Zu schüchtern?!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von jenny133 01.12.09 - 22:39 Uhr

Hallo

Nico war früher eigentlich schon sehr aufgeschlossen. Nun ist er 26 Monate alt. Aber zunehmend läuft es immer schlechter :-( Wenn wir eine Bekannte treffen, die wir lange nicht gesehen haben geht sein Kopf runter und er schaut noch nicht mal hoch. Er kann so schön sprechen, aber bei nicht so bekannten Personen bleibt er stumm.

Ganz Schade finde ich es in der Krabbelgruppe. Dort sind wir doch jede Woche und er hängt trotzdem immer an mir dran und macht die einfachsten Bewegungen beim Tanz nicht mit obwohl ich ja weiss, das er es kann, weil wir es daheim immer zusammen machen.

Vielleicht stört es mich so extrem, weil ich selbst auch so war (die Betonung liegt auf: war) und ich weiss, wie schwer ich es hatte und wie oft ich aus Scham geweint habe. Im Nachhinein kann ich nur drüber lachen und die Augen rollen, wie doof ich doch war. Nun, das möchte ich ihm halt ersparen.

Habt ihr irgendwie einen Schnellhilfetipp, wie ich ihn aus der Reserve locken kann? Er weiss das ich stolz auf íhn bin, ich sage es ihm ja öfter. Und er erhält auch Lob zur Rechten Zeit. Eine Zeitlang habe ich den Fehler gemacht immer zu sagen: Pass auf, halt dich fest, du fällst.... Aber das hab ich schon lange beiseite gelegt, weil mir gesagt wurde, das würde die Ängstlichkeit bei Kleinkindern fördern. Weiss nicht, was man noch tun kann?

LG
Melanie mit Nico (2 Jahre)

Beitrag von petra1982 02.12.09 - 07:33 Uhr

lass ihm zeit, das ist doch auch eine phase die er hat, zeig ihm das du für ihn da bist, nur nicht zu stark, nur das er sich auf dich verlassen kann.....am besten nicht hingehen und sagen komm mach doch und sprich doch, da setzt du ihn vieleicht unbewusst unter druck, er hat alle aufmerksamkeit und schämt sich noch mehr

Beitrag von jenny133 02.12.09 - 13:35 Uhr

Hallo

das mache ich wirklich ab und zu :-( Zwar selten, wie zb. als wir meine Großcousine getroffen haben aber ich werds in Zukunft dabei belassen, was er macht.

Kann ich ihn nicht irgendwie sonst noch stärken, damit er weiss, das ich ihn für ein tolles Kerlchen halte, das sich ruhig was trauen darf?!

LG
Melanie

Beitrag von petra1982 02.12.09 - 15:27 Uhr

also ich kann nur von meinem mannseinen sagen, die am anfang auch sehr zurückhaltend waren, und heut auch noch am anfang still sind, ich ignorier das red mit den leuten udn irgendwann tauen sie von selbst auf und werden auch von monat zu monat selbstbewusster.....wenn ich sag nun sagt doch mal wie ihr heisst, klappts nicht, dann schweigen sie länger, ich sag meist die können leider nicht reden :-) dann kommt doch nach kurzer zeit wie sie heissen oder stimmt doch gar nicht :-)

Beitrag von dominiksmami 02.12.09 - 10:21 Uhr

Hallo,

das beste was ich dir empfehlen kann ist...lass ihn so sein wie er ist!

Ich z.B. war auch so ein Kind, ich mochte nicht mit Fremden reden und ich mochte schon gar nicht irgendwas tun, wenn Fremde mich beobachteten und so weiter und so fort.

Bei mir sind all diese tollen und weniger tollen Tricks ausprobiert worden um mich, wie du es so schön ausdrückst, aus der Reserve zu locken.

Weißt du, ich habe nicht unter meiner Schüchternheit gelitten, ich habe einzig und allein unter den behämmerten Versuchen gelitten mir das abzugewöhnen.
Ich habe gelitten wenn auf mich eingeredet wurde, dass ich doch Händchen geben müßte.
Ich habe gelitten wenn ich keine andere Wahl bekam, als beim ekelhaften Vorspielen in der Musikschule mitzumachen,
Ich habe gelitten wenn mir antrainiert wurde mit Fremden zu sprechen.

Lustig, alle glaubten es hätte gewirkt, klar..ich sprach mit Fremden, ich machte dies, ich machte jenes...alle triumphierten, bis ich erwachsen wurde.

Jetzt kann mich keiner mehr zwingen und überreden darf mich auch keiner mehr!
Das Ergebniss?
Ich leide heute an einer ausgeprägten Sozialphobie, telefoniere nur in äussersten Notfällen mit Fremden, würde manchmal eher verhungern als eine Verkäuferin zu fragen WO irgendetwas steht, mache nichts vor Publikum und hasse es in größeren Gruppen reden zu müssen.
Bin ich auf größeren Gesellschaften eingeladen, schaffe ich es noch nichtmal was zu essen.

Dann kam mein Sohn vor 8 Jahren auf die Welt und er war ganz, ganz genauso wie ich und wieder versuchte meine Mutter ihn zu überreden, auf ihn einzureden wie sie es bei mir tat oder sie predigte mir das ich da unbedingt was gegen tun müsse ...bla...bla..bla

Hab ich nicht gemacht, ich habe entschlossen das mein Sohn sein darf wie er ist. Er ist er und kein Mensch MUSS den Clown vor anderen machen nur weil Mami das lustig findet.
Es gibt nunmal Leute die es total bescheuert finden vor anderen "tanzen" zu müssen und es ist verdammt gut das es solche Leute gibt.

Mit der Schule zusammen ( hier kommen die Kinder mit 4 in die Schule) haben mein Mann und ich entschlossen meinen Sohn zwar zu fördern, aber ihn eben auch so zu lassen wie er sein möchte.
Die ersten 2 jahre woltle er z.B. nicht zur Nikolausfeier in der Schule bleiben, weil er Angst davor hatte...ich habe ihn einfach mit nach Hause genommen, damit er sich sicher fühlte.

Ebenso die Karnevalsveranstaltung der Schule, er wollte nicht...er mußte nicht.
Andere Auftritte im Schulaltag ( wenn bei Feiern was vorgeführt wird etc.) meiN Sohn muß nicht mit auf die Bühne, basta.

Alle ( ausser wir und die Schule) wedelten mit dem Zeigefinger " so macht ihr ihn unsicher", "so wird er unselbststänig", " er MUSS das überwinden", "Er muß da mitmachten" ...muß, soll, darf nicht *der Kotzurbini fehlt*

Wir haben uns nicht beirren lassen und es ALLEN gezeigt.

Mit und mit taute mein Sohn auf, probierte aus eigenem Antrieb wieviel er sich traut und schafft es mit unserem Rückhalt sich Schritt für Schritt aus seiner extremem Unsicherheit zu lösen.

Heute spricht er z.B. frei in der Klasse, gibt jedem gerne die Hand wenn es angebracht ist, feiert liebend gern mit Nikolaus und trägt sogar Gedichte vor, hat Spaß auf der Karnevalsfeier und liebt es sich in Geschäften regelrecht "beraten" zu lassen von Verkäufern die er teilweise mit Fragen löchert wenn er sich was kaufen möchte.
Er bestellt sein Essen selber, wenn wir essen gehen, sind wir mal bei MC D und er möchte noch was nach, geht er alleine zur Theke und kauft es sich.
Er telefoniert gerne und auch sehr sicher für seine 9 Jahre.

Gut, es gibt Dinge die macht er immer noch nicht gerne, wenn seine Klasse etwas aufführt, steht er z.B. lieber gaaaaanz hinten und er erklärt mir dann auch immer das er nur gaaaaanz leise mitsingt *lach*...aber was solls..hauptsache er hat Spaß daran.

Menschen sind unterschiedlich...und das ist auch gut so.

liebe Grüße

Andrea

Beitrag von jenny133 02.12.09 - 13:33 Uhr

Hallo Andrea

der Unterschied zwischen uns beiden ist, das ich eben Probleme mit meiner Schüchternheit hatte. Meine Eltern haben mich auch nie zu was gezwungen (anders als bei dir). Nico möchte ich auch nicht zu etwas zwingen, das er nicht mag, sondern ihn darin bestärken, das er ein tolles Kerlchen ist und sich ruhig was trauen darf. Somit möchte ich nicht von aussen einwirken, das er Leuten die Hand gibt nur weil ich es sage, sondern ihn innen drin stärken, das er es sich zumindest traut wenn er es gerne machen möchte!

LG
Melanie

Beitrag von dominiksmami 02.12.09 - 17:12 Uhr

Huhu,

genauso ist das auch richtig.

Und der beste Anfang ist es ihm einfach Zeit zu geben!

lg

Andrea

Beitrag von rummelbummel 02.12.09 - 19:14 Uhr

Hallo Melanie,

ich glaube das Hauptproblem ist, dass du eine falsche Erwartung an dein Kind hast, nämlich wie er zu sein hat.
Du möchtest das Nico so und so ist, so ist er aber nicht. Am allermeisten würdest du ihm helfen und Selbstbewusstsein geben, wenn du ihn so annimmst wie er ist. Denn sonst macht er dir Erfahrung, dass er so wie er wirklich ist und fühlt, falsch ist und das wirkt sich nicht gerade positiv auf das Selbstbewusstsein aus. Jemand der sich 100% angenommen fühlt, strahlt das auch auf seine Umwelt aus. Und selbst wenn er so bleibt, dann ist er eben ein eher defensiver Typ und ich denke, das sollte auch okay sein. Schlimmer fände ich es, wenn er sich dir zuliebe verbiegen müßte.
Ich weiß, es ist schwer bestimmte Vorstellungen, die man von und an sein Kind hat, abzulegen, aber seinem Kind zuliebe sollte man es tun.

Viele Grüße

Beitrag von jenny133 02.12.09 - 22:20 Uhr

Hallo

Nico ist so wie er ist toll! Und das sag ich ihm auch so.
Von meinem "Problem" bekommt er nur in sofern mit, das ich ihm eben manchmal wenn eine Situation vorbei ist sage, das er keine Angst haben braucht und sich ruhig was trauen darf.

Ich würde ihm schon gerne helfen. Denn es geht ja nicht nur drum, was ich möchte: Gestern in der Krabbelgruppe wollte er unbedingt einen von den Keksen, die eine Mutti hingestellt hat. Sie hat gesagt: Jedes Kind darf sich einen holen. Nur Nico hat sich eben nicht getraut. Ich will ihn nicht ändern für mich, sondern stärker machen für das weitere leben!

LG
Melanie

Beitrag von mona98 03.12.09 - 15:32 Uhr

Hallo!!
Also ,er ist doch grade mal zwei Jahre alt.Da darf er noch zurückhaltend sein.Ich finde das besser als wenn Kinder auf jeden zulaufen.
Unsere Lina ist schon fünf Jahre alt und verhält sich genauso .Ich ärgere mich auch manchmal darüber,aber mein Kopf sagt ,dass sie eben so ist und das ist auch gut so!Ihre Kindergärtnerin sagt mir das auch immer ,dass jedes Kind sein Tempo hat und das sollte man ihm auch zugestehen.Lina wächst mit 6 größeren Geschwistern auf und hat zuhause alles im Griff!
Du siehst ,Ihr seid nicht allein mit diesem "Problem".Wenn das das Schlimmste ist was in den nächsten 16Jahren auf uns zukommt ,können wir uns entspannt zurücklehnen;-).
Liebe Grüße Mona

Beitrag von jenny133 03.12.09 - 21:25 Uhr

Hallo Mona

ja stimmt schon. Vielleicht sollte ich mal mit meiner Angst rausrücken, das ich dran Schuld bin, das er so schüchtern ist. Ich hatte immer Angst, das ihm was passiert und so hab ich bis vor nem halben Jahr immer gesagt: "Pass auf - du fällst..." "Das ist Gefährlich.." etc. Eine Freundin mit vier Kindern hat mir daraufhin gesagt, das er durch sowas nur verängstigt und schüchtern wird. Ich nehme mich seitdem zurück, aber ich muss immer dran denken was sie gesagt hat. Wenn es wirklich daran liegt, das ich ihn früher verunsichert hab, dann muss es doch auch was geben, wie ich ihn wieder stärken kann?!

LG
Melanie

Beitrag von madmat 09.12.09 - 07:16 Uhr

Hey,

lass ihn sein, wie er ist. Warum willst Du ihn verändern?

Ich bin/ war auch schüchtern und zurückhaltend, fand das aber selbst nicht schlimm. Eher meine Eltern (früher) oder Personen, die mit mir zu tun haben. Ich bin einfach so, und fertig!

Mein mittlerer Sohn ist mein Ebenbild! Zu Hause kann er aufdrehen, aber woanders? Gut wenn Mama´s Rockzipfel da ist. ;-) Er war schon immer so. Auch im KiGa. Zwar war er immer anwesend, aber brachte sich nie selbst in den Mittelpunkt. Aber warum soll ich es anders wollen. Wenn er etwas nicht will, behauptet er sich, und das ist gut so. Er ist nie einer gewesen und wird es vermutlich auch nicht werden, der eine Horde Freunde hat. Er hat einen guten Freund, seinen besten,... und das reicht ihm! Andere Kinder mögen ihn zwar, und spielen gern mit ihm, aber er braucht das nicht so sehr! So ist es, und das ist ok so!

Seit einem halben Jahr geht er in die Schule. Ja, er ist noch immer zurückhaltend, traut sich aber zu fragen, wenn er etwas nicht verstanden hat und fügt sich gut in die Klassengemeinschaft ein. Alle sind seine Freunde,.... aber es gibt nur einen Besten!

Versuch Deinen Sohn nicht zu ändern, lass ihn, wie er ist,... auch mit seinen Eigenarten! Vielleicht ist es ja gerade so schlimm für DICH, weil Du eben das Ganze sehr negativ belastest, weil Du selbst ungute Erfahrungen damit gemacht hast!

Wie gesagt, war ich selbst so, und ich habe es nicht gemocht, wenn andere mich versuchen woll(t)en zu ändern. Ich bin gut so gefahren,... bis heute. Ich habe nicht viele gute Freunde,... eigentlich nur eine, auf die ich mich verlassen kann, und das ist meine Schwester! ICH find es nicht schlimm, für andere wäre es nicht zu ertragen!

Also Melanie, lass ihn, wie er ist. Lobe ihn weiter, aber versuch ihn nicht zu drängen!

LG