Das Mutti

Archiv des urbia-Forums Baby.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Baby

Erhaltet hier Tipps für das süßeste Baby der Welt und diskutiert mit anderen jungen Eltern über euer neues Leben. Informationen zu allen Themen rund um euer Baby erhaltet ihr im Magazin. Alles zur Entwicklung Ihres Babys findet ihr in unserem Babynewsletter

Beitrag von hezna 04.12.09 - 07:33 Uhr

Meine geheimnisvolle Verwandlung vollzog sich an einem ganz normalen Montag, nachmittags 17.45 Uhr MEZ, von einer Minute auf die andere. Aus der Spezies „Frau“ (weiblich, besondere Kennzeichen: leichtsinnig, fröhlich bis albern, sinnlich, kapriziös, attraktiv, witzig, mit einem Hang zum Luxus und zum schönen Phlegma) wurde die Gattung „das Mutti“ (besondere Kennzeichen: bieder, belastbar, besorgt, ernsthaft, genügsam, nervös, 24 Stunden voll im Einsatz(.
Das Mutti ist streng geschlechtsneutral und kommt überall auf der Welt vor: gehäuft auf Kinderspielplätzen. Zu erkennen ist das Mutti an seiner bellenden oder schrillen Tonlage: „Stefan! Sofort runter da, sonst setzt es was!“, und an einem rastlosen Betätigungsdrang (bevorzugte Tätigkeit: stricken, Rotz abwischen, backe-backe-Kuchen-machen, Mütze ab- und wieder aufsetzen, Apfelsinen schälen, Fläschchen schütteln, Küsschen oder Knüffe verteilen). Sitzt das Mutti wieder Erwarten mal ganz ruhig da, ist zumindest der Fuß in Bewegung: der schaukelt den Kinderwagen. Das Mutti tritt niemals allein auf, sondern ist stets rudelweise von seinen Jungen umgeben. Sind diese noch klein, trägt das Mutti sie in einer textilen Ausbuchtung vor Bauch und Rücken geschnallt (ähnlich dem australischen Känguruh, jedoch bewegt sich das Mutti nur selten hüpfend vorwärts). Wenn die Jungen größer sind und aufrecht gehen können, übt es geduldig die Tätigkeit des „Spazierenstehens“ aus. Während das Muttijunge sich im Matsch suhlt, jedes Steinchen auf seine Verwendbarkeit untersucht, Grashalme frisst oder tiefsinnig sein Spiegelbild in Pfützen betrachtet, bleibt das Mutti einfach stehen. So verbringt es einen Großteil seiner Zeit, in Kälte und Nässe ausharrend, stumm, schicksalsergeben.

Mutti ist Frau nicht von Geburt an, zum Mutti wird sie gemacht. Viele Frauen bezeichnen diesen Hergang als äußerst lustvoll, wahrscheinlich gibt es deshalb noch einige von ihnen. Manche machen sich nicht klar, was die Mutti-Metamorphose bedeutet. Auf jeden Fall ist es ein irreversibler Prozeß: einmal Mutti - immer Mutti. Was sich auch darin ausdrückt, dass manche „Vatis“ (männlich, besondere Kennzeichen: oft aushäusig, meist paschamäßig auf Draht und windelmäßig unerfahren, auch – oder gerade – nach der Geburt der Jungen unentwegt um die begehrenswertere Spezies „Frau“ herumbalzend) es fortan neutral „Mutti“ nennen.

Für die Aufzucht (siehe auch „Sozialisation“) sind stets wir Muttis allein zuständig – eine Aufgabe, in der wir für den Rest unseres Lebens aufzugehen haben. Durchdrungen von der existenziellen Wichtigkeit des Brutpflegetriebs werden die Muttis offensichtlich jahrelang zu Höchstleistungen angetrieben.

Einem Mutti – und darin erweist sich die ausgesprochene Widerstandsfähigkeit dieser äußerlich schutzbedürftigen, innerlich aber erstaunlich zähen Gattung – macht es nichts aus, drei- bis viermal pro Nacht das warme Nest zu verlassen, um die brüllenden Jungen mit Nahrung zu versorgen. Ein Mutti ödet es nicht an, täglich den immer gleichen Brei zu bereiten und den immer gleichen Spielplatz mit den immer gleichen Mit-Muttis aufzusuchen und dort die immer gleichen Gespräche zu führen. Wer sich als Artfremder mit uns Muttis unterhalten will, fühlt sich binnen kurzem außen vor. Haben wir Muttis doch eine Art von Geheimcode entwickelt, mit dem wir uns mühelos untereinander verständigen: Da wimmelt es plötzlich von Worten wie Strampelpeterfixies, Paidi, Peaudoux oder Osh-Kosh, es gibt Duplos, den Sauggli, den Schniedewutz oder den Pipi-Mann, die Tut-tut-Bahn, das Tatü-Tata und das Hoppe-Hoppe; da schwirren exotische Begriffe durch die Luft wie „Agpar-Test“, „Phimose“, „Ur-Vertrauen“, „rechtsdrehender Joghurt“ oder die „Drei- Monats-Koliken“... .

Kurz: Besonders Jung-Muttis, die sich in ihrem Dasein als Frau profiliert haben, indem sie ihr Abi mit „Eins“ und ihr Examen mit „cum laude“ gemacht haben, machen in der Regel eine seltsame intellektuelle Regression durch. Wie alle Muttis dieser Welt verfallen sie in eine Art frühkindlicher Stammelsprache, deren Hauptbestandteil das Diminutiv ist („Will Dodolein jetzt Heia-Heia machen? Aber erst kriegt Dodolein noch ein Küssilein...“).

Die Mutti-Metamorphose ist in allen Bereichen des täglichen Lebens spürbar. Statt „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ liest das Mutti jetzt „Die Häschenschule“, statt raffiniertem „Kaninchen in Senf-Soße“ bereitet es gesunden salzlosen Blumenkohl, statt zu „Cabaret“ geht es ins Kindertheater zu „Peterchens Mondfahrt“ und beim Shopping suchen wir nicht nach einem getupften Ballon-Rock für uns, sondern nach einer strapazierfähigen Latzhose für das Jüngste, genügsam wie wir nun mal sind.

Am verblüffendsten aber ist die optische Verwandlung des Muttis. Knallenge Calvin-Klein-Jeans, spitzenbesetzte BH’s unter schimmernden Seidenblusen, verführerische Stöckel oder ausgeflippte 50-er-Jahre-Klamotten – alles passé. Das Mutti, ewig mit Brei bekleckert und ewig in Zeitnot, hat sein farbenfrohes Kleid abgelegt, mit dem es einst Vati zur Balz aufforderte. Bequeme Jeans, Turnschuhe, ein weites Sweatshirt – so etwa sieht der Einheitslook des mitteleuropäischen Mutti-Tiers aus. Verhaltensforscher sprechen inzwischen schon von einem deutlich ausgeprägten „Mimikry-Effekt“: Je grauer und eintöniger der Alltag des Mutti zwischen Küche-Kacke-Kindergarten ist, desto grauer und einfallsloser kleidet es sich.

Und Vati? Vati, der all das gewollt und verursacht hat? Vati schmollt. Er fühlt sich, zumindest im ersten Jahr, um all das betrogen, was ihm bis dahin lieb und teuer war, seine ungestörte Nachtruhe. Sein geregeltes Sexualleben. Seine spontanen, ausgedehnten Kneipentouren. Seine saubere, untadelig aufgeräumte Wohnung. Seine stets perfekt angezogene Vorzeige-Frau. Seine Vorrangstellung im Herzen derselben.

Statt dessen sitzt er da mit diesem völlig fremden Wesen, dem Mutti, und leidet unter den sogenannten „Baby-Speck“-Symptomen: nächtliche Schweißausbrüche bei der ersten lautstarken Unmutsäußerung des Babys, ein heftiges, langanhaltendes Gefühl der Unzugänglichkeit dem Mutti gegenüber („Was zum Teufel ist teiladaptierte Milch...?“) und des Ausgeliefertseins, das oft klaustrophobische Züge annimmt („Hier komm` ich nie mehr raus, das geht jetzt zwanzig Jahre lang so weiter...“), nie gekannte seelische Wechselbäder von unbändigem Stolz bis zur ohnmächtigen Wut. Unter dieser Schockeinwirkung – also im Stadium der Unzurechnungsfähigkeit – erliegen manche Väter gern der nächstbesten Versuchung, deren Name „Weib“ ist, und trennen sich von Mutti. Doch es nützt alles nichts. An einem x-beliebigen Mittwoch, um 13.34 Uhr, ist es mal wieder soweit: ein zarter Schrei – und wieder ist ein Mutti geboren.

Gruß Hezna #klee

Beitrag von spumsel 04.12.09 - 08:08 Uhr

Huhu Hezna,

#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl

DANKE!

Du hast mir ehrlich meinen Morgen versüßt...;-)

lg, spumsel, 2-faches Mutti...#ole

Beitrag von akene-0512 04.12.09 - 08:08 Uhr

#rofl#rofl#rofl#rofl#rofl#rof

lg
akene und nico #verliebt

Beitrag von zaubermaus666 04.12.09 - 08:24 Uhr

Genial!!!! #rofl

Bei uns wird an Weihnachten immer eine lustige oder einfach schöne Geschichte vorgelesen!

Denke DIESE wird es dieses Jahr sein :-p

Danke!

Beitrag von juuschi 04.12.09 - 08:45 Uhr

suuuuper - wird sofort an den schmollenden vati und sämtliche uns bekannten mitmuttis weitergeleitet:-p

jule

Beitrag von emeri 04.12.09 - 08:59 Uhr

gut geschrieben... #rofl

von dir?!

lg emeri

Beitrag von hezna 04.12.09 - 13:05 Uhr

Nein, leider nicht. Ich habe es im Netz gefunden und mußte es gleich einstellen...

Habe selbst schallend gelacht #rofl

Gruß Hezna #klee

Beitrag von mum21 04.12.09 - 09:01 Uhr

Das ist toll!!! #rofl#rofl


LG

Beitrag von frechdachs2004 04.12.09 - 09:04 Uhr

Hallo Hezna,

#blumeRespekt, ich wünschte ich könnte so schön schreiben. Hast mir meinen Morgen versüßt. Vielen Dank dafür!#blume

Liebe Grüße
Sandy mit Selina (5 Jahre) und dem zweiten Muttijungen trächtig in der 37. Ssw

Beitrag von nana2601 04.12.09 - 09:54 Uhr

Super Geschichte #huepf
Vielen Dank #rofl

Beitrag von ladybug 04.12.09 - 09:57 Uhr

#roflSchön, und fühle mich doch etwas ertappt: heute nach dem Duschen mein Gedanke: ach, was soll's, das ollte T-Shirt mit den Flecken geht doch auch noch mal, gleich kommt der Kleine und dann veranstalten meine Brüste eh wieder ne Milchpartie und alle sind wieder mit dabei...

Beitrag von elli2803 04.12.09 - 11:42 Uhr

#rofl#rofl

Beitrag von osterhasi77 04.12.09 - 12:12 Uhr

Einfach nur genial!!!
#rofl#rofl#rofl#rofl

Beitrag von ikarya 04.12.09 - 12:45 Uhr

Bitte immer mit Quellenangabe, und selbst dann droht schnell mal Ärger wegen Urheberrechtsverletzungen.

Quelle: "Das Mutti", eine Glosse von BRIGITTE-Autorin Fee Zschocke, erschienen im Jahr 1988 in der Brigitte.

Beitrag von turtle30 04.12.09 - 13:09 Uhr

Superklasse!!!

#rofl#rofl

Lg
turtle30