt sie auf den Herd, holt sich einen Hocker, stellt ihn an den Kühlschrank und zeigt dann auf die Eier, weil er ein Spiegelei will.
Das ist nur ein Beispiel. Er kann sehr viele komplexe Sachen, weil er wirklich STÄNDIG bei ALLEM dabei ist, weil er sonst nur jammert. Er muss dauernd beschäftigt werden, unterhalten werden, es muss Action sein. Allein spielen ist nicht. Wenn wir am Tisch sitzen und er nicht mehr weiteressen will, dann will er raus und lässt uns aber nicht weiteressen, weil er sonst total weint und jammert uns an der Hand zieht bis wir mitkommen. So essen wir nur noch in Etappen, damit einer mit ihm spielen kann.
Abends ist er zum Essen gar nicht an den Tisch zu bekommen. Wir füttern ihn in der Badewanne oder beim Spielen, er isst sonst wirklich einfach nichts, es ist ihm zu langweilig. Und dann habe ich wieder Sorge um ihn, da er schon einen ausgeprägten Eisenmangel hatte, auch schon ne Lungenentzündung.

Er ruft ständig nach uns, wenn er was nicht kann. Wenn er etwas nicht bekommt, dann wird SOFORT gejammert. Er ist superanhänglich, Kita-Eingewöhnung haben wir abgebrochen, weil er nur geweint hat, das Essen völlig verweigerte, sogar abnahm, nachts wieder x-Mal wach wurde, drei Stunden an mir klebte.

Er ist insgesamt ein freundlicher, ruhiger, sehr sensibler Junge, aber ich hab echt das Gefühl, dass das berühmte „uns im Griff haben“ jetzt eingetroffen ist. Ich schaffe es nicht konsequent zu sein, weil er wirklich total weint, jammert, schreit. Er will überall dabei sein, steht am Herd, rührt um, wischt mit dem Wischmopp wenn ich putze. Wenn ich ihm irgendetwas aus der Hand nehmen will –wird sofort gebrüllt.

Ich schäme mich, weil ich das Gefühl habe total versagt zu haben. Manchmal denke ich, dass das alles noch altersgemäß ist und sich aufwächst. Aber ich habe noch meine den O-Ton meiner Schwiegermutter ihm Ohr als ich das kleine Bündel bis zur Erschöpfung rumgeschleppt habe, nur damit er nicht weinte: Ihr erzieht euch noch einen Tyrannen heran, wenn er so im Mittelpunkt steht und nicht auch mal lernt zu weinen.
Ich glaube jetzt haben wir diesen Punkt erreicht.

Wie kann ich das in den Griff bekommen?

M.

Beitrag von haferfloeckchen 01.12.09 - 22:01 Uhr

Ganz ehrlich, mach dir nicht so Vorwürfe. Ich bin auch an dem Punkt angelangt, wo ich unsre Erziehung in Frage stelle.
Wir sind das genaue Gegenteil:
wir haben unsere Maus nie getragen, sie wollte auch nie, wir sind konsequent bis zum letzten, wir haben hier Rhythmen und Rituale und es war immer alles super:-) und jetzt, wo sie 2,5 bald ist, vergeht eigentlich kein Tag, an dem sie nicht brüllt, heult, sich quer stellt, unsren Tag aufs Neue zu einem Kampf macht. Eigentlich besteht alles nur noch aus Machtkämpfen bei uns.
Es hilft auch kein Aufsiezugehen mehr, es ist egal was man macht, sie brüllt.
Ich zweifle gerade auch, dass es eine Trotzphase ist, denn alle Kinder, die ich so kenne, sind zwar trotzig, aber brüllen nicht den ganzen Tag.

Ich weiß nicht, was es ist, bin einfach nur ratlos.

Ich kann dir keinen Tipp geben, aber irgendwie bin ich grad froh, dass ich nicht alleine bin.

lg

Beitrag von pipim 01.12.09 - 22:18 Uhr

hallo haferflöckchen,

ich bin eine aussenstehende und sehe in deiner beschreibung sehr enge grenzen.

umso enger die grenzen für dein kind sind umso mehr stellt sich das kind in der ersten richtigen trotzphase quer.

es ist für dich sicher anstrengend, aber du kannst auch froh sein. deine kleine hat die sicherheit sich so aufzuführen. sie weiß, dass du sie trotzdem lieb hast. sie kann alles so richtig austesten und grenzen vielleicht verschieben (kann man in dem alter ja auch schon mal), das wird ihr unglaublich großartige erfolgserlebnisse bescheren. die sie zu einem selbstbewussten, charakterfesten menschen machen werden.

solange du sie nicht zu sehr einengst kann ich dir nur sagen:

tief durchatmen, es geht alles vorbei, auch wenn es einem noch so lang und weit vorkommt. irgendwann findet man wieder den richtigen weg für die gegebene situation.

lg pipim die auch grad am kämpfen ist hehehe

Beitrag von cludevb 01.12.09 - 22:25 Uhr

*gröhl*

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben NUR ein trotzkind!

Machtkämpfe gibts nur wenn du sie zu welchen machst... DU als mutter hast die "macht", dein zwerg kann aber seinen senf dazu geben und du entscheidest ob du drauf eingehst, ob es wirklcih nicht möglich ist, oder doch oder ob ihr einen mittelweg eingehen könnt...
und das hat dein zwerg gemerkt und braucht einige zeit bis sie es verstanden hat... sie testet und trotz doch "nur".

augen zu und durch, gerecht sein, aber was nein ist, ist nein und ihr auch mal kleine aufgaben zugestehen von denen du meinst dass sie es noch nicht könnte - sie kann es meist;-) oder dass sie merkt dass sie sie wirklcih noch nicht schafft...

dauert ne zeit, wenn du auf machtkämpfe nicht eingehst sondern ihr beibringst dass meist diskutieren kann, und wann nicht!... - perfekt!

Das brüllen macht sie nur weil dann der Machtkampf zustande kommt, ignorier das und wenn sie fertig ist könnt ihr drüber reden oder du erklärst ihr kurz und knapp warum etwas einfach so ist/gemacht wird ;-)

Haben wir schon hinter uns, machtkämpfe gabs/gibts hier kaum und mein zwerg fragt lieber oder gibt gleich "lösungsvorschläge" oder alternativen wenn er weiß dass ich negativ reagieren könnte... wenn du weißt wie ichs meine ("mama, wenn wir fertig sind mit mittagessen darf ich ein stück schokolade, ok?" anstatt "ich WILL JETZT schoki!!!!*brüll-aufdenbodenschmeiss*") :-p brüllen und super-nanni-hinschmeissen kann ich an einer hand abzählen #ole

LG Clude, Lukas (frische 3) und Michel (April '09)

Beitrag von keep.smiling 01.12.09 - 22:29 Uhr

Was heißt sie brüllt? Rumschreien und Heulen bei jedem Minianlaß?
Seid ihr zu streng? Meiner probierts derzeit auch ganz arg. Aber es gibt ganz viele Situationen, wo wir nicht einfach nein sagen und was verbieten, sondern Kompromisse finden, ihm etwas erklären etc. Das funktioniert ganz gut.
LG k.s

Beitrag von anni2005 01.12.09 - 22:04 Uhr

#liebdrueck

erstmal muss ich Dir sagen das ich mitfühle....manchmal denke ich auch das ich viel sachen anders hätte machen können.

Deine Geschichte ist echt schlimm, für Dich, aber es gibt Kinder die sind halt so, das heisst DU kannst für vieles nix, man kann vieles aber nicht ALLES beeinflussen was die Kinder machen bzw.sich entwickeln.

Ich muss zugeben, ich gehöre zu denen die schnell genervt sind, ihre Kinder auch heulen lässt und ihnen versucht klar zu machen das sie damit bei mir nicht weiterkommen.....und das ist hart und genau das ist, was ich auch oft überdenke ob es so richtig ist.

Aber wer sagt was richtig und falsch ist !?

Und ich hoffe für Euch das Euer Kind Euch bald Luft zum atmen lässt ! Dir Tips zugeben wäre quatsch´, Du hast bestimmt schon alles ausprobiert.....

VIEL VIEL KRAFT !!!!

Andrea :-)

Beitrag von rmwib 01.12.09 - 22:05 Uhr

Die KITA Eingewöhnung hättest Du mal durchhalten sollen.
Vielleicht schaust Du ob es da eine Chance gibt das doch noch wahrzunehmen.

Und ansonsten puh ja. Schwierig.

Beitrag von bibuba1977 01.12.09 - 22:08 Uhr

Hallo M.,

das hier:
"Mein Sohn ist 1,5 Jahre. Ich habe ihn 6-9 Monate unendlich viel getragen, geschuckelt, bei jedem Mucks auf ein ihn eingegangen, nach Bedarf gestillt, nächtelang im Halbstundentakt.
Er hat immer leicht gejammert, egal ob er was nicht konnte (drehen, krabbeln, laufen etc.), ob er was nicht bekommen hat, ob er hingefallen ist etc. Er war schon immer ein schlechter Schläfer, ein schlechter Esser. Er ist auch mit 1,5 nur 82 cm und wiegt 9,5 kg, ist also sehr leicht. Ich habe 9 Monate voll gestillt, weil er nicht essen wollte. Irgendwann aß er –aber nur mit Ablenkung und „bespielen“. "
haette von mir sein koennen.

Und das hier:
"Ihr erzieht euch noch einen Tyrannen heran, wenn er so im Mittelpunkt steht und nicht auch mal lernt zu weinen. "
haette auch von meinem Umfeld stammen koennen.

Ich kann dir aber sagen, dass Emmylou zwar einnehmend und willensstark ist, aber ich sie an sich als sehr umgaenglich empfinde. Sie hat auch Allueren wie euer Kleiner zeigt. Aber da bleib ich - meist - hart!

Was ich damit sagen will, ist, IHR HABT NICHTS FALSCH GEMACHT IN DER ERSTEN ZEIT!
Euer Fehler ist wahrscheinlich wirklich eure Inkonsequenz. Aber das hast du ja auch schon erkannt.

Ich kann dir leider nicht raten, wie du da raus kommst. Mein Mann hat auch das Problem mit unserer Tochter, dass er nicht Nein sagen kann. Oder ihr mit dem Essen hinterherrennt, weil das arme Kind ja ansonsten hungert... #augen
Er bekommt von mir das Buch "Nein aus Liebe: Klare Eltern starke Kinder". Wie das ist, weiss ich nicht. Aber Jesper Juul scheint ziemlich offen mit dem Thema Erziehung umzugehen und ich hoffe, dass meinem Mann durch das Buch deutlich wird, warum ein Nein fuer Kinder wichtig ist. Er hat meine Einwaende verstanden und akzeptiert. Aber er waegt noch immer ab... Meine Argumentation vs. sein Mitgefuehl Emmylou gegenueber. ;-)

LG
Barbara

Beitrag von .rockabilly.girl. 01.12.09 - 22:23 Uhr

*michkurzreinschleich*
"Nein aus Liebe" ist ein tolles Buch. Jesper Juul insgesamt! Kann ich an dieser Stelle bzw. bei dieser Thematik nur empfehlen!

Alles Gute und LG!

Beitrag von pipim 01.12.09 - 22:08 Uhr

hallo M.

ich denke nicht das du versagt hast. vielmehr seid ihr eher verpeilt.

der Familienbett-NieSchreienLassen-AufBedürfnisseEingehen-Weg ist bestimmt ein guter erziehungsstil, man muss aber auch bei dieser form darauf achten, dem kind grenzen zu setzen.

was du aufgrund deiner erzählung nicht machst.

ein kind braucht grenzen, um sich innerhalb derer zu entwickeln. diese grenzen müssen konsequent verteidigt werden und nur in ausnahmefällen aufgeweicht werden.

zb. würde ich mich beim essen nicht wegzerren lassen. ich würde ihm erklären, dass du zuerst zu ende isst, er aber gern aufstehen kann. (sitzenbleibenlernen kann er später, damit wäre er heute noch überfordert)

ich würd auch nicht dauernd mit ihm spielen. wenn er es verlangt und du nicht willst, setz dich hin und sei so langweilig wie möglich. (ich setz mich auf die couch und nehm meinen zwerg auf den schoß und mach sonst nichts)

grenze dich gegen ihn auch mal ab. künde das aber vorher an. (so jetzt hab ich gespielt mit dir, jetzt geh ich die zeitung lesen, dann können wir wieder spielen - ich setz mich dann an den esstisch - da kommt er nicht so rauf und ignorier alles)

es ist echt nicht schlimm wenn kinder mal weinen, er hat ja sein urvertrauen schon.

erkläre ihm was du tust und bleib einfach konsequent. so wird er sich mit der zeit bestimmt wieder einfacher handeln lassen.

beispiel aus der tierwelt: kennst du ein tier, welches sich so aufopfert wie eine menschenmami? ich nicht und es ist für die kinder auch nicht gut, wenn man sich so auf den kopf stellt.

hinter einem wirklich glücklichen kind, steht immer auch eine GLÜCKLICHE MAMI

gern können wir über PN weiterschreiben, vielleicht schaffst du es über die ansichten einer aussenstehenden deine perspektive wieder zu finden.

lg pipim

die euch eine baldige beruhigung wünscht

Beitrag von mamavonyannick 01.12.09 - 22:10 Uhr

hallo,

nun, falsch gemacht habt ihr sicher nichts. Ihr seid bisher immer auf die Bedürfnisse eures Kindes eingegangen. Das ist auch gut so, aber ich finde, es sollte auch langsam zurück gehen.
Was nicht heißt, dass ihr ihn jetzt vollständig vernachlässigen sollt. Aber dem Alter entsprechend. Gerade die von dir beschriebene Situation beim Essen. Nie im Leben würde ich anfangen in Etappen zu essen. Er schreit sonst? Na und, er hört auch wieder auf. Sag ihm, dass er raus gehen soll, wenn er so rum schreit, weil ihr in Ruhe essen wollt. Ist er ruhig, dann kann er auch gern bleiben und z.B. auf dem boden nebenher spielen.
Bisher musste er das nicht, ihr seid ja immer schön gesprungen. Ich denke ihr solltet einfach lernen, die situationen abschätzen zu lernen. Wie "lebenswichtig" sind bestimmte Situationen für euer Kind oder kann man erwarten, dass er sich in bestimmten Dingen bereits euren Regeln anpasst. Und wie gesagt, wenn schreit, dann kann er das tun, aber bitte draußen und ohne dass ihr anfangt um ihn drum rum zu tanzen und ihn zu belustigen. Ihr seid seine Eltern, aber nicht seine persönlichen Kasper.

vg, m.

Beitrag von schwarzesetwas 01.12.09 - 22:13 Uhr

Fehlende Konsequenz, das habt ihr falsch gemacht.
Eigentlich in fast allen Punkten lesbar, die Du erwähnt hast.

Lg,
Sandra

Beitrag von klinni83 01.12.09 - 22:13 Uhr

hallo,
mhh wie soll ich anfangen. wir haben "auch" so eine maus zu hause die uns im moment ziemlich ausreizt! es ist nicht ganz so heftig aber die ansätze sind genau die gleichen. kita eingewöhnung hat bei uns fast 8 wochen gedauert, mit viel weinen, kein essen, nachts schlecht schlafen.. es waren wirklich harte wochen aber irgendwann war es plötzlich weg ... von heute auf morgen hat lena sogar im kindergarten geschlafen.. sie hat beim abgeben nicht mehr geweint... es war echt komisch.
sie brüllt auch immer gleich los wenn sie was nicht schafft, ihre puppe anziehen oder sich selber... aber das ist ganz normal..... ich lasse sie brüllen bis sie zu mir kommt und mich um hilfe bittet.... langsam merkt sie das es nichts bringt und kommt gleich zu mir...
sie kann mich auch sehr gut zur weissglut treiben aber dann werde ich schonmal lauter und plötzlich ist es wieder meine liebe maus.
ich würde vieles ignorieren an deiner stelle, lass ihn wenn ihr zu hause seid seinen ärger rausschreien, manche kinder meinen das garnicht böse die brauchen das.
mit dem essen kann ich dir leider nicht helfen. vielleicht wichtige vitamine vom doc verschreiben lassen und den kleinen nicht unter druck setzen.
so jetzt aber schluss mit dem vielen #bla. hoffe es hat dir ein wenig geholfen... du bist nicht allein.
lieber gruß#liebdrueck

Beitrag von siebzehn 01.12.09 - 22:16 Uhr

Naja, wenn Euer Sohn bislang immer alles sofort bekommen hat, was er wollte (vor allem natürlich Aufmerksamkeit), wird er nicht verstehen, warum das plötzlich anders sein soll - nur, weil Mama und Papa beschlossen haben, dass er jetzt mal alt genug ist, um selbstständiger zu sein.

Du schreibst selber, dass Du es nicht schaffst, konsequent zu sein, aber genau das solltest Du wirklich ernsthaft versuchen. Nicht unbedingt bei jeder Kleinigkeit (z.B. würde ich ihn weiter rühren und putzen lassen - er will schließlich nur helfen), aber wichtige Themen würde ich an Eurer Stelle durchsetzen. Das mag ein paar harte Wochen geben, aber langfristig wird es sich lohnen. Füttern in der Badewanne oder beim Spielen beispielsweise sind für mich ein NoGo. Wenn er nicht am Tisch essen will - dann halt nicht. Wenn er richtig Hunger hat, wird er schon essen. Aber solange er weiß, dass er das Essen auch viel spaßiger haben kann, wird er natürlich auf die alte Methode bestehen.

Erklärt ihm die neuen Regeln immer wieder in aller Ruhe und begründet die Regeln. Er versteht das sicherlich schon bald - auch, wenn er anfangs natürlich weiter den alten Weg durchsetzen will.
Ihr müsst Euch aber absolut einig sein und als Eltern an einem Strang ziehen. Besprecht vorher die Regeln, die Euch wichtig sind und dann werden diese absolut konsequent durchgezogen. Beispielsweise beim Essen - ist er fertig, bleibt Ihr am Tisch und unterhaltet Euch weiter. Versucht, ihn zu ignorieren. Ihr könnt ihm sagen, dass Ihr jetzt noch in Ruhe zu Ende essen möchtet und anschließend mit ihm spielt (solche Versprechen müssen natürlich auch konsequent eingehalten werden, damit er sich auf Euch verlassen kann).

Es wird bestimmt eine ganze Zeit dauern (ich wünsche Euch schon mal starke Nerven), aber irgendwann müsst Ihr ja mal anfangen.

Beitrag von keep.smiling 01.12.09 - 22:17 Uhr

Ändere dein Verhalten. Jetzt bist du doch soweit. Also vieles was du schreibst, trifft auch auf meinen zu - sensibel, anhänglich, klug, gewitzt, schlechter Schläfer...
Erst seitdem er 22 Monate alt wurde, beschäftigt er sich mal selbst. Aber wenn wir die Treppe in unserer DHH hoch o runtergehen o ich aufs Klo will, geht er immer mit.

Einhschlafbegleiten mußten wir ihn bis vor kurzem. Er treibt seine Machtspielchen, kommt aber nicht weit.
Ich kann dir nur eins sagen: Du mußt zu 100% hinter dem stehen, was du tust.

Und ich denke du bist nun soweit. Zieh es durch! In der Badewanne essen? Sowas ist schon krass. Überlege dir genau, welche Regeln dir am wichtigsten sind und setze sie Schritt für Schritt um. Nimm ihm auf keinen Fall deine Nähe, aber sei konsequent bei dem, was du tust. Wenn er mal jammert - laß ihn, das ist auch wichtig, er muß lernen Frust auszuhalten. Steck ihn in sein Zimmer, wenn er rumspinnt. Wenn meiner rumspinnt oder rumschreit aus Spaß (und da tun mir wirkich die Ohren weh), stecke ich ihn in den (hellen) Flur und sage, da kann er schreien - er kommt dann gleich wieder rein und meint "es ist wieder gut" und dann paßts wieder.

MIt 18 Monaten war unserer auch besonders anstrengend, viel auf dem Arm, bockig etc - das ist wohl auch die erste richtige Trotzphase.

Besprich mit deinem Mann, was ihr als erstes ändern wollt, es ist auch wichtig, dass ihr an einem Strang zieht.


Ich bin schon auch für den Familienbett-NieSchreienLassen-AufBedürfnisseEingehen-Weg , aber alles hat seine Grenzen. Euer Kind hat die etwas überschritten, bzw ihr habt das zugelassen. Und nun steckt ihr die Grenzen neu ab.

Das wird schon. Mach dich nicht so fertig. Und wenn ihr wieder mal Eingewöhnung habt - halt die so kurz wie möglich. Je länger du dich verabschiedest, desto mehr hängt er an dir - so ist das bei uns heute noch nach 13 Monaten Krippenbesuch. Wenn meiner gleich was zu tun hat, ist das Gehen kein Problem. Steht er erst mal orientierungslos da, würde er am liebsten wieder mitgehen, obwohl er die Krippe liebt. Die Erzieherinnen nehmen ihn dann imer gleich auf den Arm bzw lenken ihn ab, regen ihn zum Spielen an und gut ist.

LG k.s

Beitrag von woelkchen1 01.12.09 - 22:22 Uhr

Hallo M., für mich hört sich das nach einem ganz normalem Kind an!

Das Buch "Smart love" kann dir vielleicht sehr gut helfen, weil es dir sagt, warum dein kind so ist, dass es gut so ist, wie es ist- und warum du alles richtig gemacht hast!

Beitrag von nicole9981 01.12.09 - 22:26 Uhr

Hallo!

Dein grunsätzlicher Erziehungsstil ist nicht falsch. Nils hat auch im Familienbett geschlafen, wurde getragen und musste nicht weinen. Aber irgendwann sollte der Punkt kommen an dem man auch Grenzen setzt. Nur ein paar Beispiele: gegessen wird am Tisch, wenn er etwas nicht haben darf wird es weggenommen, in Etappen essen würde ich schon garnicht. Nils hat das auch eine Weile lang versucht, aber wenn ich esse dann esse ich und spiele nicht...das hat auch ihn dazu gebracht mit am Tisch zu sitzen. Nun gibt es Kinder die mehr oder länger meckern aber mit 1 1/2 sind die in der Regel schon in der Lage sich an Gepflogenheiten zu gewöhnen. Nils hatte in dem Alter auch eine Phase. er durfte nicht auf die Straße dann folgte ein hinschmeißen und schreien, aber was soll ich machen? Auf der Straße laufen geht nicht, also müssen wir da durch weil es nicht anders geht.

Verstehst du was ich meine? DU überlegst Dir wie es weitergeht. Regeln wie essen am Tisch und euch zu Ende essen lassen kann er lernen und sollte er auch. Und es klappt auch. Aber es kann natürlich auch anstrengend sein, aber es ist nicht richtig immer nachzugeben. Das ein Kind versucht Grenzen zu testen ist völlig normal aber es sollte auch mal auf welche stoßen denn auch das ist wichtig.

Die Eingewöhnung im Kindergarten hättest du mit viel Geduld und langem Atem weitermachen sollen.

LG Nicole

Beitrag von nicole9981 01.12.09 - 22:35 Uhr

Bei uns gab es z.Bsp. die Möglichkeit das das Kind 10 Uhr gekommen ist oder 11 Uhr. Wenn das soweit klappte wurde es aufs Mittagsessen ausgeweitet und da konnte ich anfangs dabei sein. Mich mit an den Tisch setzen. Dann hat er gut gegessen...ist natürlich schwierig wenn deiner nicht gelernt hat das man am Tisch ist, aber das hat bei uns vielen Kindern in der Gruppe den Anfang erleichtert.

Beitrag von snoopster 01.12.09 - 22:28 Uhr

Hallo,

ich denke, ich darf das nicht laut sagen hier, aber ich möchte Dir sagen, dass ich es gut finde, dass Ihr die KiTa Eingewöhnung abgebrochen habt...
In dem Punkt denke ich, dass es wirklich nicht gut ist, den Willen des Kindes so arg zu brechen, wenn man sieht, welche Konsequenzen das arme Kind daraus gezogen hat.. :-(

Ansonsten musst Du Dich wohl öfter durchsetzen. Wenn er alleine spielen soll, dann mach doch was mit ihm, was er schon alleine kann. Z.B. nen Turm bauen. Und Du mischst Dich immer weniger ein. Dann sag irgendwann, ach, Du kannst das grad so schön, ich geh mal schnell kochen oder so... Man muss ja nicht von heute auf morgen total neue Seiten aufziehen.
Ansonsten hilft bei uns auch oft das Wort "helfen". Also nicht die Sachen wegnehmen, sondern ich frage sie, ob ich ihr denn helfen soll.. dann mach ich es. Oder anfangen und dann alleine weitermachen lassen.
Ansonsten finde ich viele Sachen nicht so schlimm- umrühren darf meine auch, wenn ich koche, saugen auch, wenn ich sauge... ist doch süß :-) freu Dich, dass er so hilfsbereit ist..

Ich wünsch Euch alles Gute!!

LG Karin

Beitrag von carstella 01.12.09 - 22:29 Uhr

Hallo M.

ich glaube nicht, dass das an Eurer Erziehung liegt. Lara war die ersten 4 Monate AUSSCHLIESSLICH auf dem Arm, ließ sich nicht für eine Minute ablegen lassen. Wir haben sie nie schreien lassen und tun das auch immernoch nicht!!! Sie wurde 5,5 Monate voll und nach Bedarf gestillt. Draußen wurde sie oft im Tragetuch durch die Gegend getragen. Sie wird ständig geknuddelt und ernsthaft geschimpft haben wir selten. Als sie monatelang abends nicht einschlafen wollte, saßen wir stundenlang geduldig an ihrem Bett und haben sie in den Schlaf geschaukelt. Wenn sie nachts wach wird, holen wir sie zu uns ins Bett, und und und. Alle meinten, wir werden die Quittung schon früh genug erhalten und sie würde uns bald unser Leben diktieren.

Tja... bis jetzt hatten sie zum Glück nicht recht. Wir hatten Glück, dass bei Lara die Trotzphase recht spät losging. Da war sie schon in dem Alter, in dem sie versteht, dass alles so schön harmonisch bleibt, wenn sie macht, was Mama sagt. Wenn nicht, schimpft Mama - und das gefällt ihr gar nicht! Klar hat sie auch manchmal ihre Ausraster und versucht uns zu provizieren. Wenn sie dann aber merkt, dass die Stimmung am Kippen ist, ich also nicht mehr mit ihr knuddeln und kuscheln möchte kommt sie schnell wieder kleinlaut an, sagt entschuldigung und macht "ei". Dann wird auch gleich wieder weiter gekuschelt.

Was ich sagen möchte, es liegt sicherlich nicht an Eurer Erziehung. Ich bin mir sicher, mit einer Liebevollen Erziehung kann man nichts falsch machen. Es gibt einfach selbstbewusste und selbständige kleine Racker, die austesten wollen, wie weit sie gehen können. Das ist auch ok und ich denke, dass das auch bald aufhört. Dann gibt es harmoniesüchtige Kinder wie meine Tochter, die sich lieber benehmen als freiwillig auf kuscheln und knuddeln zu verzichten.

Ich denke, Ihr macht schon alles richtig. Das wird mit der Zeit schon besser werden.

Konsequent sein ist aber auch schon wichtig. Aber wir haben es selbst erlebt, dass selbst das auf eine liebevolle Art funktioniert. Als Lara monatelang abends Einschlafprobleme hatte, sind wir zu einer Heilpraktikerin gegangen. EIgentlich hatte ich auf ein paar Kräuter oder so gehofft. Statt dessen hat sie mir ein paar Tips gegeben, wie ich abends konsequent und lieevoll sein kann. Ich konnte es nicht glauben, aber es hat gleich beim ersten Mal geklappt. Nach vielen Monaten EInschlafstress ist Lara ganz alleine in ihrem Zimmer eingeschlafen. Manchmal hilft es wirklich, wenn jemand die Situation von außen betrachtet und ein paar Tips gibt.

Seide tapfer, haltet durch und zweifelt nicht an Eurer Erziehungsmethode.

liebe Grüße
carstella

Beitrag von totoloto 01.12.09 - 22:46 Uhr

Weißt du, es entääsucht mich echt, dass du nicht hinter deinem Nick stehst.. Es ist zwar nur ein Nick baer er gehört zu dir...willst du dann am nächsten Tag wieder deine nette alte Parollen propagieren..unabhängig von deinem Problem...besteht bei urbia ein Problem...es ist eine künstliche Welt von vielen lauten möchtegerneallesambestenmachenenden Mamis...

So essen wir nur noch in Etappen, damit einer mit ihm spielen kann. Heys, wo sind wir denn ? Er ist nicht Tyrann, ihr seid einfach dumm eigenstellt..Es ist nicht sein Problem aber eures..du weisst es doch selber ???? Mano. benutze doch einen gesunden Menschenverstand !!! nMensch!!!

meine tochter gleich alt, hat auch so eine nette art manchmal. Es ist eine art schrilles Schreien bei der ichmich aber in dem Moment echt erschrecke und dann muss ich immer gleich in mich gehen und fragen, mache ich was falsch ? Reflektion ist meiner Meinung nach sehr wichtig. aber in beide Richtungen.

Kita-Eingewöhnung haben wir abgebrochen, weil er nur geweint hat, das Essen völlig verweigerte, sogar abnahm, nachts wieder x-Mal wach wurde, drei Stunden an mir klebte....Ja ist doch klar..ich müsste mir die netten Fachbegriffe der psychlogie wiederholen...wäre soweiso egal...was du machst ? es handelt sich um einen Überdruss an ??? wie sol ich es nennen...zuviel Nähe..eine unrefkletierte nähe ist auc nicht gut...meine Tochter ist einerseits auch nicht superhappy, dass Mama geht..ich gebe ihr aber das Gefühl, dass es da auch was neues gibt anderes..und Kinder sind neugierig, gesellig...sie strahlt nach einem kitatag...
was habt ihr gemacht...das Kind lernt auf diese art und eise, dass wenn er was ansetzt, es zu xy Ergebnis führt...

Wie kommst du da raus ? du meldest dich unter deinem richtigen nick...und annerkennst du, dass du nur eine person mit Fehlern bist...nciht er ist das problem aber du..und so menschlich wie dieses Problem ist..so menschlich ist auch deren Lösung... Das kind lernt zu gehen... und die Mama lernt Konsequnz zu sei... genauso wie es für ein Kind schwierig ist, die ersten Schritte zutun und es muss immer wieder geübt werden..so schwieirg wird es wahrscheinlich für dich sein...KONSEQUNZ zu lernen..und insbesondere gesunden Menschenverstand zu benutzen...solltest du es nicht schaffen, wäre eine Erziehungsberatungstelle angebracht...

kleine kinder kleine Probleme..

undn och ein problem ist dei Perfektionismus...

es ist schwierig hier zu urteilen...aber mein Kind wird mit ir nicht spielen...definitiv nicht...und ich lerne es auch jeden Tag...manchmal habe ich es satt...aber ich kämpfe weiter..ich weiss, wenn ich es jetzt nicht schaffe...was habe ich dann zuhuase ???

Toto...Kopf hoch!!!

Beitrag von qayw 01.12.09 - 22:49 Uhr

Hallo,

überlegt Euch, was Ihr wollt und zieht es durch.

Wenn Ihr in Ruhe zu Ende essen wollt, hat er eben Pech gehabt. Er bekommt das ruhig gesagt/erklärt, und wenn er meint, daraufhin den Aufstand proben zu müssen, ignoriert Ihr ihn eben bzw. packt ihn in sein Zimmer, wenn er zu aufdringlich wird (an Euch zieht oder haut oder so).

Wer nicht am Tisch essen will, bekommt er eben nichts. So schnell verhungert kein Kind.

Sachen, die er nicht haben soll, werden ihm abgenommen, egal, ob er dann brüllt oder nicht.

Ihr bespaßt ihn nicht dauernd, sondern er muß sich auch mal überlegen, was er alleine mit seinen Sachen machen kann - oder er langweilt sich eben, sein Pech.

usw.

Theatralische Trotzanfälle werden übrigens umso uninteressanter, desto weniger sie beachtet werden. ;-)

Wir hatten mit Merle auch einige heftige Macht-Kämpfe bis sie begriffen hat, daß es bei uns Grenzen gibt, die nicht verhandelbar sind.
Ich denke, an diesen Punkt kommt man bei jedem willensstarken Kind. Aber dann muß man eben zusehen, daß man dem Kind klar macht, daß die Eltern das letzte Wort haben.

Wir hatten übrigens ein ähnliches Drama im Firmenhort (wo sie schon ewig hin geht) wie ihr und zwar, weil dort eine neue Aushilfserzieherin war, die Madame nicht mochte (wofür es keinen erkennbaren Grund gab). Anfangs mußte ich leider nachgeben, und Merle wieder rausnehmen, bis eine andere Erzieherin kam, weil nebenan wichtige Firmen-Besprechungen waren, und daher gerade kein Dauergebrüll möglich war. Daher meinte Merle dann erstmal Oberwasser zu haben, und hat dann jedesmal gebrüllt wie am Spieß, wenn die besagte Erzieherin da war. Nachdem zwei Wochen später keine Besprechungen mehr waren, habe ich sie trotzdem einfach dort gelassen, woraufhin sie nach einigen Tagen eingesehen hat, daß ihr Aufstand nichts bringt. Jetzt kann man sie ganz normal bei besagter Erzieherin abgeben. Heute hat sie mir sogar erzählt, was sie alles mit ihr gespielt hat.

LG
Heike und Merle (2,5 Jahre)

Beitrag von alischa06 01.12.09 - 23:17 Uhr

Hallo M.,

erstmal: Mein Mitgefühl!

Ich bin auch der Meinung, dass Du anfangs (so ca. das ganze erste Jahr) überhaupt nichts falsch gemacht hast.

Ilija ist genauso aufgewachsen und hat sich zu einem sehr selbstbewußten, fröhlichen Jungen entwickelt, der vor nichts und niemand Angst hat.

Allerdings habt Ihr wohl übersehen, wann der Zeitpunkt da war, so langsam diese 110%-Fürsorge kleiner werden zu lassen. Ihr müsst nun ganz dringend konsequent - allerdings auch liebevoll - sein.

Nur als Beispiel das Essen: Ilija ist auch nicht der große Esser und wiegt bei gleicher Größe etwa ein halbes Kilo mehr als Deiner. ;-) Habe ihn auch ausschließlich so lange gestillt wie Du (bis er halbwegs richtig vom Tisch gegessen hat war er 14 Monate #schwitz). Kann Dir diesbezüglich das Buch von Carlos Gonzalez: Mein Kind will nicht essen! empfehlen (habs zweimal gelesen und seitdem total entspannt). Aber nun zu der Situation: Ilija isst auch nicht viel und will dementsprechend auch lieber spielen etc. Er darf, wenn er fertig ist, auch aufstehen und wollte dann auch immer auf meinen Schoß oder sogar, dass jemand mit aufsteht. Anfangs waren wir da auch nicht allzu konsequent, allerdings war es mit der Zeit echt nervig, so dass Ilija nun zwar aufstehen darf, aber erst zu meinem Mann oder mir auf den Schoß darf, wenn derjenige fertig gegessen hat. Aufstehen tun wir während des Essens nicht! Dass Dein Kleiner da jetzt natürlich einen Riesenaufstand machen wird, ist klar. Aber Ihr müsst hart bleiben und ihm sagen, dass er gerne aufstehen und spielen kann, aber alleine, weil Ihr noch fertig essen wollt. Oder er kann sich auch gerne wieder auf seinen Stuhl zu Euch an den Tisch setzen! Dein Kleiner scheint ja ein aufgewecktes Kerlchen zu sein - es wird nicht allzu lange dauern, bis er es verstanden hat, dass er anders nicht (mehr) weiterkommt. :-p

Gewöhne Dir an, auch Sachen ohne ihn zu machen, die Du auch zu Ende bringst (zumindest scheinbar für ihn). Bei uns ist das z.B. das Bügeln. Oft möchte sich Ilija da auch nicht alleine beschäftigen und jammert, weint und hängt an meinem Hosenbein. Ich beuge mich dann zu ihm runter (er will natürlich auf meinen Arm), streichle ihn und sage ihm, dass ich erst fertigbügeln muss und ich jetzt keine Zeit habe. Dann mache ich weiter. Sehe ich, dass Ilija einen ganz üblen Tag hat oder totmüde ist, kürze ich das Bügeln auch mal ab und bügle nur noch zwei Teile zu Ende, obwohl noch mehr Bügelwäsche da wäre. So solltest Du auch bei Deinem Sohn anfangen. Nicht zu lange hinauszögern, aber immer mehr verlängern nach und nach. Geht natürlich bei allen möglichen Haushaltsaufgaben wie Kochen, Putzen etc.

Wenn er nach Dir ruft, dann mach (anfangs) IMMER das fertig, was Du gerade machst. Sag ihm, ... ich komme gleich, ich muss das noch fertig machen. Dann geh zu ihm und hilf ihm. Ist das Geschrei nicht ganz so groß, ignoriere es auch mal kurzzeitig - gerade, wenn was nicht so klappt, wie sie es möchten, sind sie ja gerne mal nölig - oder ermutige in so einer Situation Dein Kind aus der Entfernung, dass es das bestimmt selbst kann. #bla

Ach ja, übrigens: Ilija macht auch überall im Haushalt mit (außer Bügeln). Wasch- und Spülmaschine ein- und ausräumen, kochen, schnippeln (mit einem nicht schneidenden Kindermesser oder mit mir zusammen), putzen etc. Ich spiele dafür generell wenig mit meinem Kind am Boden mit Spielsachen (wie Bauklötze bauen oder ähnliches), da ich der Meinung bin, dafür gibt es andere Kinder. Wir schauen natürlich Bilderbücher an, spielen zusammen Ball, malen gemeinsam oder basteln, etc., aber eben ohne Spielsachen.

Beim Kochen hat Ilija übrigens seine eigenen kleinen Töpfe, in die er dann auch ein wenig von den echten Nahrungsmittel bekommt, die ich koche. Damit ist er dann meistens auch zufrieden. Er steht dann neben mir an der Arbeitsplatte auf einem kleinen Stuhl und kocht. Vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit für Euch?!

Ansonsten: Sei einfach konsequenter. Das geht auch liebevoll. Mahne einmal, erkläre kurz, was passiert und mach es dann auch! Mach Dich nicht zur Marionette Deines Kindes. Euer Sohn braucht Grenzen, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Bürdet ihm nicht die Verantwortung auf, alles für sich und Euch entscheiden zu MÜSSEN. Dafür ist er noch zu klein und deshalb auch so unzufrieden. Ihr habt Ihn in eine Position gedrängt, die er nicht ausfüllen kann. Er braucht Euch und Eure Kraft, Grenzen, Konsequenz - gebt sie ihm!!!

Ganz liebe Grüße und fühl Dich gedrückt

Andrea mit Ilija (05.05.08)

PS: Und vergiß nicht: Gerade so aufgeweckte, smarte Kinder haben ganz schnell raus, wo die Lücken in der Erziehung und Konsequenz sind. :-p

Beitrag von mpunkt 01.12.09 - 23:55 Uhr

Hallo Andrea,
vielen lieben Dank für Deine Antwort. Die hat mir von all den Meinungen und Ratschlägen am meisten weitergeholfen, weil sie auch "praktisch"angelegt war.

>Kann Dir diesbezüglich das Buch von Carlos Gonzalez: Mein Kind will nicht essen! empfehlen (habs zweimal gelesen und seitdem total entspannt). <

Ich hab das auch gelsen, gerade als er so schlecht aß. Es hat mich zwar insgesamt schon entspannt, aber wenn er dann am Tag wirklich nur einen halben Apfel und zwei Löffel Joghurt isst, dann bin ich froh wenn er in der Badewanne dann wirklich einen ganzen Teller Mittag ist. Er sagt dann auch ganz klar, wann er nicht mehr will. Es ist also kein "reinzwängen" durch Ablenken, sondern wirklich die Langeweile und das Stillsitzen, das ihn vom Essen abhält.

>Oft möchte sich Ilija da auch nicht alleine beschäftigen und jammert, weint und hängt an meinem Hosenbein

Genau das macht mein Sohn auch. Er hängt sich ans Hosenbein oder zieht am Arm und weint bitterlich. Ja, meistens ist es noch nichtmal Schreien, sondern wirklich weinen. Ich mache es ja nach deiner Methode, dass ich immer erst ein bißchen zu Ende mache. Aber über zwei Teller abwaschen komme ich dann meistens nicht hinaus...

Oftmals will er gar nicht, dass wir gemeinsam Spielen, sondern es reicht auch, wenn wir nur dabei sitzen. Insgesamt machen wir auch zusammen halt alles was so anfällt und er macht mit.

>Beim Kochen hat Ilija übrigens seine eigenen kleinen Töpfe, in die er dann auch ein wenig von den echten Nahrungsmittel bekommt, die ich koche. Damit ist er dann meistens auch zufrieden. Er steht dann neben mir an der Arbeitsplatte auf einem kleinen Stuhl und kocht. Vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit für Euch?!

Ja, manchmal geht das auch. Aber er will fast immer in dem Topf rühren, der auf der Platte steht usw. Und wenn er auf dem Stuhl steht muss ich immer aufpassen,dass er nicht runterfällt, er nicht an die heiße Platte kommt etc. Das ist echt anstrengend. Ich kenne keine Eltern, die ihre Kinder so viel mitmachen lassen. Aber bei uns geht's gar nicht anders, sonst käme ich zu nichts.

Er kann auch schon selbständig Spülmaschinenpulver aus dem Schrank holen, löffelt es (natürlich nicht exakt) in die Öffnung, schiebt sie zu, schließt die Tür und drückt den An-Schalter.
Ebenso holt er den Staubsauger, den Eimer, den Wischmopp, schmeißt Müll in den Mülleimer usw. Also er ist wirklich sehr alltagskompetent im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern. Dabei auch total hilfsbereit. Aber wehe er will weitersaugen und ich muss weitermachen, weil ich es eilig habe...

Nochmal vielen lieben Dank.

M.

Beitrag von alischa06 02.12.09 - 12:57 Uhr

Liebe M.,

ich bin froh, dass ich Dir ein bißchen weiterhelfen konnte.

Unsere beiden Racker scheinen sich gar nicht allzu unähnlich zu sein. Ilija macht auch schon viele Sachen im Haushalt selbständig - das finde ich auch toll. Auch wenn es jetzt länger dauert, alles mit ihnen gemeinsam zu machen, so hoffe ich, dass wir uns dafür hilfsbereite und auch praktisch veranlagte Kinder erziehen, denen man nicht alles hinterhertragen muss oder erst noch beibringen. :-p

Wegen dem Essen: Ich würde solche Dinge wie in der Badewanne füttern oder beim Essen bespaßen trotzdem unbedingt sein lassen. So kann Dein Sohn nicht wirklich lernen, auf seinen Magen zu hören - wann er satt ist, wann er Hunger hat. Er muss sich alleine auf das Essen konzentrieren können! Natürlich ist es ihm momentan zu langweilig, wenn er einfach nur dasitzen soll und essen. Er weiß ja, dass es anders auch geht und dass Du zur Not schon wieder mit dem "Spaßprogramm" kommst, wenn er nicht genug gegessen hat. #mampf Aber er wird sich daran gewöhnen, dass beim Essen halt nun mal einfach nur gegessen wird und beim Baden nur gebadet usw.

Wie läuft es denn beim Essen bei Euch ab? Isst er schon ganz alleine oder fütterst Du ihn noch (nebenbei)? Probiert er gerne neue Dinge? Isst er gerne zwischendurch? Lieber kleine Portionen über den Tag verteilt?

Ilija isst z.B. lieber den ganzen Tag als richtig bei den Hauptmahlzeiten. Allerdings liegt das natürlich in meiner Hand, inwieweit ich ihm das zugestehe. Solange er aber gesunde Dinge zwischendurch isst, ist das für mich okay. Allerdings bin ich schon dazu übergegangen, dass er zwischendurch fast nur noch Obst bekommt. Dann hat er auch zu den Hauptmahlzeiten etwas mehr Hunger und isst besser.

Ilija isst auch ausschließlich selbst. Er hat sich noch nie füttern lassen, isst aber inzwischen auch relativ gut selbst mit Löffel oder Gabel. Natürlich sind dann die Mengen aber geringer, als wenn ich ihn füttern würde. Aber dafür isst er auch sehr gerne, nur halt wenig...

Das mit dem gemeinsamen Kochen: Ilija würde natürlich auch lieber mit mir gemeinsam im großen Topf kochen. Ab und zu darf er auch umrühren, aber auf Dauer ist mir das dann doch zu stressig. Da hilft wohl nur hart bleiben und eben Alternativen wie im kleinen Topf neben dran kochen anbieten. Irgendwann wird sich Dein Kurzer damit abfinden.

So, jetzt ist Ilija gerade aufgewacht. Gerne schreibe ich Dir noch später weiter.

LG

Andrea

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