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Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von marionr1 04.12.09 - 09:02 Uhr

Hallo!

Luis ist als I-Kind in einer I-Klasse (1. Klasse). Wenn ihm etwas nicht passt, zuckt er aus. Er hat vor kurzer Zeit der Lehrerin eine "Watsche" angedroht. Heute stand im Elternheft, dass er gestern der einen Lehrerin den Hausschuh ins Gesicht geschlagen und der anderen Lehrerin in den Bauch getreten hat. Heute hat er seine "Hauptlehrerin" A....l... geschimpft. Im Hort hat er seine Hü nicht gemacht, sondern nur im Heft gekritzelt und es zerrissen. Die vom Hort hat drunter geschrieben, das sie die Hü nicht machen konnten, weil Luis sich geweigert hat.
Ich habe Luis zuhause gefragt warum er auf die Lehrerinnen losgegangen ist. Er hat gemeint, weil er beim Adventkalender kein Türchen aufmachen durfte. Das durfte nur ein Kind das brav war. Der 1. Vorfall (vor ca. 2 Wochen) war, alle die brav mitgearbeitet haben, bekamen einen Bär als Belohnung. Er (und vielleicht 2 andere) bekam keinen, weil er nicht brav gearbeitet hat.
Er will dauernd drankommen und immer der erste sein, wenn nicht rastet er aus. Er versteht manche Aufgaben falsch und dann muss es so gemacht werden wie er es verstanden hat.
Wir wissen absolut nicht mehr weiter und sind nur mehr verzweifelt. Ich mag nicht mehr, so kann es nicht weitergehen.
Seine Erzieherin vom Kiga hat immer gesagt, er braucht feste Regeln und es darf keine Veränderung geben, das schmeisst ihn aus der Bahn. Das Problem ist nur das seine 2. Hauptlehrerin eine Verkehrsunfall hatte und leider einige Wochen ausfällt. Seitdem haben sie jeden Tag zur 1. Lehrerin eine andere dazu. Die vom Hort hat heute gemeint, dass das ihm nicht guttut (Ich weiss nicht mehr was sie genau gesagt hat. Sie hat es zu meinem Mann gesagt).
Habt ihr eine Lösung für mich.
Alle die ihn kennenlernen meinen immer was er für ein lieber Bub ist. Das er auch anders sein kann, glauben uns nicht einmal unsere Familien.
Er geht zur Psychologin und wir gehen schon zur Erziehungsberatung, aber es hat bis jetzt leider nichts geholfen. Es wird leider immer schlimmer.

Was mich am meisten stört: Heute hat mich seine Lehrerin angerufen und von den gestrigen und heutigen Problemen keinen Ton gesagt. Sondern nur etwas wegen der Nikolausfeier morgen gefragt.

Lg Marion

Luis hat "nur" eine Entwicklungsverzögerung und laut seiner Ergotherapeutin eine Wahrnehmungsstörung.

Beitrag von herzensschoene 04.12.09 - 09:56 Uhr

wenn ich höre, dass die kinder nur ein türchen aufmachen dürfen wenn sie brav sind, stellen sich mir schon die nackenhaare hoch. auch brave kinder mit einem bärchen zu beschenken finde ich dämlich.

gerade in einer i-klasse finde ich solche praktiken total daneben, weil ja gerade in einer solchen klasse die kinder so verschieden sind. was ist denn brav? das liegt immer im auge des betrachters.
ich habe den eindruck, dass er überfordert ist. die verhaltensauffälligkeiten scheinen ja auch nur in der schule aufzutreten. wenn ihn schon der wechsel einer lehrein ihn so aus der bahn wirft, sollte man darüber nachdenken, ob er in der richtigen schulform ist.

ich bin sowieso nicht der fan von solchen i-klassen.
in berlin hat man ja vor jahren eingeführt, dass alle kinder, egal mit welchem entwicklungsstand in einer klasse eingeschult werden. jede klasse hat dann zwei lehrerinnen bekommen und gut war.

das ergebnis ist, das alle chefärzte der kinderpsychiatrien im vergangen jahr einen brandbrief an den schulsenator geschrieben habe. es ist nämlich so, dass wir auf der jugendstation schon 12 und 13jährige aufnehmen müssen, weil die kinderstation hoffnungslos überfüllt ist mit kindern, die in der schule überfordert waren und dadurch psychisch krank wurden.

viele grüße maren

Beitrag von marionr1 04.12.09 - 10:04 Uhr

Hallo!

Danke für deine Antwort. Wir haben auch zuahuse Probleme mit ihm, leider. Das ist aber Eifersucht auf seine kleine Schwester.

Lg Marion

Beitrag von herzensschoene 04.12.09 - 11:05 Uhr

wie lange geht ihr denn schon zum psychologen und zur erziehungsberatung?

maren

Beitrag von marionr1 04.12.09 - 20:58 Uhr

Luis seit März 2008 und wir seit 3 Jahren.

Beitrag von kampfkruemmel 04.12.09 - 17:04 Uhr

Hallo,
habt ihr mal über einen persönlchen Schulbegleiter nachgedacht. Der deinen Sohn über den ganzen Schulalltag begleitet und das ist meistens der selbe
Vielleicht ist das für euch was
Habt ihr ihn den mal testen lassen ob er wirklich nur Entwicklungsverzögert ist
Julia

Beitrag von marionr1 04.12.09 - 21:02 Uhr

Wir haben ihn von einer Psychologin auf Adhs testen lassen.
Schulbegleiter kenne ich nicht, kannst du mir das bitte erklären.

Beitrag von hasib 08.12.09 - 22:12 Uhr

Hallo,
ich antworte einfach mal.
Ich glaube es heißt richtig Integrationshelfer, diese Person ist dann wärend des gesamten Schultages bei dem Kind und nur für dieses Kind zuständig. Ich weiß allerdings nicht wie man daran kommt.
lg hasib

Beitrag von marionr1 08.12.09 - 22:18 Uhr

Hallo!

Danke für deine Antwort. Ich habe meine Cousine gefragt, die selber Lehrerin ist. Sie hat gesagt das es das in Österreich nicht gibt.

Lg Marion

Beitrag von domibrown 04.12.09 - 23:09 Uhr

Also ich stimme herzensschöne absolut zu. Diese Methoden dass Kinder bestraft werden wenn sie nicht "brav" sind - das sind Methoden von gestern. Es ist wichtig in der pädagogischen Arbeit die Ressourcen zu stärken und mit positiver Verstärkung, Belohnungen, Dinge die Kinder gerne machen eine Motivation des Kindes zu erreichen. "Brav-sein" wie immer man das definieren mag kommt dann ganz alleine. Da ist es wichtig dass Erzieher wirklich auch ein gutes Händchen haben. Das was die Erzieherin vom Kiga gesagt hat mag ja in gewisser Weise stimmen aber es gibt auch positive Veränderungen. Veränderungen gehören doch zum Leben. Natürlich darf es nicht so sein dass es das Kind überfordert. Aber wenn man zusammen mit dem Kind herausfindet was es eigentlich will ist allen geholfen. Das Kind wird ruhiger und "braver" und was vorallem das Wichtigste ist: "glücklicher". Geht doch mal andere Schulen besuchen, lernt andere Schulformen kennen. Es gibt doch oft auch "Tage der offenen Türen" ;-)