Brauche Rat - Bindungsangst?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ......................... 07.12.09 - 15:16 Uhr

Hallo,

bin neu hier und habe ein Problem das mich sehr beschäftigt...
Ich habe vor 3 Monaten einen Mann kennengelernt, er ist Anfang 30, ich Ende 20. Anfangs wollte ich nur eine Affäre, da ich gerade aus einer langen Beziehung kam. Nun spüre ich aber das ich mehr für ihn empfinde. Leider kann ich ihm das nicht sagen weil die Umstände so kompliziert sind. :-(
Ich glaube das er Bindungsangst/ Angst vor Nähe hat. In manchen Situationen ist er sehr distanziert mir gegenüber, zieht sich zurück. Dann gibt es aber auch wieder Situationen in denen er bewusst meine Nähe sucht, mich küsst, umarmt, meine Hand nimmt...
Er hatte seit 8 Jahren keine Beziehung mehr, fühlt sich immer schnell eingeengt, hat Angst davor das der Partner Besitzansprüche an ihn stellt, er seine Freiheiten aufgeben muss, nicht mehr tun kann was er will etc. In einem Gespräch am Samstag hat er mir gesagt das er sehr gerne mit mir zusammen ist, ich ihm sehr viel Nähe gebe, wir ein sehr vertrautes Verhältnis zueinander haben und er es schön mit mir findet. Es spräche nichts dagegen das ich bei ihm wäre, dennoch hat er die o.g. Ängste. Er sagte es tut ihm leid dass er manchmal so abweisend ist und das eigentlich auch selbst nicht will und das es nicht an mir liegt. Ich muss dazu sagen das wir noch nicht über uns gesprochen haben, bzw. unsere "Beziehung" zueinander definiert haben. Er hat mich mal gefragt was das mit uns ist. Ich habe gesagt das ich ihn sehr gern hab und gern mit ihm zusammen bin und ich nichts plane sondern alles auf mich zukommen lasse. (So war es zu diesem Zeitpunkt auch.) Er sagte daraufhin das er ein schönes Gefühl mir gegenüber hat, es aber noch nicht einordnen kann, (das war vor etwa 6 Wochen).
Er meldet sich oft bei mir, will mich sehen, macht mir Komplimente, wir führen schöne Gespräche, unternehmen viel zusammen, verstehen uns gut - eigentlich ideale Bedingungen. Ich nehme Rücksicht auf ihn, versuche ihn zu verstehen, sein Handeln nachzuvollziehen, was mir schon manchmal schwer fällt.
Im Moment versuche ich meine Gefühle in "Schach" zu halten und nicht zuviel blicken zu lassen, aus Angst enttäuscht zu werden. Ich weiß dass das kein Dauerzustand ist und mir nicht gut tut.
Eigentlich bin ich ein offener Mensch der über seine Gefühle sprechen kann, nur jetzt ist irgendwie anders. Ich bin ratlos. Wie kann ich feststellen ob er wirklich Bindungsängste hat? (Bisher ist es ja nur meine Vermutung.) Wie verhält man sich am besten? Wer hat Erfahrungen damit gemacht?

Vielleicht hat der ein oder andere einen Rat für mich. Wäre dafür sehr dankbar!

Beitrag von kenn ich 07.12.09 - 15:30 Uhr

hallo du.

ich war auch mal mit so jemandem "zusammen". die beschreibung paßt ziemlich genau.
letztendlich war es so, daß ich mich auch immer bewußt zurückgehalten habe, obwohl ich viel mehr nähe wollte.

hab ein paar fragen:

-kennst du seine familie?
-seine freunde?
-wieviele kompromisse gehst du ein?

lg

Beitrag von ......................... 07.12.09 - 16:04 Uhr

Er kommt ursprünglich aus einer anderen Stadt, in der auch seine Familie und Freunde leben. Somit kenne ich sie nicht. Im Moment ist mir das auch noch nicht so wichtig, so lange kennen wir uns ja noch nicht. Weil wir beide beruflich eingespannt sind sehen wir uns nicht so oft, max. 1x in der Woche. Ich denke schon das ich einige Kompromisse eingehe, mich zurückhalte in Bezug auf Berührungen etc. wenn ich spüre er zieht sich zurück. Ich weiß noch nicht wie kompromissbereit ich letztlich sein kann und will, schließlich hab ich auch Bedürfnisse und ich muss auch schauen das es mir gut geht. Grundsätzlich tut er mir (noch) gut und ich fühle mich meistens auch wohl. Es sind eben diese kleinen Momente...
Mich würde interessieren wie es bei dir war und wie du mit der "Problematik" umgegangen bist. Wie ist euer Verhältnis heute?

lg

Beitrag von bruchetta 07.12.09 - 18:45 Uhr

Ich würde es so weiter laufen und IHN agieren lassen.
Mit einem Ex-Freund von mir war es genauso. Er war damals oft bei mir, wir haben viel unternommen, er wollte aber keine Beziehung (sagte er am Anfang).
Davon bin ich also die ganze Zeit ausgegangen und es war auch kein Problem für mich.
Irgendwann hat er dann die Initiative ergriffen und ich war einigermaßen verblüfft. Wir hatten dann 4 Jahre lang eine schöne Beziehung.
Hätte ich in der Anfangszeit irgendetwas in Richtung Beziehung gemacht, gesagt oder was weiß ich, wäre es wohl nichts geworden.
Viel Glück!!

Beitrag von sniksnak 07.12.09 - 18:58 Uhr

Ja also man sagt ja so schön, dass Ängste dazu da sind, sie zu überwinden! Ist er dauerhaft dazu bereit? Das würde ich klären!

Ich persönlich zähle mich auch zu den sogenannten "Bindungsphobikern", nachdem ich ziiiemlich oft böse auf die Nase gefallen bin hatte sich das so eingespielt.
Ich habe mich allerdings entschieden dagegen anzukämpfen, als ich meinen heutigen Mann kennenlernte.
Allgemein denke ich (und damit lehne ich mich vielleicht zu sehr aus dem Fenster!), dass man, wenn man der Meinung ist, dass die aktuelle Person es wert ist, diese Angst versucht zu überwinden. Mit der Person zusammen!

So, auf der anderen Seite ist es aber auch echt bequem sich auf seiner "Bindungsangst" auszuruhen. Ist irgendwie ein Modephänomen! Keine tieferen Verpflichtungen, weil man ja "Angst" hat, keine Kompromisse oder Zugeständnisse...

Mein Tipp für dich ist: Finde raus, zu welcher Kategorie er wirklich gehört! Hat er echt Angst vor Nähe? Oder genießt er vielmehr das Unverfängliche? Gerade, wenn ihr euch noch nicht so lange kennt solltest du wachsam sein.
Ich würde an deiner Stelle auch generell das Gespräch suchen und ehrlich sein. Sag ihm, dass es für dich mehr ist als eine Affäre, du ihm aber Zeit geben willst etc. Guck, wie er reagiert. Verstell dich nicht, das ist - so finde ich -einfach zu anstrengend und nicht ehrlich. Weder dir, noch ihm gegenüber wäre das fair!

LG
sniksnak

Beitrag von schwarzekatze 07.12.09 - 23:29 Uhr

Hallo,

ihr unternehmt viel zusammen, seht euch aber nur 1 x die Woche? #gruebel

Wie ist es denn, kann er dir auch Nähe geben? Gibt er dir auch was zurück? Genügt dir das, was er dir geben kann?

Also ich kann dir nur den Rat geben, gut auf dich und dein Herz aufzupassen #liebdrueck

"Ich nehme Rücksicht auf ihn, versuche ihn zu verstehen, sein Handeln nachzuvollziehen, was mir schon manchmal schwer fällt.
Im Moment versuche ich meine Gefühle in "Schach" zu halten und nicht zuviel blicken zu lassen, aus Angst enttäuscht zu werden. Ich weiß dass das kein Dauerzustand ist und mir nicht gut tut."

Da fängt es nämlich schon an. Du kannst nicht mehr so richtig du selbst sein, nimmst dich zurück aus Rücksicht auf ihn. Untergräbst deine Gefühle und Bedürfnisse.

Ich hatte eine "Art Beziehung" mit einem Bindungsphobiker. Sollte Anfangs auch nur eine Affäre sein, wurde aber bald mehr.

Es ist eine sehr lange Geschichte, die ich hier nicht ausführlich beschreiben mag und ich bin damals echt verzweifelt. Mir hat diese Beziehung nicht gut getan.
Ich liebte ihn sehr,aber er konnte mir einfach nicht das geben, was ich brauchte an Nähe, Geborgenheit, Sicherheit.

Es tut auf Dauer sehr weh, wenn sich einer abgrenzt und distanziert, man selbst steht irgendwie vor verschlossenen Türen:-( Und das in unmöglichen Momenten, ganz plötzlich, gerne auch nach besonders innigen Momenten oder schönen (!) gemeinsamen Erlebnissen.

Wenn du, so wie ich damals, die Vorstellung von einer innigen Partnerschaft hast, in der man sich vertraut und fallenlassen kann, in der man auch aufgefangen wird, bist du nach meiner Erfahrung bei so jemandem schlicht und einfach falsch. :-(

Es fängt damit an, dass man totale Rücksicht nimmt, wie und was der andere denkt, fühlt, gerne hätte, und man selbst und die eigenen Bedürfnisse stehen immer hintenan. Und endet nach vielen kleinen und großen Abweisungen mit einem angeknacksten Selbstwertgefühl.

"Wie kann ich feststellen ob er wirklich Bindungsängste hat?"

An seinen Aussagen, und die hören sich zu 100 %danach an.
Wenn du ihn als ehrlichen Menschen einschätzt, er dir das so offen sagt und du ihm glaubst, wird er wohl "echte" Bindungsangst haben. Allein die Aussage, er ist abweisend und will das eigentlich garnicht, spricht dafür.

Wäre er nur ein Bindungsunwilliger, der halt noch anderweitig durch die Gegend poppen will würde er sich glaube ich nicht so äussern und so verhalten.

Wenn du magst, kannst du mich gerne über Vk anschreiben. #herzlich

LG