angelina johanna - mein kleines wundervolles engelchen

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Forum: Frühchen

Obwohl die Überlebenschancen für früh geborene Kinder immer besser werden, müssen vor allem Eltern von extrem Frühgeborenen oft für die gesunde Entwicklung ihres Kindes kämpfen. Der Frühchenmediziner Dr. Matthias Jahn beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von lesenbildet 02.12.09 - 02:06 Uhr

In der SW 33+3 hatte ich zu diesem Zeitpunkt nach fast 3 Jahren - und jetzt schon etwas mehr als ein Jahr her - meine zweite Notfallsectio. Ich weiss noch, dass bei dieser Sectio alles anders war. Meine Angst grösser, ich schlotterte - egal was sie mir gaben, meine Bedenken, mein Gefühl von: ich bin noch nicht soweit. Ich möchte mein Mädchen noch nicht aus dem Bauch geben.
Wenige Sekunden konnte ich sie sehen. Und nur einen Gedanken hatte ich: sie hat ja auch schon Fingernägel...sie ist so vollkommen. Ihr erster Schrei war der Schrei eines kleinen Kätzchens. So zart....mehr ein Miauen...
Mein Mädchen war so klein, so ausgehungert und zerbrechlich - 1280g und 37 cm. 3 Tage konnte ich sie nicht sehen, da ich selber an Infusionen lag und Morphium bekam. Mit jeder Stunde fiel ich immer wie mehr in ein Loch. Jeden Morgen war mein erster Gedanke, wieso bewegt sich mein Mädchen nicht in meinem Bauch?! Und dann: sie ist auf der Welt. Sie haben sie geholt. Wo ist blos mein Kind. Sie muss sich so verloren und im Stich gelassen fühlen...ganz ohne Mama in diesem Inkubator. Tausende Bedenken und Ängste hatte ich. Die grösste Angst war aber: mein Kind wird mich vielleicht nie als Mama richtig annehmen können.
Mein kleines Engelchen hingegen, das kämpfte und konzentrierte sich voll und ganz auf den Start ins Leben. Ganz ohne Rückschritte oder Komplikationen. Nach 4 Wochen und pünktlich zum 3. Geburtstag ihres grossen Bruders durfte sie nach Hause. Wenige Tage später mussten wir aber wieder ins Spital wegen einer beidseitigen OP des Leistenbruchs, welcher im Spital unbemerkt geblieben ist. Diesen Moment, in dem ich mein kleines Baby an ihrem Namenstag zum Chirurg in die Arme geben und aus dem OP Saal rausgehen musste, obwohl ich am liebsten mit meinem Kind weggeflüchtet wäre, vergesse ich nie. Genauso wenig die Momente während des Wartens im Spital und danach im Aufwachraum.
Mein kleines Mädchen. So oft musste ich dich dem Schicksal überlassen, aus meinen Armen weggeben und im Vertrauen wildfremden Menschen überlassen. So oft habe ich mich gefragt, was dies für unsere Beziehung bedeuten wird. Ob du jemals das Gefühl bekommen kannst, dass deine Mama da für dich ist, wenn du sie brauchst. Erst vor wenigen Wochen musstest du schon wieder eine ganze Woche auf mich verzichten. Da war dein Bruder mit einer schweren Mittelohrentzündung im Spital. Und du durftest uns nicht besuchen. Eine ganze Woche hast du gebraucht, bis du wieder mit mir schmusen wolltest und dich in meinen Armen fallen lassen konntest und mir wieder Dein Lächeln schenken wolltest. Eine Woche lang hätte ich jeden Abend nur heulen können. Jetzt bist du schon ein Jahr alt und einen Monat. Du gehst deine ersten wackeligen Schrittchen auf mich zu. Stolz wie ein Marienkäfer. Hallo war dein erstes Wort. Amam (essen) dein zweites und Mama dein drittes. Heute kam "das da" dazu :). Wenn du mich siehst strahlst du über beide Backen und krabbelst in einem Karacho mir entgegen oder schreist die ganze Bude zusammen bis man dich runter zu mir krabbeln/gehen lässt... In diesem Moment gibt es keine glücklichere und stolzere Mama auf dieser Welt.
Keinen schöneren und passenderen Namen hätte es für dich jemals geben können als Angelina - den kleinen Engel. Du hast soviel Charme, bist so eine kleine schlaue, zuckersüsse, lustige, sehr dickköpfige Zickenmaus...So wie du bist, bist du das schönste und tollste Kind dieser Welt für mich. In diesem deinem ersten Lebensjahr, das ich mit dir teilen durfte, hast du mir soviel gegeben und mir soviel Energie, Ideen, Glück und Erkenntnis, Stärke und Mut für mein Leben geschenkt. Durch dich bin ich diejenige, die ich heute bin und da, wo ich bin. Du bist mein Motor. Mein Lebenselexier. Mein kleines Vorbild. Du verstehst und siehst die Welt reiner und besser als ich es je zuvor konnte. Ich danke dir mein Engel für das Geschenk deine Mutter sein und dich in deinem Leben begleiten zu dürfen.

Beitrag von sumamaso 02.12.09 - 07:41 Uhr

WOW, das hast du schön geschrieben. Habe richtig gänsehaut bekommen.

Ich bin zwar keine Frühchenmama, aber ich kann dich verstehen.

Mein Sohn kam am ET zur Welt und wurde gleich in ein anderes KH auf die ITS gebracht, weil er zuviel Fruchtwasser in der Lunge hatte. Er kam erst am 3 Tag zu mir in mein KH. Mein Mann hatte ihn jeden Tag da besucht. Nach 5 Wochen der nächste Schock, Leistenbruch rechts Darm geht nicht wieder rein. Ab in die Uni Klinik und OP. 3 Wochen später verdacht auf Bauchnabelbruch und Leistenbruch links, was sich Gott sei Dank nicht bstätigt hat.

Alles Gute.

LG Susi + Sebastian 10,5 Monate + Marie 6 Jahre

Beitrag von billy38 02.12.09 - 08:36 Uhr

Wow, sowas schönes ließt man nur selten hier !#liebdrueck

Beim lesen deines Textes hab ich Gänsehaut bekommen, da ich meine Frühgeburt genauso empfunden habe wie du. #hicks

Angelina ist ein wunderschöner Name, den hatte ich auch auf meiner Liste...Aber es wurde ja ein Nicolas#verliebt#schein

Wünsche euch beiden alles Liebe und Gute weiterhin.#klee

Biljana

Beitrag von beni76 02.12.09 - 09:20 Uhr

#heul#heul#heul

das hast Du sehr schön und gefühlvoll geschrieben!!!

Beitrag von gille112 02.12.09 - 10:14 Uhr

#verliebt#heul#heul

Sehr gefühlvoll geschrieben, und es spricht denke ich hier vielen aus der Seele.

Alles Liebe für Euch, Gille

Beitrag von memoperle 02.12.09 - 10:56 Uhr

Ach Gott ist das schön !!!
#heul

bald Frühchenmama Annett mit #baby Anna 34.SSW

Beitrag von rene2002 02.12.09 - 11:09 Uhr

#liebdrueck#blume

LG Rene

Beitrag von blackcat2509 02.12.09 - 12:23 Uhr

Du schreibst mir aus der Seele... DANKE für diesen wundervollen Text!!

LG
Blackcat

Beitrag von windelracker 02.12.09 - 20:43 Uhr

#heul mir laufen so die Tränen....war das emotional!

Beitrag von haasiandi 03.12.09 - 11:31 Uhr

#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul#heul

Beitrag von lesenbildet 04.12.09 - 01:25 Uhr

Danke euch allen für die rührenden Reaktionen. Ich weiss auch nicht - ich hatte einen ganz sentimentalen Anfall als ich das schrieb. Ich geniesse meine Tochter noch wesentlich bewusster als ich das bei meinem Sohn konnte. Da überwiegte diese Angst vor dem "Frühchen" und allen möglichen Folgen etc....
Auch bei meiner Tochter habe ich natürlich Angst. Aber vor allem bin ich DANKBAR. Unendlich dankbar für meine zwei Kinder, die alles andere als selbstverständlich sind und ev. - wenn ich 20 oder 30 Jahre früher gelebt hätte -gar nicht auf der Welt wären.
Ich habe gelernt den Moment mit meinen Kindern zu geniessen. Jedes Lächeln aufzusaugen und mich nicht zu fragen, was wird, was müssen sie aufholen, ist alles in Ordnung, etc.. Ich habe gelernt zu vertrauen. Irgendwo gibt es einen Engel da oben, der es mit mir ganz besonders gut meint und mich zum zweiten Mal dermassen reich beschenkt hat, dass ich jedes Mal, wenn ich meine Tochter sehe, vor Glück in Tränen ausbrechen könnte.
Es ist schön, das alles hier niederschreiben zu können, im Wissen, dass man hier verstanden wird. Ich glaube nicht, dass eine Mutter, die solche Vorgeschichten nicht kennt, immer nur Traumschwangerschaften und Geburten kennt, diese Emotionen verstehen kann - noch weniger die männliche Welt ;). Ich habe wirklich das Gefühl, eine ganz besondere Bindung zu meinen beiden Kindern zu haben. Und bin mir jeden Tag bewusst, dass dieses Glück nicht selbstverständlich ist.
Ich wünsche allen Frühchenmamas ganz viel Kraft und vor allem Vertrauen. Ihr werdet mit eueren Aufgaben wachsen und sie werden euch prägen und DAS hat einen Sinn und ist gut so.
Alles Liebe.