Kommunalpolitik...Erhöhung von KiGa-Gebühren

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Beitrag von betty_boop 09.12.09 - 11:14 Uhr

Hallo,

bei uns in der Gemeinde laufen alle Eltern gerade Sturm.
Unser Bürgermeister hat nach einem prognostiziertem Haushaltsdefizit von 3,5 Mio Euro für 2010 einen Sanierungsentwurf vorgelegt, der u.a. vorsieht die Kindergartengebühren drastisch zu erhöhen.

Zitat:
Die Gemeinde Schmitten vollziehe einen radikalen Wandel in ihrer Sozialpolitik. "Kindergärten sollen künftig kostendeckend arbeiten", heißt es in einem offenen Brief, den Iris Kienle gestern an Kindergärten und Politiker mailte. Ein weiterer Schritt sei die vorgesehene "drastische Erhöhung der Kindergartengebühren".[...]Monika Will von den Grünen rechnete die krasse Erhöhung von bis zu 95 Prozent um und kam auf eine Erhöhung von 2 Euro pro Stunde.

Zitat Ende

Nun kann ich einerseits verstehen, das die Gemeinde bei leeren Kassen irgendwo ansetzten muss, finde aber, das wieder Rückschritte in Sachen Familienpolitik gemacht werden.
Hier werden finanzpolitische Fehler der Vergangenheit auf dem Rücken der Familien ausgetragen.
Das ganze wird zum Teil gerechtfertigt mit der (noch nicht mal beschlossenen) Erhöhung des Kindergeldes...obwohl unterm Strich für die Familien ein dickes Minus bleibt.
Einer Diskussion mit den Eltern möchten sich die Gemeindevertreter nicht stellen.

Das ganze macht mich ziemlich ratlos, die meisten mir bekannten Mütter wütend und viele überlegen jetzt, ob man die Kinder gleich zu Hause betreut und Betreuungsgeld beantragt.
Alles in allem eine bescheidene Entwicklung. Andere Meinungen?

Betty

Beitrag von anja676 09.12.09 - 11:26 Uhr

Hallo Betty,

um dazu etwas sagen zu können, müsste man schon wissen, wie hoch die Gebühren im Durchschnitt sind.

Kinder zuhause zu lassen anstatt sie in die Kita zu geben halte ich generell aber für die schlechtere Variante, es sei denn, mein Gehalt ginge komplett für Kita-Gebühren drauf.

LG Anja

Beitrag von betty_boop 09.12.09 - 11:40 Uhr

Betreungsangebot
von 7.30 Uhr - 14.00 Uhr - 196,50 Eur (inkl. Mittagessen) nach Erhöhung 208,00 Euro ohne Mittagessen(56,- extra)
=264,00 Euro

von 7.30 Uhr - 15.00 Uhr - 230,00 Eur (inkl. Mittagessen)
nach Erhöhung 238,00 Euro ohne Mittagessen(56,- extra)
=294,00 Euro


Nun sind diese Betreuungszeiten für arbeitende Frauen ohnehin schon nicht die Wucht. Zuhause lassen würde ich meine Tochter aber auch nicht, schon alleine um ihretwillen.
Begeistert über diese saftige Erhöhung bin ich aber auch nicht.

Betty

Beitrag von mabo02 09.12.09 - 11:54 Uhr

Das ist sicherlich nicht schön aber damit muss man immer rechnen.
Bei uns sind die Beiträge dieses Jahr gesenkt worden.
Ich rechne schon damit, dass es ab nächsten Sommer wieder teurer wird.
Aber alles was unter 400 Euro ist, ist günstiger als die TM die wir 2 Jahre lang bezahlt haben, bis Junior nun in den KiGa gegangen ist.

Beitrag von anja676 09.12.09 - 11:55 Uhr

Da kann ich Dir nur zustimmen. Für mich wären diese Betreuungszeiten allerdings ganz und gar nicht machbar und ich würde mich nach einer anderen Alternative (Nachbarort? etc.) umschauen.

Allerdings habe ich diese Gebühren locker für meinen Vollzeitplatz gezahlt. Da konnte ich dann allerdings auch voll arbeiten gehen.

Da kann ich den Ärger gut nachvollziehen.

LG Anja

Beitrag von nele27 09.12.09 - 13:15 Uhr

Gehen die Gebühren nicht auch nach Gehalt??

Hier in Hamburg ist das so - und da ich die Familie derzeit allein ernähre, sind wir für einen Krippenplatz mit nur 165 Euro inkl. Frühstück und Mittagsessen für 8-18 Uhr dabei.

Wenn mein Mann wieder arbeitet, werden wir mindestens das Doppelte zahlen...

LG, Nele

Beitrag von fred_kotelett 09.12.09 - 16:10 Uhr

Bei uns gehen die Kitagebühren auch nicht nach Gehalt.

Man kann sich lediglich als Geringverdiener teilweise befreien lassen.

Beitrag von nele27 10.12.09 - 09:26 Uhr

Ich finde unser System ganz gut und gerecht.

Du musst das gesamte Gehalt der Familie angeben und davon wird erstmal Altersvorsorge, Mitgliedsbeiträge zum Berufsverband und Fahrtkosten abgezogen. Ich hab so hohe Fahrtkosten und noch Riester und so - da blieb nur noch 1700 oder 1800 anrechenbares Gehalt bei mir und bei meinem Mann eh 0 Euro.
Naja und dann geht das durch die Anzahl der Personen, bei uns zwei Erwachsene, ein Kind. Folglich wird es pro Geschwisterkind immer billiger...

LG, Nele

Beitrag von gr202 10.12.09 - 12:53 Uhr

Ich finde die Preise jetzt nicht sooo hoch, wir haben mit Mittagessen (38 euro) jeden Monat fast 400 Euro bezahlt. Ich bin trotzdem froh, daß die 4 Jahre Kita jetzt vorbei sind und wir nur noch für die Schulbetreuung zahlen müssen.

Gruß
GR

Beitrag von drachenengel 09.12.09 - 12:34 Uhr

Hallo,

nun, es sind 46,50 Euro, die monatlich für einen TAGESPLATZ mehr zu bezahlen sind, laut:
"Für Kinder, die die Schmittener Einrichtungen ganztägig besuchen, wird der Kindergartenplatz um insgesamt 46,50 Euro erhöht. " http://www.fnp.de/tzh/region/lokales/rmn01.c.6890069.de_1.htm

Sicherlich ärgerlich, aber vertretbar.

Zudem direkt auch genannt wird, dass eine Bezuschussung der Kosten für einkommensschwache Familien möglich ist.

Ich glaube nicht, dass die Unterschriftenaktion erfolgreich sein wird, ebenso leider nicht, dass die Gemeinde sich von den Eltern erpressen lassen wird.

Bundesweit ist es doch ein Witz, wie die Elternbeiträge geregelt werden, da jede Kommune selber entscheiden darf, wie und in welcher Art sie noch Aufschläge auf die vom Land festgesetzten Beiträge erhebt.

HIER würde ein Tagesplatz ab drei Jahre monatlich 400 Euro plus Essen kosten, ein U3-Platz monatlich 700 Euro zzgl Essen.

In einer fast Nachbarstadt ist der Kindergarten beitragsfrei, da die Stadt einen positiven Haushalt hat, bzw ihre Einwohner einkommensstärker sind. Tja, schade nur, dass somit Arbeitnehmer, die in der "reichen" Stadt arbeiten aber in der armen Stadt wohnen, nicht nur ihrer Heimat zuliebe Fahrkosten tragen, nein sie bluten auch noch mit höheren Kindergartenbeiträgen.

Die Überlegung mancher Mütter wegen dem Betreuungsgeld: Sorry, ein Witz oder? Nach meinem Kenntnisstand gibt es das doch, wenn denn verwirklicht, die ersten drei Jahre oder ging da ein Zug an mir vorbei?

Egal, für das breite Fördern meines Kindes, was im Kindergarten allein durch die Gruppe bereits möglich ist, würde ich die Kosten tragen, auch wenn ich nur dafür arbeite. So zahlten wir beim Grossen für 7.30-16 Uhr monatlich 400€ zzgl Essen, für 7-14 Uhr 250 € zzgl Essen, hmmm. wie es bei der Kurzen werden wird, kann noch keiner sagen.

Der Bund bzw die Länder sind hier die Verursacher. In NRW stehen manche Haushalte bereits unter starker Beobachtung durch die Bezirksregierungen etc.. die MÜSSEN teils so handeln.

Der Bund sollte die Steuerung der Kindergartenbeiträge und Kindergartenfinanzierung übernehmen, die einfachste Art:
- Streichung von Elterngeld
- Streichung von Kindergeld
- Nichteinführung der Herdheimchenprämie

DAFÜR:
- kostenlose Betreuung ab WUNSCHTERMIN
- qualitative Betreung
- kostenlose Schulbetreuung bis 17 Uhr
- kostenlose Musikschule, Turnvereine, Förderung allgemein
- kostenlose Lehrmaterialien
. kostenlose Schulfahrten, es muss nicht unbedingt der Ski-Urlaub sein, etc etc

Denn das Bestrafen der arbeitenden Eltern muss genauso aufhören wie das versteckte Bestrafen von Kindern, deren Eltern wenig Einkommen haben, gar nicht arbeiten oder sonst was, und DAS bundesweit. MEINE Meinung.
Denn nur so hätten ALLE Kinder bildungs- und förderungs-technisch die gleichen Start- Chancen.

Wer dann sein Kind lieber daheim betreuen mag, bitte der kann dann ja von mir aus die Betreuungs-Heimchen-Prämie erhalten. Obwohl ich es traurig finde, dass sich manche dafür bezahlen lassen wollen, dass sie ihr Kind die ersten drei Jahre betreuen.

Betrachten wir es wirklich mal nüchtern, sind selbst die 700 Euro für eine GUTE Ganztagsbetreuung im Monat nicht horrend... denn GUTE Arbeitnehmer haben für einen Ganztagsjob doch auch mehr als 700 Euro im Geldbeutel, sprich ihr AG muss doch auch mehr einnehmen, damit er die Arbeitgebernebenkosten tragen kann.

Die Kindergärten leiden hier in NRW vielerorts massiv, manche gehen des Geldes wegen leider mittlerweile dazu über, dass sie lieber U3-Plätze vergeben, somit weniger Regelplätze bereit haben und wer ist wieder der Depp?? Richtig, die arbeitsfreudigen Eltern, welche händeringend nach einer Betreuung suchen.

Von daher, Streichen der Kindergartengebühren gegen Wegfall von Elterngeld und Kindergeld, unser Grosser kostet allein für die Betreuung in der Schule monatlich 100 Euro mit Essen, dazu Schwimmen, Turnen, da ist das Kindergeld auch schon weg, von Klassenfahrten, Schulmaterial etc mal ganz zu schweigen.

LG
Mone

Beitrag von betty_boop 09.12.09 - 12:40 Uhr

"TAGESPLATZ" ist für die Zeit von 7.30 - 15.00 Uhr nicht der richtige Ausdruck. Bei einem Fulltimejob ist man hier zusätzlich auf private Betreuung angewiesen.

Vom Betreuungsgeld halte ich persönlich grundsätzlich nix.
Für gute Kinderbetreuung würde ich auch mehr bezahlen, aber dieses halbherzige Angebot hier.....ungern.


Betty

Beitrag von drachenengel 09.12.09 - 12:46 Uhr

wie gesagt, bei uns ist bis 16 Uhr, da bist Du auch auf zusätzliche private Organisation angewiesen.

Ich arbeite gottlob nur halb im Büro, den Rest daheim, insofern nach der Elternzeit keine Kündigung kommt.

In NRW ist es nach Std gestaffelt, der Mindestbeitrag, und dann noch nach Einkommen.
Wählen können wir zwischen 25 Wochenstunden (nur vormittags), 35 Std (entweder 7-14 Uhr oder 7.30-12.30+14 bis 16) und 45 Std (7-16)
Das Kibiz (Kinderbildungsgesetz) in NRW ist einfach nur daneben.

Manche Einrichtungen sind da flexibler, morgens später hin dafür abends länger z. B. etc..

Mone

Beitrag von betty_boop 09.12.09 - 18:10 Uhr

Hallo,

komme leider erst jetzt zum antworten. Grundsätzlich ist der Beitrag hier für alle gleich. Einkommensschwache erhalten einen Zuschuss. Eine Betreuung für unter dreijährige gibt es nicht. (Von daher ist die "Drohung" mit dem Betreuungsgeld eh ein Witz).
Wie gesagt, ich wäre schon bereit mehr zu zahlen, wenn ich mein Kind auch wirklich ganztags betreuen lassen könnte, wenn nicht ständig die Nachmittagsbetreuung wegfiele wegen Versammlungen, Feiern, Krankheit etc. (natürlich ohne Kostenerstattung) und wenn die Räumlichkeiten nicht ständig von den Eltern selbst in Schuss gehalten werden müssten. Das bringt unsere liebe Gemeindeverwaltung dann doch lieber nicht zur Sprache.

Betty

Beitrag von imagina 09.12.09 - 16:41 Uhr

Hallo!

Obwohl ich Dir inhaltlich in einigen Punkten durchaus zustimme, finde ich es absolut nicht in Ordnung wie abfällig Du Dich indirekt durch Ausdruckweisen wie "Betreuungs-Heimchen-Prämie" über Eltern äußerst, die Ihre Kinder gerne bis zum dritten Lebensjahr selbst betreuen möchten.

Wie man zum Betreuungsgeld steht ist eine Sache, aber durch solche Ausdruckweisen degradierst Du alle zu Hause betreuenden Eltern in die "naive Hausfrauchenecke". Auch wenn Du es wortwörtlich nicht so schreibst.
Sorry, musste ich nur mal loswerden!

Einen schönen Abend!

Beitrag von drachenengel 09.12.09 - 17:42 Uhr

Hallo Imagina,

ich nannte es bewusst so, denn es ist eine solche, bleibt es bei den 150 Euro im Monat als Betreuungsgeld.

Mal ehrlich, eine im Job gut situierte Frau wird wegen der 150 Euro Lohnersatz kaum daheim bleiben. Eine Frau, die ggf eh daheim ist, würde sich freuen.

Betreuungsgeld ist doch nur ein Versuch, dem Bürger schmackhaft zu machen, dass die Regierung wieder mal ein Wahlversprechen NICHT umsetzen kann.

LG
Mone

Beitrag von anja96 10.12.09 - 21:17 Uhr

Hi Mone,

genau meine Meinung in nahezu allen Punkten.

Wie ungerecht ist es denn z.B., daß in Rheinland-Pfalz der Kiga beitragsfrei ist und in Baden-Württemberg teilweise hohe Gebühren anfallen. Dabei ist Rheinland-Pfalz hochverschuldet und bekommt vom Länderfinanzausgleich Geld!!!

Wieso verstehen die Politiker nicht, daß einer durchschnittlich verdienenden Familie die 20 Euro Kindergelderhöhung nichts bringt, sondern nur die besser verdienenden vom erhöhten Kinderfreibetrag profitieren? Allerdings denke ich, daß es genau so gewollt ist!

LG, Anja

Beitrag von marion2 11.12.09 - 19:03 Uhr

Hallo,

Mone, du hast Teilzeitplätze.

Ich brauche diese Stundenzahl für meinen Teilzeitjob. Vollzeitkinder gehen deutlich länger in die Kita.

Gruß Marion

Beitrag von drachenengel 11.12.09 - 19:14 Uhr

Marion,
hier kann man maximal 45 Std in der Woche buchen! Der Rest muss privat organisiert werden, sonst hätte ich meinen Job auch hinwerfen dürfen.

Dank Netzwerk und Homeoffice-Umschaltung ging es somit.

Hier in NRW heisst Ganztags max 45 Std die Woche

Gruß

Mone

Beitrag von marion2 12.12.09 - 16:10 Uhr

Hier ist Vollzeit : mehr als 10 Stunden am Tag

Macht ja auch Sinn ;-)

Ihr lebt immer noch im Entwicklungsland - und da wollen die da oben jetzt schon den Soli abschaffen #augen dabei muss noch so viel investiert werden

Beitrag von drachenengel 12.12.09 - 20:47 Uhr

lach... der Soli war für Eueren Aufbau, Süsse net für unseren Fortschritt..

Tja, hier hast Du in den öffentlichen Einrichtungen man grad 9 Std am Tag.

Die Privaten kosten PRO Std 4,50 Euro, noch Fragen?

LG

Beitrag von marion2 13.12.09 - 14:28 Uhr

#rofl Kein Mensch weiß, wo das Geld wirklich hingeht...

9 Stunden? Da müsste unser KiG um 15 Uhr dicht machen. Und unserer hat schon verhältnismäßig unflexible Öffnungszeiten.... Noch Fragen? Ja! Warum geht ihr nicht auf die Straße??? Das sind schreckliche Zustände bei euch....#schock

Es geht ja das Gerücht, dass "im Westen" die Arbeitslosenzahlen so hoch wären wie "im Osten", wenn die Hausfrauen, die wegen fehlender Betreuung nicht arbeiten gehen können, auch alle in der Statistik stünden. Hmm, ich glaube fast, da ist was dran ;-)

LG