Mann hat Depressionen

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von pimkie25 02.12.09 - 14:30 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

Ich (30) hatte vor einigen Wochen gepostet, dass es in meiner Beziehung arg kriselt. Mein Mann (29) war auf eigenem Veranlassen zu einer Psychologin gegangen und sie hat dann auch bestätigt, was er im Verdacht hatte. Er hat schwere Depressionen und das vielleicht schon seit seiner Kindheit-Jugend. Sie hat gemeint, es sei höchste Zeit, dass er gekommen sei. Er geht nun jede Woche hin, alles weitere wird beim nächsten Mal besprochen...

Ich merke, wie sehr mich das belastet! Ich weiss nicht, ob ich damit klar komme. Ich kenne mich auch mit Depressionen und Sonstigem kaum aus. Wir waren bei mir zu Hause vielleicht auch nicht die ausgeglichenste Familie, aber schwere Depressionen?

Wir haben 2 Kinder 11/2 und 5 und für die muss das Leben ja auch weitergehn, so normal wie möglich! Er kümmert sich gut und viel um sie. Unsere beziehung bleibt eher auf der Strecke...
Wie soll das nur gehn? Wir fangen nächstes Jahr zu Bauen an? Oder meint ihr das würde ihm guttun, es ist sein grosser Wunsch...

Was mich noch fast schockiert #schock, wie ich mit ihm leben kann seit fast 8 Jahren ohne zu wissen wie krank er ist. Er war immer schon schwierig und hat sich sehr abgeschottet aber ich dachte halt er wäre so. #schmoll

Einserseits bin ich froh, dass es raus ist und andererseits bin ich schon schlecht dran... Was meint ihr dazu? Ist jemand in einer ähnlichen Situation?

Danke fürs Zuhören #klee

Pimkie

Beitrag von silk.stockings 02.12.09 - 14:33 Uhr

>>und andererseits bin ich schon schlecht dran.<<

Warum?

Beitrag von petra1982 02.12.09 - 14:38 Uhr

wenn du ihn liebst stehst du das durch mit ihm, frag doch den doc ob er dir das erläutern kann, und auch dir helfen kann damit umzugehen.....gibt vieleicht auch eine gruppe wo angehörige sich austauschen können.....

Beitrag von hezna 02.12.09 - 14:45 Uhr

Ich finde, andersrum wird ein Schuh draus.

Jetzt, wo es raus ist, das er Depressionen hat, kann er mit professioneller Hilfe daran arbeiten, das es besser wird.

Und das würde im Ende für dich und die Kinder doch eine Aufwertung im Leben bedeuten, wenn der Mann und Vater wieder besser drauf ist und positiv ins Leben schauen kann.

Warte doch erstmal ab, wie es weitergeht und steck den Kopf nicht in den Sand...weißt du noch..in guten und in schlechten Zeiten...??

Geh doch mal zu einer Sitzung mit und frage den Psychologen, wie du am besten damit umgehen kannst?

Ich bin sicher, auch dir kann man Wege aufzeigen.

Gruß Hezna #klee

Beitrag von pupsismum 02.12.09 - 14:48 Uhr

>>Ich weiss nicht, ob ich damit klar komme.<<

Du lebst, wenn er tatsächlich schon seit der Kindheit/Jugend betroffen ist, schon seit 8 Jahren damit. Und jetzt, wo Hilfe in Sicht ist, fragst du dich, wie du damit klar kommst?

Lass dich selber beraten, vielleicht besuchst du auch einmal eine Angehörigengruppe, einfach um zu sehen, wie das bei den Anderen läuft.

Gruß
p

Beitrag von badguy 02.12.09 - 14:51 Uhr

Schwere Depressionen werden nicht mit einer Sitzung pro Woche therapiert, ganz sicher nicht, wenn es akut ist.

Bekommt er Medikamente?

Geh doch mit ihm zur Therapeutin, wenn er das möchte. Engagier dich, lern über die Krankheit, das macht dich sicher.

Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Beitrag von -sylvi- 02.12.09 - 14:59 Uhr

Hallo Pimkie.


Ich habe mich vor einiger Zeit aus persönlichen Gründen intensiv mit der Materie beschäftigt und kann dich an dieser Stelle beruhigen. Den wichtigsten ersten Schritt hat dein Mann bereits getan - er hat sich die Krankheit eingestanden und nimmt Hilfe an.

Depressionen sind behandelbar... und zwar soweit, dass die Betroffenen ein fast normales Leben leben können. Die Medizin hat viel getan in den vergangenen Jahren und die Medikamente sind mittlerweile soweit entwickelt, dass sie nicht mehr - wie es früher war - abhängig machen.

Inwieweit nun Therapie, Medikation oder stationäre Aufenthalte in einer Klinik erforderlich sind, wird der Therapeut feststellen. Wichtig ist, dass ihr jetzt dran bleibt.


Eines kann ich dir sagen - schlimmer wird es für dich nicht werden. Du hast den Mann MIT Depressionen an deiner Seite akzeptiert und geliebt. Nur weil sein Verhalten jetzt den Namen eines Schreckgespenstes trägt, heißt das nicht automatisch, dass eure Zukunft verloren ist... sondern vielmehr noch, dass sie eine Perspektive hat.

Lasst euch nicht entmutigen, informiert euch - es gibt reichlich Selbsthilfegruppen und Foren, über die sich Betroffene und deren Familienangehörige austauschen können.

Depressionen haben so viele verschiedene Ursachen, dass wir dir hier nicht sagen können, was ihm gut tut - Entscheidungen, wie der Umgang mit den Kindern oder das Vorhaben ein Haus zu bauen, solltet ihr mit eurer Psychologin besprechen.


Wenn du Fragen hast, meld dich.

Alles Gute für euch!

Sylvi

Beitrag von joulins 02.12.09 - 15:09 Uhr

#blume

Beitrag von -sylvi- 02.12.09 - 15:12 Uhr

Once again... *tiefer.knicks* ;-)

Beitrag von :) 02.12.09 - 15:19 Uhr

Ich bin eine Psychiatrie-Tante und kann mich dem Rest nur anschließen.

Falls er keine stationöre Behandlung möchte, sind Tageskliniken auch eine gute Adresse.

Bei uns sind die Patienten in der Regel 6 Wochen, werden medikamentös eingestellt ( sofern sie es möchten ) und werden psychotherapeutisch behandelt.

Nach dem Aufenthalt gibt es noch diverse ambulante Angebote sowie einen Sozieldienst.

Zu ihm zu halten ist jetzt das wichtigste, stärke ihm den Rücken, sei einfach für ihn da. Er wird es Dir danken, auch wenn er es evtl nicht zeigen kann.

Bei uns werden auch immer Paargespräche angeboten - auf jeden Fall annehmen bzw eine Angehörigengruppe suchen.

Alles Gute für Euch!#klee

Beitrag von joulins 02.12.09 - 15:08 Uhr

Hallo Pimkie,

ich würde mich hier gern Badguy anschließen: schwere Depressionen sollten (vorübergehend) erst einmal stationärpsychiatrisch behandelt werden - zumindest für die Zeit, in der er auf Medikamente eingestellt wird. In der Regel ist man 4 bis 6 Wochen Einstellungszeit auch wieder zuhause und macht dann mit einer ambulanten Therapie weiter.

Ich kann mir vorstellen, daß eine ambulante Therapie im Interesse der Psychologin ist #gruebel ... vielleicht solltet ihr euch zur Feststellung des Schweregrades noch einmal an eine andere Beratungsstelle wenden (beispielsweise die Krisenintervention eures zuständigen Bezirksamtes).

Auf jeden Fall wünsche ich eine schnelle Besserung, und viel Kraft. Es wird nun auf jeden Fall besser werden, Krankheitseinsicht ist der erste Weg zur Genesung.

Alles Gute! #klee
Joulins

Beitrag von hummel2002 02.12.09 - 15:50 Uhr

Hallo Pimkie

ich kann Deine Sorgen sehr gut verstehen, ich habe auch lange Zeit vor meinem Partner verheimlichen können was mit mir los ist,v zwar keine 8 Jahre aber über mehrere Monate.
Schau Doch mal auf der seite www.burn-out-forum.de vorbei, da gibt es auch viele hilfreiche Tipps in Bezug auf deppressionen. Und auch viel Hilfe für Angehörige.
Wünsche Dir und Deinem Mann alles Gute

Hummel

Beitrag von kapulli 02.12.09 - 16:22 Uhr

Hallo Pimkie!

Um ein besseres Verständnis für die Erkrankung Deines Mannes zu gewinnen, kann ich Dir folgende Bücher wärmstens ans Herz legen:

Josef Giger-Bütler:

"Sie haben es doch nur gut gemein"- Depression und Familie

und "Endlich frei"- Wege aus der Depression.

Dort wird unter anderem beschrieben, welchen Einfluss die Sozialisation eines Menschen auf die Entstehung der Krankheit haben kann. Außerdem wird aufgezeigt wie langwierig manche Verläufe sein können. Und wie lange es dauern kann, bis Angehörige oder gar der Betroffene selber merken, dass es sich um eine Depression handelt.

L.G. Kapulli

Beitrag von kruemelchenmonster 02.12.09 - 21:35 Uhr

Hallo

deine Kinder können trotzdem ein ganz normales Leben führen nur versuch den Kindern das zu erklären versuche ihn fragen zu beantworten und spreche auch immer wieder zwischendurch mit ihnen darüber.

Meine mutter hat auch depressionen schon seit 16 oder 17 jahren und ich bin 18 jahre alt, und ich bin auch ganz normal aufgewachsen, klar war es nicht immer ganz einfach aber na und ich habe es überstanden und meine mutter ist nicht anders als andere auch nur weil sie depressionen hat und noch andere sachen mit der psyche. Meine mutter nimmt gegen die Deepressionen Tabletten, vielleicht wird dein Mann auch welche bekommen.

Ich wünsche euch alles gute.

Gruß....

Beitrag von pimkie25 03.12.09 - 11:02 Uhr

Vielen Dank für Eure lieben und mutmachenden Antworten! Das habe ich jetzt gebraucht! #blume

Es ist richtig, eigentlich kann es jetzt erst besser gehen, denn vorher hatten wir ja gar keine Chance dazu! Das wird mir erst jetzt klar. #schock Ich habe die ganzen Jahre gegen Windmühlen gekämpft. Vor 3-4 Jahren war er aber eher auf mein Veranlassen zu einem Psychiater gegangen. Danach hat er aber gemeint, dass der gesagt hätte; er bräuche keine Therapie! Heute weiss ich, dass er noch nicht soweit war!

Natürlich ist mir schon mulmig, wenn ich Antidepressiva höre, #zitter aber wenn ihr sagt, es gibt heutzutage ganz neue Methoden, die nicht abhängig machen...
Von vielen hört man, dass es nicht wirklich "heilbar" ist und immer wieder depressive Phasen auftauchen können und es eher ein ewiger Kampf ist, ein Auf und Ab! :-(

Pupismus und Sylvi, ihr habt es auf den Punkt gebracht. Ich lebe schon so lange damit und nun, wo endlich mal konkrete Besserung in Sicht ist, ziehe ich den Kopf ein. Ich muss schon fast schmunzeln, aber ist wirklich unlogisch! Ich habe mich schon mit soo vielem abgefunden... #gruebel

Irgendwo habe ich vielleicht auch Angst, dass er wenn es ihm wieder gut geht und sich nicht mehr so an mich klammert, eventuell andere Probleme auftauchen könnten und da wir eine sehr konfliktreiche Beziehung bisher hatten, habe ich die unbewusste Angst, dass er dann vielleicht aus der Beziehung raus will. Ich weiss sind alles difuse Ängste, die vielleicht ganz unbegründet sind. #gruebelIch muss gestehn, ich bin in jedes Fettnäpfchen getreten, wo man nur reintreten kann und habe ihn wohl sehr verletzt mit meinen Vorwürfen. #hicks Er ist ein Meister in Verdrängung und ich habe nicht weiter hinter die Fassade geschaut! Ich habe mich nur immer gefragt, du machst und tust und bist positiv und er zieht dich immer runter und es lief nie etwas rund. Ich bin ja auch erst 30 und eigentlich in der besten Zeit des Lebens. Naja, kann ja nur besser werden!

Kapulli und Hummel, ich habe eure Tips notiert und werde mir die Bücher besorgen und mal auf die Internetseite schauen gehn! :-)

Wir müssen nun einmal das nächste Gespräch abwarten. Das Erste ist ja immer mehr ein Herantasten und es wurde über die Behandlung noch nicht gesprochen. Auch über seine Vergangenheit hat sie noch nicht geredet. Ich würde gerne dann mal nach ein paar Sitzungen mit ihm hingehen, aber ich weiss nicht, ob er das will. Er hat gemeint,; das sei eine Sache zwischen ihm und der Psychologin. Er könne sich vor mir nie so zeigen wie vor ihr.. ist ja auch bissl normal denke ich.

Danke nochmals an alle!

Pimkie #klee