Jemand Erfahrung mit Familienhelfern/Erziehungshilfen?

Archiv des urbia-Forums Allein erziehend.

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von josiecarlo 07.12.09 - 22:54 Uhr

Guten Abend,

ich hoffe ich bin hier richtig. Bin alleinerziehend mit 2 Kindern (8 + 3) und mir geht es psychisch im Moment nicht gut (Borderline-Störung). Habe vor kurzem auch schon eine stationäre Therapie gemacht. Jetzt bin ich wieder zuhause und so langsam geht es wieder los, dass mir hier alles über den Kopf wächst. Am liebsten würde ich zurück in die Klinik, aber ich kann ja nicht ewig vor allem weglaufen. In der Therapie haben sie mir schon nahegelegt, dass ich mir evtl. Hilfe beim Jugendamt holen soll. Meine Kinder sind beide nicht Verhaltensauffällig, die Große ist sogar Klassenbeste, ihr fliegt zum Glück alles zu (war heute noch beim Elternsprechtag). :-)
Der Kleine ist hat einen ganz schönen Dickkopf, aber er ist halt ein Junge. Ich weiß auch nicht genau was ich erwarte, aber manchmal hab ich einfach Angst, dass ich durch meine Ungeduld und meine Schimpferei etwas kaputt mache. Durch meine Krankheit bin ich leider auch schnell reizbar und mecker schonmal rum wenn andere vielleicht noch nichts sagen würden. :-(
Aber was machen die Leute vom Jugendamt wenn ich dort mal hingehe und nach Hilfe frage?! Ich will ja nicht, dass mir jemand meine Kinder wegnimmt!!! Vielleicht brauche ich nur jemanden der mir etwas unter die Arme greift und mir sagt wie ich in manchen Situationen anders reagieren könnte. Ach, ich weiß es auch nicht. Habe etwas Angst, dass ich in mein eigenes Unglück renne wenn das Amt erstmal über mich und meine Probleme Bescheid weiss.
Deshalb hab ich mich hier angemeldet. Vielleicht gibt es ja jemanden der schonmal in einer ähnlichen Lage war wie ich...

Danke und liebe Grüße, Mary

Beitrag von rosaschnegge 07.12.09 - 23:26 Uhr

Hallo Mary,

ich möchte Dir kurz von mir erzählen:
Ich bin seit Juni 2008 Alleinerziehend, ich habe auch zwei Kinder, der große ist 3Jahre und die kleine
1 1/2Jahre alt. Ich habe auch Psych.Probleme, gerade nach der Trennung und Neugeborenes Kind habe ich gedacht ich schaff das alles nicht. Der Vater der Kinder war nicht greifbar, weil in Stationärer Behandlung, und ich somit alleine.
Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich das alles immer perfekt sein muß und ich brauche über alles die Kontrolle und dadurch mache ich es mir auch nicht immer einfach.
Jedenfalls war ich irgendwann an nem Punkt wo ich nicht mehr konnte und ich nicht anders wusste als zum Jugendamt zu gehen. Dies wurde mir vorher von zwei anderen Personen schon geraten und dies wurde mir auch sehr positiv vorgestellt, aber ich hatte bei allem genau die selben bedenken wie du sie geschildert hast.
Als ich den Termin beim Jugendamt hatte stand ein sehr einfühlsamer Mann mir gegenüber und hörte mir einfach nur zu. Mein anliegen war es, jemanden an meine Seite zu bekommen der mich in Erziehungsfragen bestärkt und unterstützt und auch Tips gibt.
In diesem Gespräch wurde dann auch schnell klar das ich auch in anderen Punkten unterstützung benötigte. Der freundliche Herr gab mir den Rat auch eine Haushaltshile zu beantragen den wenn ich eine Sozial-Pädagogische-Familien-Hilfe (SPFH) beantrage kann dies bis zu 6Wochen dauern bis diese genehmigt und gestellt wird, so das ich im übergang wenigsten schon mal unterstützung im Haushalt hätte. Dies habe ich dann auch getan und innerhalb von einer Woche war sie da. Ich mußte gar nix mehr im Haus machen dies tat sie. Als dann meine SPFH bei mir anfing wurde es auch für mich im Umgang mit den Kindern auch wieder besser. Ich bekam positive Rückmeldungen von ihr, gute Ratschläge sowieso, sie beschäftigte sich auch mal ne Halbe Stunde oder auch mehr mit den Kindern. Sie war flexibel was Zeit und Ort anbelang und war fast rund um die Uhr erreichbar.
Ich war sehr froh sie zu haben. Sie bespricht so ziemlich alles mit einem, hilft auch in Psych.Geschichten, Beziehungsgeschichten, persönliche Probleme.
Als dann ein Jahr rum war und ich sowieso weggezogen bin, war ich sehr traurig sie nicht mehr wöchentlich bei mir zu haben, jedoch bin ich heutte immer noch im Kontakt mit ihr.

Zu Deinen Bedenken: wegen weg nehmen der Kinder, diese hatte ich am Anfang auch, aber, man hört oft nur das schlechte vom Jugendamt aber das gute hört man selten. Es muß sehr viel passieren bis die Kinder aus der Familie genommen werden und es macht auch einen sehr gute Eindruck wenn man aus eigeninitiative zum Amt geht.

Also ich kann Dir nur dazu raten, auf jeden Fall mache diesen Schritt es tut wirklich sehr gut! Ich würde es jeder Zeit wieder tun.

Darf ich fragen in welcher Stadt du lebst?

Ganz liebe Grüße Rosa

Beitrag von traumtaenzerin28 07.12.09 - 23:45 Uhr

Hallo!

Auch ich möchte Dich in Deinem Vorhaben bestärken.

Ich habe mir zwar die nötige Hilfe nicht beim Jugendamt sondern bei einer anderen Beratungsstelle geholt, möchte aber trotzdem von dieser Erfahrung berichten.

Ich bin alleinerziehende Mama einer sehr lebhaften knapp 3-jährigen Tochter. Ich bin seit der Schwangerschaft allein und zum Kindesvater besteht kein Kontakt.

Ich arbeite 30 Stunden angestellt vormittags (8-14 Uhr) und dann abends (19- ca. 24 Uhr) nochmal selbständig von zuhause.

Vor rund einem 3/4 Jahr war ich an einem Punkt, wo nichts mehr ging - und das, obwohl ich gerade aus einer Mutter-Kind-Kur kam.

Yara wurde auffällig im Kindergarten (nichts schlimmes, aber laut, mit vielen Wutausbrüchen pp.). Ich wusste nicht weiter, weil ich völlig am Ende war.

Ich bin mit Leib und Seele Mama, aber die viele Arbeit, das lebhafte Kleinkind, die Probleme mit dem Kindsvater etc. haben mich kaputt gemacht. Hinzukam eine soziale Einsamkeit, weil ich niemanden mehr hatte zum reden.

Ich habe mich dann an eine Beratungsstelle des SKF (Sozialdienst kath. Frauen) gewandt und gehe dort seit ca. 7 Monaten 1x im Monat hin. Es tut mir sehr gut. Es ist eine Soz.pädagogin - wir sprechen über Erziehungsfragen, über meine Seele, einfach alles. Allein das drüber sprechen hilft mir sehr.

Auch ich hatte anfangs Angst, dass mein Hilfegesuch irgendwelche "Konsequenzen" haben könnte, aber ich wurde eines besseren belehrt.

Ich kann Dir also nur raten, diesen Schritt zu wagen ...

Liebe Grüße, traumtaenzerin28 mit Yara (*26.02.2007)

Beitrag von linagilmore80 09.12.09 - 11:35 Uhr

Ich hatte eine SPFH, weil es hier nach meiner Trennung von meinem Ex richtig turbolent zu gegangen ist. Sie war mir eine riesen Hilfe - nach einem halben Jahr (was außergewöhnlich schnell ist), war hier wieder alles im Lot.
Daher kann ich Dir nur empfehlen: Beantrage diese Hilfe. Um Dir die Entscheidung zu erleichtern: Das Jugendamt nimmt Dir nur dann die Kinder weg, wenn Du Dich ganz offensichtlich nicht um Deine Kinder kümmerst und ihr Wohl gefährdet ist. Wenn Du Dir aber Hilfe holst - sowas wird immer gerne gesehen.

Viel Erfolg, gute Besserung und alles Gute!
Lina

Beitrag von pettypeppermint 09.12.09 - 19:02 Uhr

Vielen lieben Dank für die lieben und hilfreichen Antworten!

LG Mary