Buchrezension: Die Blendung von Elias Canetti

Archiv des urbia-Forums Medienwelt.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Medienwelt

Für alle Themen aus der bunten Film- und Fernsehwelt, für Diskussionen über Stars und Sternchen, großes und kleines Kino - aber auch für eine tolle Buchempfehlung ist hier der richtige Ort!

Beitrag von elodia1980 05.12.09 - 12:49 Uhr

Buchrezension: Die Blendung von Elias Canetti

Die zweifellos überzeugendste Darstellung einer wachsenden Schizophrenie, die mir jemals untergekommen ist! Bibliomane und Wissenschaftler Peter Kien hat einen an der Waffel und muss sich mit schrecklich profanen Menschen herumschlagen, die ihn voll und ganz ruinieren.
Zum Schreien komisch, ein Pandämonium unserer Gesellschaft, die überzeugende Flucht eines verschrobenen Gesunden in eine verquere und kranke Innerlichkeit.
Viele LeserInnen, sogar – selbst ernannte oder echte – Literaten beschimpfen das Buch als abartig, frauenfeindlich, eklig, unverständlich, unsinnig, schmutzig, widerlich, abstoßend. Als langweilig würde es allerdings wohl kaum jemand bezeichnen.
Das Buch besticht durch tief verwurzelte Symbolik, die klassische menschliche Schwächen deutet - Materialismus, Machthunger, enthemmte Triebhaftigkeit, die Arroganz der sogenannten Elite, zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen und schließlich den Wahn selbst als Ausweg aus einer unerträglichen und trügerischen Normalität. Echt schrill, um es mit den Worten einer begeisterungsfähigen Pubertierenden zu sagen, und dabei doch von Grund auf mit beeindruckender Wahrheit gestempelt.

Mehr Rezensionen unter: http://www.lindner-katharina.de/