Wer kann mir was zu Alt-Katholiken sagen?Bzw. ist das jemand von euch?

Archiv des urbia-Forums Allgemeines.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Allgemeines

Aktuelles und Zeitloses rund um das (Familien-) Leben im Allgemeinen. Auch gesellschaftliche Themen sind in dieser Rubrik willkommen. Alles rund um den Internet-Handel, Versand etc. gehört in das Forum "Internet & Einkaufen".

Beitrag von jacky 05.12.09 - 10:35 Uhr

Mein Freund und ich sind röm.-katholisch. So war es in unseren Familien, also taufte man uns auch so. Wir sind beide keine Kirchgänger. Gingen auch nicht mehr zur Firmung. Mit der röm.-katholischen Kirche (ich führe jetzt nur mal als Beispiel das Zölibat an) können wir uns eigentlich nicht identifizieren.

Durch Zufall habe ich nun erfahren (eigentlich durch Lästereien von anderen Leuten aus dem Dorf gegenüber einem älteren Herrn, der dieser Gemeinschaft angehört), dass es Alt-Katholiken gibt.

Ich habe nun ein wenig im Internet gelesen und finde die Grundsätze, die diese Kirche vertritt sehr gut. Z.B. dass es den Pfarren frei gestellt bleibt, ob sie heiraten oder nicht, dass Homosexuelle, Geschiedene etc. nicht ausgegrenzt werden etc. etc.

Wir haben nun eine 5 Monate alte Tochter. Sie soll nicht röm.-katholisch getauft werden, "weil das einfach so ist in unseren Familien". Nun wurde ich mich gerne näher über Alt-Katholiken informieren bzw. mich mit Leuten austauschen, die dieser Glaubensgemeinschaft angehören.

Vielleicht ist ja jemand unter euch.

Beitrag von irene_ch 05.12.09 - 12:32 Uhr

Hallo Jacky

ich bin zwar selber auch (noch) röm.-kath., aber in unserer Gegend ist die Christkatholische Kirche (wie die Altkatholiken in der Schweiz heissen) sehr verbreitet.
Würde ich die Konfession wechseln wollen, wäre sie auch mein Favorit.
Diese Seite http://www.alt-katholisch.de/ hast du vermutlich schon gefunden. Ich würde dort nach einer Gemeinde in meiner Nähe umsehen und halt mal unverbindlich einen Gottesdienst besuchen, schauen wie es dort so zu und her geht (vielleicht gibts grad in der Adventszeit auch mal einen Gemeinschaftsanlass, den man besuchen kann) und mir dann überlegen, was ich will.

LG Irene

Beitrag von fruehchenomi 05.12.09 - 12:56 Uhr

Ich war ca 40 Jahre lang röm-kath, war dann einige Jahre mit meinem Mann altkatholisch, weil ich mich als wiederverheiratete Geschiedene sehr diskriminiert fühlte.
War sogar im Kirchenvorstand usw - auch unser Pfarrer war sehr nett. Natürlich ist es nur eine Minderheit, man musste weit fahren zum Gottesdienst und dann saßen eben nur 10 Personen in der kleinen Kirche. Man muss sich daran gewöhnen.
LEIDER hat sich diese Kirchenform dann als genauso absolutistisch herausgestellt wie wohl jede andere auch....wie die "oberste Führung" mit unserem Pfarrer und mit der Meinung der Gemeindemitglieder und des Kirchenvorstands umging, war unter aller *****
Wir haben gekämpft, aber verloren. Ob mit oder ohne Papst, sobald es eine Hierarchie gibt, ist es Mist. Die Pfarrersstelle wurde einfach aufgelöst und wir hätten 100 km zum Gottesdienst fahren sollen, das wurde einfach erwartet. Weil wir nicht so spurten, wie es sich die oberen Herren dachten.
Und diese nach außen hin propagierte Toleranz wird durchaus nicht von allen Altkatholischen so gesehen, da es sehr viele Alte gibt und die haben ihre eigene Meinung, da kommen auch die Jungen nicht dagegen an.
Ich bin dann nach den Jahren wieder rk geworden - ein sehr netter Pater hat meinem Mann und mir die Rückkehr leicht gemacht.
Mein Vorschlag wäre: Bleib, was Du bist, es wird überall nur mit Wasser gekocht !!!!!!!!!!!!!!!
Mach aber SELBER daraus, was Du Deinen Kindern vermitteln willst - das geht durchaus !
Und es gibt heute auch sehr aufgeschlossene Pfarrer bei der rk-Kirche ! In unserer Stadt mittlerweile mit Jugendkirche, die die Jugendlichen selber gestalten dürfen usw.
Ich habs erlebt - und ich weiß es durch meine Tätigkeit ja auch aus anderen Pfarreien, was da so los war, ich kanns nur wiederholen.
Die "Werbung" sieht anders aus als die Realität, eigentlich wie überall - oder ?
Alles Gute und überleg Dir Deine Entscheidung reiflich. Die röm.kath. Kirche ist sicher nicht die beste (welche ist das schon ?) aber sicher auch nicht die schlechteste.
Da sähe ich eher noch eine Alternative bei der evang. Kirche.
LG Moni

Beitrag von ccino 05.12.09 - 17:12 Uhr

Frag doch deine Tochter, was sie will...

Beitrag von walterjungbauer 06.12.09 - 15:11 Uhr

Hi Jacky,

ich bin Alt-Katholik (und, um das gleich dazu zu sagen: ehrenamtlicher Geistlicher in der Alt-Katholischen Kirche).

Die Erfahrungen von Moni kann ich so nicht nachvollziehen. Ich weiß nicht, auf welche konkrete Gemeinde sich das bezieht, aber die Alt-Katholische Kirche ist synodal strukturiert, also so, dass alle Kirchenmitglieder das Recht der Mitsprache haben. Während der Zeit zwischen den Synoden bestimmt eine von der Synode gewählte Synodalvertretung gemeinsam mit dem jeweiligen Bischof den Weg der Kirche.

Natürlich kann es - wie in jeder demokratisch resp. synodal verfassten Gemeinschaft - zu Entscheidungen kommen, welche nicht allen Interessen entspricht. Wenn es hier nun zur Auflösung einer Gemeinde gekommen ist und eine Pfarrstelle anscheinend nicht wiederbesetzt wurde (aber wie gesagt: Ich habe hier nicht im Blick, um welche Gemeinde es konkret gehen soll, und kann mich auch nicht erinnern, dass in den letzten Jahren eine Gemeinde aufgelöst worden sei), dann kann das nur geschehen sein, weil die finanzielle Kraft unserer kleinen Kirche nicht ausreicht, um die gesamte Bundesrepublik mit hauptberuflichen Geistlichen zu versorgen. Leider.

Ich selber bin ehrenamtlich tätig (wie übrigens mehr als 50% der Alt-Katholischen Geistlichkeit). Sonst gäbe es in West-Thüringen, wo ich arbeite, auch keinen Geistlichen vor Ort; und das Fehlen einer / eines Geistlichen ist nach meiner Erfahrung immer ein Problem, wenn es darum geht, so etwas wie Gemeindeleben aufzubauen. Es gibt hier in Thüringen ganz einfach zu wenige Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken, um eine hauptberufliche Stelle zu finanzieren. Und es wäre ja absurd, wenn wir hauptberufliche Stellen dort einsparen, wo es größere Gemeinden gibt, und dadurch Gefahr laufen, dass dort das Gemeindeleben einschläft, um dann Extrem-Diaspora-Gebiete mit hauptberuflichen Geistlichen zu versorgen.

Moni hat natürlich recht: Auch bei uns wird nur mit Wasser gekocht. Und natürlich haben auch wir unsere konservativen Kräfte. Aber die Alt-Katholische Kirche ist eine liberale, katholische und zugegebener Weise recht kleine Kirche, in der vieles möglich ist, und die auf Grund ihrer synodalen Struktur immer auf dem Weg der Reform ist. Deswegen gibt es bei uns ja auch z.B. Frauen als Geistliche, enge ökumenische Beziehungen zu und gemeinsames Abendmahl mit anderen Kirchen oder die Möglichkeit der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Ich würde mich freuen, wenn Du Dir direkt vor Ort selber ein Bild machst. Wenn Du weitere Infos brauchst, freue ich mich natürlich auf den Kontakt.

Herzlich

Walter Jungbauer, Diakon in West-Thüringen